Mittwoch, 6. August 2014

Wahnsinn mit Methode

Über den Zwang zur telefonischen Erreichbarkeit in unserem Büro habe ich mich ja schon mehrfach ausgelassen. Aber alles ist steigerungsfähig. Wirklich alles.

Nachdem vor einigen Monaten von der Leiterin der Telefonzentrale in Bad Husten wieder einmal der Eindruck vermittelt wurde, nach dem wir nicht oft genug ans Telefon gingen, wenn man dort versucht hat, einen Anrufer durchzustellen, wir uns zu diesem Zeitpunkt aber keiner Schuld bewusst waren, ging man der Sache nach. Und man fand auch den Kern der Sache: Wenn wir telefonierten, war für einen weiteren Anrufer kein Besetztzeichen zu vernehmen, sondern ein Freizeichen.

Blöd.

Aber durchaus zu ändern. Was dann auch geschah.

Nun stellte sich folgerichtig das Problem, daß Anrufer bei uns schon mal auf ein Besetztzeichen treffen. Auch dieses konnte einfach nicht sein. So hatte Dr. Strebsinger eine neue Idee.

Er hat interne Telefonate verboten, um so mehr Freiraum für externe Anrufer zu schaffen!

Nun gibt es ja solche und wieder andere Telefonate. Also dienstliche und nicht dienstliche. Aber es waren ausdrücklich auch die dienstlichen Telefonate davon betroffen, soweit diese nicht das Haus verlassen sollten.

Natürlich hat man aber auch einem Kollegen mal was Dienstliches auf fernmündlichen Wegen mitzuteilen. Oder zu fragen.

Problem!

Aber es gibt bei uns keine Probleme, sondern nur Lösungen. Steht jedenfalls so in den Unternehmensrichtlinien.

Es erging folgender Beschluß:

Wer mit einem Kollegen innerhalb des Hauses etwas zu besprechen habe, der soll ihn fortan nicht mehr anrufen, sondern ihn persönlich aufsuchen. Um die telefonische Erreichbarkeit weiterhin zu gewährleisten, hat der den Arbeitsplatz verlassende Kollege sein Telefon auf einen anderen Kollegen umzustellen, bevorzugt aber auf den Arbeitsplatz des Kollegen, welchen er aufzusuchen gedenkt, um dort das Gespräch entgegennehmen zu können. Am Display des Telefons ließe sich einfach erkennen, von welchem Apparat aus die Weiterleitung erfolgte, so daß man eindeutig zu identifizieren in der Lage sei, für wen das Gespräch sei.

Meine Fresse. Es ergeben sich, sofern ich allen Dienstanweisungen strengstens Folge leiste, unter anderem die nachstehenden neuen Probleme auf Lösung harrenden Sachverhalte:

Ich kann den Kollegen nicht über mein baldiges Erscheinen vorwarnen, da ich ihn zu diesem Zweck nicht anrufen darf.

Ich darf auch keine E-Mail schicken, da diese nicht dienstlich genug wäre und das System zusätzlich belasten würde. Rechtzeitige Ankunft und Wahrnehmung derselben ist ohnehin nicht zu garantieren. Also wird der Kollege ziemlich dumm gucken, wenn er plötzlich für mich bestimmte Anrufe ohne Chance auf Weiterleitung entgegennehmen muß, bis ich bei ihm eingetroffen bin.

Sollte ich wirklich einen Anruf bei meinem Kollegen für mich annehmen, so kann ich dem Kunden meistens kaum weiterhelfen, weil ich die Akte natürlich nicht vorliegen habe. Darüber hinaus darf ich – eigentlich – nicht an den PC des Kollegen, um etwas im MIST oder Intranet nachzusehen. Da flippen die Rechnungsprüfer aus. Ich muß dies von dem Kollegen erledigen lassen.

Während ich mit dem Kunden telefoniere, ist bei meinem Kollegen besetzt. Und auf meinem Apparat auch.

Ich bin häufiger nicht an meinem Arbeitsplatz anzutreffen und kassiere dafür einen Anpfiff.

Na ja, dankenswerterweise müssen wir nicht auf andere Kollegen umstellen, wenn wir mal gewisse Örtlichkeiten aufsuchen. Ist ja schon was wert.



PS: Habe ich schon erwähnt, daß ziviler Ungehorsam eine ganz tolle Sache sein kann? Nach einigen Wochen redete niemand mehr über diesen Blödsinn.





7 Kommentare:

  1. Da kann ich ja von Glück sprechen, dass die Parole der ständigen telefonischen Erreichbarkeit bei uns noch keine solchen Auswüchse angenommen hat ...*g*
    Hinzu kommt dann noch, dass - zumindest bei unseren Kunden, aber ich schätze, bei Ihnen ist das ähnlich - deren "gefühlte" Zeit nicht mit der realen Zeit übereinstimmt. Erreicht also ein Kunde seinen gewünschten Ansprechpartner nicht und erhält die Information, dass der gewünschte Ansprechpartner in ca. 15/30/60 min wieder erreichbar ist bzw. zurückrufen wird, kann man bei einem Großteil der Anrufer sicher sein, dass sie max. 3min später und anschl. im 5-Min-Takt erneut (ggf. bei einem anderen, überhaupt gar nicht zuständigen Kollegen/in) anrufen (und dessen Zeit nach den einleitenden Worten "Ich weiß, Sie sind nicht zuständig, aber Sie können mir da bestimmt auch kurz weiterhelfen..." meist über Gebühr beanspruchen).
    Wagt man es den (offiziell zugestandenen) Anrufbeantworter zu schalten, sollte man dennoch keinesfalls hoffen, dass man nun ungestört arbeiten kann - denn der werte Kunde (der alte Fuchs!) wird Mittel und Wege finden doch den Ansprechpartner seiner Wahl zu erreichen. Aber das Thema Anrufbeantworter wollte ich eh mal verbloggen ;-)
    Man könnte Sie und Ihre Kollegen ja mit Bluetooth Headsets ausstatten, damit wäre der/die Mitarbeiter/in dann ständig und an jedem (stillen ;-) ) Örtchen erreichbar ... *fg*

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    1. Anrufbeantworter? Echt abgefahren. Gibt es bei uns nicht. Noch nicht mal bei den Teilzeitkräften. Aufgrund verschiedener Abwesenheiten hatte ich heute vier umgeleite Telefone auf einmal am Hals, deren Standorte und die zugehörigen Akten über der ganzen Etage verteilt waren. Kann bei einer Vertretung von 2 1/2 Arbeitskräften, von denen nur 2 vor Ort waren, und 4 zu vertretenden Stellen, bei einer planmäßig abwesenden Teilzeitkraft, durchaus mal vorkommen. Machen wir doch nebenbei, wir mir gerade wieder erklärt wurde.

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  2. Des Rätsels Lösung: last euch clonen … und dann könnt ihr Euch innerhalb des Gebäudes beamen lassen, das soll ganz fix gehen, hab ich gehört … *räusper* … so in 50 Jahren oder so :-)

    PS Das mit dem Frei-/Besetztzeichen haben wir bei internen Anrufen auch. Lösste mal eine Battle zwischen einer Kollegin und mir aus, bis wir dahinterkamen.

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    1. Technik ist was Wunderbares. Ist es bei euch auch so, daß wirklich alles an Informations- und sonstiger Technologie regelmäßig ausfällt, die Telefonanlage aber wirklich niemals?

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  3. Also ich glaube, ich würde dann öfters mal meinen Chef aufsuchen ...

    Werden Telefonate, die schon auf deinen Anschluß umgeleitet werden, dann auch nochmal umgeleitet? Ich stell mir grad so vor, A will zu B, B derweil zu C und C ist unterwegs zu D. Und als Krönung noch D zu A, wobei der dann bei einer guten Telefonanlage nicht mehr weiterleiten können dürfte, da Ring.

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    1. Wir haben es vor Jahren mal ausprobiert, aber ich kann mich an das Ergebnis nicht mehr erinnern. Es könnte sogar so gewesen sein, daß ein es dann trotzdem geklingelt hat, obwohl die Umleitung aktiviert war. Das war aber noch eine andere Telefonanlage.

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