Montag, 4. Januar 2021

Vom Klingeln und von Steigerungsfähigkeiten

Es klingelte am Wochenende an unserer Tür, kurz nachdem der Lärm, welcher ziemlich eindeutig von der neuen Nachbarschaft aus dem ersten Stock verursacht wurde abgeebbt hatte, an unserer Tür. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich schauten uns an. Es würde doch wohl nicht das Unfassbare geschehen? Nämlich dass man sich eventuell doch mal vorzustellen gedenkt? Schwerfällig erhob ich meinen geschundenen, nach nun doch schon aufgrund einer Nabelbruch-OP sowie anschließender Pandemie viel zu lange andauernder Unterbrechung jeglicher sportlicher Aktivitäten doch spürbar weniger trainierten irdischen Körper von unserem Monster und bewegte mich in Richtung Wohnungstür, um diese mit einem gekonnten Griff zu öffnen.

Im Treppenhaus fand sich allerdings Herr Schwiensberg, der neue Nachbar aus dem zweiten Stock vor, dessen Anwesenheit sowohl die zweitbeste Ehefrau von allen als auch ich tatsächlich nicht auf dem Schirm hatten. Der muss sich während des Radaus ins Haus geschlichen haben, sonst hätten wir es mitbekommen. Er hätte da ein paar Fragen zum örtlichen Internet-Anschluss. Jau, die moderne Technik des Hauses und darüber hinaus. Voll mein Thema. Also beorderte ich meine persönliche technische Beauftragte in Gestalt der Angetrauten zu mir, auf dass sie das Problem mit Herrn Schwiensberg erörtern konnte. Denn tatsächlich vermochte ich nicht zu mehr Umständen Auskunft geben zu können als zur Frage, über welchen Anbieter wir unseren Online-Zugang hätten.

Es entwickelte sich ein angenehmes Gespräch, während dessen es Herr Schwiensberg gelang, Punkte auf seinem bei uns geführten Konto gut zu machen. Sehr schön. Im Rahmen der Unterhaltung erzählte er, dass er der neuen Mieterin im Keller begegnet sei. Damit war er uns etwas voraus, denn wir wissen weder, wie sie heißt noch wie sie aussieht, geschweige denn, dass sie scheinbar alleine oben einzuziehen gedenke. Herr Schwiensberg meinte, es sei eine Dame mittleren Alters, also wohl etwa Mitte 40, wobei er dann doch etwas stockte und herumeierte, wusste er doch weder mich noch die zweitbeste Ehefrau von allen altersmäßig einzuschätzen und wollte es sich nicht direkt mit letzterer verderben. Nachdem diese ihn dahingehend beruhigte, dass sie selbst sich auch grob in diesem Jahrgängen befände und sich durchaus auch als im mittleren Alter befindlich ansehe, war eine gewisse Erleichterung auf Seiten des Gesprächspartners wahrlich nicht zu übersehen. Dies galt umso mehr, als dass ich bestätigten konnte, dass wir nicht kompliziert im Umgang seien und er sich über solche Bemerkungen mal keine Sorgen machen müsse.

Steigerungsfähig zeigte sich auch am heutigen Tag das Verhältnis zur neuen Nachbarschaft aus dem ersten Stock. Allerdings eher absteigend. Pünktlich am Montag um 11.30 Uhr begann man dort, mit Hilfe einer das ganze Haus erschütternden Maschine anhaltenden Krach zu machen. Lauter, intensiver und anhaltender als zuletzt. Natürlich wieder ohne Vorankündigung. Denn hätte es eine solche gegeben, wäre ich nicht ausnahmsweise mal mit Balu zur Arbeit gefahren, sondern hätte diesen der zweitbesten Ehefrau von allen überlassen, damit diese sich selbst zu ihren Eltern hätte evakuieren können. So aber fand ich, als ich nach Hause kam und schon durchaus angesäuert war, weil man es seitens der neuen Nachbarschaft nicht für nötig befunden hatte, die Haustür zu schließen, sondern aller Welt unbewachten offenkundigen Zugang zu unserem Haus zu gewährte, meine zornbebende Angetraute im Metzelsaal vor. Eine mit Sicherheit verständliche Stimmungslage. Sie erwog die Option, die im Hausanschlussraum befindliche Hauptsicherung zur obigen Wohnung zu zerstören und stellte die Frage in den Raum, ob dies in irgendeiner Form gemein wäre. Nun ja, gemein nicht, aber nach meinem Dafürhalten wären damit die Kriegshandlungen endgültig eröffnet worden.

Nun denn, genug dazu für heute. Ich sitze jetzt weiterhin auf dem Monster im Wohnzimmer, meine Angetraute auf dem Sessel im Metzelsaal, und beide versuchen wir, uns in den nur kurzen Augenblicken relativer Ruhe verbalkommunikativ zu verständigen.

Solltet ihr heute noch hier kommentieren wollen, müsstet ihr das bitte etwas lauter machen. Uns werden die Ohren wohl noch etwas nachklingeln.


8 Kommentare:

  1. Da schrub ich gerade einen Kommentar zum Thema Haustüren-offen-stehen-Lassen, Treppenlicht-Zeitschalter und mechanische Türentrieglung außer Funktion setzen und nicht in den ursprünglichen Zustand zurückstellen... und dann klicke ich auf "Abmelden" statt "Veröffentlichen". Na prima.

    Naja, jedenfalls hoffe ich, dass die mittel-alte, Tarnkappen-tragende neue Mitbewohnerin aus dem 1.OG ihre lautstarkenen Renovierungsarbeiten bald abschließt und dann - es sollen ja noch Zeichen und Wunder geschehen - bei Ihnen klingelt und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oder sie kommt und beschwert sich, weil die zweitbeste Ehefrau von allen ihren Online-Unterricht betreibt... Dann herrscht definitiv Krieg!

      Löschen
  2. wenn ich das so lese lieber Paterfelis fürchte ich fast:
    E S w i r d zum K R I E G kommen....
    das sind in der Tat
    eindeutig
    unhaltbare Zustände......
    ich denke...wärs mir passiert oder würde ich damit rechnen müssen_
    Sicherungen rausziehen und es drauf ankommen lassen wer dann zur Beschwerde auftaucht um dann endlich ein offenes Wort miteinander auszutauschen, dass es SO nicht geht.
    natürlich als höflicher mensch mit einem entsprechenden BITTE....
    mei Goodnees - Ihr habts aber im Moment echt schwer!!!!!
    waas bitte gedenkt IHR zu tun?

    Ihr habt mein ungetrübtes Mitgefühl herzlichst angelface

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. So lange das alles zu Zeiten stattfindet, zu denen es grundsätzlich zulässig ist, dürfte unsererseits gar nichts passieren. Und Freundlichkeit kann man bei anderen nicht erzwingen - in Anlehnung an die alte Rechtsweisheit, nach der Moral nicht einklagbar sei. Und ein unvorteilhaft dargebrachter Spruch kann das Verhältnis dauerhaft zerstören. Das wäre zunächst mal unnötig. Also erst mal gute Mine zum bösen Spiel machen, abwarten und beobachten bis der Umzug erfolgt ist.

      Löschen
  3. da kann ich Euch um Eure " Engelsgeduld" nur bewundern,
    mal sehen, wie lange Du und die zweitbeste Ehefrau aller Zeiten noch durchhältst...
    ich wünsche euch gutes Gelingen,....
    obwohl grundsätzlich sollte solch Vergehen in Sachen Nachbarschaft nicht so ohne weiteres toleriert werden, denn einmal geduldet heißt auch, man ist grundsätzlich damit einverstanden als "Nichtigkeit" oder unwichtiger Nachbar gesehen zu werden. Sicher sollte in jedem Fall STreit vermieden werden, aber ist darauf aufmerksam machen gleich STREIT?
    meint Ihr dies nicht auch?
    liebe Grüße angelface

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist heutzutage leider aus meiner Sicht immer weiter verbreitet, dass Menschen Kritik an ihrem Handeln oder ihrer Person - gleich wie sie vorgebracht wird - als Angriff werten. Mal etwas aushalten oder reflektieren ist aus der Mode gekommen.

      Löschen
  4. Mein vollstes Mitgefühl.

    Es gibt nichts Schlimmeres als laute neue Mitbewohner.
    Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als in der Wohnung unter mir ein junger Mann einzog ... und drei Tage später sein neues Klavier geliefert wurde...
    Bin inzwischen weggezogen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mein Büro befindet sich in der Nähe einer Musikschule... Zum glück auf der abgewandten Seite, aber von der büroeigenen Freizeit- und Sportoase (Pausenraum) sowie den Toiletten aus mehr als gut zu vernehmen. Ich spende daher aus (annähernder) Erfahrung nachträglich mein aufrichtiges Mitgefühl.

      Löschen

Es ist erlaubt und gewünscht, meine Beiträge zu kommentieren. Die Kommentare werden von mir moderiert. Kein Kommentar wird freigeschaltet, ohne daß ich ihn zuvor gelesen habe. Solltest du also vorhaben, hier herumzupöbeln, zu trollen oder dich sonst wie unangemessen zu äußern, so empfehle ich dir, die Arbeit zu sparen.

Haltet euch bitte an die Grundsätze eines anständigen Miteinanders, damit wir hier eine schöne Zeit zusammen verbringen können.

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.