Donnerstag, 25. Januar 2018

Ein quersitzender Furz

Es ist die Gelegenheit, die letzten Monate Revue passieren zu lassen, welche ich während meiner Wachphasen nahezu überwiegend in der Höhle im Schicksalsberg verbracht habe. Es gab schon so einige Veränderungen, aber vieles läuft auch weiterhin im alten Trott. Was nicht zwingend verkehrt ist. Denn mit Veränderungen tue ich mich immer noch schwer.

Ich bin immer noch, wenn auch etwas amtsmüde, Seniorsachbearbeiter im LASA. Wenn ich überlege, was ich alles neben der 100 %-Zuständigkeit eines normalen Sachbearbeiters  zusätzlich während der gleichen Arbeitszeit erledigen darf, kommt mir manchmal die Galle hoch. Aber was tut man nicht alles für fünf Euro mehr am Tag...

Frau Dr. Stebsinger wurde im echten Leben geehelicht und taucht hier im Blog künftig nur noch als Frau Schubert auf.  Sven hat seine Beschäftigung im LASA im letzten Jahr gekündigt, ist aber nach drei Monaten freiwillig wieder zu uns zurückgekommen. Die Arbeit bei uns empfindet er trotz des höheren Leistungsdrucks als weniger monoton, so daß ihn auch die bei uns schlechtere Bezahlung nicht stört. Die Aussage ist durchaus glaubwürdig.

Seinen Platz in unserem kleinen, gemütlichen Büro, eben der besagten und blogbekannten Höhle im Schicksalsberg, hat jedoch zwischenzeitlich Raissa eingenommen. Raissa verbrachte in den letzten zwei Jahren immer wieder als Auszubildende einige Monate bei uns vor Ort im Praxiseinsatz. Mit etwas Mühe und schmutzigen Tricks ist es uns gelungen, sie nach ihrer Prüfung behalten zu dürfen. Und sie ist zweifellos ein echter Gewinn. Allerdings sorgt sie für weniger Anekdoten als zuvor Mandy und Sven. Es wird dahingehend also wohl etwas ruhiger werden.

Ach ja, Mandy. Seit sie ihr Büro in Indien, also auf der anderen Seite des Ganges, eingenommen hat, haben wir nur noch sporadisch Kontakt. Wir sind ja auch primär vor Ort, um unsere Arbeit zu erledigen und nicht um zu quatschen. Für mich ist das vollkommen in Ordnung.

Dem Vernehmen nach passt wohl zwischen Frl. Hasenclever und mir zwischenzeitlich kein Blatt mehr. Nun, ich behalte mir vor, in verschiedenen Dingen durchaus anderer Meinung zu sein als sie, aber wir klären das vorher in kleinem Kreis und ziehen dann die gefundene Linie gemeinsam durch. Man gibt und man nimmt. Das ist ein Zustand, der im Moment sehr vonnöten ist, da der Herr Geschäftsführer mal wieder einen Furz quer sitzen hatte und sein besonderes Augenmerk auf unsere Außenstelle verweilte. Wir werden nie zu seinen Lieblingen zählen, dafür sorgen wir, gleich ob freiwillig oder unfreiwillig. Letztendlich wollen wir aber nur unsere Arbeit ordentlich machen.

Sein gequältes Aufstöhnen, untermalt mit den Worten „Neustadt! Immer wieder die Außenstelle Neustadt.“ ist nahezu legendär. Unser Abteilungsleiter in Bad Husten hat die Sache mal anders ausgedrückt. Er formulierte es einst so: „Immer, wenn wir eine neue Arbeits- und Verfahrensanweisung auf den Markt gebracht haben, warten darauf, daß sich die Außenstelle Süd-Südwest in Neustadt meldet um darauf aufmerksam zu machen, was dabei mal wieder falsch gelaufen ist. Und meistens hat sie recht.“ Eben!

Der Herr Geschäftsführer aber will keine Probleme. Er will Lösungen Ergebnisse auf Biegen und Brechen. Und das zu einer wahrlich ungünstigen Zeit.

Was ist das Problem? Natürlich die Statistik, wie immer. Der Herr Geschäftsführer erwartet eine bestimmte Zahl an Erledigungen ebenso bestimmter Anträge im Monat. Die können wir aber nicht liefern. Umschreiben wir das mal mit folgendem Bild: Wenn ich nur vier Eier erhalte, kann ich nicht acht Spiegeleier rausgeben. Stattdessen versuchen wir ihm was anderes schmackhaft zu machen, von dem wir mehr zur Verfügung haben. Das sollte verständlich sein. Ist es aber in bestimmten hierarchisch eher oben gelagerten Positionen nicht. Erschwerend kommt hinzu, daß Frau Kuchenbäcker und Herr Harnischfeger seit August einer Langzeiterkrankung anheim gefallen sind. Zeitgleich. Ende weiterhin offen. Da beide aber im Beamtenstatus stehen, verursachen sie weiterhin monatliche Kosten in Form ihrer weiterzuzahlenden Bezüge. Beamte fallen nicht ins Krankengeld, sie haben quasi eine ewige Lohnfortzahlung bis zur Genesung oder Pensionierung. Und damit zählen sie für die statistische Auswertung dessen, was wir tun, als bedingungslos anwesend. Daß Rebecca zwischendurch auch mal sieben oder acht Wochen am Stück fehlte, macht da schon gar nichts mehr aus. Denn sie ist Angestellte und wird nach sechs Wochen aus der Statistik rausgerechnet.

Sagte ich, es macht nichts aus? Na ja. Fast. Eigentlich. Also Angestellte ist sie schon. Aber ausgemacht hat es uns ihr Ausfall doch etwas. Und nicht nur von der menschlichen Seite. Also etwas viel sogar, denn Rebecca ist ein Arbeitstier durch und durch.

Die zusätzliche Abwesenheit von Rebecca hat also richtig reingehauen. Sowohl persönlich als auch als Arbeitskraft. Ihre Krankmeldung fühlte sich fast wie ein Tritt vom Schicksal ins Gemächt an. Bei den anderen genannten Kollegen ist das so eine Sache. Nachdem wir deren mehr als nur verkorksten Hinterlassenschaften in Form von Akten mit viel Mühe und Gefluche - ich untertreibe hier absichtlich etwas - endlich aufgearbeitet hatten, lief es allgemein runder. Man könnte sich sogar einer Bemerkung Frau Schuberts anschließen, die da lautete: „Mal ehrlich, Sie vermissen die Beiden doch gar nicht?!“ Tja, manchmal läuft es - den mitmenschlichen Faktor mal ganz wertfrei außer Betracht gelassen - unter bestimmten Umständen eben besser.

Es gab eine Zeit, da mussten wir ausnehmend kundenorientiert arbeiten. Diese Zeit ist vorbei. Definitiv. Heute arbeiten wir erledigungsorientiert, egal ob wir den Kunden damit benachteiligen oder nicht. Das Augenmerk liegt darauf, daß die Rechnungsprüfung und die Aufsichtsbehörde uns nicht an den Karren pinkeln können. Wir halten uns in dem, was von Amtes wegen von uns an Ermittlungsarbeiten erwartet werden kann, an den absoluten Mindeststandards, und das war es. Service gibt es nicht mehr. Seit Einführung des Benchmarking im öffentlichen Dienst hat man sich von den bei uns einst ernsthaft verkündeten hohem Ziel der Bürgernähe und Serviceorientierung verabschiedet. Die Politik als Hauptverursacher will es nicht anders.

Es soll nur keiner merken.

Beschämend.


Kommentare:

  1. Ihre Beschreibungen klingen manchmal als würden Sie in einer Anstalt arbeiten.

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  2. Ich habe heute den Spruch "Nur Verrückte auf der Straße..." gehört und würde diesen gerne auf Eure Behörde erweitern. Darf ich?

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    1. Einem wahren Wort, welches gelassen ausgesprochen wird, kann man sich nicht verschließen.

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