Sonntag, 10. April 2016

Zehn Minuten

Die Nacht war irgendwie – na ja. So halt. Nach dem ersten Aufstehen habe ich schnell bemerkt, daß das noch nichts gibt. Also habe ich mich nach einer Stunde wieder in meine Koje verzogen, um zumindest etwas vor mich hin zu dösen.  Möchtegernchefkatze Lilly hat es gefreut, weil hier doch wesentlich mehr Optionen des Kuschelns bestehen als auf dem Sofa.

Irgendwann habe ich mitbekommen, daß die zweitbeste Ehefrau von allen auch bettflüchtig wurde. Ein paar Minuten wollte ich noch liegenbleiben. Es wird zum Einschlafen gereicht haben, denn ich kann mich an zwei Träume erinnern, die ich in der Zeit hatte. Der erste Traum führte mich in eines unserer Büros. Während ich mich dort mit irgendwelchen Dingen beschäftigte, taumelte die im echten Leben gerade unfallbedingt langzeiterkrankte Frau Kuchenbäcker ins Zimmer. Das Gesicht weiß und wie gesagt, taumelnd. Sie wollte unbedingt arbeiten und setzte sich an einen Schreibtisch. Es war noch nicht mal ihr Tisch geschweige denn ihr Büro. Meine letzte Erinnerung war, zu Frl. Hasenclever zu gehen, damit sie Frau Kuchenbäcker wieder nach Hause schickt.

Szenenwechsel.

Ich ging in unsere Küche. Überall zeigten sich Spuren, daß meine Angetraute hier mit Umbaumaßnahmen zu Werke war, die aber aufgrund ihrer vorübergehenden Abwesenheit noch nicht abgeschlossen werden konnten. Insbesondere fiel mir auf, daß die flache (!) Schublade mit tiefen (!) Töpfen und Pfannen offen stand, weil eine Pfanne – so ein 70er Jahre Dekormodell mit einem Muster, welches mich eher an etwas aus der elterlichen Küche meiner Kindheit erinnerte und was wir überhaupt nicht besitzen – sich verkeilt hatte und halb herausstand.

Dann wurde ich wach, stand auf und erkundigte mich vorsorglich, ob ich jetzt eine umgebaute Küche vorfinden würde. In meinem ersten Durchgang des heutigen Morgens war die nämlich noch unverändert. Nein, würde ich nicht. Zwischen dem Aufstehen meiner Angetrauten und dem Zeitpunkt, zu dem ich meine Frage stellte, waren erst zehn Minuten vergangen.

Gut, der Baum, der vorhin im Wohnzimmer vor der umgebauten Küche stand und welcher den Zugang nur in gebückter Haltung zuließ, hätte mir ein eindeutiger Hinweis sein können.

Dennoch ist es immer wieder interessant zu erfahren, was sich innerhalb von nur zehn Minuten so alles im menschlichen Kopf abspielen kann.



Kommentare:

  1. Kennst Du das, wenn Du nur am Aufwachen merkst, dass Du überhaupt geschlafen hast?
    Gruselig ...

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    1. Kenne ich nicht so. Ich weiß nur, daß meine Angetraute schon mal behauptet, ich hätte geschlafen, was mir nicht bewusst wäre. Irgendwie erzählt sie dann was von wegen, ich hätte geschnarcht. Ist natürlich Unfug, selbstverständlich schnarche ich nicht.

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  2. Das kenne ich auch - passiert mir häufig, wenn ich morgens wach werde, feststelle, ich hab noch eine halbe Stunde oder so und dann nochmal einnicke - zwischen Wachsein und Schlaf spielt sich eine Unmenge in meinem Hirn ab. Alles total chaotisch, als ob das Hirn alle Schubladen aufzieht und "so, schonmal lüften" brüllt oder so :)

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    1. Das Gehirn lüften... daher stammt also der Satz: "Das kommt mir zu den Ohren raus." ;-)

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  3. Tja... in solchen Momenten kramt das Hirn halt nicht mehr ganz so tief und putzt lieber mal Staub, weil eigentlich war es ja schon auf Betriebstemperatur, aber Körper und Schlafzentrum waren anderer Meinung. Also muss der bewusste Teile was tun, was zu unmöglichen Konstellationen führt.

    Schlimmer sind aber die Momente, wo man orientierungslos aufwacht und denkt, es sind Stunden vergangen - aber hat nur ne Minute geschlafen.

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    1. Ein orientierungsloses Aufwachen habe ich bislang noch nicht erlebt. Aber heute ganztägig das Gefühl, nicht richtig wach zu sein.

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  4. Durchaus interessant, aber mindestens genauso interessant finde ich, dass du dich noch so gut an deine Träume erinnerst.
    Ich kann mich meist kurz nach dem Aufwachen nur noch bruchstückhaft an die Träume erinnern und selbst diese Bruchstücke verschwinden schnell wieder und es bleibt nur noch eine wage Ahnung.

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    1. Es sind ja jetzt auch nur Bruchstücke. Zumindest nach ein paar Minuten ist fast alles weg. Und meistens erinnere ich mich gar nicht.

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  5. Ich bin eigentlich nie ganz wach. Oder, sagen wir, ich fühl mich nie ganz wach. Wenn ich Leute sehe, die sich morgens ausgeruht auf den Tag stürzen, weiß ich nie, ob ich neidisch oder angewidert sein soll. Aber ich erhol mich ja auch im Urlaub immer erst am vorletzten Tag, so dass ich am letzten Tag noch alles das mache, was die ganze Zeit liegen blieb. Dann komm ich passend unausgeruht zur Arbeit. Vielleicht sollte ich immer nur zwei Tage frei nehmen. Dann spart man wenigstens Urlaub, weil der ganze Vorlauf bis zum vorletzten Tag ja noch im Büro stattfindet.
    Meine Güte.

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    1. Deine Befindlichkeiten decken sich mit meinen. Aber absolut. Und das, obwohl ich geborener Frühaufsteher bin, der das auch noch meistens gerne macht.

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  6. Ich steh sehr gern früh auf, bin dann aber trotzdem müde. Vielleicht, weil um fünf am Sonntag morgen wirklich kein Mensch was von einem will. Da nehm ich die Müdigkeit billigend in Kauf.

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