Samstag, 25. Juni 2016

Dinge, die man mit Telefonen macht

Damals, noch vor dem großen Umzug:

Mandy saß an Ihrem Schreibtisch in dem kleinen gemütlichen Büro inmitten der Stadt. Sie starrte das Telefon an wie ein hypnotisiertes Kaninchen. Es klingelte – nicht.

Während Mandy ihr Telefon anstarrte, begann ich meinerseits, Mandy anzustarren zu beobachten. Natürlich nur voller Sorge, ob da was los ist und ob ich als fürsorglicher Mensch mit irgendeiner guten Tat einschreiten müsste, falls sich ihr Zustand verschlimmern sollte.

„Es ist schmutzig.“

„Was?“

„Das Telefon ist schmutzig.“

Verständlich, denn die Reinigung unserer Telefone ist nicht Aufgabe der bei uns tätigen Putzfrauen, sondern unser Privatvergnügen.

„Ich mag es nicht, wenn das Telefon so schmutzig ist.“

So sprach Mandy und zauberte  aus den unendlichen Tiefen der Schubladen ihrer Schreibtischcontainer Reinigungsmittel  hervor. Sie ist eben doch die würdige Nachfahrin eines Golgafrinchamers und kann ihre dahingehende genetische Veranlagung offensichtlich nicht verleugnen.

Nach wenigen Augenblicken durchzog ein chemischer Geruch, der wohl Zitronenduftimitat darstellen sollte, den Raum, gefolgt von einem Leuchten. Das Telefongehäuse reflektierte wieder das von außen hineinstrahlende Sonnenlicht.

„Wenn du fertig bist, kannst du hier weiter machen.“

Wobei ich an dieser Stelle vorsorglich anmerken möchte, daß mein Telefon aufgrund überwiegenden Nichtgebrauches eher verstaubt als schmutzig-verklebt ist. Und dieser Staub wird durch die Vibrationen beim anhaltenden Klingeln eines dieser Gehirnakrobaten, die nicht begreifen wollen, daß man, wenn man nach dem dritten Klingeln aus zumeist guten Gründen nicht rangegangen ist, nach zwei Minuten des Dauerklingelns und anschließendem mindestens sechsmaligem jeweils nahtlosen Betätigen der Terrortaste auch nicht mehr rangehen wird, quasi von selbst abgeschüttelt.

„Pffft, du kannst ja mal Karla fragen. Die ist doch unser Putzteufelchen.“

„Nein, lieber nicht.“

Dann begann Mandy, an dem Kabel  ihres Telefons zu ziehen und es zu entwirren.

„Ich finde es ja ganz angenehm, hier mal an der Strippe zu ziehen.“

„Wem’s gefällt.“

„Na, du möchtest doch bestimmt auch, daß dein Ding nicht den ganzen Tag…“

„Mein Ding geht dich mal so gar nichts an!“

Also echt jetzt. Jahrelang auf verklemmt machen, und dann so etwas.

Ich fasse es nicht.




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