Hin und wieder taucht Mandy jedoch auch mal deutlich früher auf. Ich weiß ja nicht, wer sie da aus dem Bett geschubst hat, denn nach den mir vorliegenden Informationen gewöhnlich gut unterrichteter Kreise ist sie haustierloser Single. Jedenfalls war es mal wieder einer dieser Tage, an dem sie kurz nach mir die heiligen Hallen unserer Außenstelle erreichte. Meinen neugierigen Blick erwiderte sie lediglich mit einem noch leicht verknurrten „Du musst mich ja nicht unbedingt mit deiner Schlaflosigkeit anstecken.“
Ruhe trat ein, nur die Teemaschine röchelte vor sich hin, begleitet von einem gelegentlichen Rascheln eines Blatt Papiers. Noch nicht mal ein Drucker störte mit seinem Gejaule und verschonte uns damit gleichzeitig vor einer olfaktorischen Herausforderung. Plötzlich hörte man ein leichtes Knacken aus dem Flur. Mandy hatte sich erschreckt und fragte, was das denn jetzt wieder für ein Geräusch gewesen sei, das habe sie ja noch nie gehört.
„Da hat jemand im Flur eine Tür arretiert. Du solltest häufiger mal so früh kommen, dann würdest du das Geräusch auch kennen.“ klärte ich sie auf.
„Neee, da bleibe ich lieber in meinem Bett. Das ist gemütlicher.“
Ruhe.
„Du, Mandy, wusstest du eigentlich, daß es jetzt Krieg-der-Sterne-Bettwäsche mit in der Nacht leuchtendem Lichtschwert gibt?“
„Ehrlich?“
„Ja, die wollte ich unbedingt haben, aber meine Angetraute hat mich ausgelacht.“ maulte ich rum.
„Das war nicht nett.“
„Sehe ich auch so. Und was ist mit dir? Hast du wenigstens Prinzessin-Lillifee-Bettwäsche? Dir redet da ja keiner rein.“
„Nein, habe ich nicht. Außerdem wusste ich ja gar nicht, daß du so verbohrt bist.“
Häh? „Wieso bin ich verbohrt?“ Das muß ich mir nicht nachsagen lassen.
„Na wegen der Bettwäsche. So getrennt nach Jungs und Mädchen.“
„Och, das sehe ich nicht so eng. Nur mit meiner Barbie würde ich dich nicht spielen lassen.“
„…“
„Und du willst also mit Darth Vader ins Bett gehen?“ nahm ich den unterbrochenen Gesprächsfaden wieder auf.
„Nein, aber ich will sein Lichtschwert haben!“
Das nennt man wohl den Blick für das Wesentliche besitzen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Es ist erlaubt und gewünscht, meine Beiträge zu kommentieren. Die Kommentare werden von mir moderiert. Kein Kommentar wird freigeschaltet, ohne daß ich ihn zuvor gelesen habe. Solltest du also vorhaben, hier herumzupöbeln, zu trollen oder dich sonst wie unangemessen zu äußern, so empfehle ich dir, die Arbeit zu sparen.
Haltet euch bitte an die Grundsätze eines anständigen Miteinanders, damit wir hier eine schöne Zeit zusammen verbringen können.
Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.