Natürlich saßen wir wieder in unserem gemütlichen Büro und arbeiteten vor uns hin. Mandy und ich mussten den Vierpersonenraum zu der Zeit gerade mit niemandem teilen. Somit waren die Tische unserer Einarbeitungsplätze frei. Das heißt, so richtig frei wiederum auch nicht. Wir hatten sie mit Aktenstapeln belegt, ordentlich sortiert und beschriftet. So sucht es sich leichter, als wenn die Aktenberge auf dem Boden liegend den
schönen, immer noch fast neuen Teppich unter sich begraben. Welcher übrigens schon erste Abnutzungserscheinungen zeigt. Aber das sei nur am Rande erwähnt.
Im Radio verbreitete der nervtötende Gute-Laune-Moderator irgendwas von einem anstehenden Jahrestag. Hat mich nicht weiter interessiert. Mandy aber sprang darauf an.
„Du, Paterfelis?“
„Ja, du Mandy?“
„Wir sollten lieber morgen einen anderen Jahrestag begehen.“
„Was liegt denn an?“
„Morgen vor zwei Jahren hatte ich meinen Bandscheibenvorfall.“
„Dann lass uns mal machen. Dazu musst du aber Berliner mitbringen.“
„Berliner?“
„Ach die. Warum denn ausgerechnet die?“
„Wegen Rajiv. Den kennst du doch?“
„Klar. Aber was hat der damit zu tun?“
„Der hat letztens wieder einen Vortrag gehalten. Darin ging es auch um Bandscheibenvorfälle.“
„Und?“
„Vorher hat er die zweitbeste Ehefrau von allen angerufen. Die wollte ja auch zu dem Vortrag.“
„Aha.“
„Ja. Er hat sie gefragt, ob sie vier Berliner mitbringen könne.“
„Warum das denn?“
„Weil er gerade in dem Laden sei, der Lebensmittel liebt. Aber die hätten wohl keine mehr.“
„Jetzt weiß ich immer noch nicht, was er damit will.“
„Natürlich demonstrieren, wie so ein Bandscheibenvorfall aussieht. Draufdrücken und die Marmelade rausquetschen.“
„Interessant.
„Ja. Und er musste vier haben, weil er es vorher ausprobieren wollte. Meine Angetraute sollte ihm dabei helfen.“
„So so.“
„Da habe ich natürlich noch die geniale Idee gehabt, daß sie Gummihandschuhe für sich und ihn mitnehmen soll. Weil das Zeug doch so klebt. Wenn ich einen Berliner gegessen habe, muß ich hinterer immer duschen gehen. Wäre aber doof, wenn die beiden das während des Vortrages auch machen müssten.“
„Ähm, ja.“
„Die Idee fand meine Angetraute auch richtig gut. War ja auch von mir.“
„Was auch sonst?“
„Eben. Und dann ist sie früher als geplant von zu Hause losgefahren, damit sie die Berliner noch besorgen kann.“
„Hat sie denn welche bekommen?“
„Nö. Aber sie hat mich dann von unterwegs angerufen, ich soll die Mikrowelle einsatzbereit machen und dann vor die Tür kommen.“
„Wieso das denn schon wieder?“
„Weil der Drehteller des Gerätes noch in der Spülmaschine war.“
„Nein, ich meine, warum denn überhaupt die Mikrowelle benötigt wurde.“
„Wegen der Berliner, die sie doch nicht bekommen hatte.“
„Häh?“
„Na, da hat sie zu den kleinen Tiefkühl-Windbeuteln gegriffen. Die haben auch eine Füllung.“
„Wie praktisch.“
„Ja, aber die sind doch gefroren. Deswegen sollte ich sie in der Mikrowelle kurz antauen.“
„Clevere Idee.“
„Finde ich auch, obwohl die noch nicht mal von mir war.“
*stöhn*
„Was? Egal. Es lief aber doch nicht so wie geplant.“
„Warum?“
„Sie haben die Handschuhe nicht gebraucht.“
„Na und?“
„Damit bin ich um meinen wertvollen und überaus intelligenten Anteil zum Gelingen des Vortrages gebracht worden.“
„PATERFELIS!“
Krapfen heißen die in Franken. Nur mal so. Und sind mit Hiffenmark gefüllt. Im Original. Also Hagebuttenmarmelade. Und am besten schmecken die, wenn man hinter der Backstraße beim Bäcker steht. Aber nach 14 warmen Teilen, da wird mir schlecht. Auch blöd. Dabei war ab Nummer 9 kein Zucker mehr aufgestreut.
AntwortenLöschenAber den Tipp mit den Handschuhen, den merke ich mir. Und vielleicht kombiniere ich das mit einem blauen Müllsack, in den ich ein paar Löcher schnitze. Drei für Arme und Kopf. Oder vier, wenn ich mal muss...
LG, Holger
Eine Kollege von mir war früher auch mal Bäcker. Seit dieser Zeit kann er keine Berliner mehr sehen oder riechen - geschweige denn essen.
LöschenOh, die Sache mit den Berlinern kenne ich. Niemals, ich schwöre, niemals habe ich es bis heute geschafft einen zu essen, ohne Marmelade auf der Kleidung wiederzufinden. Geht einfach nicht..
AntwortenLöschenDanke für den Lacher am Abend
Gruß vonner Grete
Man sollte endlich welche ohne Füllung erfinden.
LöschenBei uns heißen die Dinger Krapfen und werden schon mal gerne mit Senf statt mit Marmelade gefüllt, um sie denjenigen zu servieren, die eine kleine Abreibung verdient haben! ;-)
AntwortenLöschenUnter Krapfen kenne ich hier was anderes. Die Sache mit dem Senf habe ich auch schon mal gehört. Doch wenn schon gefüllt, egal ob mit guten oder mit bösen Gedanken, dann würde ich Pudding bevorzugen.
LöschenHehe, toll.
AntwortenLöschenPlanst du solche diagloge vorher? Oder passiert das einfach?
Das passiert einfach.
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