Sonntag, 10. Januar 2016

Wenn sie schon fragen

Donnerstag. Karla und Mandy bereiteten sich auf die Mittagspause vor. Selbst der untrainierte Beobachter vermochte dies ganz eindeutig daran zu erkennen, daß die beiden Damen ihre Jacken anzogen, obwohl die Bürofenster geschlossen waren und die Heizung das tat, was andere von ihr verlangten: Wärme im Übermaß abstrahlen. Also konnten die Jacken nichts mit zu geringen Temperaturen in der Höhle im Schicksalsberg zu tun haben.

„Wir gehen zum großen Supermarkt.“

Aha! Meine Beobachtung und die daraus gezogenen Rückschlüsse bestätigten sich soeben.

„Sollen wir dir was mitbringen?“

Ich überlegte nur kurz. Nein, ich erwartete nicht, daß sie mir die Vormittagseinnahme des Ladens anschleppen würden. Habe ich schon versucht, das machen die einfach nicht. Darin sind die beiden sich sogar mit Sven einig, dem ich auch schon wiederholt die entsprechende Order gegeben habe. Aber da gab es was anderes.

„Klar. Die haben Katzenstreu im Angebot. Davon hätte ich gerne ein paar Pakete. Aber bitte das Klumpstreu, nicht das andere Zeug.“

„Spinnst du? Wie sollen wir das schleppen?“

„Wo ist das Problem? Zwei Personen, vier Hände. Ihr schafft also mindestens vier Pakete.“

Damit war ich noch bescheiden in meinen Anforderungen, denn man kann pro Hand durchaus auch zwei Pakete schleppen. Genauso wie zwei Sixpacks mit den 1,5 Liter-Flaschen. Da tut sich nicht viel am Gewicht. Die Trageschlaufe eines Paketes an Zeige- und Mittelfinger, die des anderes Paketes an den kleinen Finger gehängt, und schon funktioniert das.

Mandy sah das irgendwie anders.

„Vergiss es! Dein Katzenstreu bringe ich dir erst mit, wenn ich dir von oben auf den Kopf spucken kann, ohne mich auf eine Leiter zu stellen. Und dazu muß ich erst mal einen Kopf größer werden.“

Was zweifellos eine interessante Beschreibung der zu erfüllenden Voraussetzungen war, andererseits aber auch pure Selbstüberschätzung offenbarte.

„Mandy, du brauchst ja schon zwei Köpfe, um mit mir gleichzuziehen.“

„Und selbst wenn: Wie willst du die Pakete nach Hause bekommen?“

„Meine Angetraute ist  morgen wieder beim Friseur. Dann nimmt sie mich auf dem Rückweg mit.“

„Und wieso fahrt ihr dann nicht selber einkaufen?“

„Das klappt organisatorisch nicht mehr. Termine über Termine. Meine Schwiegermutter ist im Krankenhaus; meine Angetraute muß da noch vorbeifahren. Und danach geht es direkt weiter, weil sie am Wochenende als Gast auf einer Show auftritt. Das ist mit Übernachtung vor Ort. Außerdem muß sie früher da sein, weil sie noch mit den Gastgeberinnen etwas üben will.“

„Trotzdem: Vergiss es!“

Dann eben nicht. Ich habe gerade noch elf Pakete auf Vorrat. Die reichen nur noch für ein paar Monate.

Es wird eng.



Kommentare:

  1. Du bist schon ein kleines Arschloch :D Und nun beschwer dich nicht, du hast schon mal danach verlangt, dass man dich so nennt. ^__^

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    1. Als ob ich jemals Gegenteiliges behauptet hätte. :-D

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    2. Stimmt :D
      (Wollte aber eigentlich nur nen Shitstorm durch andere Personen verhindern ;) )

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  2. Off topic, aber es würde mich sehr interessieren, was Du davon hälst. Vielleicht magst Du ja sogar einen Beitrag dazu schreiben?
    http://www.focus.de/finanzen/karriere/arbeitsrecht/arbeit-al-capone-gefeuert-kuendigung-nach-karnevalsfeier_id_5172114.html

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    1. Schau ich mir heute Abend an, jetzt wird die Zeit etwas knapp.

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    2. So, gelesen. Für einen Beitrag reicht es nicht und ich würde mich auch nicht zu so einem Geschehen als Blogger äußern wollen. Das ist nicht die Richtung dieses Blogs. Als Antwort auf einen Kommentar stimme ich dem Urteil jedoch zu. Es handelt sich nicht um eine Alltagssituation, in welche der Mann hier geraten sind, sondern um eine au0ergewöhnliche und für ihn bereits im Vorfeld durchaus erkennbare Lage. Wenn ich weiß oder auch nur begründet vermuten kann, daß ich mit einer solchen Situation nicht zurecht komme, dann würde zumindest ich diese Situation vermeiden. Und daß der Brauch des Krawattenabschneidens - wie dir sicher bewusst sein wird - gerade im Rheinland fest verwurzelt ist, sollte man als dort Ansässiger wissen. Da kommt man mit nichts gegen an. Keine Chance.

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    3. Aha. Sehr interessant, danke.

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  3. Paterfelis,
    mit dem Schmackhaft-Machen haben Sie es ja nicht so ...

    Also:
    verkaufen Sie das den Damen doch mal als kostenloses Body Modeling, das nur ihrer Schönheit dient. Und da sollte man klein anfangen - also 2 Pakete pro Person, vielleicht zweimal am Tag. Und das 2 Tage lang. Danach dann steigern mit 4 Paketen pro Person. Pro Pause. Das dann ebenfalls mindestens 2 Tage lang. Danach kann man dann Kopf und Schultern noch mit einbeziehen - also 3 Pakete mehr pro Person und Pause. Am besten auch 2 Tage lang.
    Okay, wenn sie nicht samstags arbeiten wollen, dann sollten sie es mindestens einen Tag probieren. Macht also bei 2 Pausen pro Tag und entsprechender Motivation - moment - 76 Pakete. Das dürfte dann doch sicher die nächsten Monate reichen ...

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    1. Die Theorie klingt zunächst ganz gut, berücksichtigt aber nicht den Faktor "Angebot." Und bei 2 Euro pro Paket macht sich das schon bemerkbar. Da müsste also noch etwas nachgearbeitet werden.

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    2. Und wieso zwei Pausen am Tag? So viele gibt es hier nicht.

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    3. Ich kann mich immer noch nicht beruhigen. Zwei Pausen. An einem Tag. Also sowas. Alleine der Gedanke... Wo gibt es das?

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    4. LOL.
      2 Pausen pro Tag sind ganz normal. Also vielleicht nicht im LASA, aber ansonsten ...
      ;)

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