Freitag, 29. April 2016

Noch ein Grund...

…warum Marty ein Arsch ist. Zumindest aus der Perspektive der zweitbesten Ehefrau von allen. Ich würde ihn ja einfach nur als schlauen Drecksack bezeichnen.

Seit einiger Zeit hat Marty die Rückenlehne des Fernsehsessels für sich entdeckt. Dabei ist es ihm weitestgehend egal, ob der Sessel gerade von jemand anderem in Anspruch genommen wird oder nicht.

Natürlich nutzt er die Gelegenheiten, zu denen er sich den Sessel mit einem von uns teilen muß, schamlos aus. Er wird entsprechend aufdringlich und will betuttelt werden. Machen wir ja auch. Es hat auch was sportives, die Arme so zu verdrehen, daß sie das hinter dem Kopf befindliche Katzgetier erreichen. Dehnübungen und so. Sehr gesund.

Marty bleibt während er betuttelt wird aber so gut wie nie ruhig liegen oder sitzen. Er bewegt sich. Und da der Platz auf dem Gipfel der Rückenlehne etwas schmal ist, fallen diese Bewegungen schon mal etwas – nun, nennen wir es mal so – abenteuerlich aus. Und auch sein Schwanz findet immer neue Positionen, wo er stören kann.

Katzencontent bringt Leser. Weiß man ja. Also versucht die zweitbeste Ehefrau von allen regelmäßig, den Kater bei seinen Verrenkungen mit mir als Opfer zu fotografieren.

Keine Chance.

Marty hat zwischenzeitlich gelernt, was ein Blitzdings ist. Und er mag es nicht, geblitzdingst zu werden. Schon früher hat er sich nach ein paar geschossenen Bildern gerne in Sicherheit gebracht. Nun aber wartet er gar nicht mehr ab. Sobald er das Blitzdings sieht und merkt, daß es auf ihn gerichtet wird, verschwindet er.

„Aber ich will doch ohne Blitz arbeiten.“

Umpf!

Woher soll der Kater denn wissen, daß das geht?



Donnerstag, 28. April 2016

Schrauber

Nein, wir sind hier trotz der Überschrift nicht bei einem Thema für Handwerker. Es geht um eher wichtige Dinge des Lebens, die auch ich in der Lage bin umzusetzen. Handwerkliche Dinge zählen bekanntlich tendentiell nicht dazu. Insbesondere dann, wenn zu deren Umsetzung der titanverstärkte Kreuzvorwarndreher in Nenngröße 4b benötigt wird.

Es steht zu vermuten, daß einschlägige Kreise im Umfeld des Feinkosthändlers oder Schwarz-Marktes sich zu der Ansicht verleiten lassen könnten, ich sei Flaschensammler. Was jetzt weniger damit zu tun haben dürfte, daß ich nicht unbedingt in Anzug und Krawatte einkaufen gehe. Ich gehe schließlich auch nicht in Anzug und Krawatte ins Büro. Ja, ich habe noch nicht mal in Anzug und Krawatte geheiratet. Also unterlasse ich diesen Unfug auch, wenn ich dringlich benötigte Nahrungsmittelvorräte beschaffe. Und mich zuvor unserer zumeist nicht unerheblich beeindruckenden Pfandflaschensammlung entledige.

So wie meistens ist es mir gelungen, einen ganzen Einkaufswagen mit unseren Beständen zu füllen. Pfand im Wert von mindestens sieben Euro ist bei der Rückgabe nicht unüblich. Und bei konsequenter Verwendung von Großraumflaschen schafft das im Einkaufswagen ordentlich Volumen.

Am Nachbarautomaten stand ein Typ mit einer klassischen Albrecht-Tüte voller Pfand. Wie niedlich. Er kassierte meinerseits einen von ihm unbemerkt gebliebenen mitleidigen Blick. Damit traut der sich her. Das ist ja so, als ob ich bei der Spaßkasse am Schalter fünf Euro in bar von meinem Konto abhebe. Leute gibt es... Unfassbar.

Der Typ hatte sein Werk schon begonnen. Bevor er eine Flasche im Automaten versenkte, entfernte er deren Schraubverschluss, warf diesen in den bereitgestellten Müllbehälter, entbeulte die Flaschen fein säuberlich zur Herstellung einer besseren Lesbarkeit der Barcodes, legte die Flaschen nach vorheriger Prüfung der am Automaten angeschlagenen Empfehlung zur Beschleunigung des Ablaufes der Flaschenannahme folgend mit dem Barcode nach oben in die zur Flaschenaufnahme durch den entwickelnden Ingenieur vorgesehene Öffnung – und glotzte mich an wie ein Auto, als ich mit meinen Unmengen an zugeschraubten und verbeulten Pfandflaschen im Wert von 12,75 Euro unter Anwendung meiner vollkommen zufallsgeprägten Einwurftechnik schneller fertig war als er mit seinem Kram.

Tja, Herrschaften. Man muß auch mal im Leben etwas riskieren, um schneller ans Ziel zu kommen.

No risc, no fun, wie wir Latein-Asketen sagen.




Dienstag, 26. April 2016

Habt Ihr zu Hause Säcke vor der Tür?

Es gibt fraglos Situationen, die zu Fragen führen. Fragen, die sich Männer nicht beantworten können. Aber vielleicht die Frauen unter meinen Lesern. Sollte sich der eine oder andere mitlesende Mann doch zu einer Antwort berufen fühlen, dann nur her damit. Ich bin da nicht so kleinlich.

Von meinem Schreibtisch im LASA aus habe ich, so denn die Tür zur Höhle im Schicksalsberg weit genug offen steht, einen ungehinderten Blick auf den Zugang zur Damentoilette des Hauses. Ich weiß jetzt nicht, ob mir das was sagen soll. Im Restaurant möchte man ja auch nicht unbedingt seinen Tisch neben den Toilettenräumen haben. Aber das ist jetzt nun mal so.

Kommen wir zum Kern des Problems. Meinen Erhebungen zu Folge unterlassen 90 % der Toilettengängerinnen auf unserer Etage es, beim Verlassen der Räumlichkeiten die Tür hinter sich zu schließen. Dabei ist es ihnen, wie ich im Rahmen investigativer Ermittlungen, zu denen ich Betroffene befragt habe, sogar so, daß die Tür nicht mal dann verschlossen wird, wenn man weiß, daß sich noch eine Kollegin in der Kabine im Zustand der Verrichtung befindet. Nicht mal die Verbindungstür zwischen Vorraum und dem Raum des eigentlichen Geschehens findet irgendeine Beachtung. Die potentiell mögliche Geräusch- und andere Entwicklung könnte sich also in Einzelfällen nahezu ungehindert entfalten.

Gemeinhin wird ja behauptet, daß der Mann als solches es nicht so mit feinem Benehmen hat und diese Kunst eher Frauen zugeordnet wird. Hier scheint sich diese Theorie in Wohlgefallen aufzulösen.

Daher Frage ich: Warum ist das so? Wieso fühlen sich so viele Kolleginnen nicht dazu berufen, diese Tür beim Verlassen des Raumes richtig zu schließen?

Gebt mir Erleuchtung!



Montag, 25. April 2016

Das etwas andere Buffet

Zur Organisation des im LASA vorhandenen ewig vorhandenen Zustandes der für abwesende Kollegen erforderlichen temporären Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle anderen  haben wir ein paar Regelungen zum organisatorischen Ablauf aufgestellt. Dazu gehört es, daß ein Kollege sich des Posteingangs des Abwesenden annimmt, diesen sichtet, die Post den zugehörigen Akten zuordnet und nach einem festen Verteilungsplan auf dem Schreibtisch eben dieser abwesenden Person zu einzelnen Päckchen gebündelt ablegt, damit der Rest der Anwesenden sich dann nur noch ihr Bündel abholen müssen.

An sich bin ich immer derjenige, der das im Falle von Rebeccas Abwesenheit erledigt, welche sich wiederum um den Posteingang von Herrn Harnischfeger zu kümmern habe. Da aber nun beide Kollegen mit ihrem Nichtvorhandensein glänzten, wäre es im Sinne unserer Regelungen ich gewesen, der sich da für beide ins Zeug legt. Dankenswerter Weise hat mir der Ökoklaus die Aufteilung für Rebecca abgenommen. So etwas funktioniert bei uns zumeist sehr harmonisch.

Ein paar Minuten,  nachdem ich den Ökoklaus mit dem Papierberg in Richtung Indien auf die andere Seite des Ganges hatte verschwinden sehen, kam er auch schon wieder zurück und hielt kurz bei mir an.

„Das Buffet ist angerichtet. Du kannst dich bedienen, es gibt wieder reichlich.“

Nö, heute musste ich mich nach ein paar Tagen der Vertretung für Frl. Hasenclever endlich mal wieder meinen eigenen Sachen widmen.

„Hast du da auch was Heißes angerichtet?“ erkundigte ich mich bei dem Ökoklaus nach dem Dringlichkeitsgrad dessen, was ich da vorfinden würde.

„Nein, nur Standard.“

„Also kalte Platte. Die hält sich auch bis morgen.“

Prioritäten sind wichtig im Leben. Ich sage es euch.



Sonntag, 24. April 2016

So Tage halt

Sollte jemand einen Tag suchen, an dem man besser gar nicht erst aufgestanden wäre, dann bitte melden. Ich hätte einen abzugeben.

In diesem Sinne...


Freitag, 22. April 2016

Mülldingens

Hier im Neustädter Ländchen, also eher im außerinnerstädtischen Bereich, ist es üblich, die gesamte Riege der zur Verfügung stehenden unterschiedlich eingefärbten in nahezu unendlicher Vielfalt zur Verfügung stehenden Müllboxen außerhalb des Hauses zu parken. Damit dies nicht allzu unschön aussieht, werden die verschiedenen Müllboxen entweder von einem Sichtschutzzaun verdeckt oder in einem Müllboxendingens, so einer Parkgarage für Müllboxen, quasi einer Müllboxenbox, na einem Mülldingens eben, abgestellt und daraus nur befristet entlassen, wenn die Müllboxenleerertruppe erwartet wird.

Unsere Hausgemeinschaft hatte sich ein Müllboxendingens aus Holz angeschafft. Unglücklicherweise hat Herr Kleinhüppgenreuther seinen Parkplatz, also jetzt nicht den für seine Müllboxen, sondern den für das Kleinhüppgenreuthermobil, exakt gegenüber unserem Mülldingensplatz. Und Herr Kleinhüppgenreuther ist ein schlechter Ausparker. In gewissen Abständen neigte er dazu, das Müllboxendingens beim Ausparken zu rammen. Und natürlich war es ihm nicht möglich in Erwägung zu ziehen, seinen Parkplatz mit jemand anderem, der ein kleineres Auto besaß und/oder ein besserer Ausparker war, zu tauschen.

Nach all den Jahren intensiver Nutzung durch und liebevoller Pflege durch unseren hauseigenen Ingenieurhilfshausmeister war es nun aber an der Zeit, das hölzerne Müllboxendingens zu verschrotten und ein neues anzuschaffen. Holz käme nicht mehr in Frage, dieses Mal sollte es ein hübsches, ja sogar nahezu dekoratives Müllboxendingens aus Metall sein. Da würde sich die Hausgemeinschaft nicht lumpen lassen.

Doch natürlich stellte sich die Frage, wie wir mit dem Kontaktbedürfnis Herrn Kleinhüppgenreuthers umgehen würden.

Meine Idee, autoschädigende Metalldornen und bodengelagerte Krähenfüße zur Vermeidung einer übertrieben dichten Annäherung anzubringen, wurde als wenig praktikabel verworfen, weil diese uns ja auch bei der Benutzung des Müllboxendingens behindern würden. Aus rein pekunären Gründen nahmen wir auch davon Abstand, eine versenkbare Lösung anzustreben. Obwohl ich mich durchaus dafür erwärmen könnte, denn wenn man einmal am ausschachten war, könnte man doch eigentlich auch gleichzeitig Platz für eine semioffizielle Erweiterung unserer Kellerräume…

Der Gedanke an eine mit einer Alarmsirene verbundenen Selbstschussanlage verbat sich aus irgendwelchen larifari eingeworfenen und vollkommen unglaubwürdigen humanitären Bedenken. Man vermutete Ärger mit dem Rest der Nachbarschaft. Außerdem bestand die Befürchtung, daß Herr Kleinhüppgenreuther als professioneller Jägersmann zurückschießen würde. Da unser Ingenieurhilfshausmeister ehemaliger seefahrender Berufssoldat ist, könnten sich daraus einige Verwicklungen ergeben.

Also blieb nur die Entschlossenheit, für jeden Schaden eine Rechnung zu schreiben. Als Selbständige kann die zweitbeste Ehefrau von allen gut und routinemäßig Rechnungen schreiben. Mit Herrn Wolf und mir, beide schreibtischtätige Staatsdiener, bestand auch geballtes Fachwissen im Aufbau des nachfolgend zu erwartenden papiergebundenen Terrors. Außerdem habe ich hier noch irgendwo Pläne zum Bau eines Trebuchets sowie einer wohl eher gartentauglichen Ballista für den Notfall. Wir waren also in jeglicher Beziehung gewappnet.

Unserem extra zu diesem Zweck eingerichteten Competence Team, bestehend aus unserem neuen Hausverwalter, Herrn Wolf von oben unter dem Dach, sowie Herrn Knutsen, ist es unter huldvoller Außenvorlassung der zweitbesten Ehefrau von allen als einzige, die hier wirklich alleine schon aufgrund jahrelanger Erfahrung im Zusammenbau von schwedischen Möbeln für die Montage qualifiziert gewesen wäre, innerhalb von nur zwei Tagen und unter konsequentem Ignorieren der Anleitung gelungen, das Müllboxendingens ordentlich aufzubauen und nach einem weiteren Tag auch sauber zu justieren und auszurichten.

Und nun lauern wir.

Der Feind kann kommen.



Mittwoch, 20. April 2016

Galavorstellung

Werte gleich mir am menschlichen Verhalten verzweifelnde Mitleidende,

es kommt selten vor, daß mir die Worte fehlen. Zumindest, wenn ich schreibe. Aber heute muß ich an euer Kopfkino appellieren. Es funktioniert einfach nicht anders.

Ich werfe jetzt nur ein paar Schlagworte in den Raum: 
  • defektes Triebfahrzeug am Bahnsteig
  • allen Ortes die Anzeige „nicht einsteigen“
  • klar formulierte und verständliche Durchsagen
  • ein Haufen Menschen
  • dutzende menschlicher Holbirnen

Die Show habe ich mir eine Stunde lang angesehen. Leben live. Kein Wunder, daß es mit dieser Welt zu Ende geht. Amüsant war es trotzdem.

Und jetzt macht was draus.



Montag, 18. April 2016

Haben Sie etwas zu verzollen?

Irgend etwas habe ich wohl verpasst. Natürlich ist auch mir geläufig, daß es bestimmte Kreise gibt, welche die Grenzkontrollen wieder einführen möchten. Aber daß es schon so weit ist…

Ja, die zweitbeste Ehefrau von allen und ich wohnen im Neustädter Ländchen. Meinem Wissen nach haben wir aber noch keine Unabhängigkeitserklärung vom Rest der Republik abgegeben. Oder warum sonst käme man auf den Gedanken, für einen Warenversand von Gottmadingen (Baden-Württemberg) zu uns eine Zolldeklaration zu erstellen?




Obwohl – falls wir doch schon unabhängig sein sollten, müssen wir uns hier keinen neuen Namen ausdenken. Wir haben das Ländchen ja schon. Und wären damit wohl das kleinste Ländchen der Welt.



Sonntag, 17. April 2016

Herr Bäcker und die Weisheit

Es gibt eine alte chinesische Weisheit. Das heißt, ob sie jetzt wirklich aus China kommt, weiß ich gerade mal nicht. Japan könnte auch möglich sein. Aber ich glaube doch eher an China. Schließlich sind die Chinesen die Erfinder von einfach allem. Auch von allen Weisheiten. Wir wissen es nur noch nicht, aber irgendwann wird das so sein. Dann werden wir wissen, daß die Chinesen schlichtweg alles erfunden haben. Denn schließlich wird die Geschichte vom Sieger geschrieben.

Aber ich schweife ab.

„Wir haben viel zu tun. Also machen wir langsam.“

Die praktische Bedeutung dieser Erkenntnis wurde mir letztens wieder präsent. In unserem Fachbereich Leistungsgewährung rumort es seit langem. Dauervertretung - Kenner des Blogs wissen, ich meine die dauertemporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden - ein schlechtes Betriebsklima und trotz wiederholter Einforderung nicht vorhandene Führung trotz extra zu diesem Zweck abgestelltem Personal sorgen für Ärger.

„Und dann konzentriert sich die Arbeit wieder auf einige Wenige, die dann schnell-schnell machen, damit die Zahlen Stimmen. Mit dem Ergebnis, daß die eine Rückgabequote von 50 % haben, weil sie nicht mehr ordentlich arbeiten.“ erklärte mir Sven.

„Wird wohl so sein.“

„Das habe ich auch Herrn Bäcker erzählt.“

„Und?“

„Er sah nicht so aus, als ob er mich verstanden hätte. 50 % Fehler bedeutet, daß 50 % der Akten richtig sind. Von so einer Quote träumt der doch nur.“

Traurig aber wahr.

Das ist das Ergebnis, wenn auch in Verwaltungsbereichen des öffentlichen Dienst in Zeiten des Personalabbaus, welcher übrigens im Gegensatz zu Entlassungen in anderen Branchen unseres Wirtschaftssystems nicht die mindeste mediale Beachtung gefunden hat, selbst als es insgesamt um tausende von Arbeitsplätzen ging, brauchbare Mitarbeiter in nicht geringer Anzahl gegangen werden. 

Zu Zeiten des Nachwuchsmangels nimmt man dann halt jeden Vollhonk, nur um Stellen zu besetzen.



Donnerstag, 14. April 2016

Für Frau Gräde

(aus aktuellem Anlass heute mal ein zweiter Eintrag)


Na, Frau Gräde, Sie wissen schon:






Fragen fragen

Ich belegte meinen Platz auf dem Monster und ließ mich von irgendetwas aus dem Farbfernsehgerät berieseln, ohne ihm besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Mein linker Arm war etwas angewinkelt, Zeige- und Mittelfinger hielt ich ausgestreckt und bewegte mich ansonsten nicht. Dies war vollkommen in Smillas Sinne, die sich ihr Köpfen ausgiebig und mit gehörigem, wirklich nicht zu unterschätzendem Nachdruck in unterschiedlichsten Positionen an eben jenen ausgestreckten Fingern rieb und dabei wohlige Brummlaute von sich gab. Hin und wieder bewege ich meine Finger zu diesen Gelegenheiten etwas auf und ab, was die Verzückung unserer schreckhaften kleinen Katze noch zu steigern vermag.

Aber es war Wochenende und ich hatte mich zu dem Entschluss durchgerungen, in der laufenden Woche schon ausreichend gearbeitet zu haben. Und zwar so viel, daß jegliche Form zusätzlicher Bewegung meiner zarten Gesundheit eher schädlich sein würde. Man muß sich schließlich beizeiten schonen und Kräfte sammeln, denn niemand kann wissen, wann der nächste heimtückische Männerschnupfen mal wieder für eine Nahtoderfahrung sorgen würde.

Die zweitbeste Ehefrau von allen wuselte im Mädchenzimmer herum. Ich hörte das Klacken der sich bewegenden Kleiderbügeln, untermalt vom Rascheln diverser Textilien. Meine Angetraute hatte einen beruflichen Termin, quasi ein Geschäftsessen. Hört sich doch unheimlich cool an. Rajiv hatte das engere Team seiner Trainerschule in einen Nebenraum eines örtlichen Restaurants geladen, um dort mit ihnen zu speisen und weitere Planungen zu erörtern. Da ich mit meinen wenigen Vortragsterminen im Jahr eher als Gastreferent zähle, habe ich damit nichts zu tun und kann mich weiter pflegen.

Wie dem auch sei, war die zweitbeste Ehefrau von allen dabei, sich aus dem Schrank voller Ich-habe-nichts-anzuziehen Kleidung herauszusuchen. So erschien sie mit zwei belegten Kleiderbügeln in der Hand in meinem Blickfeld.

„Was hiervon soll ich anziehen?“

Ohne meine Arbeit mit der aufdringlichen Katze zu unterbrechen nahm ich in vollem Bewusstsein meine nur beschränkten Multitaskingfähigkeit die Herausforderung an und betrachtete aus der Distanz, was mir meine Angetraute da so entgegenhielt.

„Nimm das Blaue.“

Eine klare Formulierung, formschön aber nicht unelegant, mit eindeutiger Aussage.

Die zweitbeste Ehefrau von allen warf einen kritischen Blick auf die beiden Oberteile.

„Nein, ich nehme das Rote. Das Blaue hat so einen tiefen Ausschnitt.“

Den allerdings hatte das Blaue schon, als es aus dem Schrank geholt wurde. Aber schön, daß ich gefragt wurde.

Umpf!




Dienstag, 12. April 2016

Knüppelhart

„Ich habe da noch ein paar Akten zur Abgabenerhebung neben meinem Drucker.“

Hat er gesagt.

„Die liegen da teilweise schon etwas länger.“

Hat er gesagt.

„Ich habe jetzt ja zwei Wochen Urlaub.“

Hat er gesagt.

„In den zwei Wochen wird sich bestimmt niemand von der Kundschaft beschweren.“

Auch das hat er gesagt.

Wenn ich denn nun direkt am ersten Tag seiner Abwesenheit aufgrund externer Anregung direkt zwei dieser Akten in die Hände bekomme, um irgendwie noch das Schlimmste abzuwenden, dann sage ich auch etwas. Und zwar euch:

Werte Leser,

bitte erinnert mich in zwei Wochen daran, meinen Baseballschläger mit ins Büro zu nehmen. Ich würde Herrn Harnischfeger gerne ein paar knüppelharte Argumente zukommen lassen. Und dies umso mehr, nachdem ich mir mal angesehen habe, was da wirklich alles neben dem Drucker liegt.

Es könnte explosiv werden.  

Ich kann dieses süffisante Grinsen bei betontem Fehlens jeglichen Schuldgefühls nicht mehr sehen, welches Herr Harnischfeger immer an den Tag legt, wenn man ihn wegen eben solcher Dinge zusammenscheißt.



Sonntag, 10. April 2016

Zehn Minuten

Die Nacht war irgendwie – na ja. So halt. Nach dem ersten Aufstehen habe ich schnell bemerkt, daß das noch nichts gibt. Also habe ich mich nach einer Stunde wieder in meine Koje verzogen, um zumindest etwas vor mich hin zu dösen.  Möchtegernchefkatze Lilly hat es gefreut, weil hier doch wesentlich mehr Optionen des Kuschelns bestehen als auf dem Sofa.

Irgendwann habe ich mitbekommen, daß die zweitbeste Ehefrau von allen auch bettflüchtig wurde. Ein paar Minuten wollte ich noch liegenbleiben. Es wird zum Einschlafen gereicht haben, denn ich kann mich an zwei Träume erinnern, die ich in der Zeit hatte. Der erste Traum führte mich in eines unserer Büros. Während ich mich dort mit irgendwelchen Dingen beschäftigte, taumelte die im echten Leben gerade unfallbedingt langzeiterkrankte Frau Kuchenbäcker ins Zimmer. Das Gesicht weiß und wie gesagt, taumelnd. Sie wollte unbedingt arbeiten und setzte sich an einen Schreibtisch. Es war noch nicht mal ihr Tisch geschweige denn ihr Büro. Meine letzte Erinnerung war, zu Frl. Hasenclever zu gehen, damit sie Frau Kuchenbäcker wieder nach Hause schickt.

Szenenwechsel.

Ich ging in unsere Küche. Überall zeigten sich Spuren, daß meine Angetraute hier mit Umbaumaßnahmen zu Werke war, die aber aufgrund ihrer vorübergehenden Abwesenheit noch nicht abgeschlossen werden konnten. Insbesondere fiel mir auf, daß die flache (!) Schublade mit tiefen (!) Töpfen und Pfannen offen stand, weil eine Pfanne – so ein 70er Jahre Dekormodell mit einem Muster, welches mich eher an etwas aus der elterlichen Küche meiner Kindheit erinnerte und was wir überhaupt nicht besitzen – sich verkeilt hatte und halb herausstand.

Dann wurde ich wach, stand auf und erkundigte mich vorsorglich, ob ich jetzt eine umgebaute Küche vorfinden würde. In meinem ersten Durchgang des heutigen Morgens war die nämlich noch unverändert. Nein, würde ich nicht. Zwischen dem Aufstehen meiner Angetrauten und dem Zeitpunkt, zu dem ich meine Frage stellte, waren erst zehn Minuten vergangen.

Gut, der Baum, der vorhin im Wohnzimmer vor der umgebauten Küche stand und welcher den Zugang nur in gebückter Haltung zuließ, hätte mir ein eindeutiger Hinweis sein können.

Dennoch ist es immer wieder interessant zu erfahren, was sich innerhalb von nur zehn Minuten so alles im menschlichen Kopf abspielen kann.



Samstag, 9. April 2016

Tja

Die zweitbeste Ehefrau von allen hat sich auf den Weg zu einem öffentlichen Auftritt gemacht. Die Heimkehr ist erst zu vorgerückter Stunde zu erwarten. Ich musste dieses Mal nicht dabei sein, um die Kamera zu bedienen. Ein anderer Ehemann aus dem Gefolge des Ensembles hat sich oder wurde zumindest dazu bereit erklärt, den Part zu übernehmen.

Nun sitze ich hier. Meine Jeans dümpeln in der Waschmaschine vor sich hin. Aufhängen konnte ich sie heute Morgen, nachdem die Maschine fertig war, noch nicht. Völlig unerwarteter Weise war die Wäscheleine vom Auftrittskostüm belegt. Ok, nicht weiter schlimm. Jetzt ist sie ja frei. Die Hosen werden es überleben.

Ansonsten hat sich das allgegenwärtige Chaos um die Überbleibsel all jeder Dinge vermehrt, die übrig blieben, nachdem die für einen solchen Auftritt in vollem Ornat erforderlichen Zubehörteile herausgesucht wurden.

Ich würde ja gerne Staub saugen. Ist aber gerade schlecht. Also mache ich mich an den Spülkram und danach an die Wäsche.

Zu Hause ist, wo man sich wohl fühlt.

Schade eigentlich. Aber irgendetwas ist ja immer.



Donnerstag, 7. April 2016

Frühstück to drive

Es war die Zeit vor der letzten großen Fahrplanumstellung. Die Zeit, zu der ich noch nicht durch das hiesige Gebirge bis zum nächsten Bahnhof laufen musste, um dann im Zug eingepfercht stehenderweise bis nach Neustadt gebracht zu werden und den letzten Weg wieder per pedes zurücklegen durfte. Nein, es war die gute alte Zeit, als ich noch von unserer Haustür aus nahezu zur Bushaltestelle gestolpert bin, dort bequem Platz nahm und schließlich bis zum LASA gefahren wurde. Wehmütig erinnere ich mich an Juri, den Busfahrer. Jetzt gibt es nur noch Blondi, die Lokführerin, die schon früher mit ihren speziellen Durchsagen aufgefallen ist. Doch auch diese Zeit ist vorbei, die Ansagen kommen mit einer ekelhaft schleimerischen Stimme vom Band Mikrochip.

Der Bus fuhr seines Weges. Juri hatte alles mehr oder weniger im Griff. Passagiere stiegen mehr ein als aus, der Wagen füllte sich dementsprechend. Ich hatte einen meiner Lieblingsplätze eingenommen, den Einzelsitz vorne rechts, den der ehemals bloggende und von mir sehr vermisste Busfahrer Wheeler mal als Königsstuhl bezeichnet hatte. Die Aussicht ist gut, was mir aber egal ist, und ich stehe sitze nicht in dem Risiko, daß sich jemand neben mir ausbreitet. Zu allem Überfluß war die Inneneinrichtung in diesem Bus so ausgestattet, daß ich den Knopf des Haltewunschsignalisationbedienelementes ohne aufzustehen oder irgendwelche Verrenkungen einzulegen erreichen konnte.

Juri hielt den zwischenzeitlich gut ausgelasteten Wagen ausnahmsweise mal völlig form- und sachgerecht an einer Haltestelle. Draußen warteten vier oder fünf Mitfahrwillige, darunter eine junge Frau von etwa 20 Jahren. Vielleicht waren es auch ein paar mehr oder einige wenige weniger. Ich kann die Zahl zurückgelegter Lebenszeit anderer Menschen nicht so richtig schätzen und bin sogar von mir selbst überrascht, schon bald wieder eine Dekade vollendet zu haben. Da ändern auch die Silberfäden in meinen Haaren nichts dran. Für diese Geschichte hier handelt es sich jedenfalls um eine Frau von etwa 20 Jahren, was weiterführend aber auch überhaupt nichts zur Sache tut.

Viel wesentlicher ist der Umstand, daß sie in ihren Händen eine kleine Schale hielt und auch einen dazugehörigen Löffel zwischen den Fingern eingeklemmt hatte. Sie stieg vorne ein, so daß ich eindeutig zu erkennen vermochte, daß es sich bei der kleinen Schale wohl nicht nur eine typische, schlichte Müslischale handelte, sondern daß diese auch noch mit dem entsprechenden Zubehör ausgestattet war. Juris Blick fiel auf die Schale, in welcher Müsli und Milch schon bedrohlich vor sich hin wogten. Dabei stand der Bus immer noch an der Haltestelle.

„Nicht damit in meine Bus!“ ertönte Juris russisch akzentuierte Stimme.

„Aber ich konnte zu Hause nicht mehr frühstücken.“

„Hier in meine Bus auch nicht.“

„Der da hinten hat aber auch seinen Kaffee.“

„Da isse Deckel drauf. Ist in Ordnung.“

„Ich bin auch ganz vorsichtig.“

„Nein, Sie musse wieder raus.“

„Dann beschwere ich mich über Sie.“

„Können gerne mache, aber nicht mitfahren. Nicht mit Müsli.“

Also stieg die junge Dame bis ins Tiefste beleidigt wieder aus.

Und manches Kleidungsstück wird ihr es gedankt haben.







Dienstag, 5. April 2016

Augen auf beim Trikot-Tausch - Die andere Dame

Nach ihrem peinlichen Auftritt im Zusammenhang mit den Trikotfarben der Blood Bowl-Figuren versuchte Mandy, sich bei mir als designierter Ligapräsident von eigenen Gnaden, also quasi der Sepp des LASA-Blood Bowls, wieder einzuschleimen, in dem sie mir meinen Dönerstags-Döner bezahlte. Eine sehr anständige Haltung, wie ich bemerken möchte. Nicht etwa Bestechung oder so. Auf keinen Fall. Ein Sepp besticht nicht und lässt sich auch nicht bestechen. Wo kämen wir denn da hin? Eben!

Nachdem wir unsere Döner ihren Bestimmungen zugeführt hatten, kamen wir natürlich nochmal auf die Ursache des Ganzen zu sprechen. Mandy brabbelte irgendwas von wegen, sie hätte nie behauptet, Multitaskingfähig zu sein.

Um mein Ego wieder etwas aufzubauen kam mir im Anschluß siedend heiß ein Gedanke. Ich wählte unter Nutzung der örtlichen Fernsprecheinrichtung eine Nummer, welche den in der Kemenate am anderen Ende des Ganges (Nein, nicht Indien! Das liegt auf der anderen Seite des Ganges. Ihr müsst schon aufpassen.) aufgestellten Empfangsapparat zu einer Lautgebung veranlassen sollte.

„Ja, Herr Paterfelis?“

„Frl. Hasenclever, welche Farbe hat das Trikot des von Ihnen genutzten Orkteams?“

„Ähm, mal überlegen. Wie grün sind die Orks denn?“

„Wie? Was? Wie grün die sind? Ork-Grün natürlich. Ein kräftiges, dunkles Grün. Die Schwarzorks Schwarzgrün. Was hat das denn jetzt mit den Trikots zu tun?“

„Ich bin gerade nicht im Internet.“

„Was hat denn das Internet wiederum damit zu tun?“

„Wenn ich die vor mir sehe, dann weiß ich sofort, welche Farbe die haben.“

„Ich auch! Dann sehe ich die ja schließlich.“

Ich stand kurz vor einem mittelschweren Herzinfarkt.

„Orange!“

Herzinfarkt abgewendet.

„Wenigstens irgend jemand, der hier Bescheid weiß.“

„War das etwa richtig? Ich habe nur geraten.“

Ich komme mir plötzlich so ernüchtert vor.




Montag, 4. April 2016

Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts

Es gibt Tage, da bin ich mir nicht ganz schlüssig, ob ich über das, was mir als unterschriftsreife Vorlage oder durchermittelte Akte vorgelegt wird, lachen oder weinen soll.

Heute habe ich mich für das Weinen entschieden.

Aber nur ganz tief in meinem Inneren, um so etwas wie Restwürde zu bewahren.



Sonntag, 3. April 2016

Auf offener Flamme

So, Leute, jetzt mal Butter bei die Fische. Das Internet war am Wochenende so gut wie tot. Wer von euch hat sich draußen herumgetrieben und den Grill angeworfen? Na? Naaaaa???

Wir jedenfalls nicht.

*snief*


Samstag, 2. April 2016

Augen auf beim Trikot-Tausch - Die erste Entscheidung

Schlimmer geht immer. Und mit dieser alten Lebensweisheit entwickelt sich die Geschichte weiter.

Einige Tage später wurden die Modelle des von ihm besorgten Menschenteams an Sven geliefert, der sie natürlich auch sofort an Mandy weitergab.

Neugierig geworden erkundigte ich mich bei Mandy, in welchem Farbschema sie denn wohl gedachte, ihre Neuerwerbungen anzumalen.

„Nun ja, der eine Feldspieler hier hat ja schon ein blaues Oberteil an. Dann mache ich alle anderen Feldspieler auch so und den Rest dann irgendwie anders. Die sind ja bislang alle nur schwarz grundiert.“

„Deswegen musst du das doch nicht bunt durcheinander machen. Das Blau kann man übermalen. Und zur Not grundieren Sven oder ich dir das Modell einfach nochmal  neu.“

Ja, ich bin ein netter Kollege. Trotz allem. Mandy kann ja nichts dafür. Nur dieser rothaarige Verräter…

„Dann denke ich nochmal über ein Farbschema nach.“

„Aber nicht Grün-Grau.“

„Wieso? Sind deine Skaven (menschengroße, aufrecht gehende Riesenratten, Anm. d. Red.) Grün-Grau?“

Wieder einmal blieb mir die Luft weg.

„Nein, die tragen Trikots in Deadly Nightshade. Aber ein anderes Team.“

„Welches denn?“

In höchstem Maße akute Atemnot verspürend konnte ich vor dem sich ankündigenden Zusammenbruch nur noch ein paar Worte von mir geben.

„Das Team, daß ich extra für dich bemalt habe und mit dem du jetzt schon seit Monaten spielst!“

„Oh, kann ich mich gar nicht dran erinnern.“

Röchel!

„Ich habe mich eben immer so auf das Spiel konzentriert… Paterfelis? Paterfelis??? Nicht mit der Stirn auf die Tischplatte. Bitte!“

Ja, ich weiß. Das gibt Fettflecken auf dem guten Holzimitat.