Freitag, 1. Juli 2016

Für einen Zehner

„Herr Paterfelis!“

Mir war an meinem PC, als ob ich Stimmen hörte. Nun gut, wenn ich im Büro an meinem PC sitze, höre ich meistens Stimmen. Diese Stimme hier kam wieder aus einer Höhe oberhalb meines üblichen Empfangsbereiches. So rein örtlich betrachtet.

„Ja, Herr Harnischfeger?“

Der Zweimeterirgendetwas-Mann hatte sich wieder neben meinem Schreibtisch aufgebaut.

„Ich muß morgen zu Hause bleiben. Da Frl. Hasenclever heute nicht da ist, müsste ich von Ihnen wissen, ob das in Ordnung ist.“

„Was ist denn jetzt schon wieder los?“

„Morgen kommen vier LKWs mit Ladung für das Haus.“

„Sind Sie sicher, daß Sie ein Haus renovieren und nicht neu bauen?“

„Natürlich bin ich das.“

„Immerhin.“

„Die kommen ja auch alle von unterschiedlichen Lieferanten. Da möchte ich meine Frau nicht mit alleine lassen. Oh, Moment, ich muß mal eben ans Telefon.“

So sprach er und verschwand. Sehr diensteifrig. Natürlich konnte ich wieder über den Flur mithören, um was es ging. Der kann am Telefon einfach nicht leise.  Nach Beendigung des Telefonates stand Herr Harnischfeger wieder neben mir.

„Das war eine der Speditionen.“

Habe ich schon mitbekommen. Also war er doch nicht so diensteifrig.

„Die haben mich gefragt, ob ich einen Hublader hätte.“

Ich ahnte Arges.

„Weil die auf dem Laster nämlich keine mitführen. Und die haben hinten auch keinen Lift am Wagen, liefern aber das Material auf Paletten. Ist ja sonst kein Problem, weil die üblicherweise nur bei Gewerbetrieben abladen. Die haben Rampen und eigene Hublader. Aber ich als Privatmensch habe so etwas natürlich nicht in der Garage stehen.“

Hätte mich ansonsten aber auch nicht überrascht.

„Jedenfalls müssen wir jetzt die ganzen Paletten von Hand abräumen und die Pakete einzeln entladen.“

„Na, viel Spaß dabei.“

„Ach, das geht fix. Dem Fahrer drücke ich einfach einen Zehner in die Hand, dann macht der das schon.“

Dieser Mensch ist einfach ein unverbesserlicher Optimist.



Kommentare:

  1. Nen 10ner? Der wird ihn auslachen. :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bedenke aber, daß mein Kollege schon durch seine äußere Erscheinung eine gewisse Überzeugungskraft an den Tag legt. :-/

      Löschen
  2. ...einen Zehner(packen) Hunderter. Dann klappts auch mit dem Abladen. Ich hab immer meine neunzehjährige Nichte geschickt, den Jungmann vom Baustoffhändler zu empfangen. War kostenlos. Der Knabe fuhr jedesmal ganz benebelt wieder nach Hause.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dazu sind die lieben Kleinen vom Kollegen noch etwas zu jung. :-D

      Löschen