Werte Mitblogger, kennt ihr das auch? Ihr befindet euch irgendwo in der Pampa, weitab von jeglicher Zivilisation, also zum Beispiel auf der Arbeit, und beginnt, euch seelisch-moralisch und auch tatsächlich auf den Feierabend einzustellen. Plötzlich kommt euch irgendetwas völlig ohne einen erkennbaren Anlass in den Sinn, woraus ihr unbedingt einen Blogeintrag machen wollt. Natürlich habt ihr kein zu diesem Zweck nutzbares elektronisches Schreibmedium zur Verfügung, aber da ihr ja ohnehin auf dem Weg nach Hause, also quasi in diese Zentrale wirklichen elektronischen Lebens befindet, stört euch das nicht weiter. Und selbst wenn, dann hättet ihr keine Chance, das zu ändern.
Während des gesamten Heimwegs formuliert ihr diesen wunderbaren, endlich mal nicht von Albernheiten durchzogenen Blogeintrag durch. Jede Menge hochintelligenter und dennoch auch die Allgemeinheit ansprechende Formulierungen blitzen durch euer Gehirn. Und als ihr schließlich auf der Zielgeraden vor der Haustür seid, ist dieser preisverdächtige, eure mit Bestimmtheit die Blogbesucherzahlen nur so in die Höhe treibender Eintrag so gut wie vollendet. Er müsste nur noch in einen lesbaren Zustand gebracht werden, denn sonst hätte niemand etwas von euren geistigen Ergüssen.
Also schmeißt ihr euch ohne viele Umwege direkt an den nächsten erreichbaren Rechner, lasst euch nicht von liebebedürftigen Haustieren ablenken und wartet darauf, daß die Maschine endlich die Bereitschaft signalisiert, von euch so hemmungslos benutzt zu werden, wie nur ihr es zu tun pflegt.
Und dann?
Ende und aus. Ihr wollt in eurem gewohnten Neunfinger-Blindschreibsystem alles auf das elektronische Papier zaubern, was ihr euch in der letzten Stunde so ausgedacht habt, und es läuft nicht. All die schönen Formulierungen sind euch noch gegenwärtig, doch es will einfach nicht fließen. Statt dessen schreibt ihr irgendeinen Müll, so wie zum Beispiel diesen hier. Aber jeglicher Versuch, die fast schon genialen Gedanken zumindest im Ansatz in einer Stichwortdatei zu sichern, schlagen fehl.
Na ja, zumindest war der Text rein perspektivisch gesehen seitens der kreativen Seite fertig. Mal sehen, was davon noch hängen geblieben ist, wenn er später aus den dann noch vorhandenen Gedankenfragmenten rekonstruiert wird.
Wenn ihr hier mal in naher oder ferner Zukunft von einem Herrn Schwiensberg lest, dann denkt an den heutigen Tag und was daraus hätte werden können. Nämlich eine Sternstunde des guten Geschmacks.
Ihr hattet beinahe die Chance, dabei gewesen zu sein.
Aber irgendetwas geht ja immer schief, nicht wahr?!