Im Gegensatz zu unserer Außenstelle in Neustadt befinden sich in der LASA-Hauptverwaltung in Bad Husten gemütliche Pausenbereiche, eine Kantine sowie eine angeschlossene Cafeteria. Das Angebot war schon zu der Zeit, in der ich selbst noch in der Hauptverwaltung gearbeitet habe, ausnehmend vielfältig und wurde in den letzten Jahren nochmal deutlich ausgeweitet. Die Preise sind für eine Kantine zwar nicht mehr am unteren Rand des bekannten Gefüges, aber immer noch günstig. Die Versuchung, täglich Frühstück und Mittagessen vor Ort zu kaufen ist groß und würde alleine schon aufgrund der regelmäßigen Wiederholungen doch meinen nicht vorhandenen Geldberg dramatisch reduzieren. Da kann das so günstig sein wie es will.
Zu meiner Sturm- und Drangzeit, also kurz nach dem letzten Knüppelkrieg, bestand das Standardgericht männlicher Auszubildender aus Pommes und einer großen Bockwurst. Weibliche Auszubildende bevorzugten ganz klischeehaft Grünzeug. Ein Großereignis auch über den kulinarischen Horizont der Auszubildenden hinaus lag immer vor, wenn es alle paar Monate mal Currywurst gab. Die erwies sich als Renner des Tages. Heute gibt es neben zahlreichen hochwertigeren und raffinierteren Angeboten auch regelmäßiger diese Currywurst; die Bockwurst ist aus dem Angebot meines Wissens nach verschwunden. Macht nichts, so gut war die auch nicht. Aber preiswert. Wir hatten damals ja nichts.
In unregelmäßigen Abständen habe ich auch nach Wechsel meines Dienstortes in eine unserer Außenstellen immer noch in Bad Husten zu tun. Gerne bin ich früher morgens vor meinem Termin noch kurz durch die Cafeteria gehuscht und habe mich für den Tag eingedeckt. Zu solchen Gelegenheiten war es mir das dann doch wert. Seinerzeit gab es noch warme, hausgemachte Frikadellen und den ewigen Klassiker des Hauses – Rühreibrötchen.
Doch schon begann die Zeit der Entfremdung, in der ich mich dort weder morgens noch in der Mittagspause auch noch niedergelassen hatte. Die Brötchen wurden in bereitgestellte Tüten gepackt und mitgenommen. Zu groß waren meine Befürchtungen, dort auf Menschen zu treffen, mit denen ich einst zusammengearbeitet hatte. Ich wäre in die Verpflichtung geraten, mit ihnen zusammen am Tisch zu sitzen, erzählen oder zuhören zu müssen. Nein, das wollte ich nicht; es widerstrebte mir einfach.
Dann stellte unsere Kantine auf bargeldlosen Zahlungsverkehr um. Unsere Dienstausweise konnten über einen Chip mit Geld (kein Kleingeld bitte, sondern nur ordentliche Beträge) aufgeladen werden, Bares wollte man nicht mehr sehen. Eine Auszahlung vorhandenen Restguthabens war nur zu bestimmten Uhrzeiten über die Kantinenverwaltung möglich. Viel zu viel Aufwand für jemanden, der ganztägige Termine im Haus hat und sich nur alle paar Monate mal dort aufhielt. Außerdem hatte ich zu jenen Uhrzeiten keine Zeit. Somit stellte ich die wenigen Besuche in unserer Kantine vor ein paar Jahren gänzlich ein.
Soviel zur Vorgeschichte. Wir schwenken nun geistig um in die Gegenwart. Ich befinde mich zu Hause, bin weiterhin mental nicht auf der Höhe und wieder in einer Phase, in der ich froh bin, die Wohnung nicht verlassen zu müssen. Zu viel prallt gerade auf mich ein, ich habe keine Gelegenheit, irgendwo mal richtig zur Ruhe zu kommen. Wir haben Wochenende. Den Sport lasse ich sausen. Selbst wenn ich zum Sporttempel gefahren wäre, hätte ich die heiligen Hallen vermutlich nicht betreten, wenn da schon mehr als zwei Personen gewesen wären. Und daß dort mehr als zwei Personen anwesend sein würden, dürfen wir zwingend als gegeben voraussetzen. Ich verbringe einen nach Ableistung üblicher Haushaltsarbeiten vollkommen sinnlosen Tag. Obwohl ich meiner Meinung nach gut geschlafen habe, werde ich nicht richtig wach. Und das schon seit Tagen. Nachmittags lege ich mich nochmal hin. Hauptsache, der Tag vergeht irgendwie.
Ich scheine tatsächlich eingeschlafen zu sein. Mein nächstes Erlebnis findet nämlich an meinem Schreibtisch im Büro statt. Eine Kollegin – die mit den Fluchkuchenfotos hier im Blog - hat mir von draußen ein belegtes Brötchen mitgebracht. Ein Käsebrötchen, um genau zu sein. Gouda. Mittelalt. Nicht allzu dünn geschnitten. Dazu Butter, sonst nichts. Gut so, auch wenn eine Gurkenscheibe oder ein Salatblatt schön gewesen wäre. Salatblätter haben wir zu Hause nur selten zur Verwendung auf Brötchen vorrätig. Es lohnt sich einfach nicht. Tatsächlich ist dieses Brötchen das erste in einer Bäckerei oder etwas in der Art belegte Brötchen seit Jahren, welches ich mittags bekomme. Ich kaufe mir die nicht. Dementsprechend sind mir die Preise vollkommen unbekannt. Ich habe noch nicht mal im Ansatz eine Idee, was das kostet. Weder im Traum noch in der Realität. Meine Kollegin, der ich natürlich Geld in die Hand zu drücken habe, hat sich das dummerweise ebenfalls nicht gemerkt.
„Komm, lass mal, ist schon gut.“
Nein, ist es nicht. Ich mag es nicht, wenn man mir etwas schenkt. Sei es nun was Größeres oder nur ein olles Käsebrötchen. Es hat immer etwas Verpflichtendes. Ich möchte niemandem verpflichtet sein. Also kommt mir die Idee, im hauseigenen Intranet den dort befindlichen Angebotsplan der Bad Hustener Kantine zu suchen, dort den Preis für Käsebrötchen zu ermitteln und selbigen mit einem angemessenen Aufschlag zu bezahlen.
Also suche ich wie ein Verrückter nach diesem Plan. Es gibt ihn, ich weiß es. Klassischer Weise hört man nun die Stimmen, welche dich mit „Benutze die Suchfunktion“ zubrüllen. Vergesst es, die Suchfunktion in unserem Intranet ist nicht so toll. Ich suche und suche, klicke mich durch alle möglichen und unmöglichen Stellen des Intranets, bis ich schließlich…
(nein, dieses Mal keinen Cliffhanger)
…von der Stimme meiner Schwiegermutter geweckt werde, die im heimischen Wohnzimmer aus dem Anrufbeantworter tönt. Die Sache mit dem Käsebrötchen hat sich damit wohl erledigt. Natürlich habe ich während meines Traumes noch nicht mal da reingebissen. Das wäre immerhin noch kalorienarm gewesen.
Aber warum auch? Seit ein paar Tagen habe ich schließlich Schmacht nach Streuselkuchen. Ohne Obstbelag. Einfach nur Streuselkuchen. Und etwas Zuckerglasur zwischen den Streuseln.
Ich!
Kuchen!
Mit Streuseln!
Und Zuckerglasur!
Tagelang!
Womöglich noch mit Rosinen! (die werte ich nicht mehr als Obst)
Das kann schon eine gewisse Besorgnis auslösen.
Ich gebe dir einen Tip frei nach Frau S.:
AntwortenLöschenBENUTZ! DEINEN! MUND!
Übrigens: in 30 Minuten ist der Kuchen fertig. Und ich hoffe, er schmeckt - hab ich doch nur noch Vollkornmehl da gehabt... Ungewöhnlich, aber okay. Wird schon irgendwie gehen... *hoff* Ob da Zuckerguss drauf soll oder besser nicht, entscheiden wir nach dem ersten Probestück.
:-)
LöschenIhr habt eine seltsame Art zu kommunizieren;-)
LöschenWieso? Da ich nicht auf Facebook zu finden bin, muß es eben anders gehen. Man lebt als moderner Mensch heutzutage schließlich öffentlich. :-D
LöschenHin und wieder scheint der Herr eine schriftliche Erinnerung zu benötigen, dass er seinen Mund benutzen muß, um mir mitzuteilen, dass es etwas gibt, was ich machen kann/soll...
LöschenAber keine Sorge: wir reden schon auch ganz normal und analog miteinander... :-)
Außerdem sind SMS vom Sofa zum Sessel auf Dauer etwas teuer. Ach ja, und räume doch bitte die Schleier und Münztücher in die Boxen, damit ich die endlich wieder in den Kell... Ach so, ich sollte ja sprechen. :-D
LöschenWenigstens habt Ihr überhaupt Kontakt miteinander. Soll es in manchen Ehen gar nicht geben. Und wie war der Kuchen mit Vollkornmehl? Schrie er nach Zuckerguß? Immer diese unvollkommenen Blogeinträge -;)
AntwortenLöschenEr war - natürlich - ungewöhnlich dunkel aber durchaus schmackhaft. Zuckerguß war nicht erforderlich. Es gab übrigens eine Hälfte mit und eine Hälfte ohne Kirschen. Wenn jetzt noch Sahne im Haus gewesen wäre... Aber man kann ja nicht alles haben.
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