Einen richtigen Neuwagen, also aus erster Hand direkt vom Händler, habe bislang nur einmal gekauft. Alles andere waren Gebraucht- oder Vorführwagen. Und nun steht hier wieder so ein neues Prachtstück vor mir und wartet darauf, von mir benutzt zu werden. Der Lack glänzt in der Sonne, nirgendwo befindet sich eine Delle oder ein nicht zwingend erforderlicher Aufkleber. Selbst das Kennzeichen ist nicht verbogen.
Auf der rechten Seite steige ich ein, selber fahren möchte ich gerade nicht. Außerdem grinst man mich von dem Fahrerplatz aus bereits an. Ja, da hätte ich wohl auch keine Chance, jetzt ans Lenkrad zu gelangen. Aber um so etwas streite ich mich nicht mehr. Aus dem Alter, in dem ich alles Neue sofort selbst ausprobieren muss, bin ich schon lange raus. Nennt man das Abgeklärtheit?
Ich werfe einen Blick auf das Armaturenbrett. Wohlgeordnet finden sich alle möglichen Schalter, Knöpfe und Hebel. Die Anzeigen sind überwiegend digital, wie das bei modernen Fahrzeugen eben so ist. Analog würde mir besser gefallen, aber man hat heute ja nicht mehr die Wahl. Was drin ist, das ist drin. Der Kilometerstand zeigt einen lächerlich niedrigen Wert an. Unser
Balduin war zuletzt bei deutlich über 90.000 Kilometern. Dieser Wagen hier wird das locker überschreiten. Da bin ich sicher. Er hat ja auch deutlich mehr gekostet.
Ich atme die Luft bewusst ein. Neufahrzeuge haben ja diesen ganz besonderen Geruch im Innenraum, welcher sie sofort als solche erkennbar macht. Auch ohne hinzusehen. Bald wird er verschwunden sein. Eigentlich schade.
Die Sitzbezüge sind eine Augenweide. Nirgendwo ein Fleck, wo immer man auch sucht. An keiner Stelle ist etwas durchgewetzt. Und auch der Boden ist sauber. Nach Jahren intensiver Nutzung wird man ihn wohl nie wieder so hinbekommen, wie er sich jetzt zeigt.
Wir fahren los. Das Motorengeräusch ist satt und zeugt von einer ordentlichen Zahl an Pferdestärken, kombiniert mit nicht zu wenig Hubraum. So muß es sein, auch wenn ich Fahrzeuge heute eher unter dem Nutzenaspekt bewerte als nach Optik und Prestigeträchtigkeit. Gut, der Gepäckraum ist etwas knapp bemessen. Da bevorzuge ich ja Kombis.
Ich brauche keinen Stern vorne auf der Haube, anderes tut es auch. Nur gelegentlich, wenn ich einen der letzten noch fahrenden
Corradossehe, oder einen
200SX (mit Klappscheinwerfern), bricht es mir gelegentlich das Herz. Aber das reflexartige „NEIN!“ der zweitbesten Ehefrau von allen, welches schon an meine Ohren dringt, wenn so ein Wagen auch nur in Sichtweite gerät, zerschlägt mir jegliche Träumerei. Das aber ist eine andere Geschichte, die ich bei Gelegenheit mal zum Besten geben werde.
Während wir so durch die Stadt fahren, bemerke ich sofort mit Wohlgefallen, daß in diesem Wagen nichts knackt oder klappert. Alles ist noch fest und da, wo es hingehört. Keine Risse in der Kunststoffverkleidung, keine Kratzer, nichts. Auch keine Aufkleber oder Unfälle mit einem Filzstift stören den optischen Eindruck. Die Oberflächen kleben auch nirgendwo, wenn ich mit den Fingern darüberstreiche.
Nach dem Schließen des Fensters, welches einen Spalt weit zur Belüftung geöffnet war, wird auch das Motorengeräusch schlagartig zu einem gedämpften Brummen. Herrlich. Genießen wir es, bis die Innenraumgeräusche im Laufe der Jahre auch stetig lauter werden.
Ja, ich bin zufrieden. Die Investition scheint es wert gewesen zu sein.
Die Neustädter Nahverkehrsgesellschaft NÖP hat wirklich sehr schöne neue Busse für den innerstädtischen Linienverkehr angeschafft.
Oh man... Und ich dachte erst: WTF war denn Balduin für eine Reuse? Bisschen aufs Glatteis geführt. Nuja, bin ja auch noch müde ;-)
AntwortenLöschenLG, Holger
Im Reich der Sinne im ÖPNV... *g* Sehr schön. ;D Hier befindest du dich da auch im Reich der Sinne, allerdings tust du gut daran, nicht recht bei Sinnen zu sein, sonst stirbst du einen langsamen und sehr qualvollen Tod hinsichtlich der Lärm- und Geruchsbelästigung und was das ästhetische Empfinden angeht... nun ja... am besten keinerlei Ansprüche an nichts und niemanden stellen, dann tut es nicht so weh. ;))
AntwortenLöschenDas ist hier nicht anders. Ich habe allerdings das wirkliche Glück, daß
Löschena) sich meine Haltestelle am Anfang der Linienführung befindet,
b) hier auch noch vergleichsweise plattes Land ist und
c) der Wagen zu dieser Uhrzeit noch frisch aus dem Depot kam.
Auf dem Rückweg ist der Eindruck dann doch schon etwas anders. :-D