Donnerstag, 7. April 2016

Frühstück to drive

Es war die Zeit vor der letzten großen Fahrplanumstellung. Die Zeit, zu der ich noch nicht durch das hiesige Gebirge bis zum nächsten Bahnhof laufen musste, um dann im Zug eingepfercht stehenderweise bis nach Neustadt gebracht zu werden und den letzten Weg wieder per pedes zurücklegen durfte. Nein, es war die gute alte Zeit, als ich noch von unserer Haustür aus nahezu zur Bushaltestelle gestolpert bin, dort bequem Platz nahm und schließlich bis zum LASA gefahren wurde. Wehmütig erinnere ich mich an Juri, den Busfahrer. Jetzt gibt es nur noch Blondi, die Lokführerin, die schon früher mit ihren speziellen Durchsagen aufgefallen ist. Doch auch diese Zeit ist vorbei, die Ansagen kommen mit einer ekelhaft schleimerischen Stimme vom Band Mikrochip.

Der Bus fuhr seines Weges. Juri hatte alles mehr oder weniger im Griff. Passagiere stiegen mehr ein als aus, der Wagen füllte sich dementsprechend. Ich hatte einen meiner Lieblingsplätze eingenommen, den Einzelsitz vorne rechts, den der ehemals bloggende und von mir sehr vermisste Busfahrer Wheeler mal als Königsstuhl bezeichnet hatte. Die Aussicht ist gut, was mir aber egal ist, und ich stehe sitze nicht in dem Risiko, daß sich jemand neben mir ausbreitet. Zu allem Überfluß war die Inneneinrichtung in diesem Bus so ausgestattet, daß ich den Knopf des Haltewunschsignalisationbedienelementes ohne aufzustehen oder irgendwelche Verrenkungen einzulegen erreichen konnte.

Juri hielt den zwischenzeitlich gut ausgelasteten Wagen ausnahmsweise mal völlig form- und sachgerecht an einer Haltestelle. Draußen warteten vier oder fünf Mitfahrwillige, darunter eine junge Frau von etwa 20 Jahren. Vielleicht waren es auch ein paar mehr oder einige wenige weniger. Ich kann die Zahl zurückgelegter Lebenszeit anderer Menschen nicht so richtig schätzen und bin sogar von mir selbst überrascht, schon bald wieder eine Dekade vollendet zu haben. Da ändern auch die Silberfäden in meinen Haaren nichts dran. Für diese Geschichte hier handelt es sich jedenfalls um eine Frau von etwa 20 Jahren, was weiterführend aber auch überhaupt nichts zur Sache tut.

Viel wesentlicher ist der Umstand, daß sie in ihren Händen eine kleine Schale hielt und auch einen dazugehörigen Löffel zwischen den Fingern eingeklemmt hatte. Sie stieg vorne ein, so daß ich eindeutig zu erkennen vermochte, daß es sich bei der kleinen Schale wohl nicht nur eine typische, schlichte Müslischale handelte, sondern daß diese auch noch mit dem entsprechenden Zubehör ausgestattet war. Juris Blick fiel auf die Schale, in welcher Müsli und Milch schon bedrohlich vor sich hin wogten. Dabei stand der Bus immer noch an der Haltestelle.

„Nicht damit in meine Bus!“ ertönte Juris russisch akzentuierte Stimme.

„Aber ich konnte zu Hause nicht mehr frühstücken.“

„Hier in meine Bus auch nicht.“

„Der da hinten hat aber auch seinen Kaffee.“

„Da isse Deckel drauf. Ist in Ordnung.“

„Ich bin auch ganz vorsichtig.“

„Nein, Sie musse wieder raus.“

„Dann beschwere ich mich über Sie.“

„Können gerne mache, aber nicht mitfahren. Nicht mit Müsli.“

Also stieg die junge Dame bis ins Tiefste beleidigt wieder aus.

Und manches Kleidungsstück wird ihr es gedankt haben.







Kommentare:

  1. Ich habe einen Müslischüssel mit Deckel, aus dem man ganz gut löffeln kann, denn da ist in der Mitte ein kleiner Ausschnitt mit Extradeckel - ideal für Busfahrten!

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  2. Busfahrunternehmen, Polster usw. sicher auch.
    Manche Leute brauchen ECHT ne Soziophobie - die nehmen sich schon wieder zu viel raus. Manchmal denke ich, dass wir die normalen sind Paterfelis. xD

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    1. Davon bin ich ohnehin überzeugt. Das hier kann einfach nicht mein Planet sein.

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  3. Mit gefüllter Müsli-Schale? OMG.

    Also der Verkaufshit: Müslischale mit Deckel ...

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    1. Falls das eine Inovation sein sollte: siehe oben. Zu spät.

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    2. Ja ey, wenn Sie solang brauchen zum Freigeben der Kommentare ;)

      Habe ich aber echt noch nciht gesehen - ne Müslischüssel mit Deckel. Ich faß das immer noch nicht so ganz. Ich würde mich auch nicht mit einem Kaffeebecher in den Bus stellen. Aber machen Leute scheinen echt schmerzbefreit ...

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    3. Wirklich schlimm hier. Service-Wüste Deutschland. :-D

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    4. Echt mal! Schäm dich Paterfelis! Das Kommentar muss SOFORT nach den abschicken GESICHTET, etwaige Schreibfehler KORRIGIERT, Meinung VERBESSERT und dann FREIGESCHALTET werden. *wildes herum gefuchtel*

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    5. Ach, Mist. Diesen Kommentar wollte ich doch erst morgen freischalten.

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  4. Jaaa, ich vermisse den Wheeler auch. Vor allem seit ich regelmäßig Bus fahre...
    Immerhin bist Du wieder da

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    1. Ich kann euch doch nicht alleine lassen.

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