Sonntag, 14. Februar 2016

Ein Abschluss nimmt seinen Anfang

Das Leben wird auch dadurch bestimmt, mit Dingen abzuschließen. Gerne würde ich mit vielen Dingen abschließen, aber dieses Mal handelt es sich nur um die Urlaubssaison 2014. Der Resturlaub aus 2014 muß jetzt endlich weg, sonst verfällt er. Meine Begeisterung ist nur mäßig ausgeprägt.

Damit der Urlaub auch endlich mal in nennenswertem Umfang weniger wird, habe ich dieses Mal sogar darauf verzichtet, Überstundenabbau mit aufzunehmen. Das bedeutet, daß ich alles, was liegen geblieben ist, nach meinem Urlaub in regulären 8-Stunden-Tagen aufarbeiten darf, da ich dann keine legalen Möglichkeiten habe, noch in wesentlichem Umfang länger zu bleiben.

Es ist wirklich blanker Zufall, daß wir genau während meiner Abwesenheit wieder jemanden bekommen, der bei uns eine Praxisphase im Rahmen seiner Einarbeitung durch unseren Ausbildungsbereich erhalten soll. Kein Auszubildender, sondern jemand, der sich von Extern beworben hat. So weit, so gut. Jetzt ist es aber dummerweise so, daß dieser Mensch nun auch am Ende der Probezeit steht. Und von uns aus soll entschieden werden, ob wir ihn behalten oder nicht. Wie bitte soll das in drei Wochen, die aufgrund noch erforderlichen zeitfressenden Verwaltungsaufwandes tatsächlich nur zwei Wochen sein werden, denn funktionieren?

Egal, es ist wegen meiner Abwesenheit nicht mein Problem, sondern es hat Rebecca getroffen. In diesen drei Wochen wird Rebecca an meinem Schreibtisch Platz nehmen, damit sie mit dem Kollegen räumlich zusammensitzen kann. Ich würde da ja gerne mal einen Blick riskieren, denn meine Schreibtischplatte ist ziemlich hoch angebracht, da ich ja auch etwas größer bin als so ein Durchschnittstyp, wohingegen Rebecca… Na, sagen wir mal so: Der Floh wird gerade mal über die Tischkante sehen können.

Dennoch bin ich ein wenig angepisst. Als die Regelung in einer Dienstbesprechung verkündet wurde, hat man sich aus dem Kollegenkreis direkt dafür ausgesprochen, daß Rebecca in dieser Zeit von der Vertretung befreit wird. Prima. Ganz prima. Während meiner Abwesenheit sind bis auf ein paar Tage alle anderen anwesend. Vertretung wird bei uns neuerdings ohnehin nicht mehr in vollem Umfang gemacht, sondern beschränkt sich nur noch auf bestimmte Vorgänge. Es fällt also für den Einzelnen nicht mehr so viel an wie früher.  Aber da durfte ich kräftig mitvertreten, auch wenn ich neue Kollegen eingearbeitet habe. Selbst bei Mehrfachvertretung. Keine Sau hat sich dafür interessiert, wie das geklappt hat. Der Alte macht das schon, nur keine Sorge. Und als zusätzlichen Nackenschlag bekomme ich mit, daß die Kollegin aus dem benachbarten Fachbereich, die ebenfalls mit Einarbeitung zu tun hat, nicht nur ebenfalls aus der dortigen Vertretung raus ist, sondern sogar noch von Kollegen bei ihrer eigenen Arbeit unterstützt wird. Ja leckt mich doch am Arsch.

Freitag war dann also der letzte Arbeitstag. Und der beginnt mit einem Déjà vu. Am letzten Tag vor Beginn meines Urlaubs im November machte morgens ein Kunde Stress. Er rief direkt bei der Fachbereichsleitung an und verlangte, seinen Bescheid zu bekommen. Nein, er wolle keinen Rückruf von der Sachbearbeitung und gar nichts, er besteht jetzt auf Bescheiderteilung. Gut, konnte er haben. Blöd nur, daß die Sache komplexer war, mit sehr viel Zeit an diesem Tag gekostet hat, und die mir nicht zur Verfügung stand, weil gerade am letzten Arbeitstag bestimmte Dinge zwingend noch erledigt werden müssen, die nicht vorher geregelt werden können. Und da ich keine Rückfragen mehr halten durfte, führte dies auch dazu, daß einige Dinge abzulehnen waren.

Natürlich kam postwendend der Widerspruch. Also wurde wieder ermittelt, ich stellte meine Fragen und bekam meine Antworten nebst benötigten Unterlagen. Und wieder alles an meinem letzten Tag. Und ebenso wieder mit dem telefonischen Hinweis, daß das alles sofort und überhaupt wohl eher noch gestern zu erledigen sei. Also erledigt man das zur weiteren Abwendung von Ärger. Und wenn es nur aus dem Grund ist, so einen Vorgang nicht dem Vertreter aufs Auge zu drücken.

Ich hatte mich auf einen längeren Tag eingestellt, zumindest aber keine feste Feierabendzeit geplant, als die zweitbeste Ehefrau von allen sich meldete, sie sei gerade unterwegs, müsse noch eben zur Post, dann kurz zum Kolonialwarenhändler und könne mich danach abholen. Gut, ich ließ mich darauf ein. Worauf hin es hektisch wurde. Also erledigte ich die letzten zwingend zu erledigenden Dinge in Rekordzeit:

  • Prüfung zweier Leistungsbescheide
  • Prüfung zweier frisch reingekommener Urteile
  • Eintragen eines Stapels bis nach meinem Urlaub unerledigter Vorlagen in VATeR
  • Einhängen meiner restlichen unerledigten Akten in den Schrank
  • Abräumen des Tisches für Rebecca
  • Verteilen des Postausganges
  • Verabschiedung und letzte Hinweise an die Kollegen per E-Mail
  • Änderung von einem halben Dutzend vor dem Ablauf stehender Passwörter


Zwei Minuten, nachdem ich damit fertig war, fuhr dann auch meine Angetraute vor.  Ab nach Hause und warten, daß die Zeit vergeht. Drei Wochen können so unendlich lang sein.

Nein, ich freue mich wirklich nicht.



Kommentare:

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    1. Ich schaffe mir dann auch mal einen Überblick über meinen Resturlaub aus Vorjahr(en) zwecks Abwesenheitsplanung.

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  2. Ach was!
    Das gehört ja nunmal dazu, dass man rotiert, bevor es Urlaub ist.

    Du wirst es schön haben.
    Ich besteh drauf!

    Ich wünsche mir grade nichts sehnlicher als drei Wochen Urlaub und es wäre mir vollends egal, was danach auf mich wartet.... naja.... hrm.... ich hab einen Freiberufler zum Chef..... der läßt ALLES liegen....

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    1. Es geht ja auch darum, daß ich im Moment nur zu Hause herumlungern und verschwenderisch die freie Zeit absitzen kann. Wozu mir auch jeglicher Wille fehlt.

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  3. Oh, Paterfelixchen, magst Du für mich Urlaub machen? Ich wollte immer schonmal hierhin und dorthin, dies und das machen, und natürlich auch jenes und solches! Habe aber zu wenig Geld, zu wenig Zeit, zu viel Schiß und zu viele Kinder dafür. Ach ja: Und die falsche Gaderobe!
    Also, wie wär`s, *strahl*?

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    1. Du meinst, ich soll raus aus meiner gewohnten Umgebung? Vergiss es! Bis auf die Sache mit der Garderobe sind wir uns da übrigens in jeder Beziehung ähnlich, wenn wir die hiesigen Katzen mit deinen Kindern gleichstellen.

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  4. Oh. Resturlaub und Vorurlaubswahnsinn. Kenn ich, kennt wohl jeder. Drei Wochen gloomy zu Hause einsitzen, immer Alpträume von allem, was man bei der last-minute-Aktion falsch grmacht 7bersehen oder falsch abgeheftet hat under anschließend erstmal weghauen, was an neuen Aachen liegen geblieben ist. Geht mir seit 35 Jahren so.

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  5. Aus 2014? Uha. Wie ist es möglich, dass man das übernehmen kann? Und vor allen Dingen - wie sammelt sich sowas an?

    Fahren Sie mal kurzentschlossen ein paar Tage mit ihrer Angetrauten weg -und genießen Sie was auch immer sich Ihnen bietet.

    Jammern über das Liegengebliebene können Sie dann immer noch bei Rückkehr. Ist dann früh genug.

    Oder machen Sie ein, zwei Last-Minute-Urlaube irgendwo ganz weit weg für wenig Geld.

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    1. Man kann so etwas ansammeln, wenn man im öffentlichen Dienst arbeitet. Da ist das zulässig. Und wenn dann wegen lauter unbesetzter Stellen und dienstlicher Erfordernisse kein Urlaub genommen werden kann, dann passiert das mal schnell. Wegfahren geht aus zwei Gründen nicht: Zunächst mal ist das nichts für mich. Ich fühle mich dabei nicht wohl. Hat auch mit der Soziophobie zu tun. Und selbst wenn: Meine Angetraute kann auch nicht einfach alles stehen und liegen lassen. Sie hat schließlich als Selbständige die Kurse leitet auch ihre terminlichen Verpflichtungen.

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    2. Wegfahren war auch eher für Sie allein gedacht - erholen, ausspannen, entspannen. Weit weg und allein. Aber ok, hatte ich vergessen, die Phobie. Das ist ja dann blöd.

      Dann hoffe ich auf Entspannung zu Haus für Sie.

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