Dienstag, 8. März 2016

Mal wieder lahmgelegt (Text vom 23.02.)

Ich habe mich auf dem Monster eingerichtet. Lilly kuschelt sich an mein linkes Bein. Ich sehe mich hier im Zimmer um und schaue auf Chaos. Allen Ortes fliegt Zeug herum. Nein, es ist keine Messie-Höhle. Aber es ist in höchstem Maße unordentlich. Nirgendwo obererhalb vom Boden findet sich noch eine nennenswerte freie Fläche. Überall liegen Taschen, überquellende Klappboxen und Kartons, lose Sachen, Papier und Bücher herum.

Ich brauche freie Flächen in der Wohnung. Für mein Wohlbefinden. Um saubermachen zu können. Richtig saubermachen. (Nicht, daß das mein Hobby wäre, aber gewisse Erkenntnisse der abend- und meines Wissens auch der morgenländischen Wissenschaft deuten darauf hin, daß es vorteilhaft wäre, solches zu tun.) Um meinen Interessen auch mal wieder nachgehen zu können. Um hier auch mal jemanden reinlassen zu können, ohne vor Scham im Boden zu versinken. Mandy liegt mir schon seit Monaten damit in den Ohren, daß sie die Katzenbande mal kennenlernen will.

So gibt das nie was.

Was hier herumliegt, ist nicht mein Zeug. Es ist das Zeug der zweitbesten Ehefrau von allen. Sie hat es bekennender Weise nicht so mit dem Wegräumen. Aber sie hat viel Zeug. Sehr viel Zeug. Und sie benötigt es auch. Doch alles, was sie gerade nicht verwenden muß, bleibt da liegen, wo es zuletzt abgelegt wurde.

Wie der kundige Blogleser sich eventuell zu erinnern vermag, habe ich so manchen Urlaub damit verbracht, hier Ordnung zu schaffen. Da unser Keller und der Keller-Keller weitgehend meine Reviere sind, gelingt es mir relativ spielend, das dort eingerichtete Ordnungssystem einzuhalten.

In den Wohnräumen sieht das anders aus.

Wenn es denn mein Zeug wäre, wüsste ich damit umzugehen. Es ist aber nicht mein Zeug. Und da meine Angetraute ja vom Arbeitsmarkt weg in die Selbständigkeit gedrückt wurde, muß sie auf diese Sachen zugreifen. Ich kann nicht einfach etwas wegräumen, was sie vielleicht kurzfristig benötigt und nicht findet. Also müssen wir da zusammen ran. Was bei meiner Angetrauten trotz Einsicht in die Notwendigkeit nicht mal im Ansatz etwas wie Begeisterung aufkommen lässt.

Sie ist in so einem Umfeld aufgewachsen und kennt es nicht anders. Sie hatte nie eine Chance, es anders zu lernen. Und was Hänschen nicht lernt… wir kennen das alle. Schon bei meinem allerersten Besuch in ihrer damaligen Wohnung, gut zwei Wochen, nachdem wir uns kennengelernt hatten, wurde mir bewusst, daß dieses Kapitel ein Problem werden würde. 

Meine Motivation, die Sache hier in Angriff zu nehmen, ist zugegebener Maßen inzwischen denkbar gering. Nachdem ich hier ein paar Mal – vor Aufnahme der Selbständigkeit – im Rahmen von Großaktionen eine ordnende Hand angelegt habe, dauerte es nur zwei Wochen, bis alles wieder aussah wie zuvor. Um den Wohnzimmertisch vollständig zu belegen, hat es nur ein paar Tage gebraucht. Immer wieder.

Da weißt du, wozu du es gemacht hast.

Und ein sanftes Beisteuern zur rechten Zeit funktioniert aus den genannten Gründen nicht. Die meisten Termine meiner Angetrauten liegen in Zeiten, in denen ich zu Hause bin und umgekehrt. Also nichts mit Teamwork, so lange es nicht zu spät ist.

Jetzt habe ich Urlaub.

Und prompt landet meine Schwiegermutter zum wiederholten Mal in kurzer Zeit im Krankenhaus. Aus für mich nachvollziehbaren Gründen, die hier nicht zur Diskussion gestellt werden, verbringt meine Angetraute dort nun täglich viele Stunden. Wieder nichts.

Und pünktlich zu Beginn der zweiten Urlaubswoche bin ich auch lahmgelegt. Ein akuter, sehr schmerzhafter Defekt im Bewegungsapparat sorgt für Unbill. Ich könnte mich von Arzt krankschreiben lassen und meine Urlaubstage retten. Das wird mit Sicherheit noch länger dauern, eventuell über das Urlaubsende hinaus.

Aber wozu? Es wäre immer noch der Urlaub aus 2014. Auszahlen lassen kann ich ihn nicht. Noch mehr zu Hause bleiben will ich nicht. Das ist mir jetzt schon zu viel gewesen, zu knapp nach den letzten freien Tagen, und der Gedanke, im Mai schon wieder Urlaub nehmen zu müssen, stimmt mich nicht friedlich. Ganz im Gegenteil überlege ich, den sausen zu lassen.

Tolle Aussichten.



Kommentare:

  1. Sie,
    also wirklich. Ich kann Ihre Zweitbeste verstehen - manchmal braucht man das Chaos, um kreativ zu sein. Es gehört manchmal dazu.

    Und ich verstehe Sie. Präzise und superordentlich (jetzt mal überspitzt formuliert) - das zeigte sich schon durch die Statistiken und all das, was Sie in dem Atemzuge beschrieben. Von daher finde ich es gut, dass sie zusammengefunden haben.

    Mein Vorschlag für Sie: wie Sie ja schon erkannt haben, müssen Sie Ihre zweitbeste dran beteiligen. Wählen Sie ein Ordnungssystem, das auch sie akzeptieren kann. Dann wird das eher was. Und loben Sie sie, wenn sie Ordnung hält. Für Sie selbst selbstverständlich, für sie jedes Mal erneut Mühe und Aufwand.

    Sie werden da sicher das ein oder andere Mal nachräumen müssen - sehen Sie es entspannter. Ist nixht einfach, aber schaffbar.

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    1. Hört sich an wie beim AdA-Lehrgang. (AdA = Ausbildung der Ausbilder). ;-)

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  2. Ich fühle mit dir. Da ich hier aber selbst verwüstend tätig bin, fühle ich auch mit der Zweitbesten...

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    1. Ich ziehe jetzt los und verwüste mal ein Büro. So zum Ausgleich.

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    2. Um diese Uhrzeit verwüste ich eher mein Bett ...
      ... allerdings heut morgen nur bis 7.07 Uhr. Dann hat mich der Expreßbote ziemlich verwüstet gesehen ...

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    3. Ich kenne da eine Person, die um 7.07 Uhr zwar in der Lage wäre, ein Paket anzunehmen, sich gegen Mittag aber wundern würde, wie das Ding in die Wohnung gekommen ist. ;-)

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    4. Ich könnte auch im todesnahen Koma noch Pakete entgegennehmen... Und öffnen, und dann die Kartons den Katzen überlassen. Was ein Teil des Problems ist.{•:

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    5. Wie viele von denen passen bei dir in einen Schuhkarton?

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