Im Erdgeschoss des Nachbarhauses wohnte eine koreanische Familie. Zumindest hat unsere Hausverwalterin, welche gleichzeitig die über uns wohnende und im Allgemeinen gut informierte Nachbarin ist, behauptet, daß diese aus Korea stammt. Der Name der Familie lautete Kim, was ein guter Hinweis darauf ist, daß es sich tatsächlich um Koreaner handelte, denn alle Koreaner heißen Kim. Genau wie alle Vietnamesen Nguyen heißen. Ich darf von mir behaupten, durchaus schon mit einigen Vietnamesen Kontakt gehabt zu haben, und jeder von denen hieß tatsächlich mit Familiennamen Nguyen. Und alle mir bislang bekannten Koreaner hießen Kim. Da kann der deutsche Müller-Meier-Schulz ja noch froh sein, daß es hier namenstechnisch noch etwas Abwechslung gibt. Zumindest in den Schreibweisen, aber auch da fällt ein Müller ja schon wieder raus.
Unser Gärten lagen Seite an Seite, und ich hatte beim Einzug der Koreaner schon die leise Hoffnung, daß sich daraus der eine oder andere Kontakt ergeben würde, der als Nebeneffekt vielleicht auch noch für einen Einblick in die koreanische Küche sorgen würde. Bislang beschränkten sich selbige Einblicke nämlich auf einen einzigen Restaurantbesuch. Vor Jahren haben die zweitbeste Ehefrau und ich eine ehemalige Freundin von mir besucht, und im Rahmen dieses Besuchs beabsichtigten wir, ein dort ansässiges China-Restaurant mit unserer Anwesenheit zu beehren.
Als wir vor Ort ankamen stellten wir fest, daß der Chinese zwischenzeitlich zu einem Koreaner mutiert war. Auch meine ehemalige Freundin konnte zur koreanischen Küche keine weiterführenden kenntnisreichen Beiträge leisten, so daß wir das Experiment einfach wagten. Wir betraten das Restaurant und wurden an einen Tisch geführt. Die Auswahl potentieller Sitzgelegenheiten war durchaus bemerkenswert, waren wir – und dies würde sich für den Rest des Abends auch nicht ändern – doch die einzigen Gäste. Nach dem Studium der Speisekarte entschieden wir uns für eine gemischte Vorspeisenplatte für mehrere Personen und irgendetwas anderes, was wir uns am Tisch selber auf einer Art heißen Stein braten mussten.
Der Kellner servierte, war aber mangels Sprachkenntnissen (der konnte echt überhaupt kein Wort Deutsch) nicht befähigt uns zu erläutern, was sich da so alles auf der Vorspeisenplatte befand. Zunächst zögernd, später weiterhin zögernd und zum Abschluss immer noch zögernd leerten wir die vielen kleinen Schüsseln. Manche Dinge waren lecker, manche nicht, eigentümlich sahen viele aus und ich weiß bis heute nicht, was ich da gegessen habe. Und ganz ehrlich: Ich will es auch nicht wissen. Nur so zur Sicherheit. Vermutlich waren da auch Algen und Fleisch von Seegetieren bei. Ich habe nichts gegen Fleisch von Seegetieren, so lange dieses unter die Oberrubrik
Fisch fällt. Doch das gegessene Fleisch gehörte früher vermutlich wohl zu einem
Seegetier mit Beinen. Aber immerhin hat es geschmeckt. Im Gegensatz zu jenen Dingen, von denen ich vermute, daß es sich um sauer eingelegte Algen gehandelt hat. Gibt es so was? NEIN, NICHT SAGEN!
Nach dem Servieren des durchaus schmackhaften Hauptganges, eben der Sache mit den heißen Steinen, haben wir den Kellner nicht mehr gesehen. Es schien, daß wir nun ganz alleine im Restaurant seien. Auch nach einstündigem Warten konnten wir nicht auf uns aufmerksam machen, um Getränke zu ordern oder unserem schließlich immer dringender werdenden Wunsch, die Rechnung bezahlen zu wollen, kundzutun. Und mal ganz ehrlich: Ich laufe nicht durch den Laden, hinter den Tresen und schließlich in die Küche, um daran zu erinnern, daß noch Gäste anwesend sind. Also verließen wir das Restaurant, allerdings nicht, ohne abgezähltes Geld auf dem Tisch liegen zu lassen. Eine Entschädigung haben wir uns aber auch gegönnt. Wir essen nämlich alle gerne mit
Stäbchen. Und in dem Laden gab es nicht die billigen Holzstäbchen zur Einmalverwendung oder welche aus Plastik, sondern gute aus Metall! Tja… Wir haben jedenfalls jetzt auch solche schönen Stäbchen aus Metall in unserem Fundus.
Aber echt jetzt, so kann man doch kein Restaurant betreiben. Kein Wunder, daß der Laden unter der Woche in einer großstädtischen Innenstadt so absolut leer blieb.
Zu unseren koreanischen Nachbarn kam auch kein Kontakt zustande, der über das höfliche Ansagen der Tageszeit hinausreichte. Frau Kim war tagsüber aushäusig, Herr Kim wachte über den Sohnemann, sprach aber gleich unserem Kellner kein Wort Deutsch, dafür aber fließend Koreanisch, Englisch und Holländisch. Was mir aber auch nicht weiterhilft. Am Wochenende war man sehr oft unterwegs, so daß die halbwegs deutschsprachige Frau Kim auch nicht zu fassen war. Egal.
Eines Tages manövrierte ein Sattelschlapper mit einem Überseecontainer in unseren engen Wohngebietsstraßen herum. Die zweitbeste Ehefrau von allen stand kurz vor dem Herzinfarkt, denn zwischen unserem Garten und den fetten Reifen des Gefährts klaffte oft genug nur ein Spalt von wenigen Zentimetern. Man muß dazu sagen, daß wir keinen richtigen Gartenzaun oder gar eine höhere Mauer haben, sondern einen eher offenen Garten mit einer nur niedrigen
Trockenmauer. Heute würden wir den Garten auch nicht mehr so ohne beeindruckende Begrenzung anlegen, aber das ist eine andere Geschichte, die später mal erzählt werden will.
Jedenfalls stellte sich schnell heraus, daß der umherirrende und verzweifelt herumrangierende Sattelschlepper zu unseren Koreanern wollte, welche wohl wieder auszureisen gedachten. Irgendwann hatte man dann auch einen geeigneten Stellplatz gefunden: unmittelbar vor unserem Garten, den Zugang zu unserem Haus vollständig blockierend und die Straße gerade so weit freihaltend, daß ich immerhin mit unserem Balduin den heimischen Carport erreichen konnte. Zur Haustür gelang ich dann abseits aller dafür vorgesehenen Wege direkt durch den Garten.
Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich begannen sofort wieder unsere üblichen Planungen hinsichtlich der Auswahl der neuen Nachbarn. Wann immer wir den Verdacht hegen würden, daß ein potentieller Kandidat, den wir nicht in unserer Nähe wohnen lassen wollten, vor Ort wäre, um sich die freie Wohnung anzusehen, sollte einer von uns von außen unsichtbar aus einem offenen Fenster nach Käwinn brüllen, der endlich der Schackeline sagen solle, daß sie die kleine Schaienne-Schantall nicht immer mit der
Schüppe hauen soll. Wir hatten auch schon einen genauen Plan fertig, wer von uns bei gemeinsamer Anwesenheit zu Hause welche Schicht zu übernehmen hätte, aber leider war die Arbeit umsonst, die Vermieter waren schneller. Nur wenige Tage nach dem Auszug fand der Einzug der Neuen statt, ohne daß wir im Vorfeld Wind davon bekommen hätten.
Ein paar Sorgen mache ich mir ja schon, denn wenn man da während der Umzugsarbeiten mit der Flasche Bier in der Hand herumsteht, erweckt das bei mir nicht den besten ersten Eindruck zum Start. Man wird sehen.
Eine Biene macht noch keinen Sommer und eine Flasche Bier noch keinen Alkoholiker... Aber zumindest könnte ein gutes deutsches Bier auf künftige Verständigungsmöglichkeiten in unserer aller Amtssprache schließen lassen... JennySt
AntwortenLöschenStimmt schon. Grundsätzlich habe ich auch nichts dagegen, wenn sich jemand sein Feierabendbierchen in den heimischen vier Wänden gönnt. Aber gegen so etwas wie da gesehen komme ich einfach nicht an, selbst wenn das jetzt nichts war, was ausartete. Keine Ahnung, woran das bei mir liegt, aber da habe ich sofort Vorbehalte. Ich bin eben kein Bayer und habe andere Vorstellungen davon, was ein Grundnahrungsmittel ist. ;-)
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