Samstag, 2. August 2014

Paterfelis spielt - Warhammer und vieles andere (4)

Unsere Spielergruppe erweiterte sich. In den großen überregionalen Foren sprachen wir andere Spieler an und warben auch generell für uns, so daß wir uns eines regen Zulaufes erfreuen konnten. Manche Spieler blieben, andere verließen uns wieder. Alles soweit kein Problem.

Die Spiele fanden meistens mit mehr als zwei Personen statt, so daß wir entsprechend größere Platten aufbauten. Sowohl im heimischen Metzelsaal als auch an anderen Orten boten sich Verhältnisse an, welche dies zuließen. Unsere Ausrichtung war die der eher spaßorientierten Bier- und Bretzelspieler, aber es gab auch den einen oder anderen Turnierspieler unter uns. Wenn man beobachtet, wie diese gegeneinander spielten, konnte es einem jegliche Freude nehmen. Die Würfel flogen nur so über das Feld, und ehe wir als Zuschauer es auch nur erfassen konnten, was man da überhaupt ausgewürfelt hatte, wurden auch schon die Opfer vom Tisch genommen und die nächste Runde eingeläutet. Während unsere Spiele gerne mal drei bis vier Stunden andauerten und in aller Gemütlichkeit absolviert wurden, schafften dies die Turnierspieler in ihren Spielen locker unter zwei Stunden. Für mich war da kein Spielgenuss erkennbar, keine Freude über außergewöhnliche Szenen, keine Geschichte hinter dem Geschehen. Das wird nicht meine Welt werden.

Nachdem sich die Situation meiner Spielergruppe gesichert hatte und unsere Spielfähigkeiten stabilisiert waren, wagten wir uns an größere Veranstaltungen. Die Zeitalter der Megametzel begannen, wenn auch zunächst noch unter anderen Namen. Es begann alles im Kleingarten meiner Schwiegereltern. Wir requirierten den Garten und das zugehörige Gartenhaus, bauten unsere Platten auf und spielten den ganzen Tag, während der Grill pausenlos lief. Einer unserer Spieler verfügte als Selbständiger über eigene, weitflächige Büroräume im Dachspeicher eines ehemaligen Lagerhauses. Auch diese nutzten wir für unsere besonderen Treffen und bauten dort riesige Spielplatten und Elektrogrills auf. Ein einzelnes dieser Spiele dauerte durchaus schon mal ein ganzes Wochenende.

Später weiteten wir unsere Megametzel als besondere Jahresveranstaltung weiter aus. Es ging uns auch darum, gemeinsam möglichst viel an Punkten auf die Platte zu bringen. Waren dies zu Beginn auf jeder Seite regelmäßig zwischen 4.000 und 5.000 Punkte, wurden es am Ende durchaus auch gerne mal 15.000 Punkte – wie gesagt: pro Seite. Einzelarmeen hatten dann anstelle der üblichen 2.000 Punkte auch gerne mal über 4.000 Punkte. Wir organisierten diese Treffen entweder als Massenschlacht, bei der die Spielfeldlänge durchaus acht Meter betragen konnte undweit über tausend Figuren zu einer einzigen Schlacht auf den Tischen standen. Oder wir spielten an mehreren Tischen parallel eine in der Regel von mir entwickelte Kampagne durch, bei denen die Ergebnisse auf allen Tischen Auswirkungen auf die anderen und die kommenden Spiele haben würden.

Solche Veranstaltungen dauerten dann schon gerne ein ganzes Wochenende, freitags wurde aufgebaut und eventuell auch schon der erste Zug ausgeführt. Möglich wurde dies, weil wir über Beziehungen einmal jährlich für uns kostenfrei an entsprechende Räume kamen, in denen wir all unsere Sachen für die ganze Zeit stehen lassen konnten. Einer unserer Spieler arbeitete nämlich als Koch in einem Seniorenheim. Damit ergaben sich für uns die besten Möglichkeiten, quasi als Mitarbeiter-Eigenbedarf den Veranstaltungsraum des Heimes zu vereinnahmen. Überflüssig zu sagen, daß auch Küche und Getränke zum Selbstkostenpreis in Anspruch genommen wurden.

Als weiteres spielerisches Standbein fand das sehr weit verbreitete Warhammer 40.000 bei uns Einzug, einer Warhammer-Variation, welche in einer düsteren Zukunft spielt. In unserer Gruppe fand sich immer jemand, mit dem man spielen konnte, wenn man nur wollte.

Darüber hinaus organisierten wir weitere besondere Aktionen. Wir luden ein zu Nachweihnachstsfeiern, den so genannten Megamampfen im Restaurant Zum Kleinen Chinamann, bei der durchaus auch mal 26 der Spieler, teilweise in Begleitung ihrer Lebenspartnerinnen, anwesend waren. Der harte Kern traf sich zur jährlichen Übertragung des Super Bowl. Auch wenn man sich nicht für Football interessierte, so war dies doch als Blood Bowl-Spieler, einem Fantasy-Football, Pflicht, diese Übertragung anzusehen. Beladen mit Getränken, Chips und von unserem Koch selbst gemachten Burgern oder Chili con Carne überstanden wir die Nacht.

Was ganz Besonderes war unsere Anti-Karnevalistische Veranstaltung. Der harte Kern unserer Gruppe traf sich immer an einem der Karnevalstage zu stets demonstrativ nichtkarnevalistischen Umtrieben. Ausdrücklich sollte es aber auch kein Tabletop-Spiel durchgeführt werden. Also beschäftigten wir uns mit Brett- und Kartenspielen, der Fundus gab ja genug her. Nachdem die Konzentration nachgelassen hatte, wechselten wir zum Anschauen von Action-DVDs über einen Großbildfernseher mit Klangsystem. Oder je nach Veranstaltungsort auch zum Beamer, mit dessen Hilfe sich die Filme auf eine große, weiße Wand werfen ließen. Ein Film nach dem anderen, egal ob inhaltlich hochwertig oder billiger Schund, über den man nur noch ablästern sich als Kenner nur noch sachdienlich-kritisch in klugen Gesprächen voller Esprit und Bildung auseinandersetzen konnte.

Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen fiel mir nicht immer leicht. Ich habe bereits früher erwähnt, daß die Zeit bis zum Beginn der Spiele – oder dessen, was wir eigentlich vorhatten – für mich stets eine kleine Hölle war. Insbesondere dann, wenn auch nur normale Termine bei uns zu Hause stattfanden, habe ich meine Angetraute mit meiner im Vorfeld bestehenden Nervosität und Angespanntheit durchaus in den Wahnsinn getrieben.

Neue Spiele fanden den Weg zu mir. Es blieb nie genügend Zeit, um diese mehr als auch nur anzuspielen, obwohl sie nicht nur für mich sehr interessant und vielversprechend waren. Eine vertraute Sache.

Der Höhepunkt meiner Tabletop-Laufbahn war damit erreicht, doch der Keim für den Zerfall des Aufgebauten war bereits gesät.


(Ende - vorübergehend)




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