Freitag, 27. November 2015

Paterfelis spielt - vielleicht mal wieder (Teil 1)

Der geneigte Leser vermag sich daran zu erinnern, daß ich ein leidenschaftliches Spielkind bin. Und daß meine diesbezüglichen Aktivitäten seit einigen Jahren nahezu gänzlich auf Null zurückgefahren wurden. Es ist nicht so, daß es keine Versuche gab, diesen Zustand wieder zu ändern. Also ziehen wir mal eine Zwischenbilanz und schlüsseln Andeutungen auf, die ich vor nicht allzu langer Zeit hier mal gemacht habe.

Beginnen wir mit Herrn Harnischfeger. Er kam vor nicht ganz zwei Jahren zu uns und gewann bei mir in dieser Zeit durch seine zupackende und offene Art. Wir verbrachten viel Bürozeit miteinander, da ich ihn in verschiedene Themen einarbeiten musste, mit denen er in seinem früheren Leben bei dem LASA eines anderen Bundeslandes nichts zu tun hatte. Praktischer Weise wurde er in einem Raum ganz in der Nähe der Höhle im Schicksalsberg untergebracht – auf Ruf- und Hörweite sozusagen. Zumindest, wenn die Türen offen stehen.

Da Sven und ich zumindest was das Tabletop-Spiel angeht fast auf einer Wellenlänge liegen und dahingehend auch eine gemeinsame Vergangenheit haben, gibt es da natürlich immer wieder mal einen informellen Austausch zwischen uns, den Herr Harnischfeger mitbekommt. Wie er berichtete, waren er und seine Frau auch lange in einer Spielrunde vertreten, allerdings eher die üblichen Gesellschaftsspiele, welche aber nach einem Umzug nicht aufrecht erhalten blieb. So spielt er heute mit Frau und Kinder zwar noch regelmäßig Die Siedler von Catan, aber das war es doch auch.

Es kam, wie es kommen musste. Zunächst zeigte Herr Harnischfeger Interesse an dem Spiel mit den Miniaturen, war aber hellauf entsetzt darüber, daß man diese auch noch selbst bemalen müsse. Na ja, man muß nicht. Es ist durchaus möglich, mit unbemalten Miniaturen zu spielen, nur sieht es eben nicht ganz so schön aus. Dies dürfte auch eher der Normalfall sein.

Entscheidend war aber mehr seine Frage, ob die zweitbeste Ehefrau von allen und ich nicht Interesse hätten, mal einen Spieletag ins Leben zu rufen. Auf Ebene der normalen Gesellschaftsspiele. Nun könnte man meinen, daß ich mit Begeisterung eingewilligt hätte. Dem ist aber nicht so, weil sich sofort meine Gedankenmaschinerie in Bewegung setzte.

Der Ort des Geschehens kann aus aktueller Sicht nicht unsere Wohnhöhle sein. Gut, hier stehen wir vor einem lösbaren Problem, denn Familie Harnischfeger besteht neben dem bislang bekannten Protagonisten und seiner Frau auch noch aus zwei Kindern, welche sich in einem Alter befinden, in dem sie der Aufsicht benötigen. Die Veranstaltung würde also nicht bei uns stattfinden. Ein Problem weniger.

Wer allerdings um meiner Begeisterung von Kindern weiß, der mag erahnen, daß ich diesen Aspekt auch nicht so ganz verdrängen kann. Doch da mag man es auf einen Versuch ankommen lassen.

Schwerwiegender ist das Gedankenkreisen und das weiterführende Was-wäre-wenn. Ja, was wäre, wenn es nicht funktioniert? Wenn die Veranstaltung nicht harmonisch verläuft? Im Büro müssen wir ja weiterhin relativ eng zusammenarbeiten. Das sind die Überlegungen, die mir schlaflose Nächte bereitet haben.

Aber von nichts kommt nichts, also ließ ich mich darauf ein. Angedacht war gemütliches Grillen im Harnischfegerschen Garten, während dessen man auch ein Spielchen wagen könne. Dahingehend habe ich entsprechende Erfahrungswerte, es kann durchaus funktionieren. Und auch eine kühlere Wetterlage sollte uns nicht davon abhalten, zumal sowohl die Harnischfegers als auch wir Gelegenheits-Wintergriller sind.

Die Terminfindung war die nächste Herausforderung, denn es sollte ein Samstag sein. Nun ist es ja bekanntlich so, daß die zweitbeste Ehefrau von allen samstags beruflich beschäftigt ist, und auch Frau Harnischfeger als Pflegekraft durchaus regelmäßig und zu unterschiedlichsten Zeiten im Wochenenddienst steht. Dennoch fanden wir einen Samstag, an dem wir es versuchen würden. Allerdings behielt ich mir den Joker vor, kurzfristig absagen zu dürfen. Denn an dem Termin unserer Wahl waren in der Trainerschule Prüfungen angesetzt, an welchen meine Angetraute zwar nicht als Prüfling, aber teilweise als Prüferin teilnehmen sollte. Dies bedeutet auch aktive Teilnahme an den von den Prüflingen vorbereiteten Kursprogrammen sowie das Abhalten einer mündlichen Prüfung und die Auswertung von schriftlichen Prüfungsarbeiten. Das Ende des Prüfungstages würde sich nach der Teilnehmerzahl richten, welche erst kurz vorher feststehen sollte.

Zwischen dem Zeitpunkt der Terminvereinbarung und dem geplanten Tag der Veranstaltung blieb meine permanente Unruhe bestehen. Außerdem erfuhr ich mehr über das Familienleben der Harnischfegers, hier vor allen Dingen über die Frau des Hauses. Was ich da so mitbekam war nicht dazu angetan, meine Unruhe zu beseitigen. Ganz im Gegenteil. Mir schien Frau Harnischfeger nicht der Typ Mensch zu sein, mit dem meine Angetraute und ich eine engere Verbundenheit herstellen könnten. Aber gut, man kann sich ja auch täuschen.

Schlußendlich aber mußte ich den Joker ziehen und absagen. Die soziophobisch bedingte Unruhe überschritt die Grenze, bis zu der sie noch beherrschbar gewesen wäre. Dazu kam, daß meine Angetraute wie befürchtet voraussichtlich nicht übertrieben früh von dem Prüfungstag zurückkehren würde und danach einfach nur noch platt wäre. Insgesamt passte mir das so auch ganz gut in den Kram, denn zwischen dem Kollegen Harnischfeger und anderen Kollegen begannen im Büro einige auch aus meiner Sicht verständliche Querelen. Kein guter Zeitpunkt, um in unserem Verhältnis zueinander von Sieauf Du zu wechseln. Wie man weiß, gehe ich damit seit einigen Jahren ohnehin wieder sehr viel zurückhaltender mit um als in früheren Zeiten.

Eine Neuauflage des Termins steht jetzt erst mal in den Sternen, denn Familie Harnischfeger hat zwischenzeitlich ein älteres Haus auf dem noch platteren Land als hier gekauft, welches einer gründlichen Renovierung bedarf, die über das übliche Tapezieren deutlich hinausgeht. So etwas macht die Zahl der weißen Flecken im Terminkalender natürlich übersichtlich.

Zeit zum Luft holen.

Doch das Thema Spielen ist damit noch nicht am Ende. Es gab weitere Entwicklungen.


(wird fortgesetzt)



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