Das Leben nimmt Wendungen. Die besonderen Jahrestage werden,
so sie denn begangen werden, anders begangen als damals. Damals, das ist die
Kurzform von „die gute alte Zeit“. Nicht, daß ich jemals besonders feierfreudig
gewesen wäre. Da bin ich familiär nicht drauf geprägt worden. Aber so einige
Details stelle ich mir an besonderen Tagen schon etwas anders vor.
Meinen fünfzigsten Geburtstag habe ich bekanntlich ganztägig
im Bett verbracht. Mit der aufkeimenden Lungenentzündung. Prima. Nun ist Hochzeitstag.
Was macht das miteinander verbundene Paar? Man geht gemeinsam zur Physiotherapie.
Mein Rücken bringt mich schon wieder um. Ich verschwinde im linken Zimmer, die
zweitbeste Ehefrau im rechten Zimmer der kleinen Praxis. Ja, ich bin schon so ein
kleiner Romantiker.
Anschließend weiter. Wocheneinkauf. Zur Feier des Tages gibt
es Mittagsfrühstück beim Türken im noch neuen örtlichen Einkaufszentrum.
Schnellimbiss. Viel zu teuer. Ein neuer Gebäudeteil wird just an jenem Tage
eingeweiht. Die B-Prominenz hat einen Auftritt. In unmittelbarer Nähe. Musik
dröhnt durch die Gänge. An sich eine gute Auswahl, aber technisch schlecht
umgesetzt. Die hat noch nichts mit dem angekündigten Auftritt zu tun.
Ohne Schminke sieht der B-Promi-Typ jetzt auch schon ziemlich
abgehalftert aus. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich mögen ihn beide
nicht. Früher habe ich mal ganz gerne gesehen, aber ich hatte mal beruflich mit
ihm zu tun. Seit dem weiß ich, daß der Typ ein Arschloch ist. Zumindest aus
meiner Perspektive. Das muß nicht am Promi-Status liegen. Es gibt auch
freundliche, bodenständig gebliebene Promis. Rebecca und ich hatten da auch mal
jemanden am Wickel, auch sehr bekannt aus Funk und Fernsehen. Der war am Telefon
trotz drohenden Ungemachs von uns wirklich freundlich. Geht doch.
Aber nicht bei dem Typen, der jetzt gleich seinen Auftritt
haben wird. Nix wie weg.
Im Laden selbst führt unser letzter Weg an das
Getränkeregal. Das von der zweitbesten Ehefrau von allen bevorzugte Getränk ist
hier in der Gegend relativ schwierig zu bekommen, da meistens zügig
ausverkauft. Also bunkern wir, was da ist. Jede Flasche einzeln. Man wünscht
sich im Laden ein hübsches Regal, weswegen der Ladenbetreiber das Personal angewiesen
hat, die Flaschen immer aus dem Sixpack rauszuholen.
Es ist sehr nervend, mehr als 20 einzelne Flaschen einzeln handhaben
zu müssen. Doch was sehe ich da: zwei Sixpacks. Das Personal wird nachlässig.
Und das an diesem besonderen Tag. Wie wir uns erinnern, wird gerade ein
weiterer Gebäudeteil feierlich eröffnet. Skandalös. Trotzdem Danke. Auch im
Namen der Kassiererin, die es damit auch etwa einfacher hat, die Flaschen zu
zählen.
Nach Räumung des Kaeffzetts von unseren Einkäufen fahre ich
allein weiter zur Spasskasse. Die zweitbeste Ehefrau von allen leidet, hat ihr
Physiotherapeut doch heute scheinbar den richtigen Nerv gefunden. Oder so in
der Art. Der Banker Spasskassenmensch ist neu in der Filiale. Eigentlich
ist hier jeder immer wieder neu, seit wir hier wohnen und von dieser Filiale
betreut werden. Das Personal wechselt ziemlich zügig und wird dabei auch immer
weniger. Die Räume bieten Platz für fünf gleichzeitig arbeitende Spasskassenmenschen.
Mehr als vier haben wir hier noch nicht gesehen, aktuell sind es regelmäßig nur
zwei. Der Spasskassenmschen erklärt mir, daß zur Erfüllung meines Ansinnens
auch die zweitbeste Ehefrau von allen anwesend sein müsse. Nun denn, da hinter
der Angelegenheit ein Termin steht, fahre ich zurück und schleppe meine
leidende Angetraute an den Schreibtisch des Spasskassenmenschen, um die Dinge
zu erledigen. Wie man das an Hochzeitstagen eben so macht.
Abends kümmere ich mich um das Essen. Drei Stunden in der
Küche herumwerkeln. Das Ergebnis: mäßig. Wie sagte die zweitbeste Ehefrau von
allen: „Da sind zu viele scharfe Komponenten drin.“ Habe ich auch gemerkt. Ich
bin frustriert. Doofes Rezept. Die wesentlichen Bestandteile des Essens sind
aber zu retten. Am nächsten Tag wird es Reste aus der gesamten Woche zu essen
geben. Auch gut.
Wenigstens lässt es sich heute gut an. Grünzeug umtopfen, Kühlschrank
neu sortieren, Mispeln zurückschneiden, Laub fegen. Mit ohne Laubbläser. Ganz
klassisch mit dem Rechen grob über den Kies des Steingartens. Macht auch genug
Lärm. Das Wetter ist angenehm spätherbstlich kühl und trocken. Lilly und Marty
schauen mir aus dem Fenster des Metzelsaals interessiert beim Schuften zu. Alles
wird schön windgeschützt zu einem Haufen aufgetürmt, damit sich dort eventuelles
Kleingetier über den Winter einnisten kann. Ich setze auf Igel. Hier laufen
einige herum. Und niemand hat mich draußen angequatscht. Auch nicht die neue
Nachbarin. Die kennt nicht mal die Worte für die jeweilige Tageszeit. Keine
Ahnung, warum. Egal.
Ein guter Start in einen Urlaubstag. So mag ich das.
wünsche einen erholsamen urlaub.
AntwortenLöschenDanke. Dieses Mal sieht es besser aus als im letzten Durchgang.
LöschenEin gelungener Hochzeitstag möglicherweise.
AntwortenLöschenZumindest nicht missraten. Ist doch auch schon was.
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