Freitag, 4. März 2016

Auszeit (Text vom 23.02.)

Warum nun die Auszeit im Blog? Ich hatte bereits erwähnt, daß mich die blogeigene Statistik wahnsinnig macht. Daß ich mich selbst unter Druck setze, Material zu liefern, damit die Zahlen gehalten werden. Jahrelanges Training Gehirnwäsche im Beruf haben eine solche Denke geschaffen. Es ist zum Kotzen.

Aber da ist noch mehr.

Es gibt so viel, was ich loswerden möchte. Ich kann es aber nicht in diesem Blog schreiben. Die Grundidee des Blogs war damals, als ich ihn aufgebaut habe, und erst recht aus der Zeit davor, als ich die ersten Erzählungen unter Klarnamen in meinem seinerzeit noch bestehenden Account bei Facebook verbreitete, eine ganz andere: einfach ein paar nette Alltagsgeschichten erzählen.

Später haben sich hier ein paar Dinge geändert. Die Themen haben gewechselt. Manches ist rausgeflogen, anderes ist hinzugekommen. Aber ich habe die Kontrolle darüber verloren, wer hier mitliest und weiß, wer ich bin. Ich wurde schon gelegentlich mal überrascht zu erfahren, wer in meinem Umfeld vom Blog weiß. Und dann gibt es auch noch den einen oder anderen, den ich aus unterschiedlichen Gründen in Verdacht habe, hier dabei zu sein, ohne daß er sich zu erkennen gegeben hat.

Also muß ich sehr vorsichtig sein und kann mich nicht so entfalten, wie ich es tun müsste, damit dieser Blog noch als mein Ventil funktionieren kann. Und damit wird es hier eher zu einer reinen Spaßveranstaltung mit persönlichem Stressfaktor.

Ich halte nichts davon, einen Geheimblog zu eröffnen, in dem ich nur auserwählten Lesern Zugang gewähre. Die vermeintliche Sicherheit wäre nur vorgetäuscht, denn letztendlich kann ich niemals verifizieren, wer sich hinter einer Anmeldung verbirgt.

Und einen zweiten, vollkommen getrennten Blog nur für mich einzurichten, käme auch nicht in Frage. Da wäre etwas zerrissen. Es würde sich für mich nicht richtig anfühlen.

Indianer haben keine Pistolen, ihr wisst schon.

Es hat schon etwas Zerstörerisches. Ein bekanntes Verhaltensmuster meinerseits, welches dazu neigt nach oben zu kommen, wenn ich nicht auf der Höhe bin.

Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes ist der Blog seit ein paar Stunden offline.  Gerade habe ich das Versprechen vom 23.02. veröffentlicht. Einerseits bin ich betrübt, andererseits fühle ich auch Druck von mir genommen. Reden kann ich nicht über meine Entscheidung, aber ich fühle Schreibfreude und Erleichterung.

Alles ist seltsam.

Alles ist offen.



Kommentare:

  1. Würde es helfen, zu allererst mal den Rhythmusschieber mehr Richtung "Freizeit" zu bewegen? Also ein wenig an dem Gefühl zu schrauben, jeden Tag etwas produzieren zu müssen? Ich finde es immer wieder erstaunlich und wunderbar, wieviel du schreibst und wie produktiv du bist. Aber ich kenn auch das Gefühl, dass der kreative Ausgleich ein weiterer Mühlstein wird. Dann ist auch der ganze positive Effekt der Erholung und des Kraftgewinns gleich mal perdu. Bei mir immer ein Zeichen für einen lange fälligen Tritt auf die Bremse.

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    1. Herumzugammeln macht mich wahnsinnig. Wenn ich nicht irgend etwas gemacht habe, bei dem ich ein Ergebnis sehe, bin ich unzufrieden. Auch und gerade in der Freizeit. Und die Interessen B, C und D (Reihenfolge ist wertfrei :-D ) kann ich nun mal nicht bzw. nur eingeschränkt ausleben.

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  2. ach jeh..die Statistik...
    ich sehe das sehr sehr entspannt, wieso sollte ich mich von irgendwelchen Zackelchen stressen lassen?
    Gut, dieses Gefühl wer wann wieviel und vor allem WARUM ?? im Blog so "durchschleicht" kenne ich auch, es hilft mir, dass ich zum großen Glück für mich quasi noch nie ein Tröllchen am Grädenbäckchen kleben hatte und sowieso immer das Gefühl, die Menschen sind der ollen Gräde wohlgesonnen..
    Anfangs gabs mehr Hin und Herpalaver, die Zeiten sind vorbei, hat mich eine Zeitlang betrübt, aber, die Zeiten ändern sich eben und auch so ein Blog hat seine Hoch und Tiefzeiten, immerhin blogge ich wahrscheinlich auch schon seit ..äh 11 Jahren? Ich weiß es garnicht mehr so genau.
    Mein enorm weiser Rat : keinen Stress ( also wirklich garkeinen)..mag schwierig sein, dafür kenne ich sie zu wenig Herr P., aber : niemand erwartet jeden Tag einen Publitzerpreisverdächtigen Eintrag! Und die Statistik? Pah....wer weiß überhaupt, ob das alles immer so stimmt?
    In diesem Sinne, atmen....ich freu mich, wenn sie einfach sie sind, Herr P.
    Herzlichst, Frau G.

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    1. Hin und wieder kann ich nachvollziehen, daß sich jemand systematisch durch die alten Einträge wühlt oder gar den Blog wirklich von Anfang an liest. (Für die Leser: man erkennt es nur an den Aufrufzahlen der alten Einträge und kann nicht nachvollziehen, wer es denn war.). Das empfinde ich immer als sehr schmeichelhaft.

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    2. Dreckskatze Lilly! Jetzt habe ich hier noch einen umfangreichen Kommentar nachgelegt, da sorgt das Vieh dafür, daß sich der Browser vor Abschicken des endgenialen Textes schließt. :-/ Na ja, später vielleicht nochmal.

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  3. Ich habe in anderen Blogs schonmal gesehen, das einzelne Beiträge, die nicht jeder lesen können soll, passwortgeschützt veröffentlicht wurden. Vielleicht wäre das eine alternative zum Geheimblog, wobei auch da dann die Schwierigkeit besteht, auszusieben, wer das Passwort bekommt, und wer nicht.

    Die üblichen guten Ratschläge, aller "Du solltest dir keinen Druck machen" spar ich mir hier mal. Die kennst du selber sicherlich am besten. ;-) Ich les gerne mit und freu mich, das du dich entschieden hast weiter zu machen.

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    1. Diesen Passwortschutz für einzelne Beiträge gibt die hiesige Software nicht her. Aber wie du selbst bereits gesagt hast, unterscheidet sich das nicht von einem Geheimblog und würde die Sache vielleicht ganz im Gegenteil sogar schlimmer machen. Denn dann müsste ich Passwortanfragen von Menschen, die mich kennen und hier lesen, zurückweisen. Was zur Folge hat, daß ihnen klar wird, daß ich etwas zu verheimlichen habe. Und vielleicht sogar gerade über sie schreibe. Und dann... Also ergibt sich dadurch mit Sicherheit keine Situation, in der ich Ruhe habe.

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  4. Und wie wäre es, ganz neu anzufangen? Also unter einem neuen "Namen", so dass aus Deinem privaten Umfeld keiner davon weiss und Du so offener bloggen kannst?

    Aufschreiben hilft mir auch dann, wenn ich nur für mich schreibe. Vielleicht wäre das, um den inneren Druck ein bisschen rauszulassen, schonmal eine Erste-Hilfe-Maßnahme?

    Was den Anspruch anbelangt, ständig etwas liefern zu "müssen" - ich trickse mich da selbst aus, indem ich mich dann ganz bewusst weigere, diesem Zwang bzw. Druck nachzugeben. Interessanterweise fliesst der Kreativitätsstrom dann hinterher wieder ganz wunderbar.

    Wie auch immer, ich wünsche Dir, dass Du eine für Dich zufrieden stellende Lösung findest!

    Lieben Gruss
    Clara

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    1. Den Lieferdruck auszuhalten habe ich schon im Ansatz erfolgreich versucht. Ich plane, das auch beizubehalten. Man erkennt zaghafte Ansätze immer dann, wenn zwischen Veröffentlichungen mehr als ein Tag Lücke besteht. Denn in der Vergangenheit hatte ich immer noch fertige Texte in Reserve, welche ich aber mal bewusst zurückgehalten habe.

      Die Überlegung, einen völlig neuen Blog anzufangen, hatte ich auch schon. Aber irgendwie geht mir das gegen die Idee eines "Gesamtwerkes". Man möge mir das Wort verzeihen, es klingt etwas überheblich.

      Außerdem wäre der neue Blog stilistisch wie der jetzige geraten. Da kann ich nicht ausschließen, daß jemand die richtigen Schlüsse zieht. Und nur für mich zu schreiben, bringt mir nichts. Das habe ich mittlerweile gelernt.

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  5. Vielleicht kannst du dich ja an etwas Längerem versuchen, durchaus für die Öffentlichkeit aber nicht instantly published, also etwas Richtung, tadaa, Buch? Da kann viel Kreativität rein, es ist nicht nur für dich, und Statistiken gibts auch nicht. Geheimnisvolle anonyme Veröffentlichung... Keine Fotos auf dem Umschlag... Sowas wie Het Bureau, nur eben von hier? Vermutlich eine Schnapsidee.

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    1. Ein Gedanke, vom dem ich durchaus etwas halte. Nämlich Abstand. Ist besser so. :-)

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  6. Sie liegen mit Ihren Überlegungen bzgl. Blog in den verschiedenen Kommentaren schon richtig. Zumindest sind auch mir diese Gedanken so gekommen. Ist halt schwierig. Schließlich möchte man es ja loswerden.

    Und diesem Loswerden kann man ja abhelfen, indem man es erst einmal ins Blog postet. Also intern. Und dann auf ein Jahr später datiert. Oder so.

    Ist dann natürlich auch wieder ein Spiel für sich - denn wenn man aktuelle Einträge untermischt, muß man evtl. noch vorhandene Wissenslücken bei den Lesern berücksichtigen, die bestimmte Info ja erst später bekommen. Also eben auch wieder ein Drahtseilakt anderer Art.

    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Findung der für Sie passenden Lösung - ich werde auf jeden FAll weiterhin hier mitlesen.

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    1. Pssst, die nicht bloggende Leserschaft muß doch nicht alle unsere Tricks mitbekommen. ;-)

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