Sonntag, 31. Juli 2016

Kopfgeldjäger

Ich werde das Gefühl nicht los, daß irgendjemand im LASA ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt hat.

Unsere Akten werden nach einem Zufallsprinzip von der Innenrevision ausgewählt und einer Stichprobenkontrolle zur Qualitätssicherung unterzogen. Dies ist insgesamt gesehen eine durchaus sinnvolle Sache, allerdings neigen die dortigen Kollegen durchaus schon mal zu Übertreibungen in ihren Interpretationen und Auflagen. Dabei waren die alle ehemals auch mal einfache Sachbearbeiter, die sich mit der vollen Bandbreite des Tagesgeschäftes beschäftigen durften und es somit kennen.

Aber wie heißt es im LASA so schön?

„Einst waren sie Kollegen, doch dann wurden sie Datenschützer. Oder gingen zur Innenrevision.“

Muß was dran sein, denn mit einem der dortigen Kollegen hatte ich mich seinerzeit noch geduzt. Sobald er bei der Innenrevision aktiv wurde, siezte er mich wieder. Manche brauchen das eben.

Das Zufallsprinzip der Aktenauswahl glaubt ihnen ohnehin keiner mehr, denn jeder Sachbearbeiter merkt schon, daß da ein gewisses wellenartiges Anforderungsschema vorherrscht. Trotzdem beteuert man auf Seiten der Innenrevision, wenn die Meckereien unsererseits mal wieder zu laut werden, daß sie keinerlei Einfluss darauf hätten und wir natürlich jederzeit ihr entsprechendes Programm ansehen könnten.

Hallo? Bin ich Programmierer?

Mich jedenfalls nerven die Burschen in diesem Jahr besonders. Ich habe gegenüber Frl. Hasenclever schon den Verdacht geäußert, daß jemand ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt hat. Denn alleine in den letzten paar Wochen  hat man deutlich mehr von meinen Akten angefordert, als sonst in einem ganzen Jahr.

Frl. Hasenclever zeigte sich tiefenentspannt.

„Was wollen Sie denn? Die haben bislang doch nichts gefunden. Selbst Ihre abgedrehtesten Fälle sind anstandslos durchgekommen.“

Es nervt trotzdem.

„Und wissen Sie was?“

Was?

„Als ich letztens in einer anderen Außenstelle Vertretung machen musste, habe ich eine Akte mit dem von Ihnen entwickelten Standardzusatz zum Sachverhalt XYZ verwendet. Der Vorgang wanderte auch zur Innenrevision und wurde wegen des Zusatzes von dort beanstandet.“

Ich legte eine gewisse Verblüffung an den Tag.

„Das habe ich so auch nicht geltend lassen.“ fuhr Frl. Hasenclever fort. „Ich habe den Kollegen aus der Innenrevision deswegen angerufen. Er hat mir einen epischen Vortrag gehalten, warum der Bescheidzusatz falsch sei.“

Wie nicht anders zu erwarten.

„Dann habe ich ihm erklärt, er möge doch bitte mal das von Ihnen aufgeführte höchstrichterlich Urteil im Internet suchen.  Und natürlich auch lesen. Tja, eine Stunde später hat er angerufen und ist eingeknickt.“

Ist ja doch schön, die ehemaligen Kollegen mit den eigenen Waffen zu schlagen.




Samstag, 30. Juli 2016

Momente

Diese Momente der Erkenntnis, es nicht in der Hand zu haben, die Momente, in denen man nur noch toben möchte…

Tendenz steigend.


Mittwoch, 27. Juli 2016

156 oder Der Murmeltiereffekt

Unser aktueller Azubinärer teilte uns einen Gedankengang mit. Er vertrat die Theorie, daß das Jahr im Gegensatz zur allgemeinen Vermutung nicht aus zumeist 365 Tagen bestehen würde, sondern lediglich aus 156.

Die tatsächlich vorhandenen Tage wären Samstag, Sonntag und Montag, alle natürlich an 52 Wochen im Jahr. Das Problem an der Sache sei, daß wir an Montagen aufgrund einer dramatischen Fehlschaltung Mutter Naturs in eine unerklärliche Zeitschleife gerieten, welche dafür Sorge trage, daß wir immer und immer wieder fünf Montage hintereinander erleben, bevor der Zyklus endlich bricht und wieder ein Samstag auftaucht.

Es gibt so Tage, da bin ich geneigt, diesem Gedankengang zu folgen.


Montag, 25. Juli 2016

Termine, Termine, Termine

Kann es wahr sein, daß es nicht mehr möglich ist, daß sich vier Menschen regelmäßig einmal im Monat treffen können, um zu spielen? Weil alle anderen außer meiner Wenigkeit ständig von irgendwelchen Terminen überflutet werden?

Um mehr Regelmäßigkeit in unsere Blood Bowl-Treffen zu bringen, haben Frl. Hasenclever, Sven, Mandy und ich uns vor ein paar Monaten darauf geeinigt, daß jeder zweite Mittwoch im Monat nach Feierabend Blood Bowl-Zeit ist. So kann jeder sogar langfristig vorplanen.

Sie schaffen es einfach nicht. 

Und mir vergeht schon wieder der Spaß an der Sache.

Führe ich eigentlich so ein exotisches Leben?



Sonntag, 24. Juli 2016

Sommerzeit

Deckenventilator - nicht nur im Wohnzimmer, sondern jetzt auch über dem Bett.

Yeah!



Freitag, 22. Juli 2016

Die Altvorderen

Frau Wuschelpuschel und ich haben dem Azubinären heute mal erzählt, wie wir vor 25, 30 Jahren, teilweise bis Mitte der 90er Jahre noch im Büro gearbeitet haben. Die Azubinette war cleverer als er; sie hatte sich baldigst in die Mittagspause verzogen, während der Bursche noch ausharren musste.

Seine Blicke während unserer Erzählungen wechselten von Belustigung zu Entsetzen und wieder zurück.

Ich fühle mich plötzlich seeeehr alt.



Donnerstag, 21. Juli 2016

Einfach nur mal die Faust in der Tasche ballen

Es scheint, daß dieser Eintrag in einem gewissen Zusammenhang mit dem vorherigen steht. Ja, steht er, aber nur indirekt, denn der vorherige Eintrag ist, wie man an den Protagonisten zu erkennen vermag,  tatsächlich älteren Datums. Das Zusammentreffen ist alleine dem Zufall geschuldet.

Es gibt aber weiterhin solche Tage, an denen du kurz vor der Verzweiflung stehst, wenn dir wieder bewusst wird, daß du deinen Job gut machst, dir den Arsch über das Maß aufreißt, für das du bezahlt wirst, und du absolut keine Chance hast, dafür jemals einen Cent mehr in der Hand zu haben. Nur der Dank des Vaterlandes kann dir vielleicht gewährt werden. Damit darfst du weiter grübeln, wie du die zu knappe Kohle zusammenhalten kannst, während du davon notwendige Ausgaben bestreiten musst und auch noch was an die Seite legen sollst.

Und dann siehst du wieder einen der Fraggles in deinem Dunstfeld, der seine Sollzeit im Büro absitzt, nicht wirklich weiß was er tut, andere aufgrund erwiesener Unfähigkeit mit Mehrarbeit versorgt, dafür aber zweimal im Jahr in Urlaub fährt.

Ok, ich gehe dann nächste Woche für ein paar Tage in von oben angewiesenen Zwangsabbau von Überstunden. Ist ja auch mal was anderes.



Mittwoch, 20. Juli 2016

Von der Abwendung eines Weltunterganges

Damals, vor dem großen Umzug...

Es gibt viele Geschehnisse, welche einen potentiellen Weltuntergang auslösen können.  Oder als Vorbote eines Weltunterganges gedeutet werden können. Irgendwie scheint es zwischen den Ereignissen eine gewisse Verbindung zu geben. So habe ich zum Beispiel immer behauptet, daß der Weltuntergang bevorsteht, wenn Smilla mal statt zur zweitbesten Ehefrau von allen zu mir ins Bett kommt, um an mich angekuschelt Teile der Nacht zu verbringen.

Vor ein paar Wochen ist das dann auch mal geschehen. Ich habe es gar nicht direkt gemerkt, aber meine Angetraute ist nochmal ins Schlafzimmer gekommen, bevor sie ihrerseits das Bett im Mädchenzimmer aufgesucht hat, weil sie noch etwas von hier benötigte. Ich lag schon dösend in meinem Bett und verspürte deutlich, daß eine Katze sich an mein Bein presste. Hier mutmaßte ich den Hauskater, weil dies hier eher seine bevorzugte Stelle war, aber die Reaktion meiner Angetrauten war da sehr eindeutig: Es handelte sich um Smilla.

Wie der scharfsinnige Beobachter feststellen darf, ist der Weltuntergang ausgeblieben. Zumindest so unmittelbar. Wir wollen da ja nicht kleinlich sein.

Aber es ist ein Zeichen, welches für die Zukunft Hoffnung gibt.

Vor ein paar Tagen in der Höhle im Schicksalsberg:

Mandy raschelte mit einer Akte.

„Oh oh!“

„Was?“

„Die Welt geht unter.“

„Warum?“

„Ich habe die wirklich allererste Akte vom Kollegen Bäcker zur Unterschrift vorliegen, in der er nichts falsch gemacht hat.“

„Du meinst, er hat auf Anhieb alles richtig gemacht?“

„Ja.“

„Unfassbar.“

Mandy raschelte weiter.

„Oh, doch nicht.“

„Was hat er gemacht?“

„Er hat in einem Zusatz zum Bescheid noch Unterlagen angefordert, die hier schon längst in der Akte vorliegen.“

Wir grinsten uns an.

Der Weltuntergang findet nun doch noch nicht statt. Wir werden überleben.

Bis auf weiteres.



Dienstag, 19. Juli 2016

Noch eine klare Ansage

Ich saß am Neustädter Hauptbahnhof im Zug und wartete auf die Abfahrt. Direkt auf den Sitzen hinter dem Führerstand des Triebwagens hatte ich es mir gemütlich machen können. Die Tür zum Führerstand war offen. In dem kleinen Raum befanden sich zwei Lokführer. Man unterhielt sich über belanglose Dinge.

Als die Zeit zur Abfahrt gekommen war, kam es wieder zum üblichen Problem. Irgend eine Tür hatte sich nicht automatisch geschlossen. Auch nach der obligatorischen Durchsage, den unmittelbaren Türenbereich zu verlassen, damit die Sensoren kein Hindernis mehr wahrnehmen konnten, führte nicht zum gewünschten Erfolg.

Also ging einer der beiden Lokführer den Weg nach hinten, um kraft seines Amtes, seiner Person oder seines technischen Geschicks dafür Sorge zu tragen, daß die Fahrt mit nun bald verschlossenen Türen aufgenommen werden konnte.

Wieder zurückgekehrt, hörte ich den begleitenden Lokführer.

„Ich gehe ja nicht mehr nach hinten. Wenn die da im Eingang stehen, dann geht es eben nicht los. Beim letzten Mal, als ich gegangen bin, standen ein paar Typen an der Tür herum. Als Ergebnis der Diskussion lag ich sechs Wochen im Krankenhaus.“

Oh shit.



Samstag, 16. Juli 2016

Verdächtigungen - Neues vom Kaffeebecher

Wie man sich vielleicht zu erinnern vermag, ist es zwischenzeitlich meine Aufgabe geworden, morgens den Deckel von Frl. Hasenclevers Kaffeebecher aufzuschrauben. Oder diesen zumindest soweit zu lockern, daß sie den Rest dann zu gegebener Zeit selbst erledigen kann. Zu irgendetwas muß man ja nützlich sein. Oder um es anders auszudrücken: Man kann sich auch mit solchen Dingen unentbehrlich machen.

Dachte ich.

Bis zu jenem schrecklichen Tag, an dem ich morgens mal wieder Akten in Frl. Hasenclevers Kemenate bringen musste. Im Türrahmen sah ich den Ökoklaus, welcher mit Frl. Hasenclever parlierte.

Ich drängte mich rein und legte das Aktenpaket in das dazu vorgesehene Fach des Aktenbocks, als mir Frl. Hasenclever wie üblich den Kaffeebecher entgegenhielt.

Er war offen.

„Was denn, Frl. Hasenclever? Haben Sie heute Morgen schon Ihren Kaba getrunken oder sind Sie mit dem Ökoklaus fremdgegangen?“

„Nein, das habe ich alleine geschafft.“

Respekt!

„Millimeter für Millimeter habe ich den Deckel aufgeschraubt. Immer wieder ein Stück mehr.“

Also wohl doch die Sache mit dem Kaba. Das gibt Kraft für den Tag und schmeckt besser als bekannte Alternativen.

„Und jetzt tut mir der Daumen weh. So kann ich nicht mehr unterschreiben.“

Umpf.



Donnerstag, 14. Juli 2016

Hier ist dein Schild

Nach dem Ende unserer gemeinsamen Großwildjagd begutachtete Hausi, der Hausmeister unserer Außenstelle, die Hinterlassenschaften der beiden Unbefugten. Auf mehrere Räume verteilt zeigten sich genügend Federn und Vogelkacke, daß Anlass zur Vermutung bestand, die Tauben wären über das gesamte frisch vergangene Wochenende eingesperrt gewesen, zumindest aber deutlich länger als einen Tag. Erste Bemühungen Hausis, wieder Ordnung zu schaffen und den aggressiven Taubenkot zu entfernen, erwiesen sich als relativ ergebnislos. Also erklärte er mir, daß er unseren Reinigungsdienst verständigen würde.

Als vorausschauend denkender Mensch verschloss ich die Tür zum Ort der wilden Hatz und befestigte ein aufklärendes Schild im DIN A4-Format in Augenhöhe. Nun würde wohl niemand mehr auf den Gedanken kommen, voller Besorgnis wegen der Verschmutzung irgendwelche Menschen zwecks weiterer Veranlassung anzurufen. Und die empfindlicheren Gemüter würde es davon abhalten, mit dem Unrat konfrontiert zu werden.

Unter Wiederaufnahme der Tagesroutine begab ich mich nach Indien in das dort befindliche Büro der zu jener Zeit langzeiterkrankten Rebecca, um die dauertemporäre Verteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden vorzunehmen. Nach Erledigung meiner dortigen Obliegenheiten beendete ich meinen Besuch auf der anderen Seite des Ganges und begab mich auf den langen Weg zurück zur Höhle im Schicksalsberg. Auf halbem Weg kam ich an dem Gang zur Teeküche vorbei. Trudi hatte die Tür gerade geöffnet, arretierte diese und begann ein Gespräch mit dem soeben dort aufgeschlagenen Sven, der sich auf der Suche nach Wasser befand, der Grundlage all unserer Betriebsmittel und Schmierstoffe. Ihr wisst schon.

Sven warf einen Blick in den verdreckten Gang. Trudi teilte ihre Vermutung mit, daß der Dreck ihrer Meinung nach wohl von einer Taube sei, während sie überlegte, Hausi zwecks Beseitigung zu informieren. Ich störte die Beiden in ihrem Gespräch Trudi in ihrem Monolog und verschloss die kurz zuvor arretierte Tür mit einem gewissen Nachdruck.

„Die Tür bleibt zu, dann ist das Schild auch besser lesbar!“

Trudi schaute mich verständnislos an.

„Welches Schild?“

„Der einzige auf der Tür befindliche DIN A4-Zettel, der sich zudem auch noch in deiner Augenhöhe befindet.“

Ist es denn wirklich so schwierig?



Dienstag, 12. Juli 2016

Mit fremden Federn

In aller Frühe betrat ich unsere LASA-Außenstelle. Irgendwo geisterte unser Hausmeister herum. Aus Richtung des zu dieser Stunde noch für Kunden geschlossenen Informationszentrums hämmerte laute Musik aus dem Radio. Wie gut, daß Frau Sanchez-Diaz nicht noch dazu trällerte. Womöglich noch über die Rundrufanlage des Hauses.

Ich rettete mich, nachdem ich meine Post geholt hatte, in den Aufzug. Die Etage, auf der sich die Höhle im Schicksalsberg, in der ich tagsüber zu residieren pflege,  befindet, zeigte sich noch menschenleer. Die üblichen Frühaufsteher glänzten krankheits- und urlaubsbedingt durch Abwesenheit.

Es folgte die bekannte Morgenroutine: Post auf dem Tisch ablegen, PC anwerfen, Jacke ausziehen, Teemaschine mit getrockneten Teeblättern befüllen, Kanne schnappen und die nahegelegene Wasserstelle in der Teeküche aufsuchen, um weitere Grundlagen des lebensnotwendigen Heißgetränkes zu beschaffen.

Der Gang zu Teeküche war mit einer Brandschutztür verschlossen. Dies ist des nächtens völlig normal, tagsüber hingegen darf der Zugang unversperrt bleiben. Ich öffnete also zweckgerichtet die Tür und sah – Scheiße. Also wirklich Scheiße. So wortwörtlich Scheiße. Und Federn. Und die Verursacher. Zwei Tauben hatten sich illegal Zuflug Zutritt zu unseren Räumlichkeiten verschafft und konnten offenkundig nicht mehr nach draußen gelangen. Der einzig in Frage kommende Zugang war das Oberlicht der Teeküche, welches weit genug geöffnet war, um einem solchen Vogel fußläufig passieren zu lassen. Der Rückweg hätte hingegen aufgrund der baulichen Gegebenheiten nur im Flugmodus erfolgen können, was aber vollkommen unmöglich umzusetzen war.

Ich schloss die Tür hinter mir und marschierte den Gang  hinunter bis zu seinem Ende. Hier befand sich der nächste Raum mit großen Fenstern, von denen ich einige zu öffnen gedachte. Die Tauben flohen fliegender Weise vor mir und – schlugen beide auf den noch geschlossenen Fenstern auf. Meinem Plan weiterhin folgend öffnete ich die Fenster, wobei ich aufgrund eines mir bis dahin unbekannten Schadens eines davon fast in den Händen hielt und gerade noch so wieder verschließen konnte. Egal, die restlichen Öffnungen mussten reichen. Anschließend zog ich mich zurück, ließ die Tür in ihre Verriegelung gleiten und informierte unseren Hausmeister über die Einbrecher und ihre Hinterlassenschaften.

Nach einiger Zeit an meinem Schreibtisch – ich wähnte mich noch immer alleine auf der Etage – marschierte ich zurück in Richtung Taubengehege, um den Erfolg meines Planes zu prüfen. Hier fand ich dann mit einer gewissen Überraschung  unseren Hausmeister vor, der sich auf Großwildjagd befand. Eine Taube hatte er bereits des Hauses verwiesen nach draußen befördert, die andere hingegen erwies sich nach seinem Bekunden als schlauer. Also gingen wir es gemeinsam an. Während er versuchte, die Taube mit Hilfe eines Mülleimers zu fangen, war es an mir als Großwildjägeramtsgehilfe, die Taube in die entsprechende Richtung zu lenken. Aber dieses kleine Biest entschlüpfte immer.

Irgendwann war es dem Flattermann zu viel. Die Taube hob ab Richtung Außenwelt, fand zielsicher das einzige verschlossene weil defekte Fenster und schlug heftigst dort auf.  Noch benommen von dem zwangsläufig folgenden Absturz geriet sie dann in die Gefangenschaft unseres Hausmeisters, der das verstörte Tier auf der äußeren Fensterbank absetzte. Fenster zu, Thema erledigt.

Die Hektik im Büro bringt mich noch mal um.



Montag, 11. Juli 2016

Voll retro

Ächz, keuch – so, Schutt beseitigt, ich habe wieder Zugang.

Die Telekomiker haben es geschafft, uns hier ein paar Tage die Leitung nicht zur Verfügung stellen zu können. Also gab es weder Fernsehen noch Telefon – und schon mal gar kein Internet.

Fast wie in den Achtzigern, in der guten alten Zeit.

Und ich fand es gar nicht mal schlecht. Es ist immer wieder erschreckend beeindruckend, wie viel Zeit man für andere Dinge hat, wenn man nicht ständig auf irgendwelche Monitore starrt.

Ich schau mich jetzt erst mal um. Mal sehen, was die Welt in den letzten Tagen so ohne mich gemacht hat.



Montag, 4. Juli 2016

Und jetzt?

Wie geht es weiter?

Rächen wir Island oder erklären wir uns solidarisch?


Sonntag, 3. Juli 2016

Verrat, Verrat! Schändlicher Verrat!

Man erinnere sich daran, daß ich zwei meiner vier Entenküken vermisse. Und daß ich meine Kollegen dazu verdonnert hatte, in bester investigativer Absicht das Restaurant Zum kleinen Chinamann aufzusuchen, um das Buffet nach sterblichen Überresten eben dieser Küken zu untersuchen und den chinesischen Koch von der üblen Verdächtigung, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein, reinwaschen können.

Und was macht Frl. Hasenclever? Sie hat einfach eine außerplanmäßige Dienstbesprechung angesetzt. Dazu noch eine relativ lange.

Wir haben es geschafft, fünf Minuten vor Beginn der Pausenzeit fertig zu werden, obwohl Kollege Harnischfeger die Sache unnötig noch weiter in die Länge gezogen hat. Zum Beispiel dadurch, indem er sich über auf dem Damenklo rauchende Putzfrauen ausließ. Wobei jedoch die Frage unbeantwortet blieb, wieso er überhaupt  weiß, daß am späten Nachmittag auf dem Damenklo eine rauchende Putzfrau anzutreffen ist. Oder aber daß er versuchte, eindeutig geklärte rechtliche Sachverhalte in Frage zu stellen. Und noch schlimmer, daß er versuchte, die uns mittlerweile ab sofort im Rahmen eines Experimentes gegönnte zwei Stunden telefonfreie Zeit pro Woche (!) zu sabotieren. Weil es nicht angehen könne, daß er eben diese zwei Stunden pro Woche nicht telefonieren darf.

Aaaaaaargh!

Jedenfalls hat sich unser geplantes siebenköpfiges Expeditionskorps nach der Besprechung auf den Ökoklaus und mich reduziert. Herr Harnischfeger musste früher Feierabend machen, Sven fühlte sich nicht gut und der Rest der Truppe meinte, am letzten Tag im Monat und nach einer dermaßen langen Arbeitsunterbrechung in Form der Dienstbesprechung noch die Statistik retten zu müssen. Also war ich mit dem Ökoklaus alleine unterwegs.  

Es bleibt festzustellen, daß wir ohne weibliche Begleitung unser Pensum in kürzerer Zeit schafften, weil wir nicht durch unnützes Gerede bei Tisch ausgebremst wurden. Aber da auch unsere Möglichkeiten begrenzt sind, ist es uns nicht gelungen, den chinesischen Koch vom dem Verdacht reinwaschen zu können. Wir werden ein Auge auf ihn haben und wiederkommen. So viel ist sicher.

Aber meine Küken sind weiterhin verschwunden.



Samstag, 2. Juli 2016

Also doch mal Fußball

Ich bin nicht umhin gekommen, mich während einer Phase unendlicher Langeweile mit dem aktuellen sportlichen Großereignis zu beschäftigen. Synchronschwimmen!  Fußball! Wenn ich das alles richtig erfasst habe, spielt die deutsche Mannschaft heute Abend gegen Italien. Und die Wikinger morgen gegen Frankreich. Spielen die in Italien eigentlich gut Fußball? Oder ist das nur eine Randerscheinung? So rein kulturell betrachtet. Vergnügt man sich da nicht eher mit Gladiatorenkämpfen? Mir schwebt da so etwas vor. Oder ist das auch wieder aus der Mode?

Ausgehend davon, daß sowohl die Wikinger als auch die Teutonengarde siegreich aus dem Duell gegen Völker mit den seltsamen Sprachen hervorgehen und ich den weiteren Pfad des Turnieres richtig verstanden habe, würde dies bedeuten, daß Deutschland dann auf Island trifft.

Problem.

Natürlich gehe ich weiterhin davon aus, daß die Isländer Weltmeister werden. Oder Europameister. Irgendwie vermisse ich Brasilien in dem Turnier. Also in dem Sinne, daß ich noch nichts von ihnen mitbekommen habe. Ich kann mich natürlich auch irren, bin ja nicht so der Auskenner. Egal. Also Europameister.  Wegen weil ohne Brasilien.

Aber das würde bedeuten, daß die deutsche Mannschaft nicht mehr mitspielen darf.

Aber wenn die deutsche Mannschaft weiter mitspielen will, muß sie die Wikinger rauswerfen. Was mir auch nicht gefällt. Denn ich mag Island. Schon immer. Also das Land. Isländer vielleicht auch, aber da ich keinen Isländer persönlich kenne, kann ich das nicht so richtig beurteilen. Es gibt ja auch nicht so viele von denen. Zumindest weniger als Duisburger. Aber viel mehr als Neustädter. Und von denen kenne ich auch nur ganz wenige. 

Ich schweife ab.

Das Land, also Island, um mal wieder zum Thema zu kommen, kenne ich natürlich auch nur aus der Theorie, aber was ich da so mitbekommen habe, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die Witterung sagt mir zu, Geysire auch. Dazu Kobolde, viel Küste und eine generell interessante Landschaftsgestaltung. 

Doch mein Problem ist damit nicht gelöst.

Fußball ist doof.



Freitag, 1. Juli 2016

Für einen Zehner

„Herr Paterfelis!“

Mir war an meinem PC, als ob ich Stimmen hörte. Nun gut, wenn ich im Büro an meinem PC sitze, höre ich meistens Stimmen. Diese Stimme hier kam wieder aus einer Höhe oberhalb meines üblichen Empfangsbereiches. So rein örtlich betrachtet.

„Ja, Herr Harnischfeger?“

Der Zweimeterirgendetwas-Mann hatte sich wieder neben meinem Schreibtisch aufgebaut.

„Ich muß morgen zu Hause bleiben. Da Frl. Hasenclever heute nicht da ist, müsste ich von Ihnen wissen, ob das in Ordnung ist.“

„Was ist denn jetzt schon wieder los?“

„Morgen kommen vier LKWs mit Ladung für das Haus.“

„Sind Sie sicher, daß Sie ein Haus renovieren und nicht neu bauen?“

„Natürlich bin ich das.“

„Immerhin.“

„Die kommen ja auch alle von unterschiedlichen Lieferanten. Da möchte ich meine Frau nicht mit alleine lassen. Oh, Moment, ich muß mal eben ans Telefon.“

So sprach er und verschwand. Sehr diensteifrig. Natürlich konnte ich wieder über den Flur mithören, um was es ging. Der kann am Telefon einfach nicht leise.  Nach Beendigung des Telefonates stand Herr Harnischfeger wieder neben mir.

„Das war eine der Speditionen.“

Habe ich schon mitbekommen. Also war er doch nicht so diensteifrig.

„Die haben mich gefragt, ob ich einen Hublader hätte.“

Ich ahnte Arges.

„Weil die auf dem Laster nämlich keine mitführen. Und die haben hinten auch keinen Lift am Wagen, liefern aber das Material auf Paletten. Ist ja sonst kein Problem, weil die üblicherweise nur bei Gewerbetrieben abladen. Die haben Rampen und eigene Hublader. Aber ich als Privatmensch habe so etwas natürlich nicht in der Garage stehen.“

Hätte mich ansonsten aber auch nicht überrascht.

„Jedenfalls müssen wir jetzt die ganzen Paletten von Hand abräumen und die Pakete einzeln entladen.“

„Na, viel Spaß dabei.“

„Ach, das geht fix. Dem Fahrer drücke ich einfach einen Zehner in die Hand, dann macht der das schon.“

Dieser Mensch ist einfach ein unverbesserlicher Optimist.