Donnerstag, 28. April 2016

Schrauber

Nein, wir sind hier trotz der Überschrift nicht bei einem Thema für Handwerker. Es geht um eher wichtige Dinge des Lebens, die auch ich in der Lage bin umzusetzen. Handwerkliche Dinge zählen bekanntlich tendentiell nicht dazu. Insbesondere dann, wenn zu deren Umsetzung der titanverstärkte Kreuzvorwarndreher in Nenngröße 4b benötigt wird.

Es steht zu vermuten, daß einschlägige Kreise im Umfeld des Feinkosthändlers oder Schwarz-Marktes sich zu der Ansicht verleiten lassen könnten, ich sei Flaschensammler. Was jetzt weniger damit zu tun haben dürfte, daß ich nicht unbedingt in Anzug und Krawatte einkaufen gehe. Ich gehe schließlich auch nicht in Anzug und Krawatte ins Büro. Ja, ich habe noch nicht mal in Anzug und Krawatte geheiratet. Also unterlasse ich diesen Unfug auch, wenn ich dringlich benötigte Nahrungsmittelvorräte beschaffe. Und mich zuvor unserer zumeist nicht unerheblich beeindruckenden Pfandflaschensammlung entledige.

So wie meistens ist es mir gelungen, einen ganzen Einkaufswagen mit unseren Beständen zu füllen. Pfand im Wert von mindestens sieben Euro ist bei der Rückgabe nicht unüblich. Und bei konsequenter Verwendung von Großraumflaschen schafft das im Einkaufswagen ordentlich Volumen.

Am Nachbarautomaten stand ein Typ mit einer klassischen Albrecht-Tüte voller Pfand. Wie niedlich. Er kassierte meinerseits einen von ihm unbemerkt gebliebenen mitleidigen Blick. Damit traut der sich her. Das ist ja so, als ob ich bei der Spaßkasse am Schalter fünf Euro in bar von meinem Konto abhebe. Leute gibt es... Unfassbar.

Der Typ hatte sein Werk schon begonnen. Bevor er eine Flasche im Automaten versenkte, entfernte er deren Schraubverschluss, warf diesen in den bereitgestellten Müllbehälter, entbeulte die Flaschen fein säuberlich zur Herstellung einer besseren Lesbarkeit der Barcodes, legte die Flaschen nach vorheriger Prüfung der am Automaten angeschlagenen Empfehlung zur Beschleunigung des Ablaufes der Flaschenannahme folgend mit dem Barcode nach oben in die zur Flaschenaufnahme durch den entwickelnden Ingenieur vorgesehene Öffnung – und glotzte mich an wie ein Auto, als ich mit meinen Unmengen an zugeschraubten und verbeulten Pfandflaschen im Wert von 12,75 Euro unter Anwendung meiner vollkommen zufallsgeprägten Einwurftechnik schneller fertig war als er mit seinem Kram.

Tja, Herrschaften. Man muß auch mal im Leben etwas riskieren, um schneller ans Ziel zu kommen.

No risc, no fun, wie wir Latein-Asketen sagen.




Kommentare:

  1. Also ich hebe öfters mal 5 Euro ab - wenn das Konto doch mehr nicht mehr hergibt, *HEUL!

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    1. Natürlich gibt es das. Es gibt ja auch Typen, die für einen einstelligen Betrag Pfand wegbringen. :-)

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    2. Aber wovon kaufen die sich dann am Monatsende ihr Essen???

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    3. Vom Flaschenpfand. Für 5 Euro gibt es im Discounter 5 kg Nudeln. Das sollte eine Weile reichen.

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    4. Nix da: Der Vollprofi bettet sich auf einem soliden Pfandflaschenpolster, welches eine Woche vor Monatsende einen zweistelligen Betrag erbringen. Zusätzlich ist Meister im Umrechnen von der Einheit Pfandflaschenpfand in Bierflaschen. ;-)

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    5. Dann bin ich zumindestens aus dieser Nummer raus. Mit Bierflaschen und dem was sie kosten kenne ich mich nicht aus.

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  2. Deckel abschrauben? Niedlich. Auf die Idee käme ich nicht. Durch entsprechende, jahrelange Übung habe ich inzwischen auch den Dreh raus, die Maschine nicht zu überfordern, in dem ich die Flaschen zu schnell nacheinander reinschleudere. Und die, die zu verbeult sind, die schraub ich ein bisschen auf, schmeiß sie in den Wagen zurück- am Ende der regulären Einwürfe haben sie ihr altes Volumen und sind barcodetechnisch wieder problemlos verarbeitbar. Dann werden auch sie dem Schredder vor die Zähne geworfen. Letztens erzeugten meine Mutter und ich einen Pfandbon von 11,75 €. Den wir dann konsequenterweise im Automaten stecken ließen. Wo er alsbald die Aufmerksamkeit einer Kundin auf sich zog. Die dann den Bon an genau der Kasse abgab, an der wir standen, als wir bemerkten, dass wir den Bon nicht entnommen hatten. Der Kassierer hat ihn dann rausgerückt. Wow.

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    1. Gute Technik. Da zeigt sich der Pfandflaschenprofi. :-)

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