Donnerstag, 14. April 2016

Fragen fragen

Ich belegte meinen Platz auf dem Monster und ließ mich von irgendetwas aus dem Farbfernsehgerät berieseln, ohne ihm besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Mein linker Arm war etwas angewinkelt, Zeige- und Mittelfinger hielt ich ausgestreckt und bewegte mich ansonsten nicht. Dies war vollkommen in Smillas Sinne, die sich ihr Köpfen ausgiebig und mit gehörigem, wirklich nicht zu unterschätzendem Nachdruck in unterschiedlichsten Positionen an eben jenen ausgestreckten Fingern rieb und dabei wohlige Brummlaute von sich gab. Hin und wieder bewege ich meine Finger zu diesen Gelegenheiten etwas auf und ab, was die Verzückung unserer schreckhaften kleinen Katze noch zu steigern vermag.

Aber es war Wochenende und ich hatte mich zu dem Entschluss durchgerungen, in der laufenden Woche schon ausreichend gearbeitet zu haben. Und zwar so viel, daß jegliche Form zusätzlicher Bewegung meiner zarten Gesundheit eher schädlich sein würde. Man muß sich schließlich beizeiten schonen und Kräfte sammeln, denn niemand kann wissen, wann der nächste heimtückische Männerschnupfen mal wieder für eine Nahtoderfahrung sorgen würde.

Die zweitbeste Ehefrau von allen wuselte im Mädchenzimmer herum. Ich hörte das Klacken der sich bewegenden Kleiderbügeln, untermalt vom Rascheln diverser Textilien. Meine Angetraute hatte einen beruflichen Termin, quasi ein Geschäftsessen. Hört sich doch unheimlich cool an. Rajiv hatte das engere Team seiner Trainerschule in einen Nebenraum eines örtlichen Restaurants geladen, um dort mit ihnen zu speisen und weitere Planungen zu erörtern. Da ich mit meinen wenigen Vortragsterminen im Jahr eher als Gastreferent zähle, habe ich damit nichts zu tun und kann mich weiter pflegen.

Wie dem auch sei, war die zweitbeste Ehefrau von allen dabei, sich aus dem Schrank voller Ich-habe-nichts-anzuziehen Kleidung herauszusuchen. So erschien sie mit zwei belegten Kleiderbügeln in der Hand in meinem Blickfeld.

„Was hiervon soll ich anziehen?“

Ohne meine Arbeit mit der aufdringlichen Katze zu unterbrechen nahm ich in vollem Bewusstsein meine nur beschränkten Multitaskingfähigkeit die Herausforderung an und betrachtete aus der Distanz, was mir meine Angetraute da so entgegenhielt.

„Nimm das Blaue.“

Eine klare Formulierung, formschön aber nicht unelegant, mit eindeutiger Aussage.

Die zweitbeste Ehefrau von allen warf einen kritischen Blick auf die beiden Oberteile.

„Nein, ich nehme das Rote. Das Blaue hat so einen tiefen Ausschnitt.“

Den allerdings hatte das Blaue schon, als es aus dem Schrank geholt wurde. Aber schön, daß ich gefragt wurde.

Umpf!




Kommentare:

  1. Oh Mann! Paterfelixchen, mal ernsthaft: Wie schaffen es Heteromänner eigentlich, jahrelang mit einer Frau liiert zu sein und IMMER NOCH NICHT zu wissen, wie sie aus der Nummer rauskommen??? :-D, das ist echt 'ne Leistung!

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    1. Ok. Dann erwarte ich jetzt von dir den Lösungsvorschlag, der mir in den letzten 18 Jahren nicht eingefallen ist.

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    2. Auf die Frage: "sehe ich in dem Teil gut aus?" am besten mit "Du siehst IMMER wunderbar aus!" kontern. Da kann man sonst nichts richtig machen. Ansonsten offensiv-Sachlich bleiben. "Das ist für den Anlass nicht unbedingt das passende Outfit, aber du bist fantastisch/heiß/wunderhübsch/etc.pp.".
      Die Alternative wäre schonungslos ehrlich zu sein, dass muss du dann aber auch immer und jeder Zeit durchziehen und das frau auch klar ansagen (sie wird dennoch beleidigt sein, kann sich aber nicht beschweren, denn du hast sie ja gewarnt und weiß, dass sie nicht fragen soll, wenn sie Angst vor der Antwort hat ;D). So macht das Mannmann und nein - glücklich bin ich darüber nicht immer... aber wenigstens weis ich, worauf ich mich eingelassen habe. *g*

      Bei Entweder-oder-Fragen kannst du nebenbei nicht richtig antworten - außer durch Zufall.
      In der Regel läuft das so ab: frau hat sich schon auf zwei Kleidungsstücke reduziert, die in Frage kommen und findet das eine besser als das andere, hat aber wegen diverser Sachen Unbedenklichkeiten. Also geht sie zum Mann und fragt da. Unabhängig von dem was ER sagt, wird sie sich während der Frage - während sie diese ausspricht - entscheiden können. Wenn Mann zufällig das selbe wählt, hat er bestätigt, dass man selbst einen guten Geschmack hat - wählt er das andere, hat er eben keine Ahnung. Und das führt dann so zu komischen Dialogen.

      Wobei ich hier jetzt klar von meinen Standpunkt ausgehe. So als Frau. :P

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    3. "Auf die Frage: "sehe ich in dem Teil gut aus?" am besten mit "Du siehst IMMER wunderbar aus!" kontern. Da kann man sonst nichts richtig machen"
      - Sorry: Nope. GANZ schlecht. Heißt übersetzt: "Du machst Dich stundenlang für mich hüsch und, äh, das ist im Grunde genommen alles für`n A*sch!"

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    4. @Paterfelixchen
      Ganz tapfer sein jetzt. Aber durchziehen:
      "Sorry Schatz, ich weiß, Du bist es nicht, aber ... in dem Roten siehst Du irgendwie fett aus ...!"
      ;-)

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    5. Diskutiert das ruhig bitte weiter aus. Ich bin sehr gespannt auf weitere Anregungen und darf bereits jetzt in den Raum werfen, daß meine Angetraute sich bei den bisherigen Antworten - ähm - veräppelt vorkommen würde.

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  2. LOL.
    Eigentlich ganz einfach: immer das antworten, was sie _nicht_ machen/anziehen soll. Sie wird das Gegenteil von Ihrer Wahl nehmen ... ;)

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  3. Mein Tipp wäre, zu sagen "Stimmt, das ist tief ausgeschnitten. Aber ich finde du kannst das tragen. Und zu dem Anlass ist das doch nicht unpassend..." Niemals nie nich ein Lob mit "Du bist doch immer..." anfangen. Das ist herablassend und würde bei mir gar nicht gut ankommen. Aber ich bin ja auch zweimal geschieden.

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