Mittwoch, 3. März 2021

Frikadellen

Frikadellen, auch bezeichnet als Fleischklopse, Fleischpflanzerln, Buletten, Rundstücke oder Hackbällchen. Die Basis einer gesicherten Ernährungsgrundlage. Mein Lieblingsessen. Gut, eines meiner Lieblingsessen, aber im Falle einer spontan erforderlichen Auflistung einiger Beispiele aus besagter Kategorie doch immer ganz vorne mit dabei. Und auf jeden Fall zuerst genannt.

Tanja, meine Ex-Azubinette und nunmehrige ganz frische Co-Moderatorin Ausbilderin in unserem kleinen gemütlichen Büro inmitten der Stadt, hat ihre erste Wohnung bezogen. Sven und ich lagen ihr, wie zuvor schon ganzen Generationen von Auszubildenden, Anwärtern, Bachelor und auch ausgelernten Kollegen mit unserem penetranten Wunsch nach Frikadellen im Ohr. Und wie kann man die erste eigene Küche denn besser einweihen als mit der Zubereitung von Frikadellen für die Lieblingskollegen? Eben!

„Ich habe ja meistens für meine Eltern gekocht, als ich noch bei ihnen wohnte, aber Frikadellen habe ich noch nie gemacht.“

Ja, das ist traurig. Diese Worte musste ich schon seinerzeit von Frau Schlüter vernehmen, als sie ebenfalls ankündigte, die Produktion von Bürofrikadellen aufnehmen zu wollen.

„Aber ich trau mich jetzt daran.“

Eine sehr gute Entscheidung.

„Bevor ich die mitbringe, muss mein Vater aber probieren, ob die lecker sind.“

Ebenfalls nicht verkehrt. Man will ja kein Versuchskaninchen sein.

Der große Tag war gekommen. Sehr zum Leidwesen von Sven, denn der befand sich im Homeoffice und durfte nebenbei die Homeschooling-Aktivitäten seines Stiefsohnes überwachen, welchen er eher nur so semi-begeistert nachging. Da war dann nichts mit Büro-Frikadellen. Zumindest nicht für ihn. Um so mehr sollten dann für die wirklich Bedürftigen verbleiben. Also für mich. Dennoch ließ Tanja ihn per Telefon wissen, dass es solche heute geben würde. Mit der Folge, dass er sie fernmündlich in durchaus zutreffender Weise als Sadistin titulierte.

Pech. Warum vergnügt der Herr sich auch zu Hause, während ich jeden Tag den lebensgefährlichen Weg inmitten der Seuche auf mich nehme, um meine Präsenz im Büro wahrzunehmen? Kritische Infrastruktur, da kann kommen was wolle. Einer muss immer ran, um das Land am Laufen zu halten. Also ich. Und deswegen bekomme ich Frikadellen und Sven nicht. Vom Ökoklaus ganz zu schweigen, den ich im Laufe der letzten 13 Monate nur einmal gesehen habe, als er sein technisches Equipment für das Homeoffice abgeholt hat, seitdem als "die Stimme aus dem Telefon" auftritt und einige unserer neuen Kollegen noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen hat.

Doch zurück zu den wichtigen Dingen.

„Herr Paterfelis, Sven hat gerade gesagt, es gäbe viele Varianten, Frikadellen zuzubereiten. Es würde auch etwas ausmachen, ob man Schweinehack, Rinderhack oder Lammhack verwendet. Und es gäbe auch Leute, die würden Maggi in ihre Frikadellen tun.“

„Ja, von der Maggi-Variante habe ich auch schon  mal was mitbekommen. Wenn man es etwas kultivierter angeht, nimmt man aber statt Maggi besser Liebstöckel. Das hört sich mehr nach guter Küche an.“

Tanja und die Azubinette waren sich dahingehend einig, dass sie von Liebstöckel noch nie gehört hatten. Womit wir wieder bei der legendären Folge der Simpsons wären, in welcher Marge Simpson beim Einkaufen ein zu erwerbendes Regal mit Platz für acht Gewürze sieht und bemerkt, dass dann ja wohl einige doppelt da rein müssten. Homer baut ihr dann ein solches, wie ich es nicht hätte besser machen können.

Also erklärte ich, was Liebstöckel ist und zählte noch zahlreiche Variationen auf, in welcher sich Frikadellen anfertigen ließen. Es begann ganz profan mit der Ergänzung der Hackvarianten um Putenhack, dazu dann die Würzbasierungen a la Mama, also die Fertigwürzmischung aus der Tüte für Hackbraten aber auch auf Basis von Zwiebeltütensuppen Zwiebelsuppentüten Zwiebelsuppenpulver aus der Tüte, dann die Variationen mit eingeweichten Brötchen, Toast oder Paniermehl, mit Kräutern und Gewürzen wie Majoran und Petersilie, mit zuvor mit Himbeersauce mariniertem Hackfleisch, der Beimengung von Reis, Haferflocken oder Kichererbsen, der Nutzung von Tabasco, Liquid Smoke oder Teriyaki-Sauce und nach einigen weiteren Aus- und Einlassungen sowie Erklärungen, der Nutzung von Pfanne oder Backofen und schlussendlich auch der Verwendung von geriebenem Parmesan.

„Wozu dient denn der geriebene Parmesan?“

Dem Geschmack. Einfach nur dem Geschmack.“

„Sie und Sven könnten ja ein Frikadellen-Kochbuch schreiben.“

Diese voller wahrhaftiger Ehrfurcht ausgesprochenen Worte lassen sich natürlich zweifelsohne nur als zutreffend beschreiben. Doch gibt es dabei ein Problem.

Vermutlich, aber damit wird man nicht reich und berühmt. Also belassen wir es mal dabei.“

Gut, auf den Ruhm kann ich gut verzichten, besteht doch die Hauptintention meines Lebens immer noch im Kern darin, vom Rest der Welt in Ruhe gelassen zu werden. Mit potentiellem Reichtum hingegen könnte ich mich durchaus in gewisser Weise anfreunden. Zumindest aber würde ich mich nicht aktiv dagegen wehren.

Die Erstlingswerke wurden schließlich bei nächster Gelegenheit intensiv getestet und für gut befunden.













Etwas salzarm – typisch für die ersten Versuche – aber durchaus genießbar. Und immerhin nicht der Klassiker aus der Tüte. Obwohl ich auch diesen nicht verschmähe und hin und wieder mal zubereite. Manchmal brauche ich das auch.

Doch warum werden die Vielzahl der selbst gemachten Frikadellen in so einer kleinen Größe hergestellt? Ich bevorzuge schon größere Exemplare, angebraten bis kurz vor dem Verbrennen. Wegen der Röstaromen und dem Knuspergefühl auf der Zunge. Ihr wisst schon.

Hoffe ich jedenfalls.



8 Kommentare:

  1. Oh ja, Frikadellen mit schön dunkler Kruste.

    Also ich würde das Kochbuch kaufen :-D

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  2. Wie stehst du zu Frikadellen mit Knoblauch un Feta - füllung?

    Ich hab grad mal im Kopf durchgezählt, ich beherrsche etliche Varianten.
    Außer Liebstöckel und Maggi. Das kommt mir nicht ins Haus. Ich muss ja hier noch wohnen.

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    1. Knoblauch und Feta sind hier gerne gesehene Zutaten. Demnächst werde ich mal eine Variation mit einer Camembertfüllung versuchen, aber das wohl eher als Hackbraten.

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  3. gekochtes Ei könnte man auch noch als Füllungs-
    mutiges Mädchen - Variante nehmen, oder Paprikastreifen ist auch lecker wenn man genügend von der "alten Sorte" mit eingeweichten Brötchen und Mayoranwürzung mit senf gekostet hat. Frikadellen sind auf jeden Fall lecker, ich mag sie auch...
    grinst angelface
    Maggi in der Frikadelle: schüttel...

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    1. Schon in Star Trek hat man festgestellt, dass jedes intelligente Volk der Milchstraße in irgendeiner Form die Kunst beherrscht, Frikadellen herzustellen. Einfach nur episch. Jetzt würde mich schon der Geschmack einer klingonischen Frikadelle interessieren.

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    2. Bei denen heißt das Zeug Kreplach.

      Über den Geschmack ist nichts genaues bekannt.

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    3. Und dazu ein Getränk für Krieger: Pflaumensaft.

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