Alles wird anders. Zumindest steht das zu befürchten. Nein, nix jetzt wieder mit dem bösen C-Wort. Oder P-Wort. Wegen meiner auch das L-Wort. Es gibt noch andere Dinge im Leben.
Zum Beispiel neue Bewohner im Haus.
Das Elend begann mit dem tragischen Ableben Herrn Knutsens. Krebs. Aufgrund nicht durchgeführter Vorsorgeuntersuchungen zu spät entdeckt. Damit stand die Wohnung über uns zunähst mal leer. Die Erben wohnen sonst wo und haben keine eigene Verwendung für den mittleren Teil des Wohngemäuers. Unsere Befürchtung, dass einer der Enkel hier zumindest vorübergehend residiert, hat sich zerschlagen. Selbiger studiert in einer zumindest in Reichweite liegenden Großstadt, so dass die Annahme nicht ganz unbegründet schien. Der Fokus lag auf „Befürchtung“, weil wir die beiden Enkel ja nun auch schon seit ihrem zarten Jugendalter mehr oder weniger kennen, zumindest aber erleben durften. Und die seitens Herrn Knutsens im Rahmen einer Beschimpfung selbiger Nachkommen seiner Nachkommen verwendete Wortwahl, nach denen es sich bei den Burschen um „zwei ganz schlimme Lauselümmel“ handeln würde, kommt nicht von ungefähr. Er hat in dem Zusammenhang übrigens nie erfahren, dass einer der besagten Lauselümmel es sich nicht hat nehmen lassen, einst auf der Straßenseite des Hauses in unseren gut einsehbaren Garten zu pinkeln…
Später teile Herr Wolf von ganz oben unter dem Dach uns mit, dass die Knutsen-Wohnung wohl verkauft werde, und dass man selber auch zu verkaufen gedenke, um den Ruhestand in zwei oder drei Jahren dann anderen Ortes zu genießen. Dies war dann der Grund für die zweitbeste Ehefrau von allen, auch eine baldmögliche Veräußerung der eigenen Wohnung in Erwägung zu ziehen. In der Nachbarschaft einer Freundin gebe es gerade ein Haus… Ähm, nein. So schnell schießen die Preußen nicht. Zumindest ich nicht.Ist ja nicht zuletzt auch eine Geldfrage. Und eine Frage der Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und überhaupt. Ich bin bodenständig. Im Gegensatz zu meinen Schwiegereltern, welche bis zum Erwerb des eigenen Hauses dem Vernehmen nach wohl alle zwei Jahre die Wohnung gewechselt haben, weil irgend etwas nicht passte. Nach aktuellen Angaben der zweibesten Ehefrau von allen habe sich vom erste Zusammenziehen bis zum Bezug des eigenen Hauses nur um sieben Umzüge gehandelt; sie seien also nicht schlimm gewesen.
Später im Jahr erreichte uns die Botschaft Herrn Wolfs, dass die Knutsen-Wohnung an einen Investor verkauft und dann vermietet werden solle. Einer der verblieben potentiellen Käufer, von denen es eine durchaus stattliche Auswahl gab, so dass man aus ihnen auswählen konnte, habe dann von den Verkaufsabsichten Herrn Wolfs erfahren und zum Zwecke der Eigennutzung ebenfalls kaufender Weise zugeschlagen und somit die Wohnung Herrn Wolfs erworben. Alles ging etwas schneller als geplant, weil man in der zukünftigen Wohngegend der Wahl überraschender Weise fündig geworden sei.
Tja.
Damit war es auch vorbei mit dem selbst verwalteten Wohneigentum. Bislang haben wir dies in ausgesprochen harmonischer Kooperation selbst geregelt, aber mit zwei neuen unbekannten Parteien im Haus, von denen eine noch gesplittet auf Mieter und einem ziemlich weit entfernt wohnenden Vermieter ist, muss ich mir das nicht antun. Ein professioneller Immobilienverwalter war zu berufen. Und endlich tat sich wieder eine Möglichkeit auf, einen zusätzlichen monatlich Festbetrag in den bundesdeutschen Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Man weiß ja sonst nicht, wohin mit der ganzen Kohle, die zinslos auf dem Konto liegt und mit Sicherheit Patina ansetzen würde.
Die erforderlichen Abwicklungen der angekündigten Handelsvereinbarungen zogen sich aufgrund bestimmter weltweiter Einschränkungen etwas hin, aber schließlich war alles bis Dezember erledigt. Die Neuen können kommen.
Heilig Abend wurde es laut im Treppenhaus. Irgendwelche uns unbekannten Menschen schleppten Material ins Dachgeschoss sowie in den Keller, bauten daselbst geräuschvoll ein metallenes Schwerlastregel auf – und lösten bei dieser Gelegenheit aus nicht nachvollziehbaren Gründen zwei Mal den Rauchmelder aus. Über die Weihnachtsfeiertage wurde auch weiter fleißig und durchaus geräuschintensiv gewerkelt, ohne dass mal irgend jemand es für nötig befunden hätte, sich hier als neuer Mitbewohner vorzustellen. Wir konnten auch die Bewegungen innerhalb der Wohnung über die Schritte nachvollziehen. Man bedenke, dass es sich um die Wohnung im 2. Obergeschoss handelte, während unsere Wohnhöhle im Erdgeschoss liegt. So etwas hatten wir bei den früheren Mitbewohnern nicht erlebt.
Zwischenzeitlich brachten die Paketboten auch die ersten Lieferungen, welche wir für die unbekannte Nachbarschaft entgegennehmen konnten. Auch hier wäre eine Vorab-Information ja mal durchaus nett gewesen. Aber nein, wozu auch?
Zwischen den Feiertagen begannen dann Arbeiten in der Wohnung über uns. Man begann den Geräuschen nach zu urteilen den Teppich zu entfernen. Die Uhrzeiten, zu denen die Arbeiten ausgeführt wurden, sprachen nicht für eine gewerbliche Tätigkeit. Auch hier hielt man es nicht für nötig, sich mal vorzustellen oder zumindest im Briefkasten einen Information zu hinterlassen.
Ist da denn zu viel verlangt? Wir leben hier nicht in einem gigantischen Wohnblock, sondern in einem Dreifamilienhaus. Und das zur Zeit als einzige Bewohner.
Zu Neujahr klingelte es. Oh, die neuen angehenden Mitbewohner von ganz oben. Dem Dialekt nach Nordlichter. Ok, immerhin ein kleiner Pluspunkt. Und es gab eine Schachtel Pralinen. Nicht die billigen vom Discounter, sondern schon etwas bessere Ware. Der persönliche Eindruck war immerhin auch nicht verkehrt, aber das Konto ist noch im Minus. Harren wir der Dinge. Der Einzug ist für Mitte Januar geplant.
Heute schließlich waren wieder Geräusche zu vernehmen. Der unmittelbar neben dem Haus befindliche Carport wurde befahren, was ein eindeutiger Hinweis auf das Vorhandensein des neuen Mieters in der Wohnung über uns sein sollte. Wiederum wurde im Treppenhaus etwas geschleppt; weiteres Material in Form von Balkonmöbeln (sinnvoll) und eines gerahmten Bildes (zum jetzigen Zeitpunkt???) steht nunmehr seit einigen Stunden außen vor dem Haus neben der Eingangstür. Kann man vielleicht verstehen, muss man aber nicht. Und wiederum kein freundlicher Hinweis, wer man sei. Was man aber oben macht, ist durchaus vernehmbar. Die letzten Reste des Teppichs werden mit maschineller Hilfe entfernt. Gut, das ist legitim. Aber trotzdem…
Zu guter Letzt habe
ich die Handynummer unserer neuen Verwalterin in meine Kontaktliste
des Handys Smartphones eingegeben und mir mal das
hübsche Bildchen angesehen, welches sich beim geschäftlich
genutzten Messenger finden lässt.
Es zeigte die ziemlich herausgeputzte Dame mit Kippe in der Hand angeschmiegt an den ebenfalls Kippe tagenden Herrn Gemahl, während dieser gut sichtbar seine Hand dazu verwendet, den Hintern seiner Gattin fest zu halten. Im Kommentarfeld gab es dazu ein Herzchen.
Ich glaube, ich bin zu alt für diese moderne Welt.
Nachbarn sollte man komplett abschaffen.
AntwortenLöschenMir würde es ja genügen, wenn der nächste Nachbar irgendwo in einer Entfernung zwischen 200 und 500 Metern leben würde. Da bin ich sehr pragmatisch eingestellt.
LöschenJa, so wäre es durchaus angenehm.
LöschenIch bewundere Ihre Gelassenheit (jedenfalls klingt der Text noch danach).
AntwortenLöschenUnd ich gehöre auch noch zu einer Generation, die bei Ein-/Umzug
a) sich zumindest bei den Nachbarn nebenan/ober-/unterhalb kurz vorgestellt und erwähnt hätte, dass es an Tag xy wegen Renovierungs- und Umzugsarbeiten vielleicht etwas lauter werden könnte
und - wenn sich bei dieser Begegnung schon eine gewisse Grund-Sympathie ergeben hätte -
b) den Nachbarn vielleicht eine Flasche Wein oder ein paar Sonntagsbrötchen als vorauseilende Entschädigung überreicht hätte.
Wann sind gute Umgangsformen eigentlich aus der Mode gekommen?
Die Sache mit den Umgangformen ist durchaus die zentrale Frage. Tatsächlich nehme ich das alles zwar mit einer gewissen rationalen Missbilligung zur Kenntnis, könnte mich aber nicht wirklich mit entsprechenden Emotionen darüber aufregen. Bei der zweitbesten Ehefrau von allen sieht das etwas anders aus.
Löschendurchaus verstehbar dass die zweitbeste Ehefrau aller Zeiten sich gebührend aufregt, ich gestehe da ich mit ähnlichem Temperament ausgestettet bin, tät ichs auch.
AntwortenLöschenManieren - gute Kinderstube,UMGANGSFORMEN; ein weng Rücksicht Achtsamkeit und Höflichkeit scheint bei diesen " sorry PROLETEN" nie bestanden oder anwesend bekannt gewesen zu sein und wird sich selbst wohlmeinend vermutet- auch nicht einstellen!!!....
Kein Vergnügen sich in einem Mietverhältnis so eng beieinander aufeinander einzustellen, Frust ist da quasi schon vorprogrammiert, erste Eindrücke bewahrheiten sich wahrscheinlich auch auf das weitere Zusammenleben...
Ihr habt mein vollstes Verständnis, aber
was tun - wie sich selbst in Zukunft verhalten??????
man möchte es sich nicht vorstellen...
herzlichste Grüße auch an die geplagte zweitbeste Ehefrau aller Zeiten, ich hoffe ihr schafft euch ein dickes fell an und könnt weiteren ZUsammenkünften weitestgehend aus dem Wege gehen, einfach wirds aber sicher nicht
herzlichst angelface und euch dennoch auf ein gutes neues Jahr.
Sabberlot echt, mir ginge die Hutschnur hoch
Die neuen Mieter von der Wohnung direkt über uns sind heute (Sonntag) um Punkt zwölf Uhr hier aufgeschlagen und machen jetzt Radau im Keller.
LöschenWir werden auch hier bei der ersten Begegnung sehr freundlich sein und beobachten, was weiter passiert. Wir wissen ja noch nicht mal, ob das wirklich die Neuen sind oder evtl. die Eltern, die handwerklich geschickt sind und Renovierungsarbeiten für die Sprösslinge ausüben. Nach der Ansicht aus dem Türspion bot sich heute jedenfalls nicht der gleiche persönliche Anblick wie gestern. aber da kann man ja auch irren.