Mittwoch, 17. August 2016

Ballsportnebengeschichten

Über die Trainerschule hatte die zweitbeste Ehefrau von allen auch Kontakt zu einer aktiven Spielerin des örtlichen Ballsportvereins bekommen. Schon lange sollte meine Angetraute mal zu einem solchen Spiel mitkommen. Jetzt hatte es sich mal ergeben, daß sie wirklich vor Ort erschienen war.

Und dann war es auch noch ein wichtiges Spiel. Unsere Mannschaft stand kurz vor dem Ligaaufstieg und hatte gegen den Zweitplatzierten anzutreten. Da würde was los sein.

Später als vermutet kam meine Angetraute wieder nach Hause. Natürlich wurde mir Bericht erstattet. Unsere Mannschaft hatte gewonnen und so den Aufstieg gesichert. Aber da war noch etwas.

„Ich dachte immer, die Mannschaften prügeln sich nur beim Eishockey oder beim Rugby?“

Rugby… Erinnerungen an meine Schulzeit kamen wieder in mir hoch. Rugby war das einzige Spiel, bei dem ich immer als erster in die Mannschaft gewählt wurde. Hach!

Doch zurück in die Gegenwart. Wir sind nicht beim Rugby und auch nicht beim Eishockey.

„Etwa nicht?“

„Also, hier bei dem Spiel des örtlichen Ballsportvereins haben sich auch die Damenmannschaften geprügelt. Alle lagen auf einem Haufen, die Kleinste natürlich ganz unten.“

„Na ja, es handelt sich ja auch um ein Spiel des örtlichen Ballsportvereins und nicht um Hallenhalma.“

„Trotzdem. Aber dann, als Schluß war, hätte ich auch prügeln können!“

Wenn meine ansonsten zu gar keiner Form von körperlicher Gewalt mit Ausnahme von Boxhieben auf meinen Oberarm neigende Angetraute so etwas sagt, dann war es wohl schon schlimm.

„Nach Spielende waren wir im Treppenhaus auf dem Weg nach unten. Da kam auch der Schiedsrichter an mir vorbei sagte was von ‚Na, da ist die Mutti aber stolz, was?‘ Und zwar zu mir!“

Oh oh!

„Und? Hast du ihm eine runtergehauen oder ihn einfach nur angeschrien?“

„Ich habe sehr deutlich darauf hingewiesen, daß ich die Freundin einer Spielerin sei.“

Klammer auf: Und noch nicht mal alt genug, um ihre Mutter zu sein. Anm. d. Red. Klammer zu. 

Und trotzdem stellte ich mir gerade vor, wie so ein armer Schiedsrichter von der zweitbesten Ehefrau von allen in einem Treppenhaus verprügelt wird, was dann schließlich zu einer Massenkeilerei ausartet, die… zu einer späteren Heimkehr führen würde.

Ähm, erst mal das Lokalfernsehen einschalten.




Samstag, 13. August 2016

Rundlauf

Eine Woche voller Gespräche  und Erkenntnisse. In der Gesamtbetrachtung läuft es - von kleinen Dellen abgesehen - viel zu rund. Das war mal anders.

Sollte langjährige Arbeit endlich Früchte zeigen?

Ich bin besorgt.



Montag, 8. August 2016

Steher, Ständer oder so

Ich war in den Akten vertieft, die sich in meinem Schrank befinden. In mehr oder weniger allen Akten. Nicht gleichzeitig, aber doch dicht nacheinander. Schrankkontrolle. Hin und wieder ist es durchaus empfehlenswert, mal komplett zu sichten, was da so hängt und anhand von Verfahrenslisten zu prüfen, ob alles so registriert ist, wie es sein sollte. Und natürlich Karteileichen auszusortieren. Mal ganz davon abgesehen, daß VATeR auch immer mal wieder einen derartigen Abgleich benötigt.

Während ich also an meinem Schrank herumstand, klingelte das Telefon. Intern. Das hört man am Geräusch. Ich konnte noch erkennen, daß der Ökoklaus mein Tun zu unterbrechen gedachte, als er nach kurzer Zeit auch schon auflegte. Als netter Kollege habe ich ihn gleich zurückgerufen.

Und was sagt der Kerl?

„Ich dachte, du hättest bei dir wieder einen stehen und wollte nicht weiter stören.“

Schweinkram elender. Was denkt der von mir?

Doch nicht im Büro.



Sonntag, 7. August 2016

Sonntagsgedanken

Die Gartenarbeit für den Tag ist erledigt. Und wieder ist so eine dieser praktischen mobilen Grünzeugsammelbehälter ordentlich voll. Sehr schön heute war, daß ich draußen nur einem einzigen Menschen begegnet bin. Mal wieder jemand, der mit seinem Hund unterwegs war. Das Gesicht kam mir nicht bekannt vor. Weder das von dem Hund noch das von dem dazugehörigen Menschen. Guten Tag, guten Weg.

Oben auf dem Balkon rumort es. Hilfshausmeisteringenieur zur See Knutsen bereitet das Frühstück vor. Seine Schwiegermutter ist zu Besuch. Gleich wird er losziehen und frische Brötchen besorgen. Wie jeden Morgen. Auch dann, wenn er alleine zu Hause ist.

Ein geregeltes Leben.

Aus der nicht ganz so weiten Ferne ertönen immer wieder Hupen. Schon seit Tagen ist es aus dieser Richtung laut geworden. An einer Kreuzung wurde übergangsweise eine abknickende Vorfahrt eingerichtet. Das Gewohnheitstier Mensch hat so seine Probleme mit Veränderungen. Oder ist einfach zu blöd, die Regelung zu verstehen. Man weiß es nicht.

Auf die geänderte Vorfahrt wird mit Vorwarnschildern sowie den eigentlichen Schildern, die auch noch mit gelb blitzenden Warnlampen versehen sind, mehr als deutlich hingewiesen. Gelbe Fahrbahnmarkierungen tun das Ihrige dazu. Es scheint nicht zu reichen. Zwanzig Minuten an dieser Kreuzung stehen und beobachten reicht, um ein Buch über die Dummheit der Menschen schreiben zu können.

Auf der Terrasse liegen Rohre. Eine mobile Ballettstange ist im Entstehen. Ihr künftiges Einsatzgebiet ist noch freizuschaufeln. Ich komme mit letzterem nicht weiter, weil anderer Kram alles blockiert. Nicht mein Kram, was mich natürlich wieder verstimmt. Aber das Wetter sollte zur Vorbereitung des Stangenaufbaus genutzt werden. Farbe und so. Muß sein.

Lilly rammt ihren Kopf überall hin, wo sie mich erwischen kann. Sie ist im Moment etwas aufdringlich. Auf Hauskater Marty wartet ein Termin beim Tierarzt. Irgendwann in den nächsten Tagen. Ihn in die Transportbox zu befördern wird eine Herausforderung werden. Das hat man ihm im Tierheim in jüngeren Jahren nicht beigebracht. Und wir haben es dann später auch nicht so richtig geschafft. Immerhin lässt er sich mittlerweile kurz hochheben. Es reicht, um ihn ein paar Meter weiterzubefördern. Bei seiner Schwester Smilla ist das weiterhin ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Sonne fängt an, mir von draußen durch die geöffnete Terrassentür auf den Rücken zu brennen. Kein gutes Wetter für Sport. Auch nicht für die Sauna. Das macht mein Kreislauf nicht mit. Ich bin da etwas empfindlich, es gibt Erfahrungswerte. Doof. Auch ein Grund, warum ich die Gartenarbeit immer in aller Frühe während der Morgenkühle erledige.

Außerdem stellt sich die Frage, ob ich die Fahrzeugpapiere gefunden hätte. Gestern bin ich ohne zum Einkaufen gefahren, weil meine Angetraute die mal wieder irgendwo geparkt hatte, wo ich sie nicht gefunden habe. Ich fahre nicht gerne ohne Papiere. Der Gedanke, dadurch unangenehm bei der Rennleitung aufzufallen, sorgt bei mir für Unruhe. Unterschwellig zwar, aber doch vorhanden. Soziophobiker eben. Alleine diese permanente leichte Unruhe kann dazu führen, daß in einer späteren, eher harmlosen Situation eine Panikattacke ausgelöst wird. 

Lilly knurrt. Draußen hat eine Katze gekreischt.

Die Waschmaschine meldet sich. Eine Ladung T-Shirts ist fertig. Als nächstes folgt die Bettwäsche.

Heute Nachmittag ist sturmfrei. Die zweitbeste Ehefrau von allen gibt Einzelunterricht. Auftrittsvorbereitungen. Bald wieder eine Show. Ich werde mich während dessen damit vergnügen, hier in dem ewigen Chaos einen Zettel mit einer Notiz zu suchen. Ich weiß noch nicht mal, wie dieser Zettel aussieht. Freude kommt auf.

Es ist an der Zeit, die Sonne auszusperren, so lange es in der Wohnung noch angenehm ist.

Wir haben Sonntag.

8.00 Uhr.




Donnerstag, 4. August 2016

Meldungen

Du wirst zu deiner üblichen Zeit wach, nachdem du gefühlt – und wohl auch tatsächlich – gerade erst eingeschlafen bist. Die Nacht war durchwachsen. Einige deiner Körperfunktionen hatten die Idee, mal abweichend vom üblichen Schema arbeiten zu wollen. Übel. Und das durchaus wörtlich.

Arbeiten ist ausgeschlossen. Denn du liebst gerade deinen wohnungseigenen Zugang zur Kanalisation heiß und innig. Also hast du eine Krankmeldung abzusetzen. Bei deinem Vorgesetzten. Nicht bei einem Kollegen. Nicht per E-Mail. Persönlich am Telefon.

Die gleitende Arbeitszeit ist etwas Wunderbares. Doof ist sie in dem Moment, in dem dein potentieller Ansprechpartner dazu neigt, den morgendlichen Zeitraum zwischen dem frühest und dem spätest möglichen Zeitpunkt des Aufschlagens im Büro ohne besonderes wiedererkennbares Muster auszureizen.

Also anrufen. Versuchen. Immer und immer wieder, bis endlich jemand da ist.

Dabei bist du im Wachkoma und willst du nur noch zurück ins Bett, um noch etwas Schlaf zu bekommen, bevor du wieder einmal testen musst, ob der Weg zur Kanalisation noch frei ist.


*gnarf*







Montag, 1. August 2016

Wort des Tages

Mein Wort des Tages lautet Frustrationstoleranzgrenze. Diese ist bei mir nämlich überschritten. Aber deutlich.

Es ist ja nicht so, daß ich heute Morgen nach fünf ätzenden zu Hause verbrachten Tagen im Büro in eine nahezu leere Halle rufen musste, daß ich wieder da bin, Was aber nur daran liegt, daß wir keine Halle haben. Beim Lesen der ganzen Abwesenheitsmeldungen wurde mir auch schlagartig bewusst, warum die angenommene Halle so leer ist. Über die Hälfte der Kollegen ist in Urlaub oder krank. Was natürlich auch Auswirkungen auf die Vertretung hat. Und letzte Woche schon hatte.

Von meiner Standleitung zum User-Helpdesk heute mal ganz zu schweigen.

Und von dem ganzen Unfug, den ich in diversen Akten entdeckt habe, will ich auch nicht reden.

Auch nicht von den Dingen, über die ich mich anschließend noch ärgern konnte.

Immerhin habe ich nicht vergessen, Frl. Hasenclever dahingehend zu instruieren, daß sie in den nächsten paar Tagen ihre Finger von meinen Akten lassen soll. Sie ist nämlich auf die Idee gekommen, Heilfasten zu betreiben. Was vermutlich Auswirkungen auf ihre Laune haben dürfte. Die ersten drei Tage sollen die schlimmsten sein, demnach genügt es, meine Akten bis nächste Woche zurückzuhalten.

Also Frustbewältigung. Im Schrank fanden sich noch Nougat-Baumstämme von Weihnachten und Ostern. Die haben es nicht besser gemacht, aber der ihnen eigene Effekt hält sich für ein paar Jahre.

Und die gerade erstmals zwangsweise abgebauten Überstunden sind in kürzester Zeit so rein perspektivisch auch wieder vorhanden. Da mache ich mir gerade mal so gar keine Sorgen.

Zumindest konnte ich gerade beim Entsorgen des hauseigenen Mülls feststellen, daß Frau Kleinhüppgenreuther auch unter dünnen, weißen Hosen keine Tangas trägt. Unter dem prall gespannten Stoff, welcher ihr Heck bedeckte, welches sie mir gerade entgegenreckte, zeichnete sich eindeutig ein schwarzes, sehr stoffhaltiges Textil ab.

Das reduziert die Gefahr schlafloser Nächte ein wenig.

Immerhin etwas.