Samstag, 17. Oktober 2015

Unser Bäcker und der Krieg der Sterne

Wir haben einen neuen Kollegen, Herrn Bäcker. Na ja, relativ neu. Herr Bäcker weilt jetzt schon ein gutes Jahr bei uns. Er hat sich vom LASA des Nachbarbundeslandes weg und zu uns hin beworben. Alles eine Frage der räumlichen Nähe zu seinem Wohnort. Der Bursche ist der Spross einer LASA-Familie. Vater beim LASA, Mutter beim LASA. Also musste er auch zum LASA. Nach seiner Assistentenprüfung hat er dort ein Jahr lang gearbeitet, bis es zum Wechsel kam.

Vorgesehen war er für den Einsatz als Assistent im Fachbereich Leistungsgewährung unserer Außenstelle. Die dortige Seniorsachbearbeiterin erkrankte jedoch in der Zeit, in der sie Herrn Bäcker an unsere Sitten und Gebräuche heranführen sollte. Was durchaus notwendig ist, denn trotz gleicher Rechtsanwendung sind die Abläufe und Aufgabenzuschnitte in den einzelnen Häusern immer wieder etwas anders. Alles eine Frage der internen Organisation. Der Kunde draußen in der freien Wildbahn bekommt davon im Regelfall nichts mit.

Vermuten wir mal.

Nun ja, die erste Begeisterung über Herrn Bäcker war durchaus überschaubar. So wurde er an mich weitergeleitet. Bestimmte Tätigkeiten zwischen dem Fachbereich Leistungsgewährung und dem Fachbereich, in dem ich angesiedelt bin, überschneiden sich, so daß ich zumindest in diesen Aufgaben für die weitere Entwicklung des jungen Burschen Sorge tragen sollte, bis die Kollegin wieder einsatzfähig sein würde.

Soweit die Theorie.

In der Praxis musste ich feststellen, daß dieser Mensch absolut unterbelichtet ist. Tauglich zu nix. Gar nix. Vielleicht bestand seine Prüfung nach der Lehre im Nachbarbundesland-LASA darin, Kaffee für die Sachbearbeiter zu kochen. Vielleicht auch Tee. Für einen guten Kakao, wie ich ihn schätzen würde, dürfte es schon nicht mehr gereicht haben. Bei ihm fehlt es an jeglichen Grundlagen. Jeder zumindest mittelprächtige unserer Auszubildenden macht ihn spätestens am Ende des zweiten Lehrjahres nass. Aber allerspätestens.

Falls der ein Zeugnis für seine Bewerbung bekommen hat, wird man ihn wohl weggelobt haben. Am Tag seiner Kündigung im Nachbarbundesland-LASA haben die dortigen Kollegin vermutlich ein paar Flaschen besten Champagners geöffnet. Schweinebande, dreckige. Sven hat Herrn Bäcker zwischendurch mal gefragt, ob unser Beruf denn wohl das richtige für ihn sei. Das hat er noch nicht verstanden - bei einer Beanstandungsquote von über 150 %. Denn im ersten Durchgang bekam er jede Akte zur Korrektur zurück. Von den korrigierten Akten sah er mindestens jede zweite auch nochmal wieder, um den Rest auch noch zu korrigieren, den er zuvor ignoriert hat.

Selbst dann, wenn man alles was er tun soll genau vorgeschrieben und auf die Dringlichkeit hingewiesen hat, es auch genau in der vorgegebenen Reihenfolge auszuführen, ging es in die Hose. Noch nicht mal die Sache mit der Reihenfolge funktionierte.

Ich äußerte meinen Unmut auch gegenüber Frl. Hasenclever und Dr. Strebsinger, welche bereits von meiner Amtskollegin vorgewarnt waren. Es fiel die Entscheidung, Herrn Bäcker nochmal für ein halbes Jahr in unseren Hauptausbildungsbereich der Außenstelle unserer Nachbarstadt – bei uns finden für Lernende nur befristete Praxisphasen in den Ferien und am Ende des letzten Ausbildungsjahres statt - umzusetzen, damit die dortigen Kollegen sich seiner intensiv und von Grund auf annehmen könnten.

Gesagt, getan.

Ein halbes Jahr lang hatten wir Ruhe, dann kam Herr Bäcker nach einer bescheinigten erfolgreichen erfolgten Intensiv-Einarbeitung zu uns zurück. Stand jedenfalls auf dem Papier. Bei uns wurde er direkt krank und konnte seine neuen Fähigkeiten nicht unter Beweis stellen.

Dumm. Es waren noch wenige Wochen bis zum Ablauf seines Jahresvertrages. Nun denn, nach drei Wochen kam er wieder, wurde nochmal vier Wochen kritisch beäugt. Nicht von mir, aber von der Kollegin Seniorsachbearbeiterin des Bereiches Leistungsgewährung. Ihre Begeisterung hielt sich in allerengsten Grenzen.

Die Führungsebene unserer Außenstelle, also der zuständige Fachbereichsleiter und der alte Dr. Strebsinger, wollten jedoch im dortigen Bereich personelle Lücken stopfen, damit endlich die Vertretungdauertemporäre Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle anderen zumindest etwas eingedämmt wird. Also erhielt Herr Bäcker seinen Festvertrag.

Niemand von den Kollegen seines und auch meines Fachbereiches weiß ernsthaft, wofür der junge Mann sein Geld erhält. Er macht weiterhin nichts richtig. Wirklich nichts. Rein gar nichts. Dümmste Fehler sind an der Tagesordnung. Er macht sich über ihm gegebene Hinweise keine Notizen, vom Lesen der Arbeitsanweisungen nimmt er Abstand, Muster werden nicht angelegt und er versucht seine Fragen zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedliche Kollegen weiterzugeben. Ist ja nicht so, daß man sich nicht unterhält und es doch irgendwann auffällt, daß er nicht weiß, was er tut. Aber so gar nicht. Man regt sich nur noch über ihn auf.

Jetzt wird er zum vierten Mal eingearbeitet. Vermutlich erfolglos. Aber wir haben ihn an der Backe und unser Hauptausbildungsbereich ist ihn wieder losgeworden.

Nun ja.

Mandy, die mit zu den Leidtragenden gehört, welche Herrn Bäckers Akten mit kontrollieren müssen, hat sich letztens zum ersten Mal Krieg der Sterne angesehen. Da lief wohl wieder was im Fernsehen, was sie dazu veranlasst hat, endlich mal die Bildungslücke zu schließen, die sie mit sich herumgetragen hat. Denn sie wusste bis dahin nicht, wer Darth Vader, Luke Skywalker und Co sind. 

Es war erfolgreich. Jetzt hat sie sogar verstanden, was ich meinte, als ich sie nach dem Unterschied zwischen Luke Skywalker und Herrn Bäcker befragte.

Luke Skywalker ist nämlich immer noch eine neue Hoffnung. Herr Bäcker hingegen... Klick mich

Möge die Macht mit uns sein.


PS: Anlässlich der nun nahenden Epsiode VII der Star Wars-Saga und des dortigen Erscheinens der alten Truppe, darunter auch von Prinzessin Leia, wird mir mit Erschrecken klar, daß eben diese Prinzessin Leia jetzt in einer Reihe mit Schneewittchen, Arielle der Meerjungfrau, Cinderella und Co steht. Sie ist jetzt eine echte Disney-Prinzessin




Kommentare:

  1. "Klick Mich" - ;)
    Da habt ihr euch ja einen Vogel angelacht. Bestätigt aber wieder mein Vorurteil. dass in Behörden und Ämtern irgendwie immer mehr Leute Unterschlupf finden, die einfach nur ein (gutes) Zeugnis haben. Im Gegensatz dazu bin ich gut, habe aber kein Zeugnis ... :(

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    1. Wie ich aus meinem nächsten Umfeld mitbekommen habe, nützen gute Zeugnisse gar nichts. Und es nützt auch nichts, wenn man einen Jahresvertrag hat, die Leitung unbedingt möchte, daß dieser aufgrund Topleistungen entfristet wird, die Geschäftsführung aber aus prinzipiellen Gründen keine Übernahme wünscht und lieber immer wieder neue Jahresverträge mit Nachfolgenden abschließt. Es ist nur eine Frage, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

      Um mehr geht es heute nicht mehr.

      Eines aber ist sicher: Wenn der Bursche nach seiner Einarbeitung im Hauptausbildungsbereich in den Fachbereich von Frl. Hasenclever und mir gekommen wäre, wäre er keinen Tag länger als nötig geblieben. Wir hätten - nicht zum ersten Mal - kurzen Prozess gemacht. Und auch nicht zum letzten Mal. Bei uns gibt es einfach nicht die Kapazitäten, solche Graupen auch noch durchzuschleppen.

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    2. "Es ist nur eine Frage, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein." - und dazu noch ein wenig Vitamin B und schon ist alles gut.

      Irgendwie müssen wir ja die Wirtschaft und Co. zu Grunde richten ...

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  2. In der freien Wirtschaft gehen solche Menschen - meist mit sehr guter Beziehung derer Eltern mit dem Firmenchef ausgestattet - auf den Hof zum kehren mit dem Besen. Oder fahren den Chef durch die Gegend. Oder haben einfach einen schweren Stand in der Belegschaft.

    Umgekehrt wäre aber auch möglich, dass er verstanden hat, dass man dem, dem man nichts zutraut, auch keine großen Aufgaben anvertraut. Hmmm... Wie war das mit der Unkündbarkeit im Beamtenstand? Herzlichen Glückwunsch, der Herr Bäcker macht alles richtig. ;-)

    LG, Holger

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    1. Er hat den gleichen Aufgabenzuschnitt wie alle Assistenten seines Fachbereiches. Da werden keine Ausnahmen gemacht.

      Und nichts für ungut, aber der Hinweis auf den Beamtenstand kotzt mich gerade an. Die mit großem Abstand meisten Kollegen bei uns stehen im Angestelltenverhältnis. Selbst die jüngeren Außenstellenleiter. Es gibt keinerlei besonderen Rechte. Wir zahlen alle Sozialabgaben und Steuern. Es gelten die gleichen Rechte und Pflichten, wie in der freien Wirtschaft. Von bestimmten Tätigkeiten wird stillschweigend erwartet, daß man sie in seiner Freizeit macht. Unentgeltlich. Alles andere, was die oft erwähnte Privilegien des öffentlichen Dienstes erwähnt, ist saublödes Stammtischgelaber von denen, die es nicht wahrhaben wollen, daß die Konditionen in weiten Teilen des öffentlichen Dienstes mittlerweile derart sind, daß man Leistungen wie in der freien Wirtschaft zu erbringen hat, ohne allerdings deren Möglichkeiten zu haben. Es mag noch Inseln der Glückseligkeit geben, in denen es anders zugeht. Aber auch die verschwinden.

      Herr Bäcker ist kein Beamter, genauso wie ich auch keiner bin. Man kann ihn unter den gleichen Bedingungen kündigen wie jeden Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft auch. Daß er noch bei uns ist liegt alleine daran, daß der zuständige Fachbereichsleiter die Hosen voll hatte. Er fürchtete, daß man sich im Fall einer Nichtbefürwortung der Weiterbeschäftigung Herrn Bäckers aus der Hauptverwaltung auf die Meinung versteifen würde, wir wollen einfach kein Personal haben oder uns nicht der Aufgabe stellen, uns um den Nachwuchs zu kümmern. Ob dies so gekommen wäre, lasse ich dahingestellt. Möglich wäre es durchaus.

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  3. *höhö*
    Vielleicht kann man dann in Kingdom Haerts MXII Leia, Obiwan oder Darth Vader betrachten... und das Schlüsselschwert wird zum Laserschwert. Und man kann Jar Jar Bings auf den Schnabel hauen. Hach allein dafür wäre es es wert, wenn Padme und Leia zur Disneys Prinzessinnen werden würden *höhö*

    Nebenbei hört sich dein Herr Bäcker wie meine Vivi an.

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    1. Tauschen? Bei Frauen besteht die Hoffnung auf Schwangerschaft und das nachfolgende langjährige Ausscheiden aus der Arbeitswelt. Und nein, das ist nicht sexistisch. Das ist die Realität.

      (Bin ich gerade in Rage? Ja, mal wieder. Kommt gerade häufiger vor und hat nichts mir dir zu tun)

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    2. (Mach dir keine Sorgen, ich verstehe deinen Unmut. Siehe das, was außerhalb der Klammern steht.)

      Da kommst du leider zu spät. Vivi ist bereits Schwanger. Und sie schied sehr unkollegial aus deswegen. Also nicht im Sinne "ich mach so lange wie ich kann und was ich kann, damit wir eine neue Kollegin einarbeiten können"* sondern "Ich behaupte einfach ich müsste ich 10 Tagen eine neue Stelle antreten und erbitte eine kurzfristige Kündigung entgegen der Konditionen, die mein Vertrag festlegt und komme damit auch noch durch". Lediglich den MFAs hat sie zwei Tage vor ihrem Weggang gesagt, dass sie schwanger ist (auch wenn wir es vorher vermutet haben) - die Chefs haben es dann im nach hinein durch uns erfahren.

      *=So lange wie und was ich kann bezieht Risikoschwangerschaften mit ein. Wenn der Gyn sagt "jetzt ist Schluss", dann ist es halt so. Da kann keiner was für. Nicht Jede kann bis zum Mutterschutz arbeiten und es ist okay. Und hey... wir sind MFAs. In unserem Berufsstand arbeiten gefühlt 98% Frauen. Wir sind es gewohnt schwangere Kollegen mit durchzuziehen. Selbst wenn man so ein Kindernazi wie ich ist.
      Das trifft aber auf Vivi nicht zu.

      (oder mit anderen Worten: du hast mein vollstes Verständnis und ich bin gerade auch häufiger in Rage und auch as hat mit dir nichts zu tun. :) )

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    3. Warum kündigt man, wenn man schwanger ist?
      *grad-auf-dem-Schlauch-steh*

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    4. Man kündigt nicht, man geht in Elternzeit. Das hält man ganz lange durch. Bis zu einem Jahr machen die Kollegen dann erst mal Vertretung, weil die Stelle nicht nachbesetzt wird. Und auch nicht könnte, weil der geeignete Personalnachwuchs nicht fünf Jahre vorher bestellt wurde. Danach verlängert man die Elternzeit, und die Behörde beginnt, sich um Personal zu kümmern. Kann dauern, die Kollegen machen so lange Vertretung. Nix mit Zeitarbeitern oder so. Schließlich hat sich die junge Mutter entschieden, entweder in Teilzeit zurückzukommen, sich woanders hin zu orientieren oder vom Geld des Ehemannes zu leben, nachdem man festgestellt hat, daß dieses zusammen mit einem Minijob außerhalb der Behörde ausreicht. Oder daß man mit zwischenzeitlich zwei Kindern einfach für ein paar Jahre keine Zeit hat, arbeiten zu gehen und sich später mal was Besseres suchen kann. Alles Erfahrungswerte.

      Natürlich kommen auch viele junge Mütter nach einem Jahr zurück. Und es sind nicht immer die Schlechten. Das will ich gar nicht ausblenden.

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    5. *hust*
      SIE hat gekündigt.
      Nix Elternzeit oder so.
      Wir werden sie auch nicht mehr anstellen.

      @ednong:

      Es fehlte ihr an diversen Verbindungen zwischen den Neuronen. Sie fragte mich, ob ich denn heiraten würde, wenn ich schwanger werden würde. Abgesehen davon, dass ich Kinder nicht mag, würde ich es NICHT tun (zumindest nicht aus diesem Grund). Sie meinte dann, das Kind würde doch dann gemobbt werden in der Schule. Und es wäre ein Bastard. Ja, SIE benutzte dieses Wort.
      Ich war dann dezent beleidigt, weil mein leiblicher Vater meine Mutter verlassen hat, als er erfuhr, dass sie schwanger ist. Das wusste sie nebenbei.

      Was will man von so jemanden erwarten?

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    6. Interessiert es heute echt irgend jemanden, ob die Eltern verheiratet sind oder (noch) zusammenleben? Ich dachte, das hätten wir schon seit Jahrzehnten hinter uns.

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    7. Dem ist auch so für die meisten Menschen.
      Zwar lebe ich als Atheist in einer katholischen Hochburg - aber selbst meine getauften Bekannten setzen Kind nicht mit Heirat voraus. Wie gesagt: sie hatte nicht alle Synapsenverbindungen beisammen.

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    8. Uha,
      also richtig gelesen.
      Nicht alle Synapsen beisammen? Hm, überhaupt welche gehabt, die Verbindung eingegangen sind?

      Man, ich ja echt nicht zu glauben ...

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  4. >>Klick mich<<
    Ist das nicht wieder eher eine Beleidigung für jegliche Kartoffel dieser Welt?!
    Vorallem bin ich der Meinung das Herr Bäcker laut deinen Erzählungen nicht mal den Wissensstand einer kartoffel erreicht. :o)

    LG

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    1. Hat jemand behauptet, das Leben sei fair? Ich nehme mir jetzt die Freiheit heraus, so zu sein wie das restliche Leben. Da müssen die Kartoffeln jetzt eben auch mal durch. Wenn es ihnen nicht gefällt, können sie sich gerne zerreißen und in eine Friteuse werfen. Ich kümmere mich dann um die Verblichenen.

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  5. ... oder sich gerne solange "prügeln" bis sie nur noch eine komplett breiige Masse sind ... und ich sie zu Puffer verarbeiten kann ... lecker mit Appelmus dann.

    Und ja, das Leben ist eins der Härtesten .... nimm Dir ruhig die Freiheit ein Schwein zu sein.

    LG

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  6. Genau so eine "Fachkraft" hatten wir auch mal. Man munkelte, Abi und Staatsexamen (ja, sie war Beamtin) habe sie nur erhalten, weil sie den Verantwortlichen versprach, nie, nie wiederzukommen. Ihr Lieblingssatz lautete "Das hat mir aber niemand gesagt!"... was dazu führte, dass sie jede.Info.schriftlich.gegen.Empfangsbekenntnis bekam... zwei Jahre lang. Jede Arbeitsanweisung für einen Vorgang musste sie schriftlich quittieren. Sie ist uns von den Personalschnappen als Opfer schlechter Einarbeitung im vorigen Amt angekündigt worden, und wir waren wirklich, wirklich gewillt, ihr die Chance zu geben. Aber diese Frau hatte nicht mal den Charme eines leeren Tetrapacks in Bezug auf ihre Kollegen, und abgesehen von ihrer nicht vorhandenen Sachkenntnis hatte sie auch überhaupt kein Talent zum Umgang mit den Bürgern, die das Pech hatten, in ihren Alfabetabschnitt zu fallen. Damals (tm) konnte man diese Intensivbetreuung noch leisten, wenn man das auf viele Köpfe verteilte. Heute? Null Chancen. Meine Geduld und Toleranz wären heutzutage auch exakt null, und ich würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sie versetzt zu kriegen. Nach dem Einsatz bei uns ist sie dann in einen nicht mit Rechtssachen befassten Bereich versetzt, in den mittleren Dienst zurückgestuft und dann schwanger geworden. Die Lebenszeiteigenschaft hat sie erst mit weit über dreißig bekommen, soweit ich weß. Denn Beamte haben eine Probezeit, mindestens bis sie 27 Jahre alt sind, ansonsten ist nix mit Unkündbarkeit, liebe Öffentlicher-Dienst-Prügler. Ich glaube auch, dass im ÖD selbst es komplett ohne Belang ist, ob man Beamter oder Angestellter ist. Wir sitzen alle ohne Beförderungschancen, ohne Überstundenvergütung und ohne berauschende Perspektiven im selben Boot. Und Paterfelis wird es so gehen wie mir: Als ich damals in den ÖD ging, auch weil ich bereits mit Kind Abitur gemacht habe, und die Sicherheit benötigte, haben mich alle die ausgelacht, die der Meinung waren, dass man in den ÖD nur doofe Leute gehen. Heute wird man angefeindet, weil man es ja soo gut hat... Die fünf Leute meines engeren Arbeitsumfeldes haben insgesamt etwas über 5.500 Überstunden, von denen wir keine einzige bezahlt bekommen werden. Angestellte und Beamte. Der einzige Unterschied ist: Die angestellten Kollegen können ein bisschen früher nach Hause gehen, weil die Wochenarbeitszeit zweieinhalb Stunden kürzer ist (bei den Kommunen). Dafür werden wir hier alle noch sitzen, wenn wir uralt und grau sind, weil nämlich so gut wie niemand eingestellt wird, und das schon seit Jahren nicht mehr.

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    1. Volle Zustimmung. Bis auf die Sache mit den Überstunden. Bei uns sind die im Rahmen der gleitenden Arbeitszeit begrenzt auf einen unteren zweistelligen Wert. Dieser wird kalendertäglich überprüft. Bei Überschreiten der Grenze auch nur um eine Minute kommen böse Briefe aus der Verwaltung, die sich monatlich steigern. Das kann Abmahnung und weitere Konsequenzen zur Folge haben. Bleibt also nur, sich auszustempeln und in der Freizeit weiterarbeiten. Oder Akten mit nach Hause nehmen. Beides ist nicht unüblich. Hochgerechnet sind dadurch bei mir schon mehrere Jahresurlaube mit verschenkt worden.

      Und komme mir keiner mit: "Selbst Schuld, wenn kein Personal eingestellt wird. Ihr sorgt ja dafür, daß es klappt." Nein, die Personalbemessung im öffentlichen Dienst funktioniert so nicht. Definitiv nicht.

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