Freitag, 23. November 2018

So Tage eben

Das Leben nimmt Wendungen. Die besonderen Jahrestage werden, so sie denn begangen werden, anders begangen als damals. Damals, das ist die Kurzform von „die gute alte Zeit“. Nicht, daß ich jemals besonders feierfreudig gewesen wäre. Da bin ich familiär nicht drauf geprägt worden. Aber so einige Details stelle ich mir an besonderen Tagen schon etwas anders vor.

Meinen fünfzigsten Geburtstag habe ich bekanntlich ganztägig im Bett verbracht. Mit der aufkeimenden Lungenentzündung. Prima. Nun ist Hochzeitstag. Was macht das miteinander verbundene Paar? Man geht gemeinsam zur Physiotherapie. Mein Rücken bringt mich schon wieder um. Ich verschwinde im linken Zimmer, die zweitbeste Ehefrau im rechten Zimmer der kleinen Praxis. Ja, ich bin schon so ein kleiner Romantiker.

Anschließend weiter. Wocheneinkauf. Zur Feier des Tages gibt es Mittagsfrühstück beim Türken im noch neuen örtlichen Einkaufszentrum. Schnellimbiss. Viel zu teuer. Ein neuer Gebäudeteil wird just an jenem Tage eingeweiht. Die B-Prominenz hat einen Auftritt. In unmittelbarer Nähe. Musik dröhnt durch die Gänge. An sich eine gute Auswahl, aber technisch schlecht umgesetzt. Die hat noch nichts mit dem angekündigten Auftritt zu tun.

Ohne Schminke sieht der B-Promi-Typ jetzt auch schon ziemlich abgehalftert aus. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich mögen ihn beide nicht. Früher habe ich mal ganz gerne gesehen, aber ich hatte mal beruflich mit ihm zu tun. Seit dem weiß ich, daß der Typ ein Arschloch ist. Zumindest aus meiner Perspektive. Das muß nicht am Promi-Status liegen. Es gibt auch freundliche, bodenständig gebliebene Promis. Rebecca und ich hatten da auch mal jemanden am Wickel, auch sehr bekannt aus Funk und Fernsehen. Der war am Telefon trotz drohenden Ungemachs von uns wirklich freundlich. Geht doch.

Aber nicht bei dem Typen, der jetzt gleich seinen Auftritt haben wird. Nix wie weg.
Im Laden selbst führt unser letzter Weg an das Getränkeregal. Das von der zweitbesten Ehefrau von allen bevorzugte Getränk ist hier in der Gegend relativ schwierig zu bekommen, da meistens zügig ausverkauft. Also bunkern wir, was da ist. Jede Flasche einzeln. Man wünscht sich im Laden ein hübsches Regal, weswegen der Ladenbetreiber das Personal angewiesen hat, die Flaschen immer aus dem Sixpack rauszuholen.

Es ist sehr nervend, mehr als 20 einzelne Flaschen einzeln handhaben zu müssen. Doch was sehe ich da: zwei Sixpacks. Das Personal wird nachlässig. Und das an diesem besonderen Tag. Wie wir uns erinnern, wird gerade ein weiterer Gebäudeteil feierlich eröffnet. Skandalös. Trotzdem Danke. Auch im Namen der Kassiererin, die es damit auch etwa einfacher hat, die Flaschen zu zählen.

Nach Räumung des Kaeffzetts von unseren Einkäufen fahre ich allein weiter zur Spasskasse. Die zweitbeste Ehefrau von allen leidet, hat ihr Physiotherapeut doch heute scheinbar den richtigen Nerv gefunden. Oder so in der Art. Der Banker Spasskassenmensch ist neu in der Filiale. Eigentlich ist hier jeder immer wieder neu, seit wir hier wohnen und von dieser Filiale betreut werden. Das Personal wechselt ziemlich zügig und wird dabei auch immer weniger. Die Räume bieten Platz für fünf gleichzeitig arbeitende Spasskassenmenschen. Mehr als vier haben wir hier noch nicht gesehen, aktuell sind es regelmäßig nur zwei. Der Spasskassenmschen erklärt mir, daß zur Erfüllung meines Ansinnens auch die zweitbeste Ehefrau von allen anwesend sein müsse. Nun denn, da hinter der Angelegenheit ein Termin steht, fahre ich zurück und schleppe meine leidende Angetraute an den Schreibtisch des Spasskassenmenschen, um die Dinge zu erledigen. Wie man das an Hochzeitstagen eben so macht.

Abends kümmere ich mich um das Essen. Drei Stunden in der Küche herumwerkeln. Das Ergebnis: mäßig. Wie sagte die zweitbeste Ehefrau von allen: „Da sind zu viele scharfe Komponenten drin.“ Habe ich auch gemerkt. Ich bin frustriert. Doofes Rezept. Die wesentlichen Bestandteile des Essens sind aber zu retten. Am nächsten Tag wird es Reste aus der gesamten Woche zu essen geben. Auch gut.

Wenigstens lässt es sich heute gut an. Grünzeug umtopfen, Kühlschrank neu sortieren, Mispeln zurückschneiden, Laub fegen. Mit ohne Laubbläser. Ganz klassisch mit dem Rechen grob über den Kies des Steingartens. Macht auch genug Lärm. Das Wetter ist angenehm spätherbstlich kühl und trocken. Lilly und Marty schauen mir aus dem Fenster des Metzelsaals interessiert beim Schuften zu. Alles wird schön windgeschützt zu einem Haufen aufgetürmt, damit sich dort eventuelles Kleingetier über den Winter einnisten kann. Ich setze auf Igel. Hier laufen einige herum. Und niemand hat mich draußen angequatscht. Auch nicht die neue Nachbarin. Die kennt nicht mal die Worte für die jeweilige Tageszeit. Keine Ahnung, warum. Egal.

Ein guter Start in einen Urlaubstag. So mag ich das.




4 Kommentare:

Es ist erlaubt und gewünscht, meine Beiträge zu kommentieren. Die Kommentare werden von mir moderiert. Kein Kommentar wird freigeschaltet, ohne daß ich ihn zuvor gelesen habe. Solltest du also vorhaben, hier herumzupöbeln, zu trollen oder dich sonst wie unangemessen zu äußern, so empfehle ich dir, die Arbeit zu sparen.

Haltet euch bitte an die Grundsätze eines anständigen Miteinanders, damit wir hier eine schöne Zeit zusammen verbringen können.

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.