Donnerstag, 14. Juli 2016

Hier ist dein Schild

Nach dem Ende unserer gemeinsamen Großwildjagd begutachtete Hausi, der Hausmeister unserer Außenstelle, die Hinterlassenschaften der beiden Unbefugten. Auf mehrere Räume verteilt zeigten sich genügend Federn und Vogelkacke, daß Anlass zur Vermutung bestand, die Tauben wären über das gesamte frisch vergangene Wochenende eingesperrt gewesen, zumindest aber deutlich länger als einen Tag. Erste Bemühungen Hausis, wieder Ordnung zu schaffen und den aggressiven Taubenkot zu entfernen, erwiesen sich als relativ ergebnislos. Also erklärte er mir, daß er unseren Reinigungsdienst verständigen würde.

Als vorausschauend denkender Mensch verschloss ich die Tür zum Ort der wilden Hatz und befestigte ein aufklärendes Schild im DIN A4-Format in Augenhöhe. Nun würde wohl niemand mehr auf den Gedanken kommen, voller Besorgnis wegen der Verschmutzung irgendwelche Menschen zwecks weiterer Veranlassung anzurufen. Und die empfindlicheren Gemüter würde es davon abhalten, mit dem Unrat konfrontiert zu werden.

Unter Wiederaufnahme der Tagesroutine begab ich mich nach Indien in das dort befindliche Büro der zu jener Zeit langzeiterkrankten Rebecca, um die dauertemporäre Verteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden vorzunehmen. Nach Erledigung meiner dortigen Obliegenheiten beendete ich meinen Besuch auf der anderen Seite des Ganges und begab mich auf den langen Weg zurück zur Höhle im Schicksalsberg. Auf halbem Weg kam ich an dem Gang zur Teeküche vorbei. Trudi hatte die Tür gerade geöffnet, arretierte diese und begann ein Gespräch mit dem soeben dort aufgeschlagenen Sven, der sich auf der Suche nach Wasser befand, der Grundlage all unserer Betriebsmittel und Schmierstoffe. Ihr wisst schon.

Sven warf einen Blick in den verdreckten Gang. Trudi teilte ihre Vermutung mit, daß der Dreck ihrer Meinung nach wohl von einer Taube sei, während sie überlegte, Hausi zwecks Beseitigung zu informieren. Ich störte die Beiden in ihrem Gespräch Trudi in ihrem Monolog und verschloss die kurz zuvor arretierte Tür mit einem gewissen Nachdruck.

„Die Tür bleibt zu, dann ist das Schild auch besser lesbar!“

Trudi schaute mich verständnislos an.

„Welches Schild?“

„Der einzige auf der Tür befindliche DIN A4-Zettel, der sich zudem auch noch in deiner Augenhöhe befindet.“

Ist es denn wirklich so schwierig?



Kommentare:

  1. Wenn das Gehirn etwas gut kann, dann ausblenden. Das macht es schließlich jeden Tag und rund um die Uhr. :D

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    1. Aber vielfach blendet es zu intensiv aus, wie ich gestern wieder bei der Aktenprüfung feststellen musste. :-(

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