Samstag, 11. Oktober 2014

Paterfelis spielt - nicht mehr (1)

Mein Streifzug durch die Welt des Spielens nähert sich dem Ende. Ihr konntet mich dabei begleiten und erfahren, daß ich als Kind vielleicht schon ein wenig schräg drauf war, wie ich dem Monopoly-Wahn erlegen bin, Gesellschaftsspiele nahezu gesammelt habe und über heute vielleicht exotisch anmutende Wege zum Tabletop-Spiel gefunden habe. Auf der bis in die Gegenwart gezeichneten Strecke habe ich die Welt der Modelleisenbahn und der Videospiele aus bestimmten Gründen außen vor gelassen. Vielleicht komme ich später nochmal darauf zu sprechen. Sie sind für die Streckenführung bis zur nun anstehenden Finalrunde nicht so sehr von Bedeutung.

Über den gesamten Weg verstreut finden sich immer wieder Aspekte meiner Persönlichkeit, die ich aus der Nachschau als kleine Randmarkierungen ansehe. Und bis zum Schluss werden sich weitere Markierungen finden.

Tauchen wir wieder ein in die Welt, die mir so viel bedeutet hat.

Der Markt an Tabletop-Spielen ist weit gefächert. Viel weiter, als sich ein Außenstehender überhaupt vorstellen möchte. Und auch wenn wir uns in unserer Gruppe darauf beschränkt haben, nur Spiele in Angriff zu nehmen, für die deutschsprachige Regeln vorliegen, bleiben noch genügend Optionen übrig. Weitere Spiele fanden den Weg zu uns, die Mortheim-Kampagne war irgendwann ausgelaufen und verlangte nach Ersatz. Den fanden wir in Blood Bowl, einem nun schon seit über 25 Jahren sehr populären, mit mehr als nur einem Hauch Satire versehenem Fantasy-Footballspiel. Es ist möglich, Einzelspiele zu veranstalten, aber der eigentliche Spaß ergibt sich erst, wenn es als Liga gespielt wird, da Veränderungen in der Mannschaft und ihren Fähigkeiten zum Tragen kommen. So begannen wir zunächst mit den Übungsspielen, um in die Sache reinzufinden. Obwohl allgemein ein guter Anklang herrschte, gelang es uns nicht, richtig Fahrt aufzunehmen. Wir bliesen die entsprechenden Versuche zunächst ab. Darüber verlor sich der Kontakt zu meinen ehemaligen Kollegen. Es gab keinen Streit, doch schlief alles so langsam ein.

Durch die ständigen Zugänge in unserem Forum erweiterte sich die Zahl der angebotenen Spielsysteme immer mehr. Wir hatten aber genügend Spieler, um uns fast jederzeit entsprechend betätigen zu können. Alles lief rund. Dachte ich.

Es kam die Zeit, zu der ich zum ersten Mal bemerkte ich, daß eben doch nicht alles – zumindest mich betreffend - so rund läuft, als eine Gruppe von Spielern eine eigene, über ein Wochenende laufende Warhammer-Kampagne auf die Beine stellte und diese veranstaltete. Ich fand es zwar bedauerlich, daß dies nicht unter dem Oberbegriff und in der Tradition unserer Megametzel organisiert wurde, stand der Sache als Gründer und ein wenig auch Lenker der Gruppe aber offen gegenüber. Das war also nicht direkt das Problem. Mir wurde aber bewusst, daß ich von den an dieser Kampagne teilnehmenden Spielern tatsächlich nur einen, nämlich den Veranstalter, persönlich kannte. Ich konnte mich nicht überwinden, an der Kampagne teilzunehmen, obwohl mir alle Möglichkeiten offen standen. Das waren mir zu viele unbekannte Gesichter auf einmal.

Ich ging die Namen der Angehörigen unserer Spielergruppe durch und musste erkennen, daß ich immer an denselben paar Spielern kleben blieb. Klar, auch in der Vergangenheit hatte ich mich persönlich neuen Spielern fast nur noch geöffnet, wenn mindestens ein mir vertrauter Spieler zu einem möglichen Spiel ebenfalls anwesend sein würde. Schlimm wurde es für mich, wenn ein Termin vereinbart war und mein vertrauter Spieler kurzfristig absagte. Oder sich verspätete. Ich kann nicht sagen, wo denn jetzt der Unterschied zwischen meinen spielerischen Anfängen in der Zeit mit Michael zur jetzigen Situation lag.

Ich zog mich zermürbt und angeschlagen aus der Führung der Gruppe zurück und übertrug die administrativen Rechte an dem Forum an einen Spieler namens Ulf. Er hatte immer wieder Ideen, konnte auf Menschen zugehen, ließ sich leicht begeistern und wollte die Gruppe voranbringen. In seiner Spielauffassung war er vollständig auf meiner Seite. Dennoch nahm die Anzahl der Spiele, die unter meiner Beteiligung zustande kamen, immer weiter ab. Um mich herum wurde die Mauer immer höher.

Die Anzahl der Spieler in unserer Gruppe nahm weiterhin zu. Irgendwann kippte die Einstellung der Mehrheit der mit den Ton angebenden Forenangehörigen vom Typus Bier- und Bretzel-Spielerzu den Turnierspielern. Wer nur nach deutschen Regeln spielen wollte, musste sich rechtfertigen, denn schließlich seien nur die englischsprachigen Originalregelwerke relevant, da man sich hier nicht mit Übersetzungsfehlern auseinandersetzen müsse und heute doch jedermann das bisschen Englisch können müsse. Nach so einer Diskussion hatte ich die Schnauze voll. Gerade solche Auseinandersetzungen finden sich immer und immer wieder in den großen Foren. Wer sich nicht den Ansichten dieser Clique unterwirft, gilt nicht als ernstzunehmender Spieler. So einfach ist das.

Ich lege zwar keinen übermäßigen Wert darauf, von mir Unbekannten als ernstzunehmender Spieler angesehen zu werden, da kann ich mir schließlich kein Ei drauf braten, aber diese Auseinandersetzungen nerven mich. Ich war froh, einen Kreis aufgebaut zu haben, in denen eben diese Diskussionen nicht geführt werden müssen, denn sie werden nie zu einem Ergebnis führen. Und nun ging dies auch bei uns los. Ich hatte das Gefühl, ein Baby, nein, mein Baby endgültig verloren zu haben. So verließ ich das von mir gegründete Forum und den Spielerkreis.

Aber das Ende war noch nicht erreicht.


(wird forgesetzt)




5 Kommentare:

  1. Oh!

    Das klingt aber schon so, als ob du ein wenig traurig darüber wärst.
    Kann ich aber gut verstehen,

    Wenn das eigene Baby plötzlich selbstständig wird und andere Wege geht, als man es sich wünschen würde ist das wirklich kein Grund zum feiern.

    Ich bin gespannt darauf wie es weiter geht.

    In der Zwischenzeit, bis du wieder einen Kreis gefunden hast, in dem du gerne spielst, darfst du gerne -Achtung EIGENWERBUNG;-)) - bei mir ein wenig weiter raten;-)

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    1. Ein wenig traurig ist eine echte Untertreibung. Als ich die E-Mail zur Einleitung des Besitzerwechsels an den Provider abgeschickt hatte, habe ich geheult wie ein Schloßhund. Na ja, vielleicht nicht ganz so, aber dem schon ziemlich nahe.

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    2. Okay!

      Das ist TOTAL traurig und dass du ein paar Tränchen verdrücken musstest ist verständlich;-)

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  2. Tut mirecht leid für Dich, dass es soweit gekommen ist :-(

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  3. Das kenne ich ..nicht aus Spielerforen, aber aus einem anderen Genre ..kann dir alles nachfühlen.
    Gruß vonner Grete

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