Irgendwie wurde es zum
Jahresende eng. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich hatten es nicht
geschafft, einen anständigen Besuch auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt zu machen.
Ich bin ihm nur einmal nahe gewesen, als ich rein dienstlich ein bestimmtes Geschäft
in der Neustädter Altstadt aufsuchen musste; allerdings war zu dieser Uhrzeit
noch jeglicher Stand des Weihnachtsmarktes geschlossen. Die zweitbeste Ehefrau
von allen hatte eine Getränkehütte anlässlich einer Geburtstagsfeier
aufgesucht, musste aber anschließend zu einem ihrer Kurse aufbrechen und hatte
so vom Weihnachtsmarkt auch nicht übertrieben viel mitbekommen.
Immerhin war es
Sven zu verdanken, daß ich wenigstens meinen jährlichen Backfisch erhalten
habe, denn den hat er mir in einer Mittagspause mitgebracht. Sechs Euro kostet
das Teil in diesem Jahr und wird geführt auch immer kleiner. Es ist nicht mehr
so wie früher,
damals in der alten Heimat.
Nach Weihnachten
zeigte die zweitbeste Ehefrau von allen gewisse Tendenzen zur Unruhe. An der
Grenze vom späten Nachmittag zum frühen Abend scheuchte sie mich hoch und
erklärte, mit mir unter Nutzung meiner uns beide zur Nutzung eines
Nahverkehrszuges der Deutschen Bahn AG berechtigenden Dauerfahrkarte mittels
eben jener Bahn nach Kurbad Grönau fahren zu wollen. Dort habe noch ein
Weihnachtsmarkt geöffnet, welchen man aufgrund seiner zeitlichen Ausdehnung über
Weihnachten hinaus einfach Wintermarkt nannte. Und just an diesem Tag sei auch
noch die letzte Möglichkeit, bevor dem Markttreiben ein Ende gesetzt sein
würde.
Als folgsamer
Ehemann wuchtete ich meinen müden Leib hoch, warf mich in ausgehtaugliche
Kleidung und machte mich eilends mit der zweitbesten Ehefrau von allen auf dem
Weg, denn der nächste Zug sollte in Bälde den Haltepunkt Neustädter Ländchen
verlassen, und wenn wir diesen verpassten, dann würde sich die Aktion auch
nicht mehr lohnen, fährt die Bahn zu dieser Uhrzeit doch nur im Stundentakt.
In Kurbad Grönau
angekommen fanden wir den Wintermarkt direkt und damit auch praktischerweise
direkt in Bahnhofsnähe vor. Wir taten, was man auf einem solchen Markt eben so
tut: Wir untersuchten die Fressbuden anwesende teilmobile Gastronomie auf
Besonderheiten und schlugen auch angemessen und in nicht übertriebener Weise
zu. Champignons und Poffertjes gehen immer.
An einem Stand, an
dem belgische Pommes offeriert wurden, schnappten wir die Unterhaltung eines
älteren Pärchens auf.
Sie: „Ich habe Lust
auf Pommes. Willst du auch welche?“
Er: „Ich würde
welche nehmen.“
Sie: „Eine große
oder eine kleine Portion?“
Er: „Hmmm, ich weiß
nicht. Was ist, wenn die hier nicht
schmecken?“
Sie: „???“
Er: „Komm, lass uns
nach Hause zu unserer Pommesbude fahren und da welche holen.“
Tja, was der Bauer
nicht kennt… Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich haben all unsere Mut
zusammengenommen und es gewagt. No risk, no fun.
Und wir wurden
belohnt.
Lustiges, älteres Paar.
AntwortenLöschenDessen sind sie sich wohl eher nicht bewusst.
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