Donnerstag, 15. November 2018

Zweihundertfünfzig - plusminus ein paar Kleine

Raissa lebt in einer Beziehung. Ihr Freund studiert Informatik und ist das einzige Kind einer türkischstämmigen Familie. An sich hat seine Herkunft für mich keine weitere Bedeutung, ist für die aktuelle Geschichte aber doch schon von einem gewissen Interesse.

Unlängst sind beide nach mehr als einjähriger Wohnungssuche zusammengezogen. Eine Küche haben sie noch nicht, aber die wichtigsten Einrichtungen sind vorhanden: ein Eisschrank und eine Fritteuse, welche nur auf dem Balkon betrieben wird. Mehr benötigt eine gute Küche auch nicht, außer vielleicht noch einen Kühlschrank. Und eine Eiswürfelmaschine.
Wie sollte es anders sein, gibt es bei unserem jungen Glück grundlegende Differenzen in den wichtigen Fragen menschlicher Ernährung. Raissas Freund bevorzugt nämlich dünne Pommes, die soweit durchgebacken sind, daß sie quasi nur noch aus Kruste bestehen, während Raissa eher die auch mir sympathischeren dicken Pommes favorisiert, die innen noch eine gewisse Kartoffelkonsistenz besitzen und auch geschmacklich an ihre Herkunft als Kartoffel erinnern. Um allen Eventualitäten hinsichtlich der Pommesfrage vorzubeugen, wurde der Eisschrank im Rahmen seiner Erstbefüllung entsprechend ausgestattet. Hier findet das Herz alles, was es begehrt: dicke Pommes, dünne Pommes, gewellte Pommes, gekringelte Pommes, scharf vorgewürzte Pommes und an sich alle weiteren denkbaren Variationen käuflich zu erstehenden Packungen mit tiefgekühlten Pommes.
Während sich Raissa aus durchaus nicht uneigennützigen Gründen in einem nicht von der Hand zu weisendem Pragmatismus unter der Woche auch aufgrund der räumlichen Nähe zu unserem kleinen gemütlichen Büro mittags von ihrer Mutter durchfüttern lässt, steht am Wochenende alternativ auch die Mutter ihres Freundes gerne zur Verfügung, selbiges zu übernehmen und das Pärchen somit vor einer Pommes-Überversorgung zu bewahren. Im Laufe der Zeit hat sich Raissa, die scharfen Speisen eher abgeneigt ist, auch an die doch etwas kräftigere Art der Würzung, wie sie ihre künftige Schwiegermutter an den Tag legt, gewöhnt. Die heimatliche Küche der Schwiegerfamilie bleibt eben unübersehbar.
Nun wollte die Frau Schwiegermama den beiden auch mal etwas anderes bereiten. Sie entschied sich dazu, zum ersten Mal in ihrem Leben eine Bolognese-Sauce zu kochen.
„Und weißt du was?!“ fragte mich Raissa, nachdem sie mir im Büro davon erzählt hat.
„Was denn?“
„Sie kam da mit 250 Gramm Hackfleisch. Für uns alle.“
„Oh.“
„Ja. Das ist ja fast so, also wollte man mit 80 Gramm Käse eine Lasagne machen.“
Eine wahrlich schreckliche Vorstellung. Aber der gute Wille hat gezählt. Und ich bin sehr zuversichtlich, daß die Grundlage der Sauce beim nächsten Versuch etwas fleischlastiger sein wird.
Ganz bestimmt.

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