Donnerstag, 17. Januar 2019

Das Leben steckt voller Risiken

Irgendwie wurde es zum Jahresende eng. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich hatten es nicht geschafft, einen anständigen Besuch auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt zu machen. Ich bin ihm nur einmal nahe gewesen, als ich rein dienstlich ein bestimmtes Geschäft in der Neustädter Altstadt aufsuchen musste; allerdings war zu dieser Uhrzeit noch jeglicher Stand des Weihnachtsmarktes geschlossen. Die zweitbeste Ehefrau von allen hatte eine Getränkehütte anlässlich einer Geburtstagsfeier aufgesucht, musste aber anschließend zu einem ihrer Kurse aufbrechen und hatte so vom Weihnachtsmarkt auch nicht übertrieben viel mitbekommen.

Immerhin war es Sven zu verdanken, daß ich wenigstens meinen jährlichen Backfisch erhalten habe, denn den hat er mir in einer Mittagspause mitgebracht. Sechs Euro kostet das Teil in diesem Jahr und wird geführt auch immer kleiner. Es ist nicht mehr so wie früher, damals in der alten Heimat.
Nach Weihnachten zeigte die zweitbeste Ehefrau von allen gewisse Tendenzen zur Unruhe. An der Grenze vom späten Nachmittag zum frühen Abend scheuchte sie mich hoch und erklärte, mit mir unter Nutzung meiner uns beide zur Nutzung eines Nahverkehrszuges der Deutschen Bahn AG berechtigenden Dauerfahrkarte mittels eben jener Bahn nach Kurbad Grönau fahren zu wollen. Dort habe noch ein Weihnachtsmarkt geöffnet, welchen man aufgrund seiner zeitlichen Ausdehnung über Weihnachten hinaus einfach Wintermarkt nannte. Und just an diesem Tag sei auch noch die letzte Möglichkeit, bevor dem Markttreiben ein Ende gesetzt sein würde.

Als folgsamer Ehemann wuchtete ich meinen müden Leib hoch, warf mich in ausgehtaugliche Kleidung und machte mich eilends mit der zweitbesten Ehefrau von allen auf dem Weg, denn der nächste Zug sollte in Bälde den Haltepunkt Neustädter Ländchen verlassen, und wenn wir diesen verpassten, dann würde sich die Aktion auch nicht mehr lohnen, fährt die Bahn zu dieser Uhrzeit doch nur im Stundentakt.

In Kurbad Grönau angekommen fanden wir den Wintermarkt direkt und damit auch praktischerweise direkt in Bahnhofsnähe vor. Wir taten, was man auf einem solchen Markt eben so tut: Wir untersuchten die Fressbuden anwesende teilmobile Gastronomie auf Besonderheiten und schlugen auch angemessen und in nicht übertriebener Weise zu. Champignons und Poffertjes gehen immer.

An einem Stand, an dem belgische Pommes offeriert wurden, schnappten wir die Unterhaltung eines älteren Pärchens auf.

Sie: „Ich habe Lust auf Pommes. Willst du auch welche?“

Er: „Ich würde welche nehmen.“

Sie: „Eine große oder eine kleine Portion?“

Er: „Hmmm, ich weiß nicht. Was ist, wenn die hier nicht schmecken?“

Sie: „???“

Er: „Komm, lass uns nach Hause zu unserer Pommesbude fahren und da welche holen.“

Tja, was der Bauer nicht kennt… Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich haben all unsere Mut zusammengenommen und es gewagt. No risk, no fun.

Und wir wurden belohnt.


2 Kommentare:

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