Samstag, 9. März 2013

Wie ich dereinst Schalke-Fan wurde - oder etwas in der Art

Wie wird man eigentlich Anhänger einer Fußballmannschaft? Ich finde es durchaus naheliegend, daß man es ganz gerne sieht, wenn die Mannschaft des Heimatortes hin und wieder mal ein Spiel gewinnt. Oder als Mitarbeiter eines Großkonzernes der deutschen Pharmaindustrie der Werksverein. Auch wenn man im letzteren Fall nicht in Krefeld oder Leverkusen wohnt. Man müsste doch irgendeinen Bezug zu der Mannschaft haben. Eigentlich. Natürlich ist es einfach zu sagen, man sei Fan der Bayern, weil die „den schönsten Fußball spielen“ und meint damit bloß „weil die am häufigsten gewinnen“. Wieso wird man als Hamburger zum Beispiel Fan von Nürnberg? Oder als Karlsruher Fan von Berlin? Verstehe ich nicht. Nicht so richtig jedenfalls. Die können doch nicht alle so einen Werdegang gehabt haben wie ich. Oder doch?

Fußball war bei uns zu Hause nie ein wesentliches Thema. Als junger Mensch wusste ich zwar, um was es dabei geht und werde wohl auch hin und wieder mal einen Ball getreten haben, aber das war es dann auch schon. Bundesliga? Ja, gibt es. Punkt.

Das hatte natürlich auch den riesigen Vorteil, daß es am Samstag keinen Streit darum gab, ob man der Sportberichterstattung im ersten oder doch lieber den gleichzeitig laufenden Abenteuern des Raumschiffs Enterprise im zweiten Programm folgen würde. Raumschiffe waren eindeutig cooler, auch wenn man das damals noch etwas anders auszudrücken pflegte.

Natürlich verbrachte ich meine Zeit nicht nur zu Hause. Auch ich hatte meine Verpflichtungen, die mich mit anderen Menschen und Ansichten konfrontierten. Ich verließ also die heimische Wohnung und ging in den Kindergarten. Und da wurde ich früher oder später mit der unausweichlichen Frage konfrontiert, die mein seinerzeit bester Freund Holger mit stellte: „Für welchen Fußballverein bist du eigentlich?“

Da stand ich nun, denn mit dieser Frage hatte ich mich noch nie richtig auseinandergesetzt. Ich wusste nur, daß man nicht FC Bayern München sagt, sondern besser Die Saubayern. Also musste ich die Sache mal hinterfragen. Holger jedenfalls war Fan der Bayern, das wusste ich.

Eine wesentliche Option beim Finden des richtigen Vereins, dessen Anhänger man zu werden gedenkt, ist selbstverständlich dessen Außenwirkung. Nun sollte ich an dieser Stelle zu einem besseren Verständnis des Problems einem kleinen Exkurs beginnen.

Schon als Kind liebte ich Schiffe. Besonders Segelschiffe. Große Segelschiffe. Große alte Segelschiffe. Möglichst mit vielen Kanonen. Wenn wir im Kindergarten Bilder ohne Vorgabe eines Themas malen sollten oder durften, habe ich immer Segelschiffe gemalt. Bevorzugt Dreimaster, wenn auch ohne Kanonen und mehr einem Klipper als einem der Linienschiffe des ausgehenden18. Jahrhunderts ähnelnd. Man hat ja so seine Grenzen. Tante Marianne, unsere Erzieherin, ist dabei fast wahnsinnig geworden. Lief im Fernsehen ein Film, in dem Segelschiffe vorkamen, habe ich alles daran gesetzt, diesen sehen zu dürfen. Was habe ich später die Onedin-Linie geliebt.

Das ist jedenfalls heute auch noch so, nur mit dem Unterschied, daß die Fernsehbilder zwischenzeitlich bunt sind und ich selbst bestimmen darf, was ich im Fernsehen ansehe. Zumindest immer dann, wenn die zweitbeste Ehefrau von allen nicht durch Anwesenheit brilliert. Und welche Nation beherrschte über Jahrhunderte die Weltmeere mit ihren Segelschiffen? Richtig, England. Und welche Flagge wehte an den Masten? Richtig, die Englische. Und welche war die Schönste? Die Englische! Ähm, nein, ich meinte eigentlich die Flagge Großbritanniens, aber die feine Differenzierung zwischen England und Großbritannien lernte ich erst später. Jedenfalls sah die vermeintlich englische Flagge besser aus als alle anderen. Folgerichtig fragte ich Holger, ob England denn auch eine Fußballmannschaft habe, was er mir bestätigte. Also wurde meine Lieblingsfußballmannschaft zunächst die englische.

Holger lachte mich aus, die Engländer würden doch gar nicht in der Bundesliga spielen. Ok, Problem, klar. So fragte ich nach, wer denn alles in der Bundesliga spielen würde. Holger zählte mir einige Städte auf, deren Namen ich schon mal gehört hatte. München schied natürlich aus, denn das waren ja die Saubayern. Nö, ging gar nicht. Und dann hörte ich den Namen Schalke. Hmm, eine Stadt mit dem Namen Schalke kannte ich nicht. Hörte sich aber irgendwie interessant an.

Und so wurde Schalke 05 04 meine Lieblingsmannschaft.

An und für sich ist mir Fußball bis heute relativ egal. Ich schaue mir keine Spiele an, es sei denn, es geht mit deutscher Beteiligung in eine Europa- oder Weltmeisterschaft. Sobald die Deutschen sich aus dieser Veranstaltung verabschiedet haben, ist mir der Rest auch egal. Im Rahmen der Bundesliga jedoch erfreue ich mich weiterhin an jeder Meldung, welche dahin zielt, daß die Saubayern verloren haben. Aber es ist auch immer noch so, daß ich mich über einen Sieg von Schalke freue. Das nennt man wohl frühkindliche Prägung.

He, ich kann doch auch nichts dafür, daß England nicht in der Bundesliga spielt.



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