Seit fünf Uhr bin ich wach und warte auf die Nachtschwester, damit ich einen neuen Tropf bekomme. Um sechs Uhr ist er fällig, meistens bekomme ich ihn früher. Heute nicht. Um 6.30 Uhr werde ich langsam unruhig und drücke den Rufknopf. Die Vormittagsschwester erscheint und will mir den Tropf abnehmen, den ich noch nicht bekommen habe. Ups. Der wurde wohl vergessen. Kann passieren, die Schwestern sind auch keine Maschinen.
Die Stationsärztin stellt fest, daß die Schwellungen und die Rötung an meinem Bein zurückgegangen sind. Afrika beginnt, im umliegenden Ozean versinken.
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| Afrika beginnt zu versinken |
Draußen ist es kühl geworden, endlich fühlt es sich in den eigenen Klamotten nicht mehr so widerlich an, bloß weil die ein paar Stunden getragen worden sind. Ich überlege, ob ich aus Langeweile anfangen soll, die mir beigebrachten Nadelstiche zu zählen. Bevor ich zu einer Entscheidung gelangt bin, kommt eine andere Schwester zur Blutabnahme und erhöht die Summe der bislang ungezählten Einstichstellen um den Wert 1. Da der Unterhaltungswert des Zählens eher begrenzt ist, wird die Gesamtzahl der Stiche ungeklärt bleiben.
Mittags erwarten mich laut Speisekarte Spaghetti Bolognese. Leute, wen wollt ihr denn auf den Arm nehmen? Es geht doch wohl niemand, aber auch wirklich niemand davon aus, daß in einem Krankenhaus tatsächlich Spaghetti serviert werden, oder?! Vielleicht Gabelspaghetti, aber doch keine richtigen in mindestens haushaltsüblicher Standardgröße oder noch länger.
Eben. Die Spaghetti entpuppten sich als
Fusilli und die Bolognese als gewöhnliche Hackfleischsauce. So wie erwartet. Aber die Fusili waren noch nicht mal verkocht. Gut, auch nicht al dente, aber auch so etwas kann man von einer Großküche nicht erwarten. In der Hackfleischsauce konnte ich nicht wenige
brunoise geschnittene Karotten, Zwiebeln und auch Tomatenstücke erkennen; an den Nudeln fanden sich Hinweise auf frische Kräuter. Insgesamt durchaus lecker.
Mir ist von alleine eingefallen, was mir die geheimnisvolle SMS meiner Angetrauten sagen will. Es geht um die Verteilung der Inhalte der Katzenklos. Einige dieser Klos haben Türen, andere nicht. Ich habe die Türen umverteilt, bevor ich ins Krankenhaus musste, um mal zu beobachten, wie sich die Verteilung der Inhalte so entwickelt. Für die Katzenklos bin ich alleine zuständig, für meine Angetraute ist es jetzt natürlich überraschend, was sie wo in welchen Mengen vorfindet. Oder auch nicht. 24 Stunden nach der letzten Säuberung sah das Ergebnis dann so aus:
Katzenklo im oberen Badezimmer: keine Urinklumpen, keine Katzenscheiße
Katzenklo im Gartenzimmer: keine Urinklumpen, keine Katzenscheiße
Katzenklo im unteren Badezimmer: 5 x Urinklumpen, 3 x Katzenscheiße
Die Katzenbande hat wieder viel gefressen und wenig ausgeschieden. Die bestehen wohl mal wieder nur aus Magen und Darm, denn wo sonst sollte sich das alles befinden?!
Keine Sorge, morgen, spätestens aber übermorgen werden die Klos gut gefüllt sein. Manchmal ist es da eben etwas ungleichmäßig.
Ich hatte bei uns auch das Gefühl: Möhren passen immer. Sogar ins Dessert! Geschnetzelter Apfel und Karotte an Vanillequark.
AntwortenLöschenLG, Holger
Stelle ich mir gar nicht mal so unlecker vor.
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