Donnerstag, 15. März 2018

Außenseiter

„Frl. Hasenclever, haben Sie die E-Mail denn nicht bekommen?“

Da diese Frage von Trudi gestellt wurde war mir direkt klar, daß es hier keinesfalls um unmittelbar dienstliche Belange gehen konnte.

„Nein, ich war wohl nicht im Verteiler.“ Und betont jammernd weiter: „Nie bekomme ich so etwas mit. Ich bin hier ein Außenseiter mit meinem Zimmer weit ab von allem, was vor sich geht."

Das erforderte meinerseits natürlich einer sachgerechten Ergänzung.

"Und das Zimmer hat sogar zwei Außenseiten, also sind Sie auch noch doppelter Außenseiter.“

Nun ja, eine E-Mail wäre vermutlich auch bis dorthin vorgedrungen, wenn man gewollt hätte. Aber dem sollte wohl nicht so sein. Fr. Hasenclever ist schließlich der Boss. Also ein wenig. Irgendwie. Auch wenn hinter mir auf der so genannten Fensterbank ein Schild steht, welches die offensichtlichen Verhältnisse ziemlich klarstellt.





Aber ich will da nicht engstirnig sein. Immerhin ist sie schon so weit, daß sie mich auch gelegentlich als Chef tituliert. Wie dem auch sei, in ihrer Position steht man durchaus schon mal außen vor. Dennoch sah ich mich einem inneren Bedürfnis ausgesetzt, irgendwie tröstend  partiell klarstellend weiter einzugreifen.

„Na ja, immerhin konnten Sie sich aussuchen, wo sie Ihre Kemenate einrichten wollten, als wir alle hier auf der Etage umziehen mussten, kurz nachdem Sie hier in Neustadt aufgeschlagen sind.“

Das war seinerzeit zum allgemeinen Unmut auf Dr. Strebsingers Mist gewachsen. Streng genommen war es bislang regelmäßig eine der ersten Maßnahmen eines jeden neuen Außenstellenleiters, erst mal die Besiedlung auf unserer Etage zu ändern.

Frl. Hasenclever indes wartete die Beendigung meines obig beschriebenen Gedankenganges nicht weiter ab und jammerte weiter.

„Ja, aber den Raum in der Flurmitte, den ich haben wollte, durfte ich nicht nehmen, weil der zu klein war. Das hätte Ärger mit der Berufsgenossenschaft gegeben“

Und etwas dunkel ist er auch, um es mal zu ergänzen. Heute werden in diesem Raum Container mit leeren Aktendeckeln und Rollkäfige zum Transport von Hardware geparkt. Zu etwas anderem ist der echt nicht zu gebrauchen gewesen.

„Aber Sie können sich ja trotzdem einen anderen Raum aussuchen. Wir haben doch genügend zur Verfügung.“  

Mit Blick auf den Ökoklaus, welcher sich zwischenzeitlich im Türrahmen breit gemacht hatte, kam Frl. Hasenclever der entscheidende Gedanke.

„Ja. Der Ökoklaus und Frau Wuschelpuschel sitzen haben doch ein Büro auf der Innenseite."

Der geneigte Leser sollte an dieser Stelle wissen, daß die Etage, welche unsere Büros im LASA in Neustadt aufgenommen hat, U-förmig gebaut wurde. Das fragliche Büro liegt auf der Innenseite eines der beiden U-Schenkel.

"Ich schmeiße also Frau Wuschelpuschel aus dem Raum und setze mich dann an ihren leeren Schreibtisch gegenüber vom Ökoklaus.“

Eben jener versuchte sich nun als Bedenkenträger.

„Nix da. Dann muß ich ja jedes Mal das Zimmer verlassen, wenn Sie ein Personalgespräch führen.“

Nein, soweit muß es nicht kommen. Dann hätten wir ja so etwas wie einen bewegungsaktiven Beamten in unseren Reihen. Nie verzagen, Paterfelis fragen.

„Wieso? Dreh doch einfach deine Musik auf, wie immer, wenn Frau Wuschelpuschel nicht da ist. Dann hörst du garantiert nicht, was jenseits deiner Schreibtischkante gesprochen wird.“

Ganz einfach.

In diesem Sinne, Leute: Dreht schön den Regler hoch.







Kommentare:

  1. wieso dachte ich am anfang ihres eintrages, es wäre jemand gestorben und der oder dem außenseiter hat man dies nicht mitgeteilt?
    das lied gefällt.

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  2. Enter Sandman?

    Biddeschön:

    https://www.youtube.com/watch?v=TRBNuTNWHso

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