Dienstag, 10. Mai 2016

Klare Ansage

Die Lebensälteren unter uns werden sich an die Zeiten erinnern, als es auch im öffentlichen schienengebundenen Personennahverkehr des Bundes noch Zugbegleiter gab. Deren Aufgabe war es unter anderem dafür Sorge zu tragen, daß sich die Türen des abfahrbereiten Zuges schlossen. Heute sieht man so etwas nur noch im schnellen Fernverkehr. Im Nahverkehr hingegen erfolgt das Schließen der Türen durch Knopfdruck durch den Lokführer. Was mitunter zu folgenden Szenen führt.

Ich hatte mal zeitig Feierabend gemacht. Der Zug in Richtung Neustädter Ländchen hielt an einem an der Strecke liegenden Haltepunkt. Die übliche Wartezeit war vorüber, aber die Abfahrt verzögerte sich. Erfahrene Zugreisende wissen, was jetzt kommt.

„Sehr geehrte Fahrgäste. Bitte verlassen Sie den Bereich in den Türen, damit sich diese schließen und wir unsere Fahrt fortsetzen können.“

Diese ölig schmierige Stimme stammte vom Lokführer. Also nicht direkt vom Lokführer, sondern sie wurde nur von ihm ausgelöst. Der Sprachbaustein befand sich auf einem Chip. Wieder einmal stand jemand im Bereich der Türsensoren, die dafür Sorge tragen sollten, daß sich diese nicht schließen, so lange jemand im Weg ist. Das kommt jeden Tag vor.

Nach einiger Zeit des Wartens wurde die Ansage wiederholt. Und noch einmal. Nichts tat sich.

Neue Durchsage. Nicht diese saufreundliche abgespeicherte Stimme, bei der man vom Zuhören Zahnschmerzen bekommen kann. Nein, dieses Mal war es eine etwas lebensnähere Stimme.

Die des Lokführers.

„Sehr geehrte Fahrgäste. Wenn Sie an Ihren Zielbahnhöfen die Anschlüsse verpassen, weil wir sie verspätet erreicht haben, dann bedanken Sie sich bei den Kindern im letzten Wagen, welche die Türschließung seit einigen Minuten erfolgreich verhindern, um den vereinzelt noch in aller Seelenruhe heranschlurfenden Resten ihrer Schulklasse ein gemütliches Einsteigen zu ermöglichen. Vielen Dank.“

Piep! Piep! Piep! Piep! Piep! Klack!

So schnell können sich also Türen schließen.






Kommentare:

  1. gnihihi

    Ich finde ja das hier sehr schön:
    "So, alle Türblockierer jetzt mal Handy raus und 'Lichtschranke' googeln!"

    oder

    "Info an die Reisegruppe, die uns soeben mehrere Minuten aufgehalten hat: unser Zug besitzt unglaubliche 22 Türen!"

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  2. Auch sehr nett:

    "An den Herrn an der vorletzten Tür: Ich gehe davon aus, das Sie den kompletten Preis bezahlt haben. Deshalb dürfen sie auch komplett einsteigen!"

    (Mal die noch entsprechende Betonung vorstellen!)

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    1. Weiter so! Immer feste druff.
      (Hat jetzt nur einen halben Tag gedauert, bis die Server es wieder ermöglicht haben, daß ich hier einen Kommentar beantworte *grummel* )

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  3. Die kannte ich auch noch, die Zugbegleiter.
    Solange einem wenigstens noch eine echte menschliche Stimme vergönnt bleibt... Mal schauen, wie lange es dauert, bis auch noch die Fahrer gegen ein paar Chips ausgetauscht werden.

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    1. Das ist technisch schon längst möglich und in einigen U-Bahnen auch Gang und Gäbe.

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  4. Auf meiner Strecke habe ich das, glaube ich, noch nie gehört :o

    Bei uns bleibt der Zug länger als üblich stehen, die Pendler ziehen eine Grimasse und dann kommt "Wegen einer Überholung durch verspäteten Fernverkehr..."

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    1. Den Spruch kenne ich, wenn ich mal mit dem Zug zur Hauptverwaltung in Bad Husten fahre, weil ich da etwas zu tun habe. Auf der Strecke Neustadt - Neustädter Ländchen fährt keine andere Linie. Von daher gibt es auch nichts zu überholen.

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