Donnerstag, 2. Juni 2016

Hitzewellen

Wir reden jetzt nicht über den Sommer. Weder den von diesem Jahr noch einen anderen. Und wir reden nicht über Frauen mittleren Alters. Obwohl ich da aus meinem dienstlichen Umfeld verschiedentlich auch bereits bestens informiert wurde. Nein, unser heutiges Thema ist ernsthafter.

Denn ich bin mal wieder dem Tod nur knapp von der Schüppe gesprungen.

Auch ohne Männerschnupfen.

Wir arbeiteten in unserem kleinen, gemütlichen Büro, der mittlerweile legendären Höhle im Schicksalsberg, die inzwischen sogar leicht verfremdet in einem Roman verewigt wurde, friedlich vor uns hin. Das Radio spielte leise Musik der achtziger Jahre. Von draußen war das entspannende Rattern des wie jeden Tag pünktlichen extralangen Schwerlastgüterzuges und das sich freundliche Anhupen der Teilnehmer am individuellen, motorengestützen Personen- und Güterkraftverkehrs zu vernehmen.

Aus der Ferne störten einige nicht aufeinander abgestimmte Martinshörner die ansonsten sehr harmonische Geräuschkulisse. Doch auch dies war nicht ungewöhnlich, befand sich doch die beeindruckend große Neustädter Hauptfeuerwache in unserem Einzugsbereich.

Der Klang der mit Sonderrechten im Einsatz befindlichen schweren Fahrzeuge wurde immer lauter, bis er schließlich in unmittelbarer Nähe verebbte. Als am Weltgeschehen schon quasi Kraft meines Amtes interessierter Staatsdiener dreht ich mich um und schaute aus dem Fenster. Da standen sie, entlang der Kurve zu unserem Nachbargebäude. Die Straße vor unserer Außenstelle wurde gerade gesperrt.

Uiuiuiui. Da war Gefahr im Verzug. Allerdings konnte ich nicht sehen, was los war, denn das eigentlich Geschehen fand dann doch außerhalb meines Blickwinkels statt. Ein Umstand, den es auch den zahlreichen Kollegen zu vermitteln galt, welche sich in der nächsten Zeit in unserem Büro einfanden, um einen Blick aus unseren Fenstern werfen zu können.

Natürlich erwartete ich angesichts der drohenden Gefahr aus dem Nachbargebäude eine alsbaldige Evakuierung meiner Person. Rette mich wer kann lautet die Devise. Aber nichts in der Richtung geschah. Nun denn, dann also nicht. Ich spürte bereits förmlich die Glut in meinem Rücken, aber ein Kapitän Staatsdiener würde bis zuletzt an Bord bleiben über Anträge entscheiden, um dann in treuer Erfüllung seiner Pflicht den einsamen Heldentod zu sterben. Immerhin gibt es bei Ableben im Dienst einen Kranz von dem Herrn Geschäftsführer mit aufs feuchte Grab. Den kann ich mir doch nicht entgehen lassen.

Also griff ich nach meinem Handy, welches mir in den letzten zehn Jahre treue Dienste geleistet hatte, und tippte eine Abschiedsnachricht ein, welche ich dann per Kurzmitteilungsdienst an die zweitbeste Ehefrau von allen schickte.

Stunden vergingen, es wurde Mittag. Zumindest behaupteten das die verschiedenen Uhren sowie der unsägliche Gute-Laune-Moderator aus dem Radio. Die Sonne war trotz theoretischem Höchststand am verdunkelten Himmel schon nicht mehr zu sehen. Die Feuerwehr blockierte weiterhin mit schwerem Gerät die Straße. Aber zumindest wir hielten stand. Niemand sollte später in den Gedenkreden sagen, daß die LASA-Mitarbeiter der Außenstelle Süd-Südwest zu Neustadt ihre Pflichten vernachlässigt hätten, bloß weil eine Feuersbrunst sie zu überrennen drohte.

Schließlich erreichte mich eine Nachricht meiner Angetrauten. Im Internetauftritt der örtlichen Tagespresse hätte sie gelesen, daß es bei uns gar nicht brennen würde, sondern sich zwei Chemikalien im Nachbarhaus unzulässigerweise miteinander verbunden und Gas ausgebildet hätten. Meine Hitzewellen würden wohl eher von der gerade intensiver scheinenden Sonne stammen.

Kann nicht sein. Bei uns war der Himmel wolkenverhangen. Bestimmt eine Folge der Gasentwicklung, wenn es schon keine Rauchschwaden waren, die den Himmel verdunkelten.

Und überhaupt: Gas! Die Hitzewellen konnten also nur Hallzuniationen Hallozo Halluzinatidingens aufgrund des von mir bestimmt eingeatmeten Gases sein. Schreckliche Sache.

Und während all dem hat unser öffentlich-rechtlicher Hausmeister die Grünanlagen Minibeete vor dem Haus per Brandrodung vom Unkraut Wildkraut befreit.

Wenn die Feuerwehr doch schon mal in der Gegend ist…




  

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