Freitag, 16. Oktober 2015

Klotziges

Wenn ich morgens an der Bushaltestelle warte und hoffe, daß nicht gerade Juri Dienst schiebt, beobachte ich die Zeitungsfrau. Ihr Revier endet an der nächsten Kreuzung, so daß ich nicht von unserer Zeitungsfrau sprechen kann. Was ich ohnehin nicht dürfte, denn wir beziehen gar keine Erzeugnis der Tagespresse.

Die Zeitungsfrau fährt mit ihrem riesigen SUV vor – nein, bitte keine Neiddiskussionen, ich hätte selber gerne so ein sinnloses Teil – parkt ihn am Straßenrand, steigt aus, lässt den Motor laufen, geht drei Häuser weit, um dort Zeitungen loszuwerden, steigt wieder ein, fährt 20 Meter weiter und beginnt das Spiel von Neuem. Hin und wieder macht sie wenigstens die Wagentür zu, während sie unterwegs ist.

Regelmäßig frage ich mich, ob sich das überhaupt lohnen kann. Der Wagen ist doch ein Spritfresser, und Zeitungsausträger gehören nach meinem Stand der Dinge nicht unbedingt zu den Topverdienern. Aber gut, nicht meine Sache.

Im Büro tauschte ich mich mit Helga darüber aus und merkte dabei an, daß die Zeitungsfrau auch nur ein Dreikäsehoch sei und noch nicht mal über das Dach eines normalen PKWs schauen könnte, geschweige denn über das Dach ihres SUV-Schlachtschiffes. Was im Übrigen in Kombination genauso bescheuert aussieht wie ich, wenn ich mich in einen Smart Roadster zwänge. Und ich weiß, wovon ich spreche. Ist aber eine andere Geschichte.

Helga gehört ebenfalls zu den zu kurz gekommenen. Zumindest was Körperhöhe angeht.

„Ach, Paterfelis, das ist doch gar nichts. Früher im Osten haben die mich auch damit aufgezogen. Meine Eltern hatten einen Wartburg. Und immer, wenn ich den fahren wollte, hat mir irgendeiner erklärt, daß ich mit doch lieber Holzklötze an die Schuhe binden sollte, um an die Pedale zu kommen.“

Hmmm, wie macht die Zeitungsfrau das eigentlich? Da muß ich mal genauer hinsehen.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen