Freitag, 20. November 2015

Auf und ab

Die auf dem Display meines Amtstelefons eingeblendete Uhr bedeutet mir, daß es an der Zeit sei, zu der ich meine Arbeit nach den allgemeinen statistischen Vorhersagen erledigt haben sollte. Nun ist es ja so, daß derartige Ermittlungen von studierten, hochbezahlten Fachkräften unter Zuhilfenahme eines akademisch geschulten Verstandes erstellt worden sind. Und wer bin ich schon als Unstudierten, daß ich an solchen in harter Kleinarbeit mit geballter Sachkompetenz ermittelten Ergebnissen zweifeln würde?

Eben.

Also ist Feierabend, gleich was da noch alles an Zeug herumliegt. Ich fuhr den Rechner runter und schleppte mich zu unserem Abzug. Natürlich zum Abzug, denn ich wollte ja ab nach unten und nicht auf nach oben. Denn dann hätte ich den Aufzug genommen. Ist doch logisch.

Vor mir wartete bereits Herr Maus. Herr Maus ist ein großer Liebhaber des pünktlichen Feierabends. Und Raucher. Was ihn immer wieder wertvolle Arbeitszeit kostet. Darüber hinaus gehört er auch zu jenen, die regelmäßig Überstunden abbauen. Niemand weiß so richtig, wie er die zusammenbekommt, weil die beiden erstgenannten Punkte der kleinen Auflistung nicht so ganz mit dem letztgenannten in Einklang zu bringen sind. Aber das ist nicht mein Problem.

Mit leichtem Scheppern öffneten sich die Metalltüren, welche uns in geschlossenem Zustand davor bewahren sollen, in die Untiefen des AufAbzugsschachtes zu stürzen, falls die Kabine mal nicht an Ort und Stelle sein sollte. Wir betraten die Metallbox, Herr Maus drückte brav den Knopf, den es zu drücken galt, um unserem Begehr nach Feierabend förderlich zu sein, und schon schlossen sich die Türen. Ein leichter Ruck; los ging die kurze Fahrt.

„Jetzt geht es mit uns abwärts.“ sinnierte Herr Maus.

„Es kann auch schön sein, wenn es mit einem abwärts geht.“ ergänzte ich seinen Gedankengang.

„Morgen sind wir wieder hier, dann geht es mit uns aufwärts.“ setzte Herr Maus ein.

„Und was lernen wir daraus? Es ist nicht immer prickelnd, wenn es mit einem aufwärts geht.“

Paradoxe Welt.



Kommentare:

  1. Ich arbeite im Erdgeschoss, gehöre aber zu den "Kellerkindern", die deren Gehalt sich stets im Keller befindet...Seltsam genug: Alle unsere Spitzenverdiener haben ihre Büros im ersten Stock. Vielleicht würde ein Auf- und Abzug helfen? Der fehlt nämlich in unserem Bürohaus...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin da ja eher der Fan von Rolltreppen, habe aber nur einen begrenzten Optimismus, daß a) eine solche eingebaut würde und b) es in deinem Sinne erfolgreich wäre.

      Löschen