Donnerstag, 31. März 2016

Augen auf beim Trikot-Tausch

Wie sich der mein Elend gewohnte und wirklich standhafte Blogleser unter Umständen, die es noch näher zu definieren gilt, erinnern kann, spielen Mandy und Frl. Hasenclever mit Sven und mir Blood Bowl. Fantasy-Football. Mit Püppies Miniaturmodellen. Dabei habe ich den beiden Damen aus dem mir zur Verfügung stehenden Fundus zum Anfixen ohne jegliche bösen Hintergedanken jeweils ein Team leihweise zum Spielen überlassen. Während Mandy sich mit den strammen Jungs aus dem Menschenteam vergnügt, prügelt sich Frl. Hasenclever mit einer Horde Orks über das Feld. Und natürlich habe ich die Teams zwischenzeitlich auch bemalt, damit der Anreiz größer wird. Das Auge spielt ja auch mit. Ganz besonders bei Miniaturenspielen.

Soweit so gut.

Natürlich sieht die voll total geheime Planung von Sven und mir vor, daß die Damen sich irgendwann mal eigene Teams zulegen. Mandy zog es da von Anfang an zu Elfen hin. Also nicht jetzt so Dinger wie Peter Pans Tinkerbell, sondern mehr so in Richtung von Tolkiens Elben.  Groß, schlank, spitze Ohren, geschickt und mit ohne Flügelchen. Aber keine Vulkanier.

Soviel zur Vorgeschichte.

Wir arbeiteten in der kleinen, gemütlichen Höhle im Schicksalsberg friedlich vor uns hin. Wir, das heißt in diesem Moment noch die Azubinette und ich. Wobei ich bereits jetzt anmerken darf, daß die Azubinette im weiteren Verlauf der Geschichte voraussichtlich keine Rolle mehr spielen wird, es sei denn, mir fällt noch etwas ein, was ich jetzt im Moment verdrängt habe. Das dürfte jetzt aber eher nicht der Fall sein.

Auf dem Weg in sein Büro legte Sven einen kurzen Zwischenstopp bei uns ein.

„Paterfelis, ich habe auf Karl-Heinz‘ Super-Mega-Ultraforum für Rollenspiel und Tabletop (tatsächlicher Name und das Forum selbst sind der Redaktion bekannt, Anm. d. Red.) einen Typen gefunden, der ein Grundbox-Menschenteam für billig Geld verkauft.“

Ein gewisses Entzücken bemächtigte sich meiner, war ich doch schon länger auf der Suche nach weiteren dieser Modelle, um mein Team noch etwas aufzustocken. Man muß die Spielertypen in ihrer Zusammenstellung schließlich auch mal variieren können. Als ich gerade Luft holte, um mein ausgeprägtes Interesse zu bekunden, erreichte Mandy zu ungewöhnlich früher Stunde ihren Arbeitsplatz. Ausgerechnet heute, denn Sven wandte sich ihr sofort zu.

„Mandy, soll ich dir ein Menschenteam für billig Geld besorgen?“

Mir blieb ja fast die Luft zum Atmen weg.  Verräter. Und bevor ich auch nur ein Krächzen von mir geben konnte, hat Mandy auch schon freudestrahlend zugesagt. Lump! Und überhaupt: Menschen sind keine Elfen. Wie kann man nur einfach so und dann auch noch zu meinen Lasten mit seinen Überzeugungen brechen? Unfassbar. Sven, ich unterschreibe deine Akten.

Oder auch nicht mehr.

Sieh zu, wie du damit klar kommst.



Dienstag, 29. März 2016

Jetzt erst recht

Mainstream? Vielleicht.

Notwendig? Bestimmt!








Über 700 Ocken

Es war früher Morgen in der Höhe zum Schicksalsberg. So früh, daß Mandy den Weg zu uns noch gar nicht gefunden hatte. Aber ein anderer. Herr Harnischfeger befand sich noch im vollen Ich-gehe-jetzt-vor-die-Tür-Ornat, als er sich vor meinem Schreibtisch aufbaute.

„Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt!“

Da stand er und strahlte mich an.

„Sie haben sich eine Modelleisenbahn gekauft?“

„Nein, ernsthaft.“

„Ich meinte das durchaus ernst und hätte heute noch gerne eine.“

Wehmütig dachte ich an die von mir einst mühsam auf unterschiedlichsten Wegen gesammelten Lokomotiven und Wagen, die noch immer bei meinen Eltern eingelagert waren und es wohl auch bleiben würden.

„Nein. Ich meine ein Orkus Riff.“

Das gab mir Grund zu überlegen. Einen Orkus kenne ich, könnte damit aber nicht so unmittelbar Jugendträume verbinden. Weder für mich noch für andere. Und was hat ein Riff damit zu tun?

Was blieb mir also übrig, als meine Prinzipien für den Moment zu vernachlässigen und nachzufragen?

„Watt?“

„Eine Oculus Rift.“

Hört sich etwas anders an als zuvor verstanden, aber dennoch…

„Durch Wiederholen wird es auch nicht besser.“

Ja, es ist besser geworden, das kann ich hier ja nicht leugnen. Aber man will sich ja keine Blöße geben. Außerdem bin ich immer noch nicht im Bilde, was der Mensch mir da erzählen will.

„Eine Virtual-Reality-Brille. Damit kann man richtig in Computerspiele abtauchen, so als ob man dabei wäre. Kennen Sie doch bestimmt auch noch aus Ihrer Jugend. In den späten Neunzigern gab es doch mal erste Versuche damit, aber die Zeit war noch nicht so weit.“

„Danke, sehr schmeichelhaft, aber in den Neunzigern war meine Jugend schon vorbei; in den späten Neunzigern sowieso. Und ich habe mich nie großartig für solche Spiele interessiert. Aufbausimulationen schon, aber dafür benötigte man so etwas nicht.“

Mich traf ein ausnehmend verständnisloser Blick. Ja hallo, ich bevorzuge den 3 D-Effekt zum Anfassen. Einst beginnend mit Lego über Playmobil bis hin zur Modelleisenbahn und Miniaturenspielen. Ich stamme aus der Generation, die Teletennis noch als den wunderbaren Beginn der Umsetzung sämtlicher Science Fiction-Literatur interpretiert hat. Die Manifestation der Welt des Raumschiff Enterprise Orion im elterlichen Wohnzimmer, wenn man so will.

„Jedenfalls hat man endlich eine Brille entwickelt, die ordentlich funktionieren soll. Und die kann man jetzt vorbestellen. Knapp über 700 Euro. Da habe ich direkt zugeschlagen.“

Ich breche zusammen. Scheint ja ein echtes Schnäppchen gewesen zu sein. Der Typ feilscht bei seiner Hauskaufrenovierung wochen- und monatelang um jeden Cent, den er an irgendeiner Stelle sparen kann, bastelt sich ein abenteuerliches Finanzierungsmodell aus fünf oder mehr Krediten unterschiedlicher Geldgeber, nur um dann mal eben nebenbei 700 Ocken für sein Spielzeug auszugeben, was in wenigen Monaten vermutlich billiger oder zum gleichen Preis als leistungsfähigeres Nachfolgemodell erscheinen wird. Herr Harnischfeger schien meine Gedankengänge zu erahnen.

„Es musste sein.“

„Aha?“

„Ja. Meine Frau hat sich gerade ein neues Smartphone für fast 700 Euro gekauft, obwohl das alte noch in Ordnung ist. Da kann ich doch nicht zurückstehen.“

Öhm, ja. Kann man verstehen.

Ich aber nicht.



Donnerstag, 24. März 2016

Blogosterferien

Im Zuge meines bisher für mich erstaunlich gut eingehaltenen Vorsatzes, mich zumindest hier vom Zwang der Statistik zu lösen, rufe ich Blogosterferien aus.

In ein paar Tagen lesen wir uns wieder.






Dienstag, 22. März 2016

Klischee mal wieder

Sehr geehrte Lebensfinalistin aus der Spaßkasse zu Neustadt,

es interessiert weder den freundlichen Menschen an dem Spaßkassenschalter noch die Menschen an der sich hinter euch bildenden Schlange, warum, wieso und vor allen Dingen weshalb ihr ein gefühltes Dutzend Daueraufträge ändern zu lassen gedenkt.

Ihr müsst nicht zu jedem einzelnen Auftrag die dazugehörige Geschichte erzählen. Wirklich nicht. Der freundliche Spaßkassenmensch erledigt das auch so für euch. Ganz bestimmt. Ich bin da sicher. Ja, ich würde sogar sagen: Ich bin mir da sehr sicher.

Und wenn der freundliche Spaßkassenmensch alles erledigt hat, dann werden ihn die neuesten Abenteuer eurer Enkelkinder auch nicht weiter interessieren. Auch da bin ich mir sicher. Sehr sicher.

Ältere unter der Leserschaft werden sich an so etwas erinnern: Sparbücher. Für alle anderen: Man stelle sich vor, es gab so kleine Hefte, voll analog und so, echt retro, da stand drin, wie viel Geld man auf einem Konto geparkt hatte. Und noch aberwitziger: Es gab Zinsen auf das Geld. Also so richtig jetzt. Mit Zahlen deutlich größer als Null vor dem Komma. Eben der in Leserichtung linken Seite. Man musste die Zinsen nicht bezahlen, sondern die Bank hat etwas dazugetan. Voll witzig.

Ja, ich stamme aus einer abstrusen Zeit und könnte euch noch ganz andere Geschichten erzählen.

Egal. Jedenfalls war mein Ansinnen, zwei sich hier noch befindliche Sparbücher aufzulösen. Bei der Spaßkasse war ich der erste in der Schlange und niemand hinter mir. Ich bildete somit folgerichtig die komplette Schlange. Eine sehr stattliche Schlange, ganz gewiss, aber eben auch eine sehr übersichtliche, wenn man deren Länge als Maßstab zu Grunde legt. Vor mir befand sich nur eine ältere Dame, die aussah wie eine Oma aus dem Bilderbuch. Und sie textete den Spaßkassenmenschen tatsächlich zu jedem Punkt ihres Begehr mit damit in Zusammenhang stehenden Gründen und Geschichten zu. Klischee erfüllt. Als ich dann endlich an der Reihe war, habe ich mich bemüht, die sieben weiteren Personen hinter mir innerlich auszublenden, die sich zwischenzeitlich eingereiht hatten.

Es ist nicht immer einfach für einen Soziophobiker, sein Begehr am Schalter oder einer Theke erfüllen zu lassen, insbesondere aber dann nicht, wenn eine solche Schlange hinter ihm lauert. Der Drang ist da, einfach zu verschwinden oder jeden anderen, der vermeintlich weniger Zeit benötigt als er selber, einfach vorzulassen. Aber selbst dazu müsste man den Menschen ja auch noch anquatschen, was tendentiell schwierig wird, wenn man gerade mal mental schlecht sortiert ist. Die Anzahl der möglichen Optionen wird dann sehr schnell übersichtlich. Die Nervosität steigt und steigt, selbst wenn man in diesem Fall ausnahmsweise mal kein Problem damit gehabt hätte, hier persönlich, also im mitmenschlichen Direktkontakt was zu regeln. Kommt ja auch mal vor; alles ist eine Frage der Gewohnheit. Und der Tagesverfassung. Nur eben nicht die Sache mit der Schlange. Daran gewöhne ich mich einfach nicht.

Aber ich habe es durchgehalten.

Und frage mich immer wieder, wieso andere Menschen damit so offenkundig kein Problem haben, daß sie die Erledigung ihrer Angelegenheit auch ohne Rücksicht auf Verluste hinauszögern.




Sonntag, 20. März 2016

Tankstation

„Meine Flasche ist leer.“ stellte ich ernüchtert fest.

„Dann hast du wohl ein Problem. Mein Vorrat ist auch am Ende.“

Vom Ökoklaus war also keine Hilfe zu erwarten.

„Dann gehe ich eben ins Erdgeschoss in den Kundenbereich. Da steht doch der Wasserspender mit den Riesenflaschen. An dem fülle meine Pulle wieder auf.“

Gekühltes Wasser, wie ich noch ergänzen möchte. (Wie man merkt, hat sich das Ereignis nicht unbedingt im Winter zugetragen.)

„Darfst du aber nicht. Der ist doch nur für die Kunden, wir haben daran nichts zu suchen und können hier im Zweifel lieber verrecken."

Spaßbremse.

„Es ist eben ein Notfall." 

Und damit wäre es legitimiert.

„Hast du einen Schlauch zum Abzapfen?“

Aha, da spricht der Profi. Wer weiß, was der Bursche früher schon so alles abgezapft hat?

„Nein...“

So sprach der Abzapf-Amateuer.

„…aber dann fülle ich eben Becher für Becher um.“

Ja, auch Amateure wissen sich zu helfen.

„Das sieht dann aber ganz schön bescheuert aus. Und du bist voll im Sichtbereich der Kundschaft in der Wartezone.“

Das ist unleugbar zutreffend.

„Macht nichts. Ich bin ja ein höflicher Mensch und begrüße die vorher freundlich mit einem ‚Guten Morgen, meine Name ist Ökoklaus.‘“

Warum läuft er denn jetzt so rot an?




Donnerstag, 17. März 2016

Viel zu glatt

Wir saßen in unserer kleinen gemütlichen Höhe im Schicksalsberg und arbeiteten friedlich vor uns hin, als ein Hinweis auf dem Bildschirm sämtlicher LASA-Außenstellenmitarbeiter erschien. Dieser Hinweis wies uns – wie es Hinweise so natürlicherweise zu tun pflegen – auf etwas hin. Im konkreten Fall wurde durch den somit hinweisenden Hinweis darauf hingewiesen, daß eine E-Mail von Dr. Strebsinger zu lesen war.

Uns wurde eine Zusammenfassung der Aktivitäten des betrieblichen Gesundheitsmanagementes des LASA weitergeleitet, welches zuweilen blinden aber erfolglosen Aktionismus an den Tag legt. Die grundsätzlichen Probleme des Hauses ließen sich nur durch grundsätzliche Maßnahmen bereinigen, welche aber durch den Herrn Geschäftsführer nicht gewünscht sind. Stattdessen suhlt man sich damit, durch die Verteilung bunter Kugelschreiber zum allgemeinen Wohlbefinden beigetragen zu haben. Wobei ich ausdrücklich anmerken möchte, daß dies als Metapher zu sehen ist, denn niemals käme man auf den Gedanken, uns tatsächlich bunte Kugelschreiber zuzugestehen. Wenn wir wirklich mal bunte Kugelschreiber haben wollen, dann ist das eine Privatsache und aus eben solchen Privatmitteln zu finanzieren. Aber immerhin versorgt man uns inzwischen mit weitgehend kratzfreien und damit wirklich mal schreibtauglichen Kugelschreiberminen. Das muß man einfach mal lobend anerkennen. Ich kann ja nicht nur meckern, so etwas geht aufs Gemüt.

Die Azubinette laß sich den Text so aufmerksam durch, wie man es von einer Azubinette erwarten darf. Anschließend wendete sich an die für ihre Belange zuständige Mandy.

„Was soll ich denn jetzt damit machen?“

Mandys Meinung von unserem Gesundheitsmanagement ähnelte meiner, doch war sie gerade in noch viel schlechterer Stimmung.

„Die kannst du behalten. Oder ausdrucken und mit aufs Klo nehmen, dort damit die Wand tapezieren oder anderweitig verwenden.“

„…“

„Mandy?“

„Was?“

„Eine sachgerechte anderweitige Verwendung scheint mir damit auf dem Klo nicht möglich zu sein.“

„Warum?“

„Unser Druckerpapier ist viel zu glatt. Fast so glatt wie ein Kinderpopo.“

„Siehst du, Azubinette, noch nicht mal zum Arsch abwischen taugt die E-Mail etwas.“

Was selbst bei kritischster Betrachtungsweise zweifellos zutreffend war.





(Video leider nur auf Englisch verfügbar)

Mittwoch, 16. März 2016

Jeder ist steigerungsfähig

Frustmagenbelastungserprobung eingeleitet. Da muß noch mehr gehen.

Wünscht mir Glück, daß ich mir das alles nochmal durch den Kopf gehen lassen kann. Bin gerade noch etwas außer mir.



Dienstag, 15. März 2016

Mir widersteht nichts

So ganz ohne Kopfkissen ging es nicht. Da unsere Wohnhöhle mit Ausnahme des für meine Angetraute fest vorgesehenen Kissens aber kissenlos ist, deutete sich spätestens am Sonntagabend auf ganz subtile Weise ein Problem an.

Kein Problem ohne Lösung. Na ja, fast keins. Hier flogen noch zwei quadratische Sofakissen herum. Nicht die weiche Variante, sondern die von der härteren Sorte, welche man sich an den Rücken drückt.

Dummerweise ist es so, daß ich ein Kissenzerknüller bin. Aber auf das Heftigste. Und das mache ich voller Leidenschaft. Leiden schafft. Wer jemals auf so einem harten, sich immer wieder in seine Standardposition zurückpressende Sofarückenlehnenkissen geruht hat, wird bemerken, daß die Halsmuskeln dementsprechend zu tun haben, um diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Schließlich ist es mein erklärter Wille, daß das Kissen in seinem zusammengedrückten und geknüllten Zustand verbleibt.

Mit anderen Worten: Die letzten beiden Nächte standen meine Halsmuskeln unter einer gewissen Spannung, wie ich morgens bemerken musste.

Aua.

Aber heute wird alles anders.

Es sei denn, das neue Kissen leistet auch Widerstand. Doch dann zieht ja auch immer noch das die Borg und die Vogonen verbindende Glied:

"Widerstand ist zwecklos!"



Sonntag, 13. März 2016

Ach übrigens...

Nach meinem Empfinden ist es ziemlich unglücklich, wenn sich ein Kopfkissen am späten Sonntagnachmittag in der Waschmaschine zerreißt und seinen Inhalt in der Trommel verteilt.

Dies gilt natürlich um so mehr, wenn es sich dabei um mein Kopfkissen handelt.

Doof.

Samstag, 12. März 2016

Auf der Pirsch (Text vom 23.02.)

Bei der Sturmtänzerin ging es gerade um die Schwierigkeit, neue und interessante Blogs zu finden. In den Kommentaren wurde das Bedauern darüber geäußert, daß es nicht mehr allgemein üblich ist, im eigenen Blog eine Liste der selbst gelesenen Blogs zur Verfügung zu stellen, anhand derer man als Leser neuen Lesestoff finden kann.

Ja, auch mir hilft eine Blogroll, neue Blogs zu finden.

Ja, auch ich bemerke, daß eine Blogroll nicht mehr allgemein üblich ist.

Ja, auch ich habe zuletzt keine Blogroll mehr veröffentlicht.

Ich mag keinen Datenmüll. Mich würden Blogs in der Liste stören, die ich selbst gar nicht mehr verfolgte. Allerdings hätte ein Löschen dieses Blogs aus der Liste eventuell zur Folge, jemanden zu vergrätzen.

Wer kennt als Blogger nicht das Gefühl, einen Follower zu verlieren oder mit dem eigenen Blog aus einer Blogroll geworfen zu werden? Oder auch, da gar nicht erst aufgenommen zu werden, obwohl man weiß, daß der Blogger bei dir mitliest.

Also habe ich meine Blogübersicht anders organisiert. Nicht öffentlich und auch nicht zwingend als Follower.

Wieder etwas, worüber man sich als Soziophobiker vermutlich ein paar Gedanken zu viel macht.

Mal sehen, wie ich mich entscheide, falls mein Blog wieder online geht.

Sinnvoll wäre die Liste ja.



Nachtrag vom 12.03.2016: Wie man sieht, habe ich meine Blogroll wieder veröffentlicht.






Donnerstag, 10. März 2016

Ballett

Ich verbrachte meine Zeit damit, in der Küche etwas Nahrhaftes zuzubereiten. Schweinegulasch mit Rotwein und Semmelknödel, falls es jemanden interessiert. Wie immer hatte ich die zum Wohnzimmer führende Küchentür von innen geschlossen und das Radio eingeschaltet. Warum ich das Radio beim Kochen dudeln lassen, gehört zu den unerklärlichen Geheimnissen der Menschheitsgeschichte, denn sobald die Dunstabzugshaube in Betrieb ist, nehme ich das auf Zimmerlautstärke eingestellte Radio ohnehin nicht wahr. Und wenn ich es entsprechend lauter drehe, dürfte es alles übertönen, was jenseits der Küchentür aber dennoch inhäusig Geräusche entwickelt. Außer unserer Schlagbohrmaschine. Und man will es sich schließlich mit der zweitbesten Ehefrau von allen nicht verscherzen.

Nachdem alles was flüssig war in den verschiedenen Töpfen so vor sich hinblubberte, wie es meiner Meinung nach erforderlich sein würde, begab ich mich zurück ins Wohnzimmer. Die zweitbeste Ehefrau von allen hatte sich die Verfügungsgewalt über die TV-Fernbedienung gesichert. Aus dem zugehörigen Empfangsgerät klimperte ein Klavier in einer Form, die mir nun so gar nicht behagte. Auf dem Bildschirm waren einige spindeldürre weibliche Gestalten zu erkennen, welche sich in durchaus unnatürlich erscheinenden Bewegungen – ähm – bewegten.

Der Alptraum gefühlter 98 % aller Männer.

Ballett.

Der Kater hatte es sich wieder auf der Rückenlehne des Fernsehsessels gemütlich gemacht und starrte mich erwartungsvoll an. Ich beugte mich zu ihm hinunter, während ich hinter dem Sessel stand. Sofort streckte sich Marty mir entgegen und rammte seinen Kopf gegen meine Stirn. Eine klare Aufforderung. Ich begann, sein Fell zu wuscheln und schließlich mit beiden Händen seine Kopfhaut durchzukneten. Als ich mit jeder Hand ein Ohr intensiv bearbeitete, war die Sache klar, wie mir ein wohliges Brummen seitens des Katers offenbarte.

„Marty, warum hast du nicht gleich gesagt, daß ich dir die Ohren zuhalten soll?“

Die im Sessel sitzende zweitbeste Ehefrau von allen warf mir den Ansatz eines vernichtenden Blickes zu. Was blieb mir jetzt großartig anderes übrig, als den inzwischen zur Flucht ansetzenden Kater in Ruhe zu lassen und hier die paar Minuten abzusitzen, die es dauern würde, bis ich mich wieder dem harmonischen Klang der Dunstabzugshaube und dem kaum wahrnehmbaren Hintergrundrauschen des Rundfunkempfängers widmen konnte?

Mit Ballett kenne ich mich ja nun nicht so aus. Vom Nußknacker habe ich schon mal gehört, und von den drei kleinen Schweinchen vier kleinen Schwänen auch. Außerdem hat es sich Frl. Hasenclever nicht nehmen lassen, im Büro hin und wieder den sterbenden Schwan zu geben, was allerdings mehr an eine verunglückte, nach hinten wegsackende Kampfposition von Karate Kid erinnerte denn an irgendetwas mit Tanz. Oder so.

„Sag mal, warum halten die sich da an der Stange fest? Das dürfen die doch später auf der Bühne auch nicht.“

„Das, was die da machen, ist kein Gleichgewichtstraining, sondern Krafttraining.“ wurde ich aufgeklärt.

Meine Angetraute hatte sich auch mal dem Ballett gewidmet und vor einigen Monaten sehr zum Gefallen einer international bekannten Ballettgröße, deren Name mir natürlich Nullkommagarnichts sagte,  im Rahmen der Teilnahme an einigen Workshops eben dieser Ballettgröße unter Beweis gestellt, daß sie es noch nicht verlernt hat.

„Außerdem halten die sich da auch nicht richtig fest. Das würde auffallen. Halte mal deinen Arm rüber, so als ob der die Stange wäre.“

Ich tat, wie mir geheißen. Meine Angetraute legte ihre Hand locker auf meinen Arm.

„Siehst du?“

Ja. Das war kaum der Rede wert. Mit kaum noch steigerungsfähigem aber dennoch zunehmendem Desinteresse verfolgte ich das Programm.

„Da, jetzt kommt das, auf das du gewartet hast.“

Also überwand ich mein Wachkoma, welches eigentlich andauern sollte, bis mich ein programmiertes, luftübertragenes Schallsignal aus der Küche erreichte, und schaute mit einem gewissen Bewusstsein aber dennoch verständnislos in Richtung Bildschirm. Die magersüchtigen Mädchen vollführten immer noch diese unnatürlichen Bewegungen.

„Nein.“

„Doch, guck doch mal hin.“

„Nein, echt nicht. Was glaubst du denn, worauf ich gewartet habe?“

„Na, daß die ohne Stange tanzen.“

„Als ob ich darauf gewartet hätte.“

„Worauf dann?“

„Auf den Abspann der Sendung.“

Nur die beherzte Flucht in die Küche konnte mich vor den nunmehr tödlichen Blicken retten.






Mittwoch, 9. März 2016

Sie sind wieder da (Text vom 26.02.)

Sven hat mir nach einem Blick aus dem Bürofenster ein Bild nach Hause geschickt.




  

Meine Enten sind wieder da. Während des ganzen letzten Jahres habe ich sie nicht gesehen.



Dienstag, 8. März 2016

Mal wieder lahmgelegt (Text vom 23.02.)

Ich habe mich auf dem Monster eingerichtet. Lilly kuschelt sich an mein linkes Bein. Ich sehe mich hier im Zimmer um und schaue auf Chaos. Allen Ortes fliegt Zeug herum. Nein, es ist keine Messie-Höhle. Aber es ist in höchstem Maße unordentlich. Nirgendwo obererhalb vom Boden findet sich noch eine nennenswerte freie Fläche. Überall liegen Taschen, überquellende Klappboxen und Kartons, lose Sachen, Papier und Bücher herum.

Ich brauche freie Flächen in der Wohnung. Für mein Wohlbefinden. Um saubermachen zu können. Richtig saubermachen. (Nicht, daß das mein Hobby wäre, aber gewisse Erkenntnisse der abend- und meines Wissens auch der morgenländischen Wissenschaft deuten darauf hin, daß es vorteilhaft wäre, solches zu tun.) Um meinen Interessen auch mal wieder nachgehen zu können. Um hier auch mal jemanden reinlassen zu können, ohne vor Scham im Boden zu versinken. Mandy liegt mir schon seit Monaten damit in den Ohren, daß sie die Katzenbande mal kennenlernen will.

So gibt das nie was.

Was hier herumliegt, ist nicht mein Zeug. Es ist das Zeug der zweitbesten Ehefrau von allen. Sie hat es bekennender Weise nicht so mit dem Wegräumen. Aber sie hat viel Zeug. Sehr viel Zeug. Und sie benötigt es auch. Doch alles, was sie gerade nicht verwenden muß, bleibt da liegen, wo es zuletzt abgelegt wurde.

Wie der kundige Blogleser sich eventuell zu erinnern vermag, habe ich so manchen Urlaub damit verbracht, hier Ordnung zu schaffen. Da unser Keller und der Keller-Keller weitgehend meine Reviere sind, gelingt es mir relativ spielend, das dort eingerichtete Ordnungssystem einzuhalten.

In den Wohnräumen sieht das anders aus.

Wenn es denn mein Zeug wäre, wüsste ich damit umzugehen. Es ist aber nicht mein Zeug. Und da meine Angetraute ja vom Arbeitsmarkt weg in die Selbständigkeit gedrückt wurde, muß sie auf diese Sachen zugreifen. Ich kann nicht einfach etwas wegräumen, was sie vielleicht kurzfristig benötigt und nicht findet. Also müssen wir da zusammen ran. Was bei meiner Angetrauten trotz Einsicht in die Notwendigkeit nicht mal im Ansatz etwas wie Begeisterung aufkommen lässt.

Sie ist in so einem Umfeld aufgewachsen und kennt es nicht anders. Sie hatte nie eine Chance, es anders zu lernen. Und was Hänschen nicht lernt… wir kennen das alle. Schon bei meinem allerersten Besuch in ihrer damaligen Wohnung, gut zwei Wochen, nachdem wir uns kennengelernt hatten, wurde mir bewusst, daß dieses Kapitel ein Problem werden würde. 

Meine Motivation, die Sache hier in Angriff zu nehmen, ist zugegebener Maßen inzwischen denkbar gering. Nachdem ich hier ein paar Mal – vor Aufnahme der Selbständigkeit – im Rahmen von Großaktionen eine ordnende Hand angelegt habe, dauerte es nur zwei Wochen, bis alles wieder aussah wie zuvor. Um den Wohnzimmertisch vollständig zu belegen, hat es nur ein paar Tage gebraucht. Immer wieder.

Da weißt du, wozu du es gemacht hast.

Und ein sanftes Beisteuern zur rechten Zeit funktioniert aus den genannten Gründen nicht. Die meisten Termine meiner Angetrauten liegen in Zeiten, in denen ich zu Hause bin und umgekehrt. Also nichts mit Teamwork, so lange es nicht zu spät ist.

Jetzt habe ich Urlaub.

Und prompt landet meine Schwiegermutter zum wiederholten Mal in kurzer Zeit im Krankenhaus. Aus für mich nachvollziehbaren Gründen, die hier nicht zur Diskussion gestellt werden, verbringt meine Angetraute dort nun täglich viele Stunden. Wieder nichts.

Und pünktlich zu Beginn der zweiten Urlaubswoche bin ich auch lahmgelegt. Ein akuter, sehr schmerzhafter Defekt im Bewegungsapparat sorgt für Unbill. Ich könnte mich von Arzt krankschreiben lassen und meine Urlaubstage retten. Das wird mit Sicherheit noch länger dauern, eventuell über das Urlaubsende hinaus.

Aber wozu? Es wäre immer noch der Urlaub aus 2014. Auszahlen lassen kann ich ihn nicht. Noch mehr zu Hause bleiben will ich nicht. Das ist mir jetzt schon zu viel gewesen, zu knapp nach den letzten freien Tagen, und der Gedanke, im Mai schon wieder Urlaub nehmen zu müssen, stimmt mich nicht friedlich. Ganz im Gegenteil überlege ich, den sausen zu lassen.

Tolle Aussichten.



Sonntag, 6. März 2016

Mal so richtig was riskiert

Es scheint heute ein sehr verwegener Tag von mir zu sein. Nicht nur, daß ich gerade Windows 10 aufgespielt habe, nein, ich ließ mich dazu hinreißen, heute Morgen direkt nach dem Aufstehen einen Kuchen zu backen. Apfelkuchen, um genau zu sein. Mit ohne Sultaninen, dafür aber auf vielfachen Wunsch einer hier nicht genannten Einzelperson mit Walnußkernen.

Und wisst ihr was? Ich war richtig aufsässig dabei. Das Rezept hat acht Äpfel für die Füllung vorgesehen. Hier lagen aber zehn herum. Also habe ich nochmals gegen die Arbeitsanweisung das Rezept verstoßen und alle zehn Äpfel verarbeitet.

War auch sehr schmackhaft.



Zukunftsoffen

Ich werde in wenigen Minuten beginnen, den Rechner auf Windows 10 umzustellen. Mal sehen, ob es mir gefällt.

Falls ihr nichts mehr von mir hören solltet, wisst ihr ja, woran es liegt. ;-)



Drei gegen einen

Wir begeben uns nochmal ein paar Wochen zurück - in die Zeit meines Urlaubs.

Die zweitbeste Ehefrau von allen hatte am Vortag in einem Studio für Leibesertüchtigungen vertretungsweise einen Kurs übernommen, da die übliche Trainerin mit einer Lungenentzündung darniederlag. Und sie stellte sich die Frage, wie man überhaupt auf den Gedanken kommen könne, morgens vor zehn Uhr schon als Teilnehmer für einen solchen Kurs freiwillig bereitstehen könne.  Ihre Uhrzeit ist das nicht, aber was soll man machen?

Am späten Nachmittag verschwand sie dann wieder zu einem langen Abend, welcher gespickt war mit orientalischem Tanz. Spätes Heimkommen, essen, Nachrichten gucken, weiter runterfahren, ab in die Koje.

Und um allen potentiellen Widrigkeiten für den nächsten Morgen bereits im Vorfeld entgegenzuwirken, welcher zum Ausgleich der Mühsal des Vortages ihrerseits mit ausgiebigem Matratzenhochdienst vorgesehen war, erhielt ich die Weisung, in ihrem Zimmer das Fenster sowie wie immer die Tür zu schließen, wenn ich aufstehen und zum Sport gehen würde. Denn hier in der Gegend hat sich ein Nachbar in den letzten Tagen angewöhnt, früh morgens schon seine Kreissäge anzuwerfen. Sollte meine Angetraute just an diesem Tag durch eben diese Kreissäge oder vergleichbare Geräusche geweckt werden, würde es Tote geben. Das war sicher.

Ich wachte völlig zerschlagen auf. Mein Rhythmus war in den letzten Tagen sehr durcheinander geraten. Nachdem ich es in meiner ersten Urlaubswoche hinbekommen hatte, mehrfach morgens zu noch angetrautenfeindlicher Uhrzeiten zum Sport zu erscheinen und anschließen ein paar Saunagänge einzulegen, war dies in der zweiten Woche aufgrund meiner Erkrankung ausgeschlossen. Jetzt, in der dritten Woche, bin ich zwar wieder einsatzfähig genug, aber wie gesagt: Der Rhythmus ist kaputt. Das lange Aufbleiben um zu warten, bis die zweitbeste Ehefrau abends wieder zu Hause ist, um dann das Essen frisch auf den Tisch zu bringen, hat einiges durcheinander gebracht. Nö, mit Sport würde das heute nichts geben. Nicht so, wie ich mich fühlte. Es gibt da bereits einschlägige Erfahrungswerte, die mich bereits im Vorfeld wissen lassen, wann die Veranstaltung peinlich werden würde.

Aber dennoch stand ich beizeiten auf, um wie versprochen angewiesen das offene Fenster im Mädchenzimmer zu schließen, bevor die stadtamtliche Nachtruhe für beendet erklärt und damit das Signal zur Inbetriebnahme der Kreissäge gegeben sein würde.

Ich schlich mich in den dunklen Raum, vernahm die Schlafgeräusche meiner Angetrauten und schloss das Fenster möglichst leise. Die Schlafgeräusche änderten sich nur wenig, also war alles ok.

Das nächste Problem war es, die Tür zu schließen.  Ein solches Unterfangen sollte tunlichst nur in Angriff genommen werden, wenn alle in Frage kommenden Katzen raus sind. Die Prüfung konnte nur durch Inaugenscheinnahme der restlichen Wohnung erfolgen.

Marty saß brav vor der Tür und glotzte mich an. Sicherheitshalber zog ich erst mal die Tür zu, bevor ich mich auf die Suche nach den beiden Mädels begab. Doch die blieben verschollen. Schließlich schnüffelte Marty mit steil in die Höhe gestrecktem Schwanz an der Tür. Aha, also war doch wieder jemand eingesperrt. Ich vertrieb Marty, öffnete die Tür und ließ die wartende Lilly raus, gefolgt von… niemandem. Also Tür zu und Smilla suchen.  Doch die fand sich nicht an ihren üblichen Stellen. Ich wähnte sie auf dem Bett meiner Angetrauten. Also besser abwarten, bis einschlägige Geräusche darauf hinweisen, daß sie auch raus möchte. Und dann bloß schnell sein, damit meine Angetraute nicht davon geweckt wird.

Nach einigen Minuten hörte ich ein leises Fiepen. Könnte passen. Wieder ging es in Richtung Mädchenzimmer. Tür auf – niemand kam raus, aber zwei stürmten rein. He, der Plan war anders. Ich wartete noch an der geöffneten Tür, als Lilly auch schon wieder herauskam. Normal. Das Spiel spielen wir häufiger. Mindestens aber an jedem zweiten Morgen. Marty erschien nicht. Und auch keine Smilla.

Plan B wurde aktiviert: Die Tür blieb offen, ich breitete mich mit einem Buch auf dem Monster aus und passte gleichzeitig auf, wann das Mädchenzimmer von den Vierbeinern verlassen werden würde. Aus dem Augenwinkel sollte es von hier aus kein Problem sein, die hellen Gestalten der Geschwister wahrzunehmen. Und Lilly war bei mir, wie immer, wenn ich zu dieser Zeit zu Hause bin.

Minuten später registrierte ich leises Klacken. Oha, da rennt jemand die Treppe runter. Diesem Jemand hatte ich dann entgegen aller Erwartung doch nicht im Augenwinkel wahrgenommen. Ja, eventuell anwesende Literaturverweigerer, so ein Buch kann auch mal spannend sein. Da bemerkt man eben nicht mehr so viel von seiner Umwelt. Das ist fast so, als ob man sein Smartphone in Händen hält.

Ohne etwas gesehen zu haben wusste ich, daß das nur Marty gewesen sein konnte. Die Geräusche waren eindeutig. Also wieder aufstehen und die Tür schließen, denn Smilla würde es erfahrungsgemäß auch noch stundenlang aushalten können, im Mädchenzimmer zu verweilen. Zumindest so lange, bis sie pinkeln muß. Ich würde es auf jeden Fall mitbekommen, wenn es soweit ist. Denn spätestens zu diesem Zeitpunkt ist es stets so, daß der Rest der Katzenbande außen vor der Tür Stellung bezieht und darauf aufmerksam macht, daß ein Gefangener raus will.

Warten. Lesen. Weiter warten.

Lilly hat sich wieder an mich angedockt. Ich höre den Kater, wie er unten im Gartenzimmer rumort. Es ist das typische Klangmuster.

Oh, hallo Smilla.

Wo kommst du denn her?

Katzen sind Gewohnheitstiere durch und durch. Man kann schon fast Uhren nach ihnen stellen. Aber hin und wieder machen sie doch mal etwas anders, schlafen nicht auf dem Kratzbaum, sondern auf einem Stuhl. Oder sie belegen nicht das Katzenkissen vor der Terrassentür, sondern glotzen zu ungewohnter Uhrzeit von der Fensterbank des Esszimmers in den Garten.

Wehe, man sucht sie zu solch einer Gelegenheit.

Das wird dann schwierig.

Insbesondere bei einem drei gegen einen.



Freitag, 4. März 2016

Auszeit (Text vom 23.02.)

Warum nun die Auszeit im Blog? Ich hatte bereits erwähnt, daß mich die blogeigene Statistik wahnsinnig macht. Daß ich mich selbst unter Druck setze, Material zu liefern, damit die Zahlen gehalten werden. Jahrelanges Training Gehirnwäsche im Beruf haben eine solche Denke geschaffen. Es ist zum Kotzen.

Aber da ist noch mehr.

Es gibt so viel, was ich loswerden möchte. Ich kann es aber nicht in diesem Blog schreiben. Die Grundidee des Blogs war damals, als ich ihn aufgebaut habe, und erst recht aus der Zeit davor, als ich die ersten Erzählungen unter Klarnamen in meinem seinerzeit noch bestehenden Account bei Facebook verbreitete, eine ganz andere: einfach ein paar nette Alltagsgeschichten erzählen.

Später haben sich hier ein paar Dinge geändert. Die Themen haben gewechselt. Manches ist rausgeflogen, anderes ist hinzugekommen. Aber ich habe die Kontrolle darüber verloren, wer hier mitliest und weiß, wer ich bin. Ich wurde schon gelegentlich mal überrascht zu erfahren, wer in meinem Umfeld vom Blog weiß. Und dann gibt es auch noch den einen oder anderen, den ich aus unterschiedlichen Gründen in Verdacht habe, hier dabei zu sein, ohne daß er sich zu erkennen gegeben hat.

Also muß ich sehr vorsichtig sein und kann mich nicht so entfalten, wie ich es tun müsste, damit dieser Blog noch als mein Ventil funktionieren kann. Und damit wird es hier eher zu einer reinen Spaßveranstaltung mit persönlichem Stressfaktor.

Ich halte nichts davon, einen Geheimblog zu eröffnen, in dem ich nur auserwählten Lesern Zugang gewähre. Die vermeintliche Sicherheit wäre nur vorgetäuscht, denn letztendlich kann ich niemals verifizieren, wer sich hinter einer Anmeldung verbirgt.

Und einen zweiten, vollkommen getrennten Blog nur für mich einzurichten, käme auch nicht in Frage. Da wäre etwas zerrissen. Es würde sich für mich nicht richtig anfühlen.

Indianer haben keine Pistolen, ihr wisst schon.

Es hat schon etwas Zerstörerisches. Ein bekanntes Verhaltensmuster meinerseits, welches dazu neigt nach oben zu kommen, wenn ich nicht auf der Höhe bin.

Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Textes ist der Blog seit ein paar Stunden offline.  Gerade habe ich das Versprechen vom 23.02. veröffentlicht. Einerseits bin ich betrübt, andererseits fühle ich auch Druck von mir genommen. Reden kann ich nicht über meine Entscheidung, aber ich fühle Schreibfreude und Erleichterung.

Alles ist seltsam.

Alles ist offen.



Mittwoch, 2. März 2016

V2.0 - vielleicht eher 1.5

Da bin ich wieder. Tatsächlich von mir einst unerwartet - aber seit ein paar Tagen eben doch feststehend.

Sobald ich hier das Aus verkündet und umgesetzt hatte, fühlte ich mich erstaunlich deutlich von einer Last befreit. Andererseits überkam mich auch eine Schreibfreude, wie ich sie lange nicht mehr erlebt hatte. In den paar Tagen entstanden Einträge in einer Zahl, mit der ich den Blog über einen Monat lang täglich versorgen könnte.

Doch es fehlte etwas. Die Texte nur zu schreiben, ohne jemanden – mit Ausnahme der zweitbesten Ehefrau von allen – daran teilhaben zu lassen, fühlte sich an wie Suppe ohne Salz. Und ich esse gerne salzig.

Vielleicht hat es für mich einfach mal nur den Schlag gebraucht. Ich kann es nicht genau eingrenzen. Jedenfalls mache ich erst mal weiter. Auf Bewährung. Ich will sehen, wie sich die Dinge und vor allen Dingen mein Gefühl dafür entwickeln. Und um mir den sich möglich wieder aufbauenden Druck noch etwas fernzuhalten, habe ich, auch nachdem die Entscheidung zum Weitermachen getroffen wurde, hier zwar ein paar Signale gesetzt, bin aber dennoch nicht wieder auf volle Fahrt gegangen. Ein wenig schizophren, ich weiß. Vielleicht auch mit etwas Furcht vor dem Kommenden. 

Ich habe die Zeit genutzt, hier etwas am Layout herumzufummeln. Vielleicht ist es ja schon aufgefallen. *räusper*

Nun habe ich ein Problem damit, einige zeitlich bestimmte Blogeinträge hier sinnvoll in das System einzugliedern, ohne sie rückdatiert freizuschalten. Also habe ich mich entschlossen, diese zeitpunktkritischen (tolles Wort, könnte von mir sein) Einträge mit aktuellem Datum und Hinweis auf den Zeitpunkt der Entstehung zu veröffentlichen.

Die anderen in der Offlinezeit fertiggestellten Einträge werden danach im Rahmen der üblichen Routine Stück für Stück erscheinen und sind mit dem Label Die Offline-Texte versehen. Einen tieferen Sinn hat das jetzt zwar nicht für Außenstehende, wohl aber für mich als Archivierungsfreak. Vielleicht hilft es aber auch allgemein, einige eventuelle noch bestehende Ungereimtheiten in der Chronologie zu erklären.

Also machen wir weiter mit der Blogversion 2.0 – oder doch nur der Version 1.5, denn so viel hat sich ja nun auch nicht geändert.

Und jetzt?





Jawoll, Chef.



Sinnbildlich gesehen