Sonntag, 31. Juli 2016

Kopfgeldjäger

Ich werde das Gefühl nicht los, daß irgendjemand im LASA ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt hat.

Unsere Akten werden nach einem Zufallsprinzip von der Innenrevision ausgewählt und einer Stichprobenkontrolle zur Qualitätssicherung unterzogen. Dies ist insgesamt gesehen eine durchaus sinnvolle Sache, allerdings neigen die dortigen Kollegen durchaus schon mal zu Übertreibungen in ihren Interpretationen und Auflagen. Dabei waren die alle ehemals auch mal einfache Sachbearbeiter, die sich mit der vollen Bandbreite des Tagesgeschäftes beschäftigen durften und es somit kennen.

Aber wie heißt es im LASA so schön?

„Einst waren sie Kollegen, doch dann wurden sie Datenschützer. Oder gingen zur Innenrevision.“

Muß was dran sein, denn mit einem der dortigen Kollegen hatte ich mich seinerzeit noch geduzt. Sobald er bei der Innenrevision aktiv wurde, siezte er mich wieder. Manche brauchen das eben.

Das Zufallsprinzip der Aktenauswahl glaubt ihnen ohnehin keiner mehr, denn jeder Sachbearbeiter merkt schon, daß da ein gewisses wellenartiges Anforderungsschema vorherrscht. Trotzdem beteuert man auf Seiten der Innenrevision, wenn die Meckereien unsererseits mal wieder zu laut werden, daß sie keinerlei Einfluss darauf hätten und wir natürlich jederzeit ihr entsprechendes Programm ansehen könnten.

Hallo? Bin ich Programmierer?

Mich jedenfalls nerven die Burschen in diesem Jahr besonders. Ich habe gegenüber Frl. Hasenclever schon den Verdacht geäußert, daß jemand ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt hat. Denn alleine in den letzten paar Wochen  hat man deutlich mehr von meinen Akten angefordert, als sonst in einem ganzen Jahr.

Frl. Hasenclever zeigte sich tiefenentspannt.

„Was wollen Sie denn? Die haben bislang doch nichts gefunden. Selbst Ihre abgedrehtesten Fälle sind anstandslos durchgekommen.“

Es nervt trotzdem.

„Und wissen Sie was?“

Was?

„Als ich letztens in einer anderen Außenstelle Vertretung machen musste, habe ich eine Akte mit dem von Ihnen entwickelten Standardzusatz zum Sachverhalt XYZ verwendet. Der Vorgang wanderte auch zur Innenrevision und wurde wegen des Zusatzes von dort beanstandet.“

Ich legte eine gewisse Verblüffung an den Tag.

„Das habe ich so auch nicht geltend lassen.“ fuhr Frl. Hasenclever fort. „Ich habe den Kollegen aus der Innenrevision deswegen angerufen. Er hat mir einen epischen Vortrag gehalten, warum der Bescheidzusatz falsch sei.“

Wie nicht anders zu erwarten.

„Dann habe ich ihm erklärt, er möge doch bitte mal das von Ihnen aufgeführte höchstrichterlich Urteil im Internet suchen.  Und natürlich auch lesen. Tja, eine Stunde später hat er angerufen und ist eingeknickt.“

Ist ja doch schön, die ehemaligen Kollegen mit den eigenen Waffen zu schlagen.




Kommentare:

  1. Das kommt mir schon wieder alles so bekannt vor, was sie zu diesem Thema schreiben und gerne würde ich das aufgreifen und meinen "Senf" dazugeben, alleine aus Gründen der Anonymität lass' ich es lieber bleiben.

    Bleibt mir nur zu sagen bzw. schreiben, dass ich Ihnen den Sieg im Duell höchstrichterliche Entscheidung vs. lex specialis von Rechnungsprüfers Gnaden sehr gönne.

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  2. Ist sowieso schön, gewisse *piep* mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Schlimm ist nur, dass die meist zu dämlich sind, um das zu begreifen.
    Guck ma, ich kann wieder hemmungslos rumsenfen, ist das nich toll? Ick froi mir...

    Schönen Sonntag wünsch ich *wink*

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    1. Senf du mal schön weiter. :-D Ansonsten mal sehen, wie ich den Tag noch retten kann. Der Start jedenfalls war schon wieder durchwachsen.

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  3. Muss es denn wirklich überall so sein? Herrschaftszeiten.

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    1. Ähm - ja. Muß wohl. Sonst wäre es anders.

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