Donnerstag, 8. November 2018

Paterfelis spielt - aber etwas fehlt

Nach längerer Zeit geht es weiter in der für mich wichtigen „Paterfelis spielt“-Reihe. (Ich muß hier unbedingt mal ein eigenes Label für diese speziellen Einträge einpflegen). Wie die eingefleischten Blogleser wissen, ist das Spielen ein für mich eine sehr elementare Möglichkeit, um mit anderen Menschen gesellig Zeit zu verbringen. Nach dem Ende meiner Tabletop-Phase im Jahr 2012 hatte ich zweigleisig versucht, wieder Spielerunden zu etablieren. Da wäre zunächst das Spielen im Büro nach Feierabend. Eine Zeit lang bestand eine Blood Bowl-Runde. Zu meinem großen Bedauern entwickelte sich diese nicht weiter. Der harte Kern reduzierte sich auf Sven, Frl. Hasenclever, Mandy und mich.

Zur Erinnerung: Blood Bowl ist ein miniaturenbasiertes, leicht ironisches Brettspiel, bei dem verschiedene Völker aus dem Fantasy-Genre in einer Art Football-Match gegeneinander antreten. Ein Spiel besteht aus zwei Halbzeiten zu je acht Zügen. Es lässt sich eine Liga aufbauen, in dem die Ergebnisse eines Spieles Auswirkungen auf das nächste haben. Diese Spielform zu erreichen war Sven und mein Ziel. Leider ist es uns nicht gelungen, alle Beteiligten so weit zu bringen, daß es auch nur ansatzweise ins Auge zu fassen wäre, auf diese Weise zu spielen. Bis zum Schluß zeigte sich eher, daß wir auch nur über eine zu Ende gespielte Halbzeit nicht hinauskommen würden. Ein Liga-Spiel mit den entsprechenden Nachbereitungen der Spiele erfordert jedoch eine gewisse häusliche Vorarbeit sowie zumindest den Abschluss eines Spieles an einem Tag. Es fehlte an der Zeit und dem Durchhaltewillen. Heute spielen wir alle paar Monate einen Durchgang, das war es.

Dann wäre da noch die „normale“ Spielerunde im Büro. Nach einer Unterbrechung von einigen Monaten haben Sven und ich diese nochmals ins Leben gerufen. Wenn man den Leuten hinterherrennen muß, im Vorfeld gerne ein paar Zusagen hätte, um planen zu können und Antworten erhält wie „Ich weiß noch nicht, vielleicht habe ich ja bis dahin noch etwas besseres vor.“,oder um jede Viertelstunde kämpfen muß, welche die Kollegen unbedingt noch länger arbeiten müssen, um den Monat noch statistisch zu retten, dann verliert mal schon die Motivation. Aber zumindest jetzt haben wir eine Runde aus neun Interessierten zusammen. Vielleicht wird der neue Durchgang ja stabiler. Dabei beschränken sich die Runden auf einige Kartenspiele oder andere, eher einfachere Brettspiele.

Da wir im Büro nicht unbegrenzt Zeit haben, schließlich können wir nicht vor dem frühest möglichen Feierabend beginnen und müssen zum offiziellen spätesten Büroschluß draußen sein, gibt es noch die häusliche Runde bei mir im Metzelsaal. Meistens spielen wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit zwei oder drei Spiele, die auch mal etwas anspruchsvoller sein können. Die Betonung liegt auf etwas. Der Zeitfaktor hängt immer im Nacken. Die Kollegen erscheinen gegen 14 Uhr, dann werden erst mal bis 15 Uhr Mettbrötchen oder ähnliches verdrückt und gequatscht. Die Spielzeit endet meistens gegen 19.00 Uhr. Sven muß mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Hause, Raissa ebenso, hat es aber nicht ganz so weit wie er. Ludwig fährt am Wochenende zu seinen Eltern in das Heimatdorf hinter dem Wald ins örtliche Gebirge, und Frl. Hasenclever zeigt sich auch regelmäßig erschreckt, wenn es mal länger wurde und sie ich vor 20.00 Uhr noch nicht auf der Rennstrecke nach Hause befindet.

Es gibt aber zahlreiche Spiele, die potentiell auch etwas mehr Zeit erfordern. So hatte ich unlängst mal einen Halloween-Sonderspieltag ins Auge gefasst. Vor meinem inneren Auge baute sich ein mit entsprechender – bei uns reichlich vorhandener – Halloween-Deko umgestalteter Metzelsaal auf, und natürlich hätte es auch ein passendes Buffet gegeben. Es wurde reges Interesse bekundet. Nur der Termin war so eine Sache. Der eigentliche Halloween-Abend war aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen. Frl. Hasenclever hatte Urlaub und sollte sich eher Abseits von unserem Teil der menschlichen Zivilisation befinden, was nebenbei auch stets bedeutet, daß ich als ihr Vertreter im Büro anwesend sein muß. Eine schlechte Voraussetzung für eine längere Abendgestaltung. Außerdem hatte die zweitbeste Ehefrau von allen auch an diesem Abend ihre Kurse zu geben, so daß sie ebenfalls ausgefallen wäre. Zu bezweifeln wäre ebenfalls gewesen, daß Sven so lange von zu Hause Ausgang bekommen hätte.

Also fixierte ich den vorab lose mündlich besprochenen Plan nochmals schriftlich in unserer eigens eingerichteten WhatsApp-Gruppe, erläuterte das Terminproblem und bat um alternative Vorschläge. Meinerseits gab es keine Einschränkungen, da ich an Wochenenden meistens Zeit habe und auch bei der zweitbesten Ehefrau von allen so gut wie keine Wochenendtermine mehr anstanden. Die Reaktion war gleich Null. So etwas hasse ich ja. Nach einigen Tagen maulte ich in der Gruppe aus einem ähnlichen gegebenen Anlass zu dem Thema mal etwas herum. Ich bekam als einzige Antwort, daß man auf Halloween keine Zeit habe, da man ortsabwesend sei.

Das war jetzt nicht die Antwort auf meine Fragestellung. Also erklärte ich die Veranstaltung für erledigt. Wenn man es nicht mal für nötig befindet, den Eingangseintrag richtig zu lesen, interpretiere ich es als Desinteresse und fertig. Da bin ich stur. Ich renne niemanden hinterher.

Die normalen, turnusmäßigen Runden laufen wie gehabt weiter.

Es gab auch mal einen Versuch durch Sven und mich, das Thema Tabletop nochmal wiederzubeleben. So baute ich eine ordentliche Spielplatte von 120 x 120 cm auf. Es entstand eine durch eine Katastrophe zerstörte Stadt aus einer Fantasywelt,in der zwei Banden auf Schatzjagd gingen und sich dabei bekämpften. Sven und ich ließen Frl. Hasenclever und Ludwig gegeneinander antreten, wir beide als erfahrene Spieler coachten sie dabei. Das Spiel wurde bis zu Ende gespielt, war aber auch eher unbefriedigend. Während Frl. Hasenclever sich von der Komplexität des Spielfelds überwältig und damit auch überfordert zeigte, erwies sich Ludwig eher als Kind der Online-Ego-Shooter-Generation. Er wollte nur siegorientiert spielen, aus der Distanz von hinten ungefährdet und ohne eigenes Risiko auf den Gegner schießen, Nahkämpfe vermeiden und überhaupt nur mit Komplettausrüstung ins Gefecht ziehen. Doch so funktioniert ein stimmungsvolles Tabletop-Spiel nicht. Hier ist auch eine Geschichte zu erzählen, insbesondere bei Austragen einer Kampagne. Es war aussichtslos.

Es ist schön für mich, daß ich wieder regelmäßig spiele. Die Spiele bereiten mir auch Freude, das steht außer Zweifel. Die Nervosität vor den Zusammenkünften, egal ob im Büro oder zu Hause, bleibt. Ich werde es nie als Selbstverständlichkeit betrachten und im Vorfeld entspannt an die Sache herangehen. Ich benötige einige Tage - auch innere - Vorbereitung, selbst wenn ich deswegen von anderen belächelt werde. Damit kann ich leben.

Aber es fehlt mir auch etwas. Ich vermisse bei den Spielen, die wir austragen, die Zeit der Vorberitung und Planung, das Epische und die mentale Erschöpfung am Ende, wie es aus meiner Sicht nur komplexere, zeitintensivere Spiele wie ein Tabletop bieten können.

Mit diesen Erfahrungen steht für mich erneut fest, daß meine Tabletop-Karriere definitiv beendet ist. Meine Tabletop-Materialien werde ich nie weggeben, aber sie werden sicher verstaut im Regal und im Keller-Keller ihre Zeit absitzen. Genau wie meine Modellbahnsammlung nie wieder fahren wird.

Aber man kann nicht alles haben.




10 Kommentare:

  1. spieleabende kann ich nur bedingt ertragen.

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  2. Man kann nicht alles haben, stimmt, aber einen schönen Batzen schon.

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    1. In meiner zutiefst bescheidenen Art nehme ich auch den.

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  3. Ich bin ein wenig spät dran, aber was hälst du von Pen & Paper?
    Ist ja mMn. zumindest verwand mit Tabletop.

    Ich hatte da ein ähnliches Problem wie du, ich wollte spielen habe aber keine leute zusammen bekommen. Hatte mich daher mal online umgesehen und bin auf www.drachenzwinge.de gestoßen.

    Dort kann man mittels einiger Hilfsmittel zusammen mit anderen Rollenspiele spielen. Das macht das ganze viel flexibler und man findet fast immer gleichgesinnte.

    Vielleicht ist das ja auch was für dich.

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    1. Interessanter Link. An Rollenspielen habe ich mich schon versucht, unter anderem mit unserer Tabletop-Gruppe und Sven als Spielleiter. Also durchaus mir vertraute oder bekannte Personen. Aber ich komme da nicht so richtig aus mir raus. Das war nichts für mich. Mit unbekannten Personen würde es noch weniger funktionieren, auch wenn es "fernmündlich" stattfindet.

      Allerdings bin ich aus der Sicht des Betrachters von außen durchaus immer wieder fasziniert von Rollenspielen. Ich lese gerne derartige Regelwerke und Abenteuer und auch Romane, die letztendlich auf Ideen des Rollenspiels basieren, wie z. B. die Traumpark-Romane von Larry Niven. Da kann ich nicht genug von bekommen. Ich lese die immer wieder.

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    2. Mir hat es tatsächlich geholfen den leuten nicht gegenüber zu sitzen und ich bin auch nicht der beste rollenspieler, habe aber dennoch bisher immer nur gutes feedback bekommen. man kann sich ja auch einen ruhigen charakter erstellen ;-) und es gibt auch gruppen die ihr gewicht weniger aufs rollenspiel legen als auf würfeln und kämpfen.
      es ist aber auch gängige praxis sich einfach als stiller zuhörer zu anderen runden dazu zu gesellen und deren spielen zu lauschen, wenn dich das mehr interessiert.

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    3. Vielleicht höre ich wirklich mal rein. :-)

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