Knöpfe des Haltewunschsignalisationbedienelementes – tolles Wort, habe ich mir gerade selber ausgedacht, aber ich mache keine Rechte darauf geltend – finden sich überall in den Bussen und sind im Allgemeinen auch von allen Plätzen aus gut zu erreichen. Zumindest, wenn wir mal von einem durchschnittlich bis nicht übertrieben klein gewachsenen, körperlich gesunden Mitteleuropäer ausgehen.
Eine mir nicht begreifliche Ausnahme bildet der Platz in der ersten Reihe rechts. Ich habe im Laufe der Zeit, in der ich regelmäßig mit dem Linienbus unterwegs bin, fünf verschiedene Gestaltungsvarianten des Innenraums beobachtet. Und nur in einer einzigen befindet sich der Knopf des Haltewunschsignalisationbedienelementes in bequemer Reichweite der Person, die sich auf diesen Platz gesetzt hat. In allen anderen Varianten muß sich der Fahrgast entweder nach hinten verdrehen oder aufstehen, um seinen Haltewunsch unter Nutzung eines nunmehr erreichbar gewordenen Knopfes des Haltewunschsignalisationbedienelementes sachgerecht signalisieren zu können. Natürlich wäre der Busfahrer auch in Rufreichweite, aber die Signalisierung des Haltewunsches durch Zuruf und unter Außerachtlassung der Verwendung des Haltewunschsignalisationbedienelementes dürfte auch nicht der Plan sein, welcher im Sinne des Gestalters der Inneneinrichtung lag. Auf jeden Fall sind ältere oder behinderte Menschen da zuweilen auf die Hilfe anderer angewiesen. Glatte Fehlplanung.
Dieser besagte Platz in der ersten Reihe rechts zählt auch zu meinen favorisierten Sitzplätzen. Er bietet eine schöne Aussicht nach vorne und – was viel wichtiger ist – es handelt sich immer um einen Einzelplatz. Es besteht nicht das mindeste Risiko, daß sich jemand neben mir ausbreitet. Dazu gibt es auch immer noch genügend Freiraum, um Taschen oder Beutel abzulegen. Nur die Sache mit der Erreichbarkeit des Knopfes des Haltewunschsignalisationbedienelementes stört mich, ist aber de facto kein Problem, da ich körperlich durchaus in der Lage bin, selbige mit vertretbarem Aufwand zu erreichen. Dennoch fasste ich den verwegenen Beschluss, mal etwas auszuprobieren.
Es gibt ja so Haltestellen, an denen ein Linienbus immer hält. Das sind im Regelfall die größeren Stationen, an denen sich mehrere Linien kreuzen und demzufolge immer irgend jemand draußen wartet. Da es in Deutschland im Gegensatz zu manch anderen Ländern nicht üblich ist, als potentieller Fahrgast dem sich nähernden Bus zu signalisieren, daß man genau auf ihn gewartet hat und er deshalb anhalten möge, stoppen die Busse hierzulande an jeder Haltestelle, an der jemand wartet. Es sei denn, dieser Jemand signalisiert eindeutig, nicht mitgenommen werden zu wollen, was auch immer wieder mal vorkommt. Meine Zielhaltestelle jedenfalls zählt zu den größeren. Hier treffen sich 10 Bus- und 2 Straßenbahnlinien, so daß auch in den frühen Morgenstunden immer mehrere Personen auf ihre Mitfahrgelegenheit warten.
Daraus schließt sich, daß der Bus hier auch auf jeden Fall anhält. Sei es, weil jemand wartet, oder auch nur deswegen, weil der vor ihm her fahrende Bus oder die Straßenbahn anhält und alleine schon deswegen ein Halt erforderlich wird. Ein Vorbeifahren und Überholen ist hier straßenbaulich jedenfalls nicht vorgesehen und wird auch nicht praktiziert, obwohl es im Fall des Falles möglich wäre.
An diesem Tag fuhr vor uns eine Straßenbahn. Die bereits in Sichtweite befindliche Haltestelle war von mehreren Personen bevölkert. Ich entschloss mich, einfach mal auf das Drücken des Knopfes des Haltewunschsignalisationbedienelementes zu verzichten und einfach während der Anfahrt auf die Haltestelle aufzustehen und mich an der vorderen Tür des hier weitgehend menschenleeren Busses, also in Höhe der Fahrerkanzel, hinzustellen.
Die Straßenbahn hielt an, der Bus auch. Nichts geschah. Ich nahm schon all meinen Mut zusammen, um den Fahrer zu bitten, die Tür für mich zu öffnen, da fragte er mich, ob ich hier aussteigen wolle. Ich bestätigte dies, so daß er die Tür öffnete und ich das Fahrzeug verlassen konnte. Nun frage ich mich, ob das jetzt von der Seite des Fahrers aus so schwierig gewesen wäre, die Tür einfach zu öffnen. Selbst wenn ich nicht aussteigen wollte, hätte es nicht geschadet, etwas Frischluft reinzulassen.
Mir hat der Schreck über den Ausgang dieses verwegenen Experimentes jedenfalls gereicht um zu wissen, daß ich so etwas nie wieder teste. Also künftig wieder schön Knöpfchen drücken.
Und immer daran denken: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
Und immer daran denken: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
