Sonntag, 1. Mai 2016

Von anderer Leute Neuerwerb eines Automobiles

„Hallo Herr Nachbar, haben Sie ein neues Auto?“

Wie der tiefgründige Blogleser zu erkennen vermag, handelt es sich nicht ein Erlebnis, welches mir selbst geschehen ist. Zumindest nicht um ein Erlebnis, in welchem der Eingangssatz von mir gesprochen worden wäre. Ich käme gar nicht darauf, hier jemanden so anzusprechen. Ich sehe, daß das Auto neu ist. Das genügt mir. Da quatsche ich doch niemanden drauf an. Ich. Doch. Nicht.

Von der Tatsache des Anquatschens abgesehen würde das eine Antwort provozieren. Ja geradezu ein Gespräch über Autos im Allgemeinen und dieses Auto im speziellen. Mein Interesse an einem entsprechenden verbalkommunikativen Austausch tendiert in den Minusbereich meiner nach unten offenen Wohlwollensskala. Das ist ungefähr so, als ob ich andere Leute mit dem Neuesten aus der wunderbaren Welt der Miniaturenspiele zutexte. Das Interessiert auch keinen Menschen, außer ein paar ausgewiesene Nerds. Und wenn ich hier im Blog etwas dazu schreibe, könnt ihr auch nur passiven Widerstand leisten. Ist also ok für mich.

Doch wir waren bei dem neuen Auto.

Tun wir mal so, als ob die Geschichte mir selbst geschehen wäre. Das vereinfacht die Sache.

Also nochmal: „Hallo Herr Nachbar, haben Sie ein neues Auto?“

„Ja, die Zeit war herum.“

Sie kaufen ja häufiger neue Wagen.

„Stimmt. Und niemals diesen asiatischen Mist.“

„Hört man ja durchaus schon mal, daß alle drei Jahre ein neues Auto angeschafft wird.“

„Alle drei Jahre? Hören Sie bloß auf. Ich habe keine Lust, alle Nase lang mit dem Wagen in die Werkstatt zu müssen. Zwei Jahre, dann geht das doch los. Dann will ich den Wagen schon abgegeben haben. Ich habe auf Werkstattbesuche einfach keine Lust. Und einen Vorführwagen will ich auch nicht haben. Mit denen nimmt doch keiner Rücksicht. Die sind doch schon werkstattreif, wenn man sie bekommt.“

Da sieht man, wo Geld steckt.

Wir fahren unseren südostasiatischen Balduin jetzt seit acht Jahren und sind im sechsstelligen Kilometerbereich. Werkstattbesuche gab es außerhalb der Inspektionen so gut wie keine. Wie mit allen anderen Autos, die wir bisher hatten, auch nicht. Meistens waren es Vorführwagen.

Wir fahren sie, bis sie schrottreif sind oder der Unterhalt nach einem größeren Schaden wirklich zu teuer wird. Da interessieren mich auch die ganzen subjektiven Rechnungen mit den Wertverlusten von Autos nicht.

Und das dauerte bislang immer länger als zwei Jahre.

Deutlich länger.



Kommentare:

  1. Bin ganz bei Ihnen, Hr. Paterfelis.
    Einen Neuwagen hatte ich noch nie, ich begann als Azubi und später als Studentin mit "alten Gebrauchten", die bis zur Schrottreife ausgefahren wurden und endete mit neueren Gebrauchten mit dem Ziel, diese kostengünstig und so lange wie möglich zu fahren. Hier in gleicher Konstellation wie bei Ihnen, solange sich es noch lohnt mit dem Wagen. Bin mit der Konstellation bislang wortwörtlich "gut gefahren".

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    1. Einmal im Leben hatte ich bislang tatsächlich einen Neuwagen. Daß war damals, kurz nach der Wiedervereinigung, als der Gebrauchtwagenmarkt durch Exporte in den Osten explodierte und ich dringend ein anderes Auto brauchte. Da war die Neuanschaffung tatsächlich sinnvoller.

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  2. Man kann jetzt durchaus neidisch werden auf den Herrn Nachbarn, der sich auf diese Art den Stress erspart, sein Auto einer Werkstatt anvertrauen zu müssen. Und, sollte man nicht vergessen, auch den lästigen Hauptuntersuchungen entgeht, welche ein Neuwagen ja erstmals nach drei Jahren erhalten muss.

    Das erkauft er sich schließlich mit dem "Wertverlust" eines jeden Neuwagens innerhalb dieser drei Jahre.
    Wer das durchgehend finanzieren kann... na ja. Geld macht halt nicht glücklich, jedenfalls dann nicht, wenn man es nur auf dem *Konto* hat.

    Mein erstes Auto hatte ich, bis es -bezogen auf sein Erstzulassungsdatum- "volljährig" geworden ist. Dann allerdings wurde das mit den nötigen Reparaturen unwirtschaftlich. Ein moderneres Gebrauchtes trat an seine Stelle und ist nun auch schon wieder einige Jahre bei mir. Noch bin ich nicht so weit, dass ich einen Neuwagen wirklich haben wollte. Da hat man doch bloß immer Angst um den makellosen Lack. :-)

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    1. Die Sache mit der Makellosigkeit lässt sich erstaunlich schnell ändern. Es ist nur eine Frage des festen Willens.
      Ich erinnere mich allerdings auch noch an die ersten Wochen bzw. Monate mit meinem damaligen Neuwagen. Ein Grund mehr für einen Gebrauchten.

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  3. Meine Devise 500 Euro zu zahlen und dann den letzten TÜV als Umsteigeanlass zu nehmen, hat den einzigen Nachteil, dass man bei längeren Strecken nie so ganz sicher ist, wann und wie man ankommt. Aber insgesamt ist es recht preisgünstig- in Endeffekt kommt man auf ca. 20 Euro monatlichen Wertverlust. Bisher hab ich immer Glück mit den Karren gehabt. Aber diesmal möchte ich was wagen. Vielleicht mal was etwas hübscheres... Ganz neu könnte ich weder bezahlen noch würden meine Nerven das aushalten.

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    1. Mit Risiko können wir hier nicht arbeiten. Ich würde zwar ohne Auto auskommen, aber meine Angetraute ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, daß die Karre funktioniert. Da gibt es keinen Plan B.

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