Dienstag, 25. Juni 2013

Mutter und Sohn

Es hatte geregnet. Ich wartete am Haltepunkt Neustädter Ländchen auf meinen Anschluss. Am Bussteig C hielt ein Bus. Eine Mutter, aufgrund der dunkleren Hautfarbe und des Kopftuches augenscheinlich nicht dem christlich-abendländischen Kulturkreis zugehörig, stieg mit ihrem vielleicht siebenjährigen Sohn aus. Der Junge zupfte ihr ständig an dem Kopftuch herum, welches deswegen zu verrutschen drohte. Die Mutter zeigte sich darüber wenig erfreut und wehrte den Jungen mit einer vorsichtigen Handbewegung ab. Dies veranlasste den Kleinen, seiner Mutter eine Ohrfeige zu verabreichen! Spätestens an dieser Stelle wüsste ich, was meine eigene Mutter da mit mir gemacht hätte, aber das ist heute ja als Kindesmisshandlung verboten.

Die Mutter reagierte nur mit ein paar in relativ ruhigem Tonfall ausgesprochenen Worten. Der Junge griff in die aufgeweichte Erde einer auf dem Bussteig befindlichen Bepflanzung und bewarf seine Mutter damit. Das Ergebnis machte sich auf ihrer cremefarbenen Strickjacke deutlich sichtbar bemerkbar. Wieder sagte die Mutter nur ein paar Worte. Der Junge nahm sich die nächste Ladung Dreck und bedrohte seine Mutter damit. Sie wurde etwas energischer, aber die Junge ließ nicht von seiner Drohgebärde ab. Die Mutter wich zurück, der Junge setzte nach. Sie wich noch mal zurück, der Junge setzte erneut nach. Wieder ein paar Worte. Schließlich gab der Junge auf. Er nahm die Ladung Dreck und verteilte diese der Länge nach auf einer freien Sitzbank. Mutter und Sohn lachten. Mir fiel – innerlich – die Kinnlade runter.

Also mal ehrlich. Ich will jetzt nicht behaupten, daß es hier darauf ankam, daß ein fremder kultureller Hintergrund vorlag. Dieses Verhalten ist sicherlich auch von Angehörigen des christlich-abendländischen oder anderer Kulturkreise denkbar, keine Frage. Aber da läuft doch wohl in der Erziehung ganz gewaltig was schief. Und später wundert man sich, wieso das Kind auch woanders im Leben aneckt.

Ich werde es nie verstehen.


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