Mittwoch, 3. September 2014

Sonntag (2) - Katzen, Krallen, Künstlerseelen

Ihr kennt Sammy und Kitty noch nicht. Sammy und Kitty sind erbitterte Feinde von Mohrle. Darf man eine schwarze Katze heute noch Mohrle nennen? Neger darf man ja auch nicht mehr sagen. Weiß ich gerade nicht, aber ist ja auch egal. Mohrle heißt nunmal Morhle.Und nicht Negerle. Dann hätte ich mir wohl was ausdenken müssen. Mohrle lasse ich einfach mal so stehen. Jedenfalls ist Mohrle wiederum die unter anderem im Garten meiner Schwiegereltern herumlaufende, von irgendwoher stammende Freigängerkatze, während Sammy und Kitty die hauseigenen und damit ins solche gehörenden Katzen meiner Schwiegereltern sind. Mohrle steht sowohl mit Sammy und Kitty als auch mit meinen Schwiegereltern in keiner weiteren engeren persönlich zugewandten Bindung. Ich denke, damit sind die wesentlichen euch bislang unbekannten Protagonisten der folgenden Geschehnisse hinreichend vorgestellt.

Um dem Umstand Rechnung zu trage, daß Sammy und Kitty reine Wohnungskatzen sind und dieses auch bleiben sollen, wurde die Terrassentür des schwiegerelterlichen Hauses vor vielen Jahren mit einem Katzennetz versehen. Das erleichtert das Offenhalten besagter Tür zwecks Frischluftzufuhr ungemein, was ein nicht ganz unbedeutendes Ansinnen ist. Denn das Haus, in dem meine Schwiegereltern ansässig sind, verfügt nicht über die 22 Fenster, mit der unsere eigene Wohnung verflucht gesegnet ist.

Zu unserem Bedauern wurde meiner Angetrauten und mir anlässlich unseres aktuellen Besuches mitgeteilt, daß man die Terrassentür heuer auf keinen Fall geöffnet halten könne, da ansonsten die akute Gefahr bestünde, daß Kitty einen unerlaubten Gang nach draußen unternehme. Dies sei unlängst bereits vorgekommen. Mohrle hatte ihr diese Gelegenheit verschafft. Als sie auf ihrem Patrouillengang über die Terrasse Sammy und Kitty auf der anderen Seite der Tür gesehen hatte, meinte sie, mal wieder den dicken Max markieren zu müssen. Ihre damit einhergehende Attacke gegen die Beiden führte dazu, daß das bereits etwas spröde Katzennetz an einigen Stellen nunmehr unerwünschte zusätzliche Löcher aufwies, welche immerhin so groß waren, der zierlich geratene Kitty den Weg nach draußen zu ermöglich.

Um nun nicht in verbrauchter, stickiger Luft umzukommen beschloss meine Angetraute, diese Löcher mit vorhandenen Kabelbindern provisorisch zu flicken. Das Werk könnt ihr auf dem nachfolgenden Bild in Augenschein nehmen. Vor dunklem Hintergrund sind die Kabelbinder übrigens besser zu erkennen.


Katzennetz, Fliegennetz, Kabelbinder und Sammy


Wie die zweitbeste Ehefrau von allen bemerkte, hat das Ergebnis durchaus etwas Künstlerisches. Vielleicht könne man es auch für einen Haufen Geld verkaufen, wenn die Installation am bisherigen Platz nicht mehr vonnöten sei.

„Liebe Angetraute,“ begann ich meine wohlmeinenden Hinweise, „Kunst ist das erst, wenn du es erklären kannst.“

„Hm, da fällt mir gerade aber nicht viel ein.“

„So? Also wenn du mich fragst, erkenne ich da eindeutig eine Kritik an die degenerierte, kapitalverseuchte, kriegslüsterne und zutiefst amoralische Gesellschaft, welche sich wie ein Krebsgeschwür ausweitet und die letzten Klardenkenden unter uns mit seinen Metastasen zu verschlingen droht. Wer das in der von deiner Qual und innerem Aufbegehren getriebenen, derart manifestierten Installation nicht kraft eigener Erkenntnis wahrzunehmen vermag, dem musst du es auch nicht mehr darlegen, denn dann gehört er ebenfalls schon zu den Verlorenen dieser Welt. Und die Verständigen werden es von alleine begreifen, ja es wird sich einem Feuer gleich in ihr Innerstes brennen. Ganz klare Sache.“

Gebote bitte auf den bekannten Wegen an mich. Diskretion wird zugesichert. Keine Abwicklung über schweizerische oder luxemburgische Konten.


(wird fortgesetzt)




16 Kommentare:

  1. Es brennt schon in mir und wie ... und ich würde es ganz sicherlich zu einem angemessen horrenden Preis erwerben, wenn ich denn Katzen hätte, die es selbstverständlich gilt künstlerisch davor zu drapieren, um den Effekt des Werkes noch zu verstärken.
    Gruß vonner Grete

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    1. Ohne wäre es natürlich nur unvollständig, das ist wohl richtig. Ich bemerke Kunstverstand.

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  2. Hätte ich Dich doch letztens in der Pinakothek der Moderne dabei gehabt!!! Ich hätte dringend eine Erklärung des Bildes des allseits geschätzten Herrn Dalí "Das Rätsel der Begierde - Meine Mutter, Meine Mutter, Meine Mutter" benötigt! Ich war nach dem Betrachten des Bildes so verstört, dass ich nur mit Mühe und Not den Ausgang finden konnte. Auch des Bildens ganzer Sätze war ich nicht mehr fähig...Zum Glück geleiteten mich meine Schwester und mein Schwager nach draußen, damit ich an der frischen Luft wieder zu Bewusstsein kommen konnte...

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    1. Ja, da kann man mal sehen, wie einen so etwas aus der Spur werfen kann. Und du machst mich natürlich auch gleich auf etwas aufmerksam: Das Werk hat noch keinen Namen. Wie wäre es mit "Das Namenlose in moll"?

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    2. Ich würde vorschlagen: "Das Rätsel des Blicks in die Ferne, Meine Katze, Meine Katze, Meine Katze!!!"

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    3. Fehlt da nicht die Dramatik? Immerhin geht es um den drohenden Weltuntergang. Oder steckt da wieder ein tieferer Gedanke hinter? Könnte nicht mal jemand eine Schulklasse eine Interpretation schreiben lassen?!

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  3. Da bin ich ja nicht der einzige bei dem sich die Katzen in verschiedene Lager teilen.
    Lager 1: schwarze Diva-4 Jahre, Perserianer
    Lager 2: die "Gang", 1xgraue Perserianer und der Gangleader 1 Bengalkater

    Immer feste auf die Diva. Obwohl der Bengalkater gerne mal kuscheln würde mit der Diva aber immer eine auf die Nase bekommt. Dafür jagt er sie im Affenzahn durch die Bude. Die graue Perser als Gangmitglied vom Bengal macht alles was er "sagt"...

    Nicht das du denkst: was ist das für einer, hat nur Rassekatzen. Hat sich so ergeben.

    zuerst türkisch Angora ( Name: Kümmel - von Kümmeltürke )aus dem Tierheim. Dazu die Perser ( grau ) gekauft damit er nicht so allein. Angora wurde überfahren. graue Perser allein. schwarze Perser vom "Züchter" in schlimmen Zustand freigekauft. Verträgt sich nicht mit grauer Perser. Bengalkater ( hat nur ein Auge und ne krumme Pfote ) vor dem Totspritzen gerettet und ist bester Freund von der grauen.
    Sehr Kompliziert.
    Noch die Namen: schwarze Perser-->Itchy ( von den Simpsons- meine Jungs sind Simpsonfans )
    graue Perser-->Scratchy ( Simpsons )
    Bengal--> Tigger
    Nun rate mal was ich den Kindern früher für ein Buch vorgelesen habe und sie danach den Bengal benannt haben?

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    1. Hmm, ist ja ein ganz schönes Gewusel bei euch.

      Tigger hört sich nach dem Buch an, welches ich erst im späteren Alter kennengelernt habe. Das ist in meiner Kindheit tatsächlich nicht vorgekommen. Vielleicht kann ich heute deswegen damit nicht mehr so viel anfangen. Aber hinter Itchy und Scratchy kann ich zu 100 % stehen. :-D

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    2. Tigger-->Puh der Bär

      " Das ist Fantastiggerisch..."

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  4. Bekomme ich es auch massgeschneidert für unsere Terassentüre?
    Dann kaufe ich das Kunstwerk.

    Momentan ist der "Rote" abends sehr unruhig und laut, traut sich die getigerte (oder der?) bei Dunkelheit doch tatsächlich in das andere Revier.

    22 Fenster haben wir zwar nicht, dennoch so viele das man/Frau aufpassen muss den Kater bei seinen Kontrollgängen zwischen den Fenstern nicht über den Haufen zu rennen, oder er uns. Bevorzugt wenn ich einen volle Kaffeetasse in der Hand halte. :-)

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    1. Würdest du die Mona Lisa zurechtschneiden? Also wirklich...

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    2. Wenn sie dann besser in den Bilderrahmen passt - klar.
      Da muss Frau ganz pragmatisch denken/handeln.
      Ein wenig Verlust ist immer…

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  5. Uh,
    das Katzennetz ist das helle, außerhalb des Fliegengitters, nehm ich an? Und durch die schon vorhandenen Löcher kommen die Katzen nicht durch? Ich glaub, unsere hätte da schon eine Lösung gefunden ...

    Einen Namen für dieses Kunstwerk habe ich natürlich auch vorzuschlagen - wie wäre es mit:
    Verwirbelte Luft im Hellen Quadrat?

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    1. Ein durchaus bemerkenswerter Titel, welcher den Betrachter von der eigentlichen Inspiration ablenkt und erst später das Schonungslose seines Selbst offenbart. Ja, durchaus bemerkenswert.

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  6. Ich bin für "Ambivalenz.Standfläche.Perspektive." Gern noch mit "Katze, Katze, Katze" dahinter, und steurere zur Komplettierung des Werks noch "Ambivalenz, Standfläche, Perspektive 1A" bei. Das ist bei mir zum Zwecke des Katzen-Drinhaltens am Balkon befestigter Maschendraht. Selbstverständlich MIT Kabelbindern. Deren Enden stehen höchst künstlerisch in alle Richtungen ab.

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    1. Daß ich auf diesen Titel nicht von alleine gekommen bin. Unglaublich.

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