Unlängst sind beide nach mehr als einjähriger
Wohnungssuche zusammengezogen. Eine Küche haben sie noch nicht, aber die
wichtigsten Einrichtungen sind vorhanden: ein Eisschrank und eine Fritteuse,
welche nur auf dem Balkon betrieben wird. Mehr benötigt eine gute Küche auch
nicht, außer vielleicht noch einen Kühlschrank. Und eine Eiswürfelmaschine.
Wie sollte es anders sein, gibt es bei unserem
jungen Glück grundlegende Differenzen in den wichtigen Fragen menschlicher Ernährung.
Raissas Freund bevorzugt nämlich dünne Pommes, die soweit durchgebacken sind,
daß sie quasi nur noch aus Kruste bestehen, während Raissa eher die auch mir sympathischeren
dicken Pommes favorisiert, die innen noch eine gewisse Kartoffelkonsistenz besitzen
und auch geschmacklich an ihre Herkunft als Kartoffel erinnern. Um allen
Eventualitäten hinsichtlich der Pommesfrage vorzubeugen, wurde der Eisschrank
im Rahmen seiner Erstbefüllung entsprechend ausgestattet. Hier findet das Herz
alles, was es begehrt: dicke Pommes, dünne Pommes, gewellte Pommes, gekringelte
Pommes, scharf vorgewürzte Pommes und an sich alle weiteren denkbaren Variationen
käuflich zu erstehenden Packungen mit tiefgekühlten Pommes.
Während sich Raissa aus durchaus nicht uneigennützigen
Gründen in einem nicht von der Hand zu weisendem Pragmatismus unter der Woche
auch aufgrund der räumlichen Nähe zu unserem kleinen gemütlichen Büro mittags von ihrer Mutter durchfüttern lässt, steht am Wochenende alternativ auch die Mutter
ihres Freundes gerne zur Verfügung, selbiges zu übernehmen und das Pärchen
somit vor einer Pommes-Überversorgung zu bewahren. Im Laufe der Zeit hat sich
Raissa, die scharfen Speisen eher abgeneigt ist, auch an die doch etwas kräftigere
Art der Würzung, wie sie ihre künftige Schwiegermutter an den Tag legt, gewöhnt.
Die heimatliche Küche der Schwiegerfamilie bleibt eben unübersehbar.
Nun wollte die Frau Schwiegermama den beiden
auch mal etwas anderes bereiten. Sie entschied sich dazu, zum ersten Mal in
ihrem Leben eine Bolognese-Sauce zu kochen.
„Und weißt du was?!“ fragte mich Raissa,
nachdem sie mir im Büro davon erzählt hat.
„Was denn?“
„Sie kam da mit 250 Gramm Hackfleisch. Für uns
alle.“
„Oh.“
„Ja. Das ist ja fast so, also wollte man mit
80 Gramm Käse eine Lasagne machen.“
Eine wahrlich schreckliche Vorstellung. Aber
der gute Wille hat gezählt. Und ich bin sehr zuversichtlich, daß die Grundlage
der Sauce beim nächsten Versuch etwas fleischlastiger sein wird.
Ganz bestimmt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Es ist erlaubt und gewünscht, meine Beiträge zu kommentieren. Die Kommentare werden von mir moderiert. Kein Kommentar wird freigeschaltet, ohne daß ich ihn zuvor gelesen habe. Solltest du also vorhaben, hier herumzupöbeln, zu trollen oder dich sonst wie unangemessen zu äußern, so empfehle ich dir, die Arbeit zu sparen.
Haltet euch bitte an die Grundsätze eines anständigen Miteinanders, damit wir hier eine schöne Zeit zusammen verbringen können.
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.