Sonntag, 24. Januar 2016

24 Stunden Borg für Einsteiger (Teil 7 und Ende)

Mit einer leichten Anspannung wartete ich an der Haltestelle. Noch eine Minute. Würde der Bus pünktlich sein?

Im Dunkel der Nacht sah ich zwei sich bewegende Lichtpunkte. Scheinwerfer. Ein Fahrzeug näherte sich der Haltestelle. Zu klein für einen Linienbus. Viel zu klein. Das Fahrzeug stoppte in der Haltebucht.

Ein Kleinbus. Interessant. So etwas hatte ich auch noch nicht gesehen. Ihr kennt ja alle die Handwerker-Lieferwagen. So ein Fahrzeug, vielleicht etwas verlängert, fuhr auf die Haltestelle zu. Die eine Tür auf der rechten Seite öffnete sich automatisch; ich konnte bequem einsteigen. Die Inneneinrichtung entsprach im Wesentlichen der eines Standard-Busses, nur war sie natürlich der geringeren Nutzfläche entsprechend angepasst. Wirklich praktisch, das muß ich ja mal so sagen. Und der Bus war pünktlich. Ich hatte alle Chancen, meinen Zug zu erreichen.

Wenn, ja wenn die Planer des Fahrplans, auf den ich meine Hoffnung setzte, nicht den nahezu bedeutungslosen Umstand berücksichtigt hätten, daß die Züge der Deutschen Bahn mitunter auch mal pünktlich fahren. Und das taten sie heute.

Wo das Problem war? Ich hatte doch fünf Minuten zum Wechsel des Transportmittels?

Ja. Aber auf dem Weg zum Bahnhof muß der Bus einen Bahnübergang kreuzen. Der pünktlich aus Neustadt kommende Zug sorgte für verschlossene Schranken. Diese waren umso länger geschlossen, als er vor passieren des Bahnüberganges zunächst am Haltepunkt Neustädter Ländchen einen planmäßigen Zwischenstopp einzulegen hatte. Während dessen war es jedoch erforderlich, die Schranken geschlossen zu lassen. Was sie auch blieben, nachdem der Zug seine Fahrt fortgesetzt hatte. Denn es lohnte nicht, die Schranken wieder zu öffnen, da ja auch der Zug in Richtung Neustadt erwartet wurde.

Mein Zug!

Nach einigen abgewarteten Minuten kam er endlich und hielt am Bahnsteig. Unser Busfahrer setzte alles daran, den Weg bis zur Haltestelle unter Anfeuerung durch andere Mitreisende so schnell wie möglich zurückzulegen und schaffte den Halt auch, während der Zug noch stand. Doch allen Traditionen folgend warten bei uns die Züge nicht auf die Busse und die Busse nicht auf die Züge. Auch dann nicht, wenn die ersten Reisenden das jeweilige Fahrzeug schon verlassen haben und den Weg offenkundig zum bereitstehenden Transportmittel nehmen. Sobald der erste Mitreisende unseren Bus verlassen hatte und die 20 Meter Richtung Zug nahm, wurden dort die Türen geschlossen.

Also suchten wir uns einen neuen Anschluss.

Und mich hat mein vorübergehendes Borg-Dasein mal eben anderthalb nachzuarbeitende Arbeitstage gekostet, für die ich auch keine Vertretung bekam. Und bei der entgangenen Nachtruhe war der übrige halbe Tag auch nicht besonders effektiv.

Ab sofort gibt es Arztbesuche nur noch im laufenden Urlaub oder nach 16 Uhr. Freie Einzeltage bringen mich im Büro um.

Wenn das jetzt alles so nochmal an mir vorbeilaufen lasse:

Das kann doch nicht gesund sein.


(Ende)




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