Sonntag, 31. Januar 2021

Sie ist wie sie ist

Die Zeit verging, und wie üblich selten geworden arbeiteten Tanja, Rebecca und ich ruhig vor uns hin. Das Radio dudelte. Ich glaube, das steht seit Anbeginn meiner Zeiten hier in der Höhle im Schicksalsberg an diesem Platz, aber es lief so gut wie nie. Zumindest seit Mandy nicht mehr hier im Raum sitzt. Erst seit den Zeitpunkt als es darum ging, einen orangefarbenen Hamster aus seinem Bau zu entfernen, hatte ich es wieder regelmäßig in Betrieb genommen. Tatsächlich in erster Linie wegen der Nachrichten und weniger wegen der Musik. Immerhin gibt es diesen unsäglichen Gute-Laune-Moderator nicht mehr. Wohl aber wird weiterhin dieses Lied aus der Hölle gespielt. Und dieses nicht minder schlimme, in meinen Ohren tatsächlich Schmerz verursachende Lied auch: *klick mich*

Dabei durfte ich dann auch feststellen, dass meine Mitmenschen augenscheinlich auch in hochbrisanten Zeiten nicht so wirklich an aktueller Berichterstattung interessiert sind, denn fast immer wenn sich eine mutmaßlich interessante Meldung ankündigte, stand irgend jemand an meinem Tisch und hat mich angetextet, klingelte ein Telefon anhaltend, fing ein Drucker an zu arbeiten (seit Einführung des doppelseitigen Drucks bei uns wurde das noch zeitintensiver als vorher) oder aber es fuhr ein extra langer Güterzug vorbei. Mit Gegenverkehr. Die Welt und ich – zwei Dinge, die wohl nie so richtig zusammenkommen.

Wenn wir aber schon beim Stichwort „kommen“ sind: Es kam wie es kommen musste. In Form von Frau Schlüter, welche uns auf dem Weg irgendwohin freundlicher Weise eben die Tageszeit sagen wollte.

„Oh, Sie haben ja jetzt Ihr Radio an.“

Rebecca mischte sich direkt ein.

„So ohne Radio geht es doch hier nicht. Ich habe das auch immer an.“

Doch, geht es wohl. Aber damit gehöre ich wohl auch zu einer aussterbenden Art. Denn missen kann ich es im Büro durchaus auch weiterhin.

„Bei uns unten warte ich auch immer sehnsüchtig, bis es viertel vor vier ist. Dann mache ich es bei mir auch endlich an.“

Klar, Frau Schlüter arbeitet ja auch mit Kundenverkehr. Da ist das mit dem Radio natürlich eher schlecht. Und zur genannten Uhrzeit ist die Kundschaft weg. Da kümmert sich Frau Schlüter um den deutlich wichtigeren Teilaspekt ihrer Funktion: dem Führen der Statistiken.

„Letztens habe ich, als alle weg waren, mal so richtig aufgedreht und zu Wolfgang Petri Headbanging gemacht.“

Was bestimmt mit der Mähne durchaus eindrucksvoll ausgesehen haben dürfte.

„Da kam auf einmal Herr Holzmann rein und wollte sich auf dem Weg nach draußen eben noch verabschieden. Der hat entgegen seiner sonstigen Gewohnheit nur kurz ‚Tschüss‘ gesagt und ist dann abgezogen. Jetzt denkt er bestimmt, dass ich vollkommen durchgeknallt bin.“

Irgendwie ein naheliegender Gedanke...



Mittwoch, 27. Januar 2021

Kuchen und so

Raissa hatte Geburtstag. Ein Vierteljahrhundert plus Eins ist sie geworden. Wie den letzten verbliebenen Leser aus der guten alten Zeit dieses Blogs eventuell noch bekannt sein könnte, habe ich mit dem ganzen Rummel, der um solche Daten im Kalender gemacht wird, nicht so viel zu tun. Dennoch ließ es sich Raissa nicht nehmen, mir ein Stück ihres selbst gebackenen Schokoladenkuchens an den Tisch zu bringen. Da kann man ja nicht nein zu sagen.

Der Klang der sich öffnenden Aufzugstüren erreichte mich, welcher durch das Geräusch fest auftretenden Schuhwerks abgelöst wurde. Seit Maria in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist und auch Frau von Weißenfels hier nicht mehr ihr Unwesen treibt, kann es nur noch eine geben, welche derart ihr Erscheinen ankündigt:

Frau Schlüter!

Nicht mal Augenblicke später schob sich ein mittelgroßes Geschenkpaket in unser Büro, gefolgt von einer nicht unimposanten weiblichen Oberweite und einer weiter oben befindlichen dunklen Haarmähne. Japp, Theorie bestätigt.

„Schönen guten Morgen! Ach Mist, hier bin ich ja verkehrt.“

Stimmt auffallend, denn Raissa sitzt jetzt ja woanders.

Frau Schlüter machte auf dem Absatz kehrt, als ich mich in die Gefahr begab, welche dazu neigt einen umzubringen. Vielleicht. Weiß man ja nicht so genau. Ich rief Frau Schlüter etwas hinterher.

Frau Schlüter, das Geschenk für mich wäre jetzt aber nicht nötig gewesen.“

Mein bodenloser Leichtsinn wurde direkt bestraft. Frau Schlüter kam zurück.

„Herr Paterfelis, SIE würden ja auch ein Paket von mir bekommen, wenn Sie denn endlich mal sagen, wann Sie Geburtstag haben.“

Aus der Nebenrichtung war Tanjas Stimme zu vernehmen.

„Stimmt, von Ihnen kenne ich das Datum ja auch nicht.“

Sehr richtig. Und das Datum steht auch nicht auf der öffentlich zugänglichen Geburtstagsliste, was hoffentlich so bleibt.“

Staatsgeheimnis Nummer Eins sozusagen. Wobei ich zumindest aus meinem Jahrgang kein Geheimnis mache, aber aus den weiteren schmutzigen Details.

„Sehen Sie, Herr Paterfelis, darum gibt es auch kein Geschenk. Und jetzt gehe ich mir Kuchen holen.“

Kennen Sie eigentlich den großen Unterschied zwischen uns, Frau Schlüter?“

„?“

ICH bekam den Kuchen serviert. SIE nicht. Denken Sie mal drüber nach.“

Es war übrigen ein sehr leckerer Kuchen. Den hätte man nur noch durch Zugabe einer anständigen Menge Rum verbessern können. Aber Alkohol im Dienst – nö, das machen wir nicht.

Auch, wenn es hier manchmal im Suff vermutlich durchaus besser zu ertragen wäre.


Sonntag, 24. Januar 2021

Sie ist wieder da

Es war ruhig in der Höhle im Schicksalsberg. Tanja und ich arbeiteten vor uns hin, als eine länger nicht mehr gehörte aber dennoch vertraute Stimme die Stille unterbrach.

„Schönen guten Morgen.“

Rebecca stand in der Tür.

Nein! Ich dachte immer, Frl. Hasenclever hätte mich nur verarscht. War wohl nichts, du bist ja wirklich wieder da.“

Ich grinste Rebecca an, die frisch aus der Elternzeit kommend unser Büro betreten hatte.

„Ja, bin ich. Und endlich wieder mal in diesem Büro hier.“

Nach mehr als einjähriger Abwesenheit dürfte so einiges bei ihr eingerostet sein. Und auch den bei uns erfolgten Digitalisierungsschub hat Rebecce nur so ganz am Rand mitbekommen, bevor ihre Auszeit losging. Also ist es an mir, ihre ersten Schritte nach der Rückkehr zu begleiten. Das kam dann doch eher überraschend, denn aufgrund einer kurzfristigen Entscheidung wichtiger Persönlichkeiten soll Rebecca nun doch wieder bei uns eingesetzt werden. Und - wenn die Eingewöhnung von Rebeccas Kind in der Kita gut läuft - auch ohne zweite Runde Elternzeit.

Dann ist es mit der heiligen Ruhe hier wohl vorbei.“seufzte ich.

Zumindest stand das zu befürchten. Und ich würde niemanden finden, der bei einer potentiellen Wette dagegen hält. So bekloppt kann keiner sein.

„Ich habe meinem Mann erzählt, dass ich schon mal bei dir saß. Damals, als wir unsere Hochzeit geplant haben. Der meinte nur ‚Das hat er alles mitbekommen?‘. Und er lässt dir sein tiefes Mitgefühl ausrichten.“

Männer verstehen sich eben, auch wenn sie sich noch nie gesehen haben.

„Jetzt kann ich nur noch Kindergeschichten erzählen.“

Reicht auch.

Etwa zwei Stunden waren vergangen, als Herr Holzmann hereinkam, um Rebecca ebenfalls willkommen zu heißen. Die üblichen Floskeln wurde ausgetauscht, als Rebecca erwähnte, dass sie ja schon mal bei mir gesessen habe. Das war mein Stichwort.

Herr Holzmann, können sie sich eigentlich vorstellen wie es ist, wenn eine Frau an dem Schreibtisch gegenüber sitzt, die ihre Hochzeit plant?“

„Da habe ich so den Hauch einer Ahnung.“

Ja. Beneidenswert. Ich aber habe das Wissen.

Und auch ohne Hochzeitsplanung wurden in den zwei Stunden ihrer Anwesenheit hier mehr Worte gewechselt als sonst in einer ganzen Woche.

Wieso immer ich?

Wie würde es Frl. Hasenclever ausdrücken?

„Sie sind der Seniorsachbearbeiter. Das gehört zu Ihrem Job.“

Dafür bekomme ich ja auch eine etwas höhere Vergütung. Aber warum drängt sich mir jetzt wieder der Begriff „Schmerzensgeld“ auf?


Donnerstag, 21. Januar 2021

Erwartungen

„Na, Herr Paterfelis. Sie arbeiten jetzt seit einem Jahr mit unserem digitalen Aktensystem. Was sagen Sie denn dazu?“

„Herr Abteilungsleiter, das System hat meine Erwartungen in jeder Beziehung erfüllt.“

Meine Erwartungen waren, dass es langsam, unübersichtlich und wenig anwenderfreundlich sein wird. Aber das wollte der Herr Abteilungsleiter schon nicht mehr wissen.



Sonntag, 17. Januar 2021

Zwillinge

Raissa arbeitet an ihrer Karriere. Sie nimmt an einer zweijährigen hausinternen Fortbildung teil und wird dann im Idealfall bei uns als Sachbearbeiterin eingesetzt. Die Veranstaltung findet jeweils ganztägig an einem Tag in der Woche in der LASA-Hauptverwaltung in Bad Husten statt. Insgesamt wird sie zwei Jahre damit beschäftigt sein. Normalerweise, denn die Pandemie wirft natürlich auch mit unseren Aus- und Fortbildungen einiges durcheinander. Auf jeden Fall aber muss sie die Arbeit von fünf Tagen nun in vier Tagen schaffen, denn umfangreiche Vertretung für die Zeiten ihrer Abwesenheit ist aufgrund der ohnehin dünnen Personaldecke nicht zu schaffen. Das bedeutet natürlich, dass sie die zusätzliche Belastung, mit mir zusammen unsere Auszubildenden zu bespaßen, nicht auch noch schaffen kann. Also hat sie nach drei Jahren der Zusammenarbeit den Platz bei mir im Zimmer, der Höhle im Schicksalsberg, geräumt.

An ihre Stelle ist Tanja getreten. Tanja hat ihre Ausbildung erst letztes Jahr abgeschlossen und benötigt ebenfalls noch Zeit und Erfahrung, um diese Aufgabe wirklich stemmen zu können. Unter dem Strich wird sie bei mir noch einiges dazulernen müssen. Im Doppelpack mit einem der für Anfang Februar bei mir angekündigten Auszubildenden. Sie weiß schon, wie es bei mir zugeht, denn vor einem Jahr zu dieser Zeit hat auch sie für einige Monate unter meiner Fuchtel verbracht. Und so kamen wir natürlich auch ins Reden.

„Herr Paterfelis, wissen Sie eigentlich, dass ich eine Zwillingsschwester habe?“

Jetzt schon.“

„Ja aber die ist so ganz anders als ich.“

Ach, dann ist Ihre Schwester also die Nette?!“

„Boaaaahhh!“

Nun, diesen Schlachtruf hat sie schon von Frl. Hasenclever gelernt. Ich bin also guter Dinge.


Sonntag, 10. Januar 2021

Laden, zielen, Feuer frei

Nein, wir sind nicht mehr bei Herrn Holzmann und seiner Affinität zu schweren Waffen. Es geht viel mehr mal wieder um die Verteidigung der Wohnhöhle.

Mittwoch hatte Einstein den letzten Einsatz des Bodenschleifgerätes zum wie angekündigt Abschluss gebracht. Am Donnerstag war am Vormittag Radau im Treppenhaus zu vernehmen. Nach Auskunft der zweitbesten Ehefrau von allen war Einstein damit beschäftigt, das Gerät durch das Treppenhaus nach draußen zu wuchten, was durch nur mäßigen Einsatz seines Geschickes wohl auf eher wenig elegante Weise geschah. Das Treppenhaus sah danach jedenfalls aus wie Sau. Unter aller Sau, um es genau zu sagen. Davon konnte ich mich selbstpersönlich überzeugen, als ich nachmittags nach Hause gekommen war.

Die zweitbeste Ehefrau von allen stand spürbar wieder kurz vor dem Platzen.

„Mal sehen, ob er den Dreck noch wegmacht. Wenn ich gleich höre, dass er das Haus verlässt und das hier immer noch so aussieht, renne ich hinterher und schnappe ihn mir.“

Ja, da möchte man nicht in der Haut des potentiellen Opfers stecken. Ist meine Angetraute doch in der Tendenz ansonsten eher pazifistisch eingestellt, hat sie mich im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen doch wiederholt nach dem aktuellen Lagerort meines Baseballschlägers gefragt. Vermutlich würde ich mit etwas Glück gegenwärtig sogar meinem dauerhaft gehegten Wunsch nach einer benzinbetriebenen Kettensäge mit extra langem Blatt erfüllt bekommen, wenn ich diese nur sachgerecht zum Einsatz brächte – wobei sachgerecht zur Zeit ein durchaus dehnbarer Begriff sein dürfte.

Es wurde 20.00 Uhr. Wir hatten weder die Tür der über uns gelegenen Wohnung als auch die des Treppenhauses gehört. Allerdings vermochten wir uns auch beide nicht vorzustellen, dass sich Einstein immer noch vor Ort befände. Also begab ich mich in die Kälte, warf einen Blick in den zur Wohnung gehörenden Carport und durfte feststellen, dass sein dort sonst abgestellter Wagen und auch der Anhänger, mit dem er seine Gerätschaften transportierte, verschwunden waren. Also hat er sich doch geräuschlos aus dem Haus geschlichen, was ihm sonst zuvor noch nie gelungen war. Hinterlassen hat er dafür das Chaos im Treppenhaus.

Damit war der Punkt erreicht, an dem es keine Rückkehr mehr gibt. Der letzte Tropfen war gefallen; das Fass war übergelaufen. Ich begab mich an den Rechner und grub die Mailadresse des Investors aus, welcher die Wohnung über uns gekauft hatte. In einem längeren Text beschrieb ich die Zustände und bedauerte vor allen Dingen die mangelnde Kommunikation. Ich ließ durchblicken, dass das (nur vorgeschobene, denn ich mache das nicht) Arbeiten im Homeoffice (Erinnerung: Wir haben Pandemie und Lockdown, da könnte man ja mal von alleine darauf kommen, dass es Menschen gibt, die das machen) mit erforderlichen Telefonaten und Videokonferenzen spürbar mit dem ganzen Lärm erschwert sei und dass man bei vorherigem Bekanntsein der Arbeiten durchaus auch meinerseits einige zuvor vereinbarte Termine hätte verschieben können. Und selbst bei purer Freizeitgestaltung in der eigenen Wohnhöhle sei ein Verlassen derselben möglich gewesen, was im Lockdown jedoch so spontan nicht ganz so einfach wäre. Zumindest nicht, wenn man sich außerhalb über Stunden irgendwie beschäftigen müsse. Darüber hinaus bemängelte ich, dass mir weiterhin jeglicher Ansprechpartner in der Sache unbekannt sei, da ich ja noch nicht wisse, wer dafür verantwortlich zeichne – er als Eigentümer oder der mir weiterhin unbekannte neue Mieter. Auf jeden Fall aber würden wir die kurzfristige Beseitigung des hinterlassenen Drecks erwarten.

Da war Adrenalin im Blut, und durchaus am ganzen Leib zitternd schickte ich die Mail ab.

Freitags kam ich an frühen Nachmittag nach Hause. Die zweitbeste Ehefrau von allen zeigte sich planmäßig abwesend, so dass ich keine Zwischenmitteilung über eventuelle Ereignisse des Tages erhalten hatte. So öffnete ich die Haustür. Mich umschmeichelte ein frischer Zitrusduft und ein – überwiegend, aber nicht in allen Details – glänzendes Treppenhaus. Geht doch.

Auf dem Rechner fand ich die Antwortmail des Investors vor. Offenkundig schnell runtergetippt aber verbindlich in der Aussage und im angemessenen Tonfall und Ausdruck des Bedauerns.

Eine weitere Mail stammte von dem Inhaber des Handwerksbetriebes, welcher alle Schuld auf sich nahm, die Erfordernisse und Lage der obigen Arbeiten darstellte, die Reinigung in Aussicht stellte und die Planung der weiteren Arbeiten darstellte.

Sehr schön, warum nicht gleich so?!

Ich nutzte die Gelegenheit der Abwesenheit meiner Angetrauten, um endlich mal wieder einen männertauglichen amerikanischen Kulturfilm anzusehen, als es klingelte. In zuletzt gut geübter Praxis schwang ich mich zur Tür und öffnete. Vor mit stand ein mir unbekannter Typ, welcher mich mit einem freundlichen „Hallo“ grüßte und erwartungsvoll anstrahlte, also ob ich ihn kennen müsste. Meine interne Datenbank abrufend konnte ich das Gesicht aber nirgends einordnen. Schließlich stellte er sich als Herr Hassenichgesehen vor. Ja, der Name war irgendwo in meinem Gedächtnis als „Hast-du-schon-mal-gehört-ist-aber-nicht-wichtig“ abgelegt. Er fragte direkt weiter, ob ich seine Mail schon gelesen habe. Ach ja, der Inhaber des Handwerksbetriebs persönlich. Niemand, der aufgrund seiner ganzen Ausstrahlung bei mir Sympathien wecken könnte. Eher so ein leicht schmieriger Vertreter-Typ, allerdings ohne Anzug.

Er entschuldigte sich nochmals wortreich für die entstandenen Unannehmlichkeiten, gab den Inhalt seiner Mail nochmal in eigenen Worten wieder und überreichte mir als kleine Entschädigung eine Falsche Wein. Noch nicht mal ein schlechter oder billiger, wie eine spätere Ermittlung im Internet ergab. Die hatte er bestimmt noch von irgend einem Mallorca-Urlaub übrig, denn die Beschriftung des Etiketts war ausschließlich in spanischer und englischer Sprache. Gut, Thema an dieser Stelle auch erledigt.

Erneut widmete ich mich dem Studium amerikanischer Lebenskultur zu, als mich kurz vor der finalen Aussage des cineastischen Werkes erneut ein Türklingeln störte. Ich hatte kurz zuvor gehört, wie ein Auto in unsere Straße eingefahren war und mutmaßte, dass es sich um die heimkehrende zweitbeste Ehefrau von allen handelte. Sie hat so ein Gespür dafür, wann es sich am nachhaltigsten lohnt, mich bei meinen fernsehlichen Aktivitäten zu unterbrechen. Aber nein, vor der Tür stand eine Dame mittleren Alters, bei der es sich eindeutig nicht um die Angetraute handelte.

Sie stelle sich als die neue Nachbarin vor, deren Name ich natürlich sofort wieder vergaß. Um mir Dinge zu merken, muss ich sie lesen. Ist einfach so. Auch sie bedauerte die unschönen Umstände, entschuldigte sich mehrfach und hoffte auf eine gute Nachbarschaft. Klar, kein Problem. Solange wir miteinander reden, ist alles im grünen Bereich. Da sehen wir unsererseits keine Probleme. Sie fragte ich, ob ich denn heute Ruhe bei der Arbeit gehabt hätte – ein klarer Hinweis darauf, dass auch sie nicht zufällig geklingelt hatte, sondern ebenfalls vom Investor einen dezenten Hinweis auf ein sich anbahnendes Problem erhalten haben müsste. Also auch hier erst mal alles in Ordnung. Die Gelegenheit beim Schopfe packend warnte ich sie direkt vor, dass die zweitbeste Ehefrau von allen als Tanz- und Fitnesstrainerin während des Lockdowns den Unterricht für ihre Kurse aus dem heimischen Wohnzimmer online übertragen würde und es daher durchaus möglich wäre, dass an zwei oder drei Tagen in der Woche Musik nach oben schallen könne. Alles kein Problem. Jegliche andere Aussage hätte mich jetzt auch sehr befremdet.

Allerdings gab es von ihr keinen Wein. Macht nichts. Wein trinken wir ohnehin nicht.


Samstag, 9. Januar 2021

Mal was ganz anderes

Erinnert sich noch jemand an Frau von Weißenfels? Viel habe ich nicht über sie berichtet. Sie ist kurz vor meiner Blogpause unsere neue Außenstellenleiterin geworden. Mittlerweile ist oder wurde sie gegangen, man weiß es nicht so genau. Ihr nunmehriges Tätigkeitsfeld befindet sich in der LASA-Hauptverwaltung in Bad Husten. Eine weiterhin leitende Funktion vermag ich in der neuen Position nicht zu erkennen, aber ich kann mich ja auch irren.

Da es keine Freiwilligen gab, welche ihre Position in Neustadt einnehmen wollten, wurde Herr Holzmann bequatscht, diese befristet einzunehmen. Auf ein Jahr hat er sich dazu bereiterklärt, keinen Tag länger.

Herr Holzmann ist für uns kein Unbekannter. Er war früher Zeitsoldat und wurde nach Ablauf seiner Dienstzeit, welche er zuletzt mit einer immer wieder geäußerten Begeisterung in Afghanistan verbrachte, bei uns als Anwärter für den gehobenen Dienst eingestellt. Im Rahmen seiner Ausbildung verbrachte er auch einige Monate unter meiner Fittiche. Er ist ein Typ. Kein unangenehmer Kerl, aber wirklich ein Typ. Unverkennbar in seiner Art. Und endlich mal mit einem ordentlichen Führungsstil. Kein ewig langes Herumgeschwalle, sondern klare und verbindliche Ansagen mit überwiegend auch nachvollziehbaren Inhalten und Hintergründen. Schnelle Entscheidungen. Und schnelles Bearbeiten der ihm vorgelegten Vorgänge. darüber hinaus unterstützt er die Sachbearbeitung unmittelbar im Rahmen seiner Möglichkeiten. Nicht so wie seine beiden Vorgängerinnen im Amt. Zumindest mein Fachbereich würde es gerne sehen, wenn er bei uns bleibt. Auf der anderen Seite des Ganges sieht man es vermutlich anders, denn Nadja, das dortige Pendant zu Frl. Hasenclever, hat nach meinem Empfinden durch sein Erscheinen einiges an Einfluss auf die Führung des Hauses verloren.

Ich werkelte an meinem Schreibtisch vor mich hin. Das Zimmer war ansonsten leer, denn Raissa hat noch Urlaub, neue Auszubildende sind erst angekündigt und ansonsten dürfen hier gerade nicht mehr Plätze besetzt werden. Ihr wisst schon – wir fahren gerade mit Abstand am Besten. Unvermutet tauchte Herr Holzmann mit einem Tablett Süßigkeiten auf.

„Bedienen Sie sich, Herr Paterfelis.“

Ich grinste ihn an.

Hach ja, bevor Sie mich schlagen.“

„Herr Paterfelis, Sie wissen doch, dass ich gegen Gewalt bin – außer mit Schusswaffen, die gehen immer.“

Sollte ich vergessen haben zu erwähnen, dass er – immer noch – Reserveoffizier in einer Panzerkompanie ist?

Dienstag, 5. Januar 2021

*** Breaking News *** Einstein lebt!

Meine Angetraute hatte etwas außerhalb der Wohnhöhle zu tun gehabt und mich bei der Gelegenheit auf dem Rückweg im Büro aufgegabelt und eingepackt. Wir waren in den letzten Zügen, einige soeben angeschleppte Dinge wegzuräumen, als es – vor wenigen Minuten - an der Tür klingelte. Wiederum war ich es, der sich in Bewegung setzte, da die zweitbeste Ehefrau von allen noch in der Küche hantierte. Einen Blick durch den Türspion ersparte ich mir, denn es konnte nur EINEN geben, der dem Klang der Türklingel sowie den bis vor nicht allzu langer Zeit noch vernehmbaren durchdringenden Geräuschen des Bodenschleifgerätes nach zu urteilen im Treppenhaus vor der Wohnungstür stand: ER! Der Typ aus dem ersten Stock! Nein, mit der neuen Nachbarin persönlich rechneten wir nicht. Und mit was? Mit Recht!

Also öffnete ich mit einem reflexartig in meinem Gesicht erscheinenden Lächeln (eine Nebenwirkung der Soziophobie) und sah vor mir – Einstein. Albert Einstein. In Handwerkerklamotten. Aber mit unverkennbarem Bart und Wuschelfrisur.

Man stellte sich als derjenige vor, welcher uns nun schon seit zwei Tagen mit Lärm beglückte und erkundigte sich, ob wir denn tagsüber zu Hause wären. Ja, meine Angetraute schon. Die hätte jetzt bestimmt unter seinen Aktivitäten gelitten? Ja, sie sei nicht sehr amüsiert gewesen. Wenn man das vorher gewusst hätte, dann wäre ja eine räumliche Umorientierung in Richtung eines weit entfernten Ortes möglich gewesen, so aber leider wohl nicht. Oh, ja, dann könne er nur dahingehend beruhigen, dass er nur noch einen Tag benötige, um das Werk zu vollenden.

Ach ja, und er habe vermutlich das Fliegengitter an unserem Fenster versehentlich beschädigt. Nö, eher nicht. Das hatte vorher schon ein größeres Loch.

Nun denn, auch wenn wohl nur der vermeintlich verursachte Schaden der Aufhänger war, um hier mal vorbeizukommen, dann hat es wohl genügt, um meine Botschaft auf freundliche Weise abzusetzen.

Die neue Nachbarin kennen wir aber immer noch nicht. Noch nicht mal ihren Namen.

Und die zweitbeste Ehefrau von allen hat sich für morgen das Auto gesichert, mit dem ich eigentlich selbst unterwegs sein wollte.

Aber irgend etwas ist ja immer.


PS: Der Typ hatte heute seinen Glückstag. Denn wenn die zweitbeste Ehefrau von allen vor mir an der Tür gewesen wäre...



Montag, 4. Januar 2021

Vom Klingeln und von Steigerungsfähigkeiten

Es klingelte am Wochenende an unserer Tür, kurz nachdem der Lärm, welcher ziemlich eindeutig von der neuen Nachbarschaft aus dem ersten Stock verursacht wurde abgeebbt hatte, an unserer Tür. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich schauten uns an. Es würde doch wohl nicht das Unfassbare geschehen? Nämlich dass man sich eventuell doch mal vorzustellen gedenkt? Schwerfällig erhob ich meinen geschundenen, nach nun doch schon aufgrund einer Nabelbruch-OP sowie anschließender Pandemie viel zu lange andauernder Unterbrechung jeglicher sportlicher Aktivitäten doch spürbar weniger trainierten irdischen Körper von unserem Monster und bewegte mich in Richtung Wohnungstür, um diese mit einem gekonnten Griff zu öffnen.

Im Treppenhaus fand sich allerdings Herr Schwiensberg, der neue Nachbar aus dem zweiten Stock vor, dessen Anwesenheit sowohl die zweitbeste Ehefrau von allen als auch ich tatsächlich nicht auf dem Schirm hatten. Der muss sich während des Radaus ins Haus geschlichen haben, sonst hätten wir es mitbekommen. Er hätte da ein paar Fragen zum örtlichen Internet-Anschluss. Jau, die moderne Technik des Hauses und darüber hinaus. Voll mein Thema. Also beorderte ich meine persönliche technische Beauftragte in Gestalt der Angetrauten zu mir, auf dass sie das Problem mit Herrn Schwiensberg erörtern konnte. Denn tatsächlich vermochte ich nicht zu mehr Umständen Auskunft geben zu können als zur Frage, über welchen Anbieter wir unseren Online-Zugang hätten.

Es entwickelte sich ein angenehmes Gespräch, während dessen es Herr Schwiensberg gelang, Punkte auf seinem bei uns geführten Konto gut zu machen. Sehr schön. Im Rahmen der Unterhaltung erzählte er, dass er der neuen Mieterin im Keller begegnet sei. Damit war er uns etwas voraus, denn wir wissen weder, wie sie heißt noch wie sie aussieht, geschweige denn, dass sie scheinbar alleine oben einzuziehen gedenke. Herr Schwiensberg meinte, es sei eine Dame mittleren Alters, also wohl etwa Mitte 40, wobei er dann doch etwas stockte und herumeierte, wusste er doch weder mich noch die zweitbeste Ehefrau von allen altersmäßig einzuschätzen und wollte es sich nicht direkt mit letzterer verderben. Nachdem diese ihn dahingehend beruhigte, dass sie selbst sich auch grob in diesem Jahrgängen befände und sich durchaus auch als im mittleren Alter befindlich ansehe, war eine gewisse Erleichterung auf Seiten des Gesprächspartners wahrlich nicht zu übersehen. Dies galt umso mehr, als dass ich bestätigten konnte, dass wir nicht kompliziert im Umgang seien und er sich über solche Bemerkungen mal keine Sorgen machen müsse.

Steigerungsfähig zeigte sich auch am heutigen Tag das Verhältnis zur neuen Nachbarschaft aus dem ersten Stock. Allerdings eher absteigend. Pünktlich am Montag um 11.30 Uhr begann man dort, mit Hilfe einer das ganze Haus erschütternden Maschine anhaltenden Krach zu machen. Lauter, intensiver und anhaltender als zuletzt. Natürlich wieder ohne Vorankündigung. Denn hätte es eine solche gegeben, wäre ich nicht ausnahmsweise mal mit Balu zur Arbeit gefahren, sondern hätte diesen der zweitbesten Ehefrau von allen überlassen, damit diese sich selbst zu ihren Eltern hätte evakuieren können. So aber fand ich, als ich nach Hause kam und schon durchaus angesäuert war, weil man es seitens der neuen Nachbarschaft nicht für nötig befunden hatte, die Haustür zu schließen, sondern aller Welt unbewachten offenkundigen Zugang zu unserem Haus zu gewährte, meine zornbebende Angetraute im Metzelsaal vor. Eine mit Sicherheit verständliche Stimmungslage. Sie erwog die Option, die im Hausanschlussraum befindliche Hauptsicherung zur obigen Wohnung zu zerstören und stellte die Frage in den Raum, ob dies in irgendeiner Form gemein wäre. Nun ja, gemein nicht, aber nach meinem Dafürhalten wären damit die Kriegshandlungen endgültig eröffnet worden.

Nun denn, genug dazu für heute. Ich sitze jetzt weiterhin auf dem Monster im Wohnzimmer, meine Angetraute auf dem Sessel im Metzelsaal, und beide versuchen wir, uns in den nur kurzen Augenblicken relativer Ruhe verbalkommunikativ zu verständigen.

Solltet ihr heute noch hier kommentieren wollen, müsstet ihr das bitte etwas lauter machen. Uns werden die Ohren wohl noch etwas nachklingeln.


Samstag, 2. Januar 2021

Jetzt aber mal ehrlich...

Alles wird anders. Zumindest steht das zu befürchten. Nein, nix jetzt wieder mit dem bösen C-Wort. Oder P-Wort. Wegen meiner auch das L-Wort. Es gibt noch andere Dinge im Leben.

Zum Beispiel neue Bewohner im Haus.

Das Elend begann mit dem tragischen Ableben Herrn Knutsens. Krebs. Aufgrund nicht durchgeführter Vorsorgeuntersuchungen zu spät entdeckt. Damit stand die Wohnung über uns zunähst mal leer. Die Erben wohnen sonst wo und haben keine eigene Verwendung für den mittleren Teil des Wohngemäuers. Unsere Befürchtung, dass einer der Enkel hier zumindest vorübergehend residiert, hat sich zerschlagen. Selbiger studiert in einer zumindest in Reichweite liegenden Großstadt, so dass die Annahme nicht ganz unbegründet schien. Der Fokus lag auf „Befürchtung“, weil wir die beiden Enkel ja nun auch schon seit ihrem zarten Jugendalter mehr oder weniger kennen, zumindest aber erleben durften. Und die seitens Herrn Knutsens im Rahmen einer Beschimpfung selbiger Nachkommen seiner Nachkommen verwendete Wortwahl, nach denen es sich bei den Burschen um „zwei ganz schlimme Lauselümmel“ handeln würde, kommt nicht von ungefähr. Er hat in dem Zusammenhang übrigens nie erfahren, dass einer der besagten Lauselümmel es sich nicht hat nehmen lassen, einst auf der Straßenseite des Hauses in unseren gut einsehbaren Garten zu pinkeln…

Später teile Herr Wolf von ganz oben unter dem Dach uns mit, dass die Knutsen-Wohnung wohl verkauft werde, und dass man selber auch zu verkaufen gedenke, um den Ruhestand in zwei oder drei Jahren dann anderen Ortes zu genießen. Dies war dann der Grund für die zweitbeste Ehefrau von allen, auch eine baldmögliche Veräußerung der eigenen Wohnung in Erwägung zu ziehen. In der Nachbarschaft einer Freundin gebe es gerade ein Haus… Ähm, nein. So schnell schießen die Preußen nicht. Zumindest ich nicht.Ist ja nicht zuletzt auch eine Geldfrage. Und eine Frage der Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und überhaupt. Ich bin bodenständig. Im Gegensatz zu meinen Schwiegereltern, welche bis zum Erwerb des eigenen Hauses dem Vernehmen nach wohl alle zwei Jahre die Wohnung gewechselt haben, weil irgend etwas nicht passte. Nach aktuellen Angaben der zweibesten Ehefrau von allen habe sich vom erste Zusammenziehen bis zum Bezug des eigenen Hauses nur um sieben Umzüge gehandelt; sie seien also nicht schlimm gewesen.

Später im Jahr erreichte uns die Botschaft Herrn Wolfs, dass die Knutsen-Wohnung an einen Investor verkauft und dann vermietet werden solle. Einer der verblieben potentiellen Käufer, von denen es eine durchaus stattliche Auswahl gab, so dass man aus ihnen auswählen konnte, habe dann von den Verkaufsabsichten Herrn Wolfs erfahren und zum Zwecke der Eigennutzung ebenfalls kaufender Weise zugeschlagen und somit die Wohnung Herrn Wolfs erworben. Alles ging etwas schneller als geplant, weil man in der zukünftigen Wohngegend der Wahl überraschender Weise fündig geworden sei.

Tja.

Damit war es auch vorbei mit dem selbst verwalteten Wohneigentum. Bislang haben wir dies in ausgesprochen harmonischer Kooperation selbst geregelt, aber mit zwei neuen unbekannten Parteien im Haus, von denen eine noch gesplittet auf Mieter und einem ziemlich weit entfernt wohnenden Vermieter ist, muss ich mir das nicht antun. Ein professioneller Immobilienverwalter war zu berufen. Und endlich tat sich wieder eine Möglichkeit auf, einen zusätzlichen monatlich Festbetrag in den bundesdeutschen Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Man weiß ja sonst nicht, wohin mit der ganzen Kohle, die zinslos auf dem Konto liegt und mit Sicherheit Patina ansetzen würde.

Die erforderlichen Abwicklungen der angekündigten Handelsvereinbarungen zogen sich aufgrund bestimmter weltweiter Einschränkungen etwas hin, aber schließlich war alles bis Dezember erledigt. Die Neuen können kommen.

Heilig Abend wurde es laut im Treppenhaus. Irgendwelche uns unbekannten Menschen schleppten Material ins Dachgeschoss sowie in den Keller, bauten daselbst geräuschvoll ein metallenes Schwerlastregel auf – und lösten bei dieser Gelegenheit aus nicht nachvollziehbaren Gründen zwei Mal den Rauchmelder aus. Über die Weihnachtsfeiertage wurde auch weiter fleißig und durchaus geräuschintensiv gewerkelt, ohne dass mal irgend jemand es für nötig befunden hätte, sich hier als neuer Mitbewohner vorzustellen. Wir konnten auch die Bewegungen innerhalb der Wohnung über die Schritte nachvollziehen. Man bedenke, dass es sich um die Wohnung im 2. Obergeschoss handelte, während unsere Wohnhöhle im Erdgeschoss liegt. So etwas hatten wir bei den früheren Mitbewohnern nicht erlebt.

Zwischenzeitlich brachten die Paketboten auch die ersten Lieferungen, welche wir für die unbekannte Nachbarschaft entgegennehmen konnten. Auch hier wäre eine Vorab-Information ja mal durchaus nett gewesen. Aber nein, wozu auch?

Zwischen den Feiertagen begannen dann Arbeiten in der Wohnung über uns. Man begann den Geräuschen nach zu urteilen den Teppich zu entfernen. Die Uhrzeiten, zu denen die Arbeiten ausgeführt wurden, sprachen nicht für eine gewerbliche Tätigkeit. Auch hier hielt man es nicht für nötig, sich mal vorzustellen oder zumindest im Briefkasten einen Information zu hinterlassen.

Ist da denn zu viel verlangt? Wir leben hier nicht in einem gigantischen Wohnblock, sondern in einem Dreifamilienhaus. Und das zur Zeit als einzige Bewohner.

Zu Neujahr klingelte es. Oh, die neuen angehenden Mitbewohner von ganz oben. Dem Dialekt nach Nordlichter. Ok, immerhin ein kleiner Pluspunkt. Und es gab eine Schachtel Pralinen. Nicht die billigen vom Discounter, sondern schon etwas bessere Ware. Der persönliche Eindruck war immerhin auch nicht verkehrt, aber das Konto ist noch im Minus. Harren wir der Dinge. Der Einzug ist für Mitte Januar geplant.

Heute schließlich waren wieder Geräusche zu vernehmen. Der unmittelbar neben dem Haus befindliche Carport wurde befahren, was ein eindeutiger Hinweis auf das Vorhandensein des neuen Mieters in der Wohnung über uns sein sollte. Wiederum wurde im Treppenhaus etwas geschleppt; weiteres Material in Form von Balkonmöbeln (sinnvoll) und eines gerahmten Bildes (zum jetzigen Zeitpunkt???) steht nunmehr seit einigen Stunden außen vor dem Haus neben der Eingangstür. Kann man vielleicht verstehen, muss man aber nicht. Und wiederum kein freundlicher Hinweis, wer man sei. Was man aber oben macht, ist durchaus vernehmbar. Die letzten Reste des Teppichs werden mit maschineller Hilfe entfernt. Gut, das ist legitim. Aber trotzdem…

Zu guter Letzt habe ich die Handynummer unserer neuen Verwalterin in meine Kontaktliste des Handys Smartphones eingegeben und mir mal das hübsche Bildchen angesehen, welches sich beim geschäftlich genutzten Messenger finden lässt.

Es zeigte die ziemlich herausgeputzte Dame mit Kippe in der Hand angeschmiegt an den ebenfalls Kippe tagenden Herrn Gemahl, während dieser gut sichtbar seine Hand dazu verwendet, den Hintern seiner Gattin fest zu halten. Im Kommentarfeld gab es dazu ein Herzchen.

Ich glaube, ich bin zu alt für diese moderne Welt.