Ich belegte meinen Platz auf dem Monster und ließ mich von
irgendetwas aus dem Farbfernsehgerät berieseln, ohne ihm besondere
Aufmerksamkeit zu schenken. Mein linker Arm war etwas angewinkelt, Zeige- und
Mittelfinger hielt ich ausgestreckt und bewegte mich ansonsten nicht. Dies war
vollkommen in Smillas Sinne, die sich ihr Köpfen ausgiebig und mit gehörigem,
wirklich nicht zu unterschätzendem Nachdruck in unterschiedlichsten Positionen
an eben jenen ausgestreckten Fingern rieb und dabei wohlige Brummlaute von sich
gab. Hin und wieder bewege ich meine Finger zu diesen Gelegenheiten etwas auf und ab, was die Verzückung unserer schreckhaften kleinen Katze noch zu steigern
vermag.
Aber es war Wochenende und ich hatte mich zu dem Entschluss
durchgerungen, in der laufenden Woche schon ausreichend gearbeitet zu haben.
Und zwar so viel, daß jegliche Form zusätzlicher Bewegung meiner zarten
Gesundheit eher schädlich sein würde. Man muß sich schließlich beizeiten
schonen und Kräfte sammeln, denn niemand kann wissen, wann der nächste
heimtückische Männerschnupfen mal wieder für eine Nahtoderfahrung sorgen würde.
Die zweitbeste Ehefrau von allen wuselte im Mädchenzimmer
herum. Ich hörte das Klacken der sich bewegenden Kleiderbügeln, untermalt vom
Rascheln diverser Textilien. Meine Angetraute hatte einen beruflichen Termin,
quasi ein Geschäftsessen. Hört sich doch unheimlich cool an. Rajiv hatte das
engere Team seiner Trainerschule in einen Nebenraum eines örtlichen Restaurants
geladen, um dort mit ihnen zu speisen und weitere Planungen zu erörtern. Da ich
mit meinen wenigen Vortragsterminen im Jahr eher als Gastreferent zähle, habe
ich damit nichts zu tun und kann mich weiter pflegen.
Wie dem auch sei, war die zweitbeste Ehefrau von allen
dabei, sich aus dem Schrank voller Ich-habe-nichts-anzuziehen Kleidung
herauszusuchen. So erschien sie mit zwei belegten Kleiderbügeln in der Hand in
meinem Blickfeld.
„Was hiervon soll ich anziehen?“
Ohne meine Arbeit mit der aufdringlichen Katze zu
unterbrechen nahm ich in vollem Bewusstsein meine nur beschränkten
Multitaskingfähigkeit die Herausforderung
an und betrachtete aus der Distanz, was mir meine Angetraute da so
entgegenhielt.
„Nimm das Blaue.“
Eine klare Formulierung, formschön aber nicht unelegant, mit eindeutiger Aussage.
Die zweitbeste Ehefrau von allen warf einen kritischen Blick
auf die beiden Oberteile.
„Nein, ich nehme das Rote. Das Blaue hat so einen tiefen
Ausschnitt.“
Den allerdings hatte das Blaue schon, als es aus dem Schrank
geholt wurde. Aber schön, daß ich gefragt wurde.
Umpf!
Oh Mann! Paterfelixchen, mal ernsthaft: Wie schaffen es Heteromänner eigentlich, jahrelang mit einer Frau liiert zu sein und IMMER NOCH NICHT zu wissen, wie sie aus der Nummer rauskommen??? :-D, das ist echt 'ne Leistung!
AntwortenLöschenOk. Dann erwarte ich jetzt von dir den Lösungsvorschlag, der mir in den letzten 18 Jahren nicht eingefallen ist.
LöschenAuf die Frage: "sehe ich in dem Teil gut aus?" am besten mit "Du siehst IMMER wunderbar aus!" kontern. Da kann man sonst nichts richtig machen. Ansonsten offensiv-Sachlich bleiben. "Das ist für den Anlass nicht unbedingt das passende Outfit, aber du bist fantastisch/heiß/wunderhübsch/etc.pp.".
LöschenDie Alternative wäre schonungslos ehrlich zu sein, dass muss du dann aber auch immer und jeder Zeit durchziehen und das frau auch klar ansagen (sie wird dennoch beleidigt sein, kann sich aber nicht beschweren, denn du hast sie ja gewarnt und weiß, dass sie nicht fragen soll, wenn sie Angst vor der Antwort hat ;D). So macht das Mannmann und nein - glücklich bin ich darüber nicht immer... aber wenigstens weis ich, worauf ich mich eingelassen habe. *g*
Bei Entweder-oder-Fragen kannst du nebenbei nicht richtig antworten - außer durch Zufall.
In der Regel läuft das so ab: frau hat sich schon auf zwei Kleidungsstücke reduziert, die in Frage kommen und findet das eine besser als das andere, hat aber wegen diverser Sachen Unbedenklichkeiten. Also geht sie zum Mann und fragt da. Unabhängig von dem was ER sagt, wird sie sich während der Frage - während sie diese ausspricht - entscheiden können. Wenn Mann zufällig das selbe wählt, hat er bestätigt, dass man selbst einen guten Geschmack hat - wählt er das andere, hat er eben keine Ahnung. Und das führt dann so zu komischen Dialogen.
Wobei ich hier jetzt klar von meinen Standpunkt ausgehe. So als Frau. :P
"Auf die Frage: "sehe ich in dem Teil gut aus?" am besten mit "Du siehst IMMER wunderbar aus!" kontern. Da kann man sonst nichts richtig machen"
Löschen- Sorry: Nope. GANZ schlecht. Heißt übersetzt: "Du machst Dich stundenlang für mich hüsch und, äh, das ist im Grunde genommen alles für`n A*sch!"
@Paterfelixchen
LöschenGanz tapfer sein jetzt. Aber durchziehen:
"Sorry Schatz, ich weiß, Du bist es nicht, aber ... in dem Roten siehst Du irgendwie fett aus ...!"
;-)
Diskutiert das ruhig bitte weiter aus. Ich bin sehr gespannt auf weitere Anregungen und darf bereits jetzt in den Raum werfen, daß meine Angetraute sich bei den bisherigen Antworten - ähm - veräppelt vorkommen würde.
LöschenLOL.
AntwortenLöschenEigentlich ganz einfach: immer das antworten, was sie _nicht_ machen/anziehen soll. Sie wird das Gegenteil von Ihrer Wahl nehmen ... ;)
Ich werde berichten.
LöschenMein Tipp wäre, zu sagen "Stimmt, das ist tief ausgeschnitten. Aber ich finde du kannst das tragen. Und zu dem Anlass ist das doch nicht unpassend..." Niemals nie nich ein Lob mit "Du bist doch immer..." anfangen. Das ist herablassend und würde bei mir gar nicht gut ankommen. Aber ich bin ja auch zweimal geschieden.
AntwortenLöschenOk, ist notiert.
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